Archiv für den Tag 18/02/2007

Guanyin – Kannon

Hast Du Dich vielleicht Mal gefragt, weshalb Tie Guanyin so heisst?

Was ist bzw. wer ist Guanyin?

 

Guanyin, ist das Synonym der Helfer im Leben für jeden Chinese (Koreaner und Japaner). In meiner Kindheit rezitierte meine kranke Großmutter oft Sutras von Guanyin. Sie rief oft Guanyin, als das Rheuma sie quälte und jämmerlich in die schlaflosen Nächte trieb. Guanyin, ein Abbild am meinen Familiealtar, uns gültig, lieb und friedlich schaute, begleitet uns jeden Tag. Guanyin, ein Statue im Tempel, hat tausenden Ärmer, Ohren und Augen. Sie sieht, hört und hilft Dir, wenn Du sie rufst. Für die kleinen nicht erleuchteten Menschen ist Guanyin die helfenden Stütze des leidvollen Lebens. Guanyin, Sieht – Guan und hört – Yin.

 

Im Kleinasien sollte sie als Prinzessin geboren sein. In Indien war „sie“ eigentlich ein Mann. In China ist die weibliche mütterliche Figur, die alle Menschen in Not helfen. Eigentlich ist „sie“ ein buddhistischer Boddhisattva, der die kharmischen Ketten der menschlichen Handlung auflöst, ins Nirvana zurückkehrt, aber beschließt, wieder in die menschliche Welt zu gehen, um Menschen auf dem Weg der Befreiung zu helfen. Nur nach eigener Befreiung zu suchen, Buddha zu werden, will ein Buddhisattva nicht. Er kann Menschen in ihrem Leiden und Verwirrung nicht zusehen und möchte alle helfen, zum wahren Glück zu bringen. In der einfachen Welt des chinesischen Alltags wird nicht viele spirituelle Entwicklung diskutiert oder intellektuelle religiöse Dialoge durchgeführt. Fremde Kultur wird nicht vergöttert oder verteufelt, sondern einfach integriert (Buddhismus ist eine fremde Religion aus Indien). Menschen suchen einfache Hilfe, um Glück zu finden. Guanyin wird im Alltag als Göttin verklärt und vergöttert, obwohl Götter im Buddhismus keine Rede und keine Rolle spielen! „Sie“ wird verehrt, angebettet und abgebildet bis in die moderne Welt.

 

Heute fing eine Ausstellung von Guanyin – Kannon auf Japanisch in Zürcher Rietberg Museum an. Auf dem Plakat stand „Göttliches Mitgefühl“. Das Mitgefühl ist nichts Göttliches, sondern aus dem Geist eines erleuchteten Menschen, der anstatt seinem persönlichen Erlös sucht, auf die phänomenale Welt zurückkehrt, alle andere Menschen auf Weg hilft! Vielleicht meint das Museum somit mehr Menschen anzusprechen. Vielleicht kommen Menschen ins Museum wegen der fremden Kunst und Ästhetik. Aber das mitgefühlsvolle Guanyin – Kannon sehen, hören und helfen Menschen, die in ihrer Verblendung stecken und zu ihr kommen. Sehen und hören Zuschauende vielleicht durch die Bewunderung der Ästhetik und Gestaltung auch den Ausdruck des Mitgefühls, was der Künstler damals darzustellen versuchte?

 

Wei Yin, ein einfacher Teebauer in Fujian (oder Wang Shiliang) entdeckte Ende des 18. Jahrhunderts einen wunderbaren Oolongtee. Um seine Dankbarkeit auszudrücken, nannte er diesen Tee „Guanyin“. Dieser Tee liegt schwer wie Eisen – Tie in der Hand. Darum gab er dem Tee den ganzen Name: Tie Guanyin. Dieser Tee erzählte uns von einem einfachen frommen Teebauer in Südchina, der aus seinem bescheidenen Alltag diese Welt verstand, anstatt nach seinem eigenen Name zu nennen und versuchte, etwas zurückzugeben. Eiserne Mitgefühls-Boddhisattva tröstet heute tausende Seele in ihrem bunten oder eintönigen Alltag!

 

Kannon – Göttliches Mitgefühl

KannonFrühe buddhistische Kunst aus Japan

Neubau Museum Rietberg
18. Februar bis 9. April 2007

Mit dieser Ausstellung feiert das Museum Rietberg Zürich die Eröffnung seines Neubaus.