Archiv für den Tag 06/02/2007

Kencha mit Ulrich Haas

Was ist Zen? Was ist Tee? Weshalb spricht man über „Zazen Ichimi“? (Zen und Tee haben den gleichen Geschmack) Muss Teezeremonie den Zengeist beinhalten? Muss ein Chajin ( ein Teeweg praktizierende) Zen praktizieren? Teemeister Haas sprach am Samstag den 3.2. in Zürich über diese Thematik. Er vertrat sogar diese Ansicht: Tee ohne Zen wäre wie eine Blume ohne Duft.

„Was ist Zen?“ fragte ein junger Mann aus Deutschland, der freiwillig in dem japanischen Kloster zurückzog und nach der Antwort seines Lebens suchte, seinen Meister im Garten. Sein Meister schaute ihn erstaunt an und schüttelte seinen Kopf. Einen Tag später fragte sein Meister den jungen Mann: „Haas! Wo bist Du?“ „Ich bin hier!“ Der Meister schüttelte wieder seinen Kopf und ließ seinen Schüler verwirrend stehen. Einen Tag später wiederholte der Meister und verließ wiederum im Verschweigen. Diese gleiche Szene wiederholte sich jeden Tag. Der junge Schüler wurde zunehmend wütend über dieses Spiel seines Meisters. Seine Antwort wurde nicht geantwortet und er selbst geriet in einer verlegenen Situation. Eines Tages passierte der Meister gewöhnlich wieder den Garten und schrie „Haas! WO BIST DU!?“ Der junge Haas konnte sich nicht mehr zurückhalten und schrie zurück “ WAS für eine blöde Frage!“ Der Meister lachte und sagte, „Ach, es besteht wohl noch Hoffnung!“

Mit einfühlsamen Wörtern erzählte Meister Haas uns über seine eigenen Erfahrungen, wie er im Kloster lebte und von Zen erlebte. Seine humorvolle Schilderung und ehrliche Berichte erreichten die Herzen der Anwesenden. Er praktiziert Tee, er kann über Tee lachen. Er kennt die Formalismus des Tees und Fixierung der Techniken der Chajin. Der Tee verliert immer mehr seine Essenz und wird zunehmend zur Perfermanz! Er praktiziert Zazen (Zen-übungen). Er erzählte uns von Zengestank! Obwohl wir im Zen von Absichtslosigkeit und Loslassen sprechen, können viele Zen-Menschen sich nicht vergessen, etwas besonders sein zu wollen. Dass Passieren ohne Spuren hinterzulassen, wird oft zu tausende Bücher und Rede verwandelt…

Für Buddha wurde eine Schale Tee eingereicht. Diese Art von Teezubereitung bezeichnen wir als Kencha. Seine Bewegung war ruhig, seine Atmung war leise und sein Gesicht war entspannt. Jede Bewegung, jede Schritt floss in eine andere. Jede Handlung schloss eine nächste ein. Wir spürten den Fluss seine Bewegung, wir weilten in der Ruhe und gleichzeitig im Geschehen. Wir wurden berührt durch die Natürlichkeit und Eleganz einer jahrhunderten alten Tradition! Eine Zeremonie wird erst zur Zeremonie, wenn die Bewegung und Atmosphäre nicht mehr natürlich erscheinen. „Es geht nur um Tee trinken und zubereiten.“

Buddha war der Suchende vor uns, der nach Befreiung des Leidens suchte. Buddha war der Erleuchtete, der uns über die bedingte Entstehung des Leidens verkündet. Ursache und Bedingungen führen zur Handlung, die wiederum Handlungsketten hervorrufen. Unsere Probleme in der Welt – sei es Klimawandel, sei es religiöse Konflikte, sei es Generationsstreit – sind Belege dieser Lehre! Oft werden erleuchtete Menschen verklärt und viele machen damit ihr Geld – das manifestiert sich durch den Zulauf der Esoterik Szene. Was ist Erleuchtung?

„Was ist Erleuchtung?“ fragte der junge Haas seinen Meister wieder und dachte, dass es wieder ein komisches Spiel anfing. Sein Meister holte ihn in seinem Zimmer und sagte im allen Ernst „Ich weiß auch nicht.“ Er erklärte ihn, was er mit seinem hohen Alter vielleicht etwas verstand, was Erleuchtung sein könnte. Der Weg zur Erleuchtung führt in seiner Zen-Schule nicht an die Übungen von Wumenguan vorbei. Erleuchtung ist wie ein Ort, wo keine Tür und keinen Weg dorthin führt. Man muss durch eine „Nicht-Tür“ den Ort betreten. Dieses „Nicht Tür“ ist Wumen. Dieser Zustand vor einer „nicht-Tür“ zu stehen und nicht in die „Tür – Erleuchtung“ eintreten zu können ist Wumenguan – der Pass der Nicht Tür. „Manchmal öffnet sich diese Tür eine kleine Spalte, wenn ich manchmal eine Erfahrung mache und erlebe. Ich kann etwas hinter dieser Tür schnuppern. Man weiß, dass es so etwas gibt. Man weiß, dass etwas noch dahinter stecken kann. Diese Spalte verschließ sich allerdings wieder.“ Aber das, was man ein bisschen geschnuppert hat – durch die kleine Spalte, die sich immer öffnet und verließ, macht einen so friedlich und glücklich. „Vielleicht weiss ich, was Erleuchtung ist, wenn ich Tod bin.“ Der junge Haas prägte die ehrlichen und klaren Wörter seines Meisters tief in ihm und erzählte uns am Samstag weiter. Wir wurde zutiefst beeindrückt von seine Mitteilung und glauben, plötzlich diese Spalte im unseren Leben gesehen und zugleich im Hier und Jetzt gespürt zu haben!

Mumenguan Das Buch Wumenguan für jeden, der Zen paktzieren will.

Ich realisierte, weshalb Tee einen wichtigen Bestandsteil meines Lebens geworden ist. Ein Leben ohne Tee – wie eine Blume ohne Duft. Im Tee bin ich nahe an diese Spalte.