Archiv für den Monat Februar 2007

Grüner Tie Guanyin und brauner Tie Guanyin 2

Grün Tie Guanyin

Wir könnten ebenfalls von dem Foto erkennen, dass dieser Tie Guanyin kaum fermentiert ist. Er hat nicht die klassiche Beschreibung von Frosch-Farbe und glänzt eine spuren von leichtem weissen Schicht – es sind Merkmale von besten Tie Guanyin.

Weshalb diese weisse Schicht? Das bedeutet richtige Herstellung: die Aromen haften am Blatt und können besser im Aufguss entfaltet werden -gelungene Prozesse von Rollen und Rösten. Um das Rollen richtig zu gelingen muss das Pflückgut reif genug sein und genügend gewelkt und fermentiert. Um das Rösten richtig zu vollziehen braucht der Teemeister eine richtige Nase und gute Augen! Die meisten Tees werden zu stark geröstet – so dass sie „tot“ sind…

Grüner Tie Guanyin und brauner Tie Guanyin

Aufguss Tie Guanyin Kira

Von diesem Foto können wir erkennen, wie „grün“ bzw. wie hell der grüne Tie Guanyin (Foto links) aussieht. Das ist kaum noch als Tie Guanyin zu erkennen. Dagegen sieht der nach Tradition hergestellte Tie Guanyin richtig anders als.

Man würde vielleicht fragen, ob es zwei verschiedene Tees sind? Wozu unter der gleichen Bezeichnung zu verkaufen?

Der grüne Tie Guanyin kommt erst seit 90er Jahren auf den Markt. Das ist eine Antwort auf den Trend des Weltmarktes. In meiner Literatur, die klassische Tie Guanyin beschreiben, findet man kaum Wörter über diese neue Gattung von Tie Guanyin.

Suzannes Degustation zwei Tie Guanyin

Heute hat Suzanne mir einen Bericht von ihrer Degustation geschrieben:

Liebe Menglin,

heute habe ich mich entschlossen, mal wieder einen Teevergleich zu machen.

Und zwar habe ich mir 2 meiner Tie Guan Yin  vorgenommen – den einen,
von dem ich schon im Blog schrieb (der sehr grün ist, und etwas
Balsamisches hat!), und den von Stéphane, einen sehr stark gerösteten Tee.

Anbei erstmal die Bilder: man sieht, wie unterschiedlich die Tees sind.
Der dunkle ist schon beim ersten Aufguß ganz braun, das verstärkt sich
dann später noch mehr. Der Tabak- und Kohlegeschmack ist sehr präsent,
auch Karamel und kandierte Frucht (dennoch ist der Tabakgeschmack
dominant, ebenso wie der ein bisschen verkohlte Geschmack).

Der grüne Tie Guan Yin ist allerdings sehr vollmundig – mit dem modernen
Geschmack… aber nicht so adstringent wie manchmal dieser neue Tee.
Aber er schmeckt auch ein bisschen künstlich… ich weiss nicht, wie ich
es ausdrücken soll.

Der dunkle TGY ist, glaube ich, ein bisschen zu stark geröstet. Der
Geschmack der kandierten Frucht geht dabei etwas verloren… der grüne
TGY hat keinen rötlichen Rand, daher denke ich ist die Röstung nicht
ganz perfekt. Man merkt es auch im Geschmack und im Geruch.

Aber egal – beide Tees sind sehr interessant, da sie jeweils ein Extrem
des TGY darstellen. Sie schmecken beide gut, auch wenn sie vielleicht
nicht absolut perfekt sind (es ist ja auch immer Geschmackssache). Ich
persönlich hätte gern etwas mehr „kandierte Frucht“ und weniger
Tabakaroma im Tie Guan Yin.
Jedenfalls kann man viel über Tie Guan Yin an den beiden Tees lernen!

Schreib mir doch mal Deine Adresse in Zürich – dann kann ich Dir eine
kleine Probe senden! Ich wäre gespannt auf  Deine Beurteilung.

Dazu hat sie noch zwei Fotos zugeschickt. Durch das Foto könnten wir einige Merkmals beiden Tees erkennen. Siehe nächsten Beitrag.

Ich möchte mich herzlich bei Suzanne bedanken. Ohne Ihre Fotos hätte ich viele wichtige gesichtspunkte nicht erörtern können! Ich kann wirklich nicht so gut fotographieren wie sie. Darum sehen alle Fotos von entweder zu dunkel oder… gar nicht scharf.

Tie Guanyin

Tie Guanyin

Eigentlich war ich nicht ganz zufrieden mit der klassichen Degustier-Set. Der Tee kommt nicht wirklich zur Geltung.

Als ich ihn allein trank – mit meinem Gongfu-Set: Porzellankanne und Porzellan-aufgusskanne, war er entzückend! Eine Kombination von Tiefe und Eleganz, Leichtigkeit und Solide, bezaubernd und besinnend! Eine gelungene Kombination von Tie Guanyin – ein schwer gerösteter Oolong, und Hochlandstee – eigentlich eher leichte Fermentation. Er schmeckt leicht, aber ist solide produziert!

Ich bewundere diesen Teebauer in Taichung, der diesen unglaublich schönen Tee hervorgebracht hat! Er zeigt uns, dass Tee-Machen eben eine Kunst ist! Ebenfalls danke ich den Teehändler, der diesen Tee die Farbe verlieh – durch seine Kunst in der Röstung! Tee spricht für sich – mehr muss ich nicht dazu sagen. Voller Dankbarkeit trank ich diesen Tee und hoffe, dass diese Kunst nicht durch die kapitalistische Marktwirtschaft, Ideologie und Massenproduktion verloren geht! Eine Kunst braucht eben auch Kenner… Kenner kann es nur geben durch Bildung und Mut auszuprobieren.

Das Bild: Guanyin Statue in Ruifang, Taiwan.

Degustation von Tie guan yin

Degustation von Tie guan yin

Aus meiner letzten Heimreise brachte ich einen besonderen seltenen Hochland Tie Guanyin. Im November 2006 schnitt ich den vakuumierten Beutel und trank mit Kathrin und Gerhard zusammen. Damals fiel er nicht besonders auf und lag seitdem in der Vergessenheit im Schrank. Letzte Woche wurde er wieder fündig, aber ich konnte ihn nicht gleich entziffern, wer er ist. Nach dem Aufguss erinnerte er mich plötzlich an Tie Guanyin – aber eine besondere Note war nicht leicht zu erraten. Leicht, elegant und frisch… Ein Hochlandstee, der ein Tie Guanyin ist!

Heute goss ich zwei Tie Guanyin auf: aus Muzha und aus Hochland.

Die Farbe: der Aufguss von Muzha ist in einer fast Kastanien-Farbe; während der aus Hochland in einer goldenen gelblichen Farbe.

Die aufgegossenen Blätter: Blätter von Muzha sehen olivgrün aus mit einem schönen roten Rand. Sie sind stark, noch eher grollt und im Finger leicht gewellt – wirklich originale Tie Guanyin Baum. Blätter von Hochland: Blätter sehen grüner als die von Muzha aus, jedoch mit dem eindeutigen roten Rand – gelungene Fermentation. Blätter entfalten sich ziemlich gut – wenig geröstet als der andere und ebenfalls gelungen Röstung. Die Blätter fühlen sich ledrig und fleischig – ein wirklicher Hochlandstee! Im Finger spürte ich die Wellen am Blatt – ein wirklicher originaler Tie Guanyin Baum!

Der Aufguss:

Muzhsa Tie Guanyin schmeckte wirklich leicht nach Tabak – süss, voll und aromatisch. Er schmeckte auch nach einer reifen Frucht, aber vollmundig! Eine süsse, volle und eher schwere Art von Oolong, aber eine nach der Tradition verarbeitete hervorragende Tee! Dieser Tie Guanyin eignet sich sehr gut zum Lagern. Man kann ihn Jahr für Jahr probieren und eine Entwicklung feststellen – zugleich wohl auch eine Reise nach innen – wie man sich selbst auch verändert.

Hochland Tie Guanyin brauchte ebenfalls Zeit, um sich zu entfalten. Nach zwei Monaten ruhen kommt er erst zum Ausdruck. Das Phänomen habe ich oft beim vakuumierten Tee festgestellt. Direkt nach der Öffnung schmeckt der Tee fade und launisch. Erst nach paar Tagen, sogar Wochen lernen wir ihn kennen! Der Aufguss schmeckte sanft, mild und lieblich. Er hinterließ ein Hauch von Pfirsich auf dem Gaumen.

Nach einer Stunde trank ich noch einmal die beiden Tees. Sie schmeckten immer noch sehr gut. Einer tränkt mich in einem Bad voller „Tabak“ oder „Wald“; der andere beduftet meinen ganzen Gaumen und Sinnen…

 

Bild rechts: Muzha Tie Guanyin; links Hochland Tie Guanyin.

Eine Degustation mit verschiedenem Wasser

Eine Degustation mit verschiedenem Wasser

Ich habe den schönen Dong Ding Oolong Jahrgang 1981 mit verschiedenem Wasser zwei Male aufgegossen. Einmal waren wir mit Herrn Dr. Schiltknecht, ebenfalls mit Bestwater und normalem zürcher Leitungswasser.

Das Ergebnis war interessant:

Duft: der Duft des Tees kommt bei BestWater tatsächlich besser zum Ausdruck. Es duftet feiner und sauberer. Der typische Duft eines gut gelagerten Oolongs kommt sehr gut zur Geltung: Pflaumig, Caramelartig und süsslich. Beim Leitungswasser duftet es schwerer und undifferenzierter.

Aufguss: Die Farbe ist beim BestWater tatsächlich viel heller.

Der Geschmack: der Tee mit dem Bestwater schmeckt „sauber“. Der pflaumige Note kommt sehr gut zur Geltung, aber dieser Tee schmeckt mir fremd. Er ist anders als ich gewöhnt bin – bzw. es ist ein anderer Tee. Dagegen schmeckt der ee mit Leitungswasser wie der Oolong, den ich kenne – klar ich giesse ja immer mit dem normalen ungefilterten Wasser… Er schmeckt lieblich, voll und tief.

Was ist besser? Ich kann diese Antwort nicht richtig beantworten. Bestwater als Grundlage zu nehmen bedeutet für mich eine neue Zubereitungsmethode zu entdecken. Andere Menge, andere Ziehzeit und anders schmecken. Er schmeckt zudem zu „sauber“ für mich. Ausserdem haben die wenigen Menschen diese teuere Anlage. Wie sollte ich den Teeblog noch schreiben, wenn die meisten Teefreunde ein anderes Wasser haben?

Das Bild: eine Degustation mit Bestwater (links) und Leitungswasser (rechts). Der Tee ist Formosa Dongding Oolong 1981. In diesem Bild kommt der Kontrast von beiden Wasser leider nicht richtig zur Geltung. Ich entschuldige mich für mein Ungeschick des Fotographierens.