Archiv für den Monat Februar 2007

Tie Guanyin

Tie Guanyin

Eigentlich war ich nicht ganz zufrieden mit der klassichen Degustier-Set. Der Tee kommt nicht wirklich zur Geltung.

Als ich ihn allein trank – mit meinem Gongfu-Set: Porzellankanne und Porzellan-aufgusskanne, war er entzückend! Eine Kombination von Tiefe und Eleganz, Leichtigkeit und Solide, bezaubernd und besinnend! Eine gelungene Kombination von Tie Guanyin – ein schwer gerösteter Oolong, und Hochlandstee – eigentlich eher leichte Fermentation. Er schmeckt leicht, aber ist solide produziert!

Ich bewundere diesen Teebauer in Taichung, der diesen unglaublich schönen Tee hervorgebracht hat! Er zeigt uns, dass Tee-Machen eben eine Kunst ist! Ebenfalls danke ich den Teehändler, der diesen Tee die Farbe verlieh – durch seine Kunst in der Röstung! Tee spricht für sich – mehr muss ich nicht dazu sagen. Voller Dankbarkeit trank ich diesen Tee und hoffe, dass diese Kunst nicht durch die kapitalistische Marktwirtschaft, Ideologie und Massenproduktion verloren geht! Eine Kunst braucht eben auch Kenner… Kenner kann es nur geben durch Bildung und Mut auszuprobieren.

Das Bild: Guanyin Statue in Ruifang, Taiwan.

Degustation von Tie guan yin

Degustation von Tie guan yin

Aus meiner letzten Heimreise brachte ich einen besonderen seltenen Hochland Tie Guanyin. Im November 2006 schnitt ich den vakuumierten Beutel und trank mit Kathrin und Gerhard zusammen. Damals fiel er nicht besonders auf und lag seitdem in der Vergessenheit im Schrank. Letzte Woche wurde er wieder fündig, aber ich konnte ihn nicht gleich entziffern, wer er ist. Nach dem Aufguss erinnerte er mich plötzlich an Tie Guanyin – aber eine besondere Note war nicht leicht zu erraten. Leicht, elegant und frisch… Ein Hochlandstee, der ein Tie Guanyin ist!

Heute goss ich zwei Tie Guanyin auf: aus Muzha und aus Hochland.

Die Farbe: der Aufguss von Muzha ist in einer fast Kastanien-Farbe; während der aus Hochland in einer goldenen gelblichen Farbe.

Die aufgegossenen Blätter: Blätter von Muzha sehen olivgrün aus mit einem schönen roten Rand. Sie sind stark, noch eher grollt und im Finger leicht gewellt – wirklich originale Tie Guanyin Baum. Blätter von Hochland: Blätter sehen grüner als die von Muzha aus, jedoch mit dem eindeutigen roten Rand – gelungene Fermentation. Blätter entfalten sich ziemlich gut – wenig geröstet als der andere und ebenfalls gelungen Röstung. Die Blätter fühlen sich ledrig und fleischig – ein wirklicher Hochlandstee! Im Finger spürte ich die Wellen am Blatt – ein wirklicher originaler Tie Guanyin Baum!

Der Aufguss:

Muzhsa Tie Guanyin schmeckte wirklich leicht nach Tabak – süss, voll und aromatisch. Er schmeckte auch nach einer reifen Frucht, aber vollmundig! Eine süsse, volle und eher schwere Art von Oolong, aber eine nach der Tradition verarbeitete hervorragende Tee! Dieser Tie Guanyin eignet sich sehr gut zum Lagern. Man kann ihn Jahr für Jahr probieren und eine Entwicklung feststellen – zugleich wohl auch eine Reise nach innen – wie man sich selbst auch verändert.

Hochland Tie Guanyin brauchte ebenfalls Zeit, um sich zu entfalten. Nach zwei Monaten ruhen kommt er erst zum Ausdruck. Das Phänomen habe ich oft beim vakuumierten Tee festgestellt. Direkt nach der Öffnung schmeckt der Tee fade und launisch. Erst nach paar Tagen, sogar Wochen lernen wir ihn kennen! Der Aufguss schmeckte sanft, mild und lieblich. Er hinterließ ein Hauch von Pfirsich auf dem Gaumen.

Nach einer Stunde trank ich noch einmal die beiden Tees. Sie schmeckten immer noch sehr gut. Einer tränkt mich in einem Bad voller „Tabak“ oder „Wald“; der andere beduftet meinen ganzen Gaumen und Sinnen…

 

Bild rechts: Muzha Tie Guanyin; links Hochland Tie Guanyin.

Eine Degustation mit verschiedenem Wasser

Eine Degustation mit verschiedenem Wasser

Ich habe den schönen Dong Ding Oolong Jahrgang 1981 mit verschiedenem Wasser zwei Male aufgegossen. Einmal waren wir mit Herrn Dr. Schiltknecht, ebenfalls mit Bestwater und normalem zürcher Leitungswasser.

Das Ergebnis war interessant:

Duft: der Duft des Tees kommt bei BestWater tatsächlich besser zum Ausdruck. Es duftet feiner und sauberer. Der typische Duft eines gut gelagerten Oolongs kommt sehr gut zur Geltung: Pflaumig, Caramelartig und süsslich. Beim Leitungswasser duftet es schwerer und undifferenzierter.

Aufguss: Die Farbe ist beim BestWater tatsächlich viel heller.

Der Geschmack: der Tee mit dem Bestwater schmeckt „sauber“. Der pflaumige Note kommt sehr gut zur Geltung, aber dieser Tee schmeckt mir fremd. Er ist anders als ich gewöhnt bin – bzw. es ist ein anderer Tee. Dagegen schmeckt der ee mit Leitungswasser wie der Oolong, den ich kenne – klar ich giesse ja immer mit dem normalen ungefilterten Wasser… Er schmeckt lieblich, voll und tief.

Was ist besser? Ich kann diese Antwort nicht richtig beantworten. Bestwater als Grundlage zu nehmen bedeutet für mich eine neue Zubereitungsmethode zu entdecken. Andere Menge, andere Ziehzeit und anders schmecken. Er schmeckt zudem zu „sauber“ für mich. Ausserdem haben die wenigen Menschen diese teuere Anlage. Wie sollte ich den Teeblog noch schreiben, wenn die meisten Teefreunde ein anderes Wasser haben?

Das Bild: eine Degustation mit Bestwater (links) und Leitungswasser (rechts). Der Tee ist Formosa Dongding Oolong 1981. In diesem Bild kommt der Kontrast von beiden Wasser leider nicht richtig zur Geltung. Ich entschuldige mich für mein Ungeschick des Fotographierens.

Kencha mit Ulrich Haas

Was ist Zen? Was ist Tee? Weshalb spricht man über „Zazen Ichimi“? (Zen und Tee haben den gleichen Geschmack) Muss Teezeremonie den Zengeist beinhalten? Muss ein Chajin ( ein Teeweg praktizierende) Zen praktizieren? Teemeister Haas sprach am Samstag den 3.2. in Zürich über diese Thematik. Er vertrat sogar diese Ansicht: Tee ohne Zen wäre wie eine Blume ohne Duft.

„Was ist Zen?“ fragte ein junger Mann aus Deutschland, der freiwillig in dem japanischen Kloster zurückzog und nach der Antwort seines Lebens suchte, seinen Meister im Garten. Sein Meister schaute ihn erstaunt an und schüttelte seinen Kopf. Einen Tag später fragte sein Meister den jungen Mann: „Haas! Wo bist Du?“ „Ich bin hier!“ Der Meister schüttelte wieder seinen Kopf und ließ seinen Schüler verwirrend stehen. Einen Tag später wiederholte der Meister und verließ wiederum im Verschweigen. Diese gleiche Szene wiederholte sich jeden Tag. Der junge Schüler wurde zunehmend wütend über dieses Spiel seines Meisters. Seine Antwort wurde nicht geantwortet und er selbst geriet in einer verlegenen Situation. Eines Tages passierte der Meister gewöhnlich wieder den Garten und schrie „Haas! WO BIST DU!?“ Der junge Haas konnte sich nicht mehr zurückhalten und schrie zurück “ WAS für eine blöde Frage!“ Der Meister lachte und sagte, „Ach, es besteht wohl noch Hoffnung!“

Mit einfühlsamen Wörtern erzählte Meister Haas uns über seine eigenen Erfahrungen, wie er im Kloster lebte und von Zen erlebte. Seine humorvolle Schilderung und ehrliche Berichte erreichten die Herzen der Anwesenden. Er praktiziert Tee, er kann über Tee lachen. Er kennt die Formalismus des Tees und Fixierung der Techniken der Chajin. Der Tee verliert immer mehr seine Essenz und wird zunehmend zur Perfermanz! Er praktiziert Zazen (Zen-übungen). Er erzählte uns von Zengestank! Obwohl wir im Zen von Absichtslosigkeit und Loslassen sprechen, können viele Zen-Menschen sich nicht vergessen, etwas besonders sein zu wollen. Dass Passieren ohne Spuren hinterzulassen, wird oft zu tausende Bücher und Rede verwandelt…

Für Buddha wurde eine Schale Tee eingereicht. Diese Art von Teezubereitung bezeichnen wir als Kencha. Seine Bewegung war ruhig, seine Atmung war leise und sein Gesicht war entspannt. Jede Bewegung, jede Schritt floss in eine andere. Jede Handlung schloss eine nächste ein. Wir spürten den Fluss seine Bewegung, wir weilten in der Ruhe und gleichzeitig im Geschehen. Wir wurden berührt durch die Natürlichkeit und Eleganz einer jahrhunderten alten Tradition! Eine Zeremonie wird erst zur Zeremonie, wenn die Bewegung und Atmosphäre nicht mehr natürlich erscheinen. „Es geht nur um Tee trinken und zubereiten.“

Buddha war der Suchende vor uns, der nach Befreiung des Leidens suchte. Buddha war der Erleuchtete, der uns über die bedingte Entstehung des Leidens verkündet. Ursache und Bedingungen führen zur Handlung, die wiederum Handlungsketten hervorrufen. Unsere Probleme in der Welt – sei es Klimawandel, sei es religiöse Konflikte, sei es Generationsstreit – sind Belege dieser Lehre! Oft werden erleuchtete Menschen verklärt und viele machen damit ihr Geld – das manifestiert sich durch den Zulauf der Esoterik Szene. Was ist Erleuchtung?

„Was ist Erleuchtung?“ fragte der junge Haas seinen Meister wieder und dachte, dass es wieder ein komisches Spiel anfing. Sein Meister holte ihn in seinem Zimmer und sagte im allen Ernst „Ich weiß auch nicht.“ Er erklärte ihn, was er mit seinem hohen Alter vielleicht etwas verstand, was Erleuchtung sein könnte. Der Weg zur Erleuchtung führt in seiner Zen-Schule nicht an die Übungen von Wumenguan vorbei. Erleuchtung ist wie ein Ort, wo keine Tür und keinen Weg dorthin führt. Man muss durch eine „Nicht-Tür“ den Ort betreten. Dieses „Nicht Tür“ ist Wumen. Dieser Zustand vor einer „nicht-Tür“ zu stehen und nicht in die „Tür – Erleuchtung“ eintreten zu können ist Wumenguan – der Pass der Nicht Tür. „Manchmal öffnet sich diese Tür eine kleine Spalte, wenn ich manchmal eine Erfahrung mache und erlebe. Ich kann etwas hinter dieser Tür schnuppern. Man weiß, dass es so etwas gibt. Man weiß, dass etwas noch dahinter stecken kann. Diese Spalte verschließ sich allerdings wieder.“ Aber das, was man ein bisschen geschnuppert hat – durch die kleine Spalte, die sich immer öffnet und verließ, macht einen so friedlich und glücklich. „Vielleicht weiss ich, was Erleuchtung ist, wenn ich Tod bin.“ Der junge Haas prägte die ehrlichen und klaren Wörter seines Meisters tief in ihm und erzählte uns am Samstag weiter. Wir wurde zutiefst beeindrückt von seine Mitteilung und glauben, plötzlich diese Spalte im unseren Leben gesehen und zugleich im Hier und Jetzt gespürt zu haben!

Mumenguan Das Buch Wumenguan für jeden, der Zen paktzieren will.

Ich realisierte, weshalb Tee einen wichtigen Bestandsteil meines Lebens geworden ist. Ein Leben ohne Tee – wie eine Blume ohne Duft. Im Tee bin ich nahe an diese Spalte.

Tee. Nicht nur ein Phänomen

Tee. Nicht nur ein Phänomen
Am einen nebligen Nachmittag machten Antje und ich auf den Weg nach Aarau, um die Ausstellung „Tee. Ein Phänomen“ anzuschauen. Das etwas verschlafene Städtchen versank im Nebel, als wir endlich ankamen. Der Weg zu dem Schlossplatz war unkompliziert und der Empfang war recht herzlich. Ein Eintrittsritual musste vollzogen werden, indem man die Hausschuhe wechseln musste, bevor man die Ausstellung eintrat.
Wir sahen einen Pfad zu Räumen, die allerdings mit Kieselstein gefüllt war. Ich denke sofort an die Steingarten im japanischen Tempel. Sollte ich hier vor dem Pfad kurz meditieren, bevor ich meine „Tee-Reise“ begann? Wir waren recht unsicher und wollten nicht wie ein Barbar verhalten. Antje sagte „Komm´ wir gehen zuerst auf die Toilette!“
Wir trauten uns danach doch auf dem „Kieselstein-Pfad“ zu gehen und befanden uns gleich in dem 1. Raum. Ein etwas kränklich aussehender Teebusch stand Central im Geschehen. Ein Lautsprecher erzählte uns ohne zu verlangen die Entdeckung des Tees und seine Geschichte. Wir sollten mich hier informieren lassen, wie und woher der Tee kommt. In diesem etwas künstlich gestalteten Raum fühlte ich mich nicht ganz wohl und verhielt mich wie ein Barbar – nach 2 Minuten verließ ich den Raum.

Der 2. Raum ist dekoriert mit wunderschönen Teekisten aus Indien. Freundlich und exotisch. Hier sollten Teenamen, Teeformen und Teesorten dem Publikum näher bringen.
In dem 3. Raum standen ein Leinwand und paar Stühle. Das Publikum kann den Tee visuell genießen, wie er aufgegossen wird. Das ist eine interessante Idee, die jeder zu hause praktizieren kann. Wir vernachlässigen diesen Aspekt sehr gerne, indem wir die Ziehzeit des Tees zu gerne nutzen, um gleichzeitig andere Dinge parallel zu erledigen. Wir sahen, wie Teeblätter im Wasser schwammen, tanzten und sich entfalteten. Wir beobachte, wie eine Teeblume ins Wasser fiel, zögerlich seinen Platz suchte – sie schwamm, zögerte und suchte… In nächstem Augenblick erlebten wir, dass sie sank und stehen blieb, als ob sie dort ewig lieben würde… Diese Szenerie erinnerte mich an einem Stück von Peking Oper “ Ba Wang Bie Ji“. Als Xiang Yu, der Rivalen vom Kaiser Liu Bang, keinen Ausweg mehr in seinem gescheiterten Feldzug sah, sang seine Geliebte Yü Ji ihm ein Lied. Sie war die letzte treue Begleiterin, die ihm noch liebte und folgte. Sie verstand, dass ihr Geliebter sich zögerte und sie nur zur Last ihrem Geliebten fiel. Sie sang ein Lied, versuchte ihm aufzumuntern und nahm ihr Leben vor seinen Augen. Er sollte weiter gehen und kämpfen. Er ist ein Held und sie eine fallende Blume. Er hatte noch eine Welt vor sich und sie machte ihm den Weg frei. Sie sang ein Lied und tanzte. Plötzlich schwankte sie, sie fiel nach links und dann nach rechts. Sie suchte nach einem Halt. Sie fand ihn nicht. Sie versuchte sich zu halten und landete am Boden erschöpft. Der Augenblick wurde durch Liebe verewigt. Das Oper verewigt die Liebe.

Zum Schluss landeten wir selbst im 4. Raum, wo wir Tee mit Geschmackssinn erleben durften. Hier durften wir einen Tee zwischen vier verschiedenen Teesorten aussuchen und ihn erleben. Auf den Regalen standen viele alltägliche Teetassen, die im Europa den Tee-Genuss erleichtern. Wer sich für das Phänomen Tee noch mehr interessieren, können sich mittels Bücher, die ebenfalls ausgestellt waren, beim Tee-Erleben weiter vertiefen.
Das Ziel der Ausstellung versucht wohl das Phänomen Tee an Menschen näher zu bringen. Für einen gelegentlichen Teetrinker ist diese Ausstellung ein gelungener Versuch, Oberfläche eines Phänomen Tees zu kratzen. Wer sich einen Extra Weg für eine Tee-Ausstellung machte, fragte sich, wie geht der Weg weiter?