Archiv für den Tag 09/02/2007

Tie Guanyin

Tie Guanyin

Eigentlich war ich nicht ganz zufrieden mit der klassichen Degustier-Set. Der Tee kommt nicht wirklich zur Geltung.

Als ich ihn allein trank – mit meinem Gongfu-Set: Porzellankanne und Porzellan-aufgusskanne, war er entzückend! Eine Kombination von Tiefe und Eleganz, Leichtigkeit und Solide, bezaubernd und besinnend! Eine gelungene Kombination von Tie Guanyin – ein schwer gerösteter Oolong, und Hochlandstee – eigentlich eher leichte Fermentation. Er schmeckt leicht, aber ist solide produziert!

Ich bewundere diesen Teebauer in Taichung, der diesen unglaublich schönen Tee hervorgebracht hat! Er zeigt uns, dass Tee-Machen eben eine Kunst ist! Ebenfalls danke ich den Teehändler, der diesen Tee die Farbe verlieh – durch seine Kunst in der Röstung! Tee spricht für sich – mehr muss ich nicht dazu sagen. Voller Dankbarkeit trank ich diesen Tee und hoffe, dass diese Kunst nicht durch die kapitalistische Marktwirtschaft, Ideologie und Massenproduktion verloren geht! Eine Kunst braucht eben auch Kenner… Kenner kann es nur geben durch Bildung und Mut auszuprobieren.

Das Bild: Guanyin Statue in Ruifang, Taiwan.

Degustation von Tie guan yin

Degustation von Tie guan yin

Aus meiner letzten Heimreise brachte ich einen besonderen seltenen Hochland Tie Guanyin. Im November 2006 schnitt ich den vakuumierten Beutel und trank mit Kathrin und Gerhard zusammen. Damals fiel er nicht besonders auf und lag seitdem in der Vergessenheit im Schrank. Letzte Woche wurde er wieder fündig, aber ich konnte ihn nicht gleich entziffern, wer er ist. Nach dem Aufguss erinnerte er mich plötzlich an Tie Guanyin – aber eine besondere Note war nicht leicht zu erraten. Leicht, elegant und frisch… Ein Hochlandstee, der ein Tie Guanyin ist!

Heute goss ich zwei Tie Guanyin auf: aus Muzha und aus Hochland.

Die Farbe: der Aufguss von Muzha ist in einer fast Kastanien-Farbe; während der aus Hochland in einer goldenen gelblichen Farbe.

Die aufgegossenen Blätter: Blätter von Muzha sehen olivgrün aus mit einem schönen roten Rand. Sie sind stark, noch eher grollt und im Finger leicht gewellt – wirklich originale Tie Guanyin Baum. Blätter von Hochland: Blätter sehen grüner als die von Muzha aus, jedoch mit dem eindeutigen roten Rand – gelungene Fermentation. Blätter entfalten sich ziemlich gut – wenig geröstet als der andere und ebenfalls gelungen Röstung. Die Blätter fühlen sich ledrig und fleischig – ein wirklicher Hochlandstee! Im Finger spürte ich die Wellen am Blatt – ein wirklicher originaler Tie Guanyin Baum!

Der Aufguss:

Muzhsa Tie Guanyin schmeckte wirklich leicht nach Tabak – süss, voll und aromatisch. Er schmeckte auch nach einer reifen Frucht, aber vollmundig! Eine süsse, volle und eher schwere Art von Oolong, aber eine nach der Tradition verarbeitete hervorragende Tee! Dieser Tie Guanyin eignet sich sehr gut zum Lagern. Man kann ihn Jahr für Jahr probieren und eine Entwicklung feststellen – zugleich wohl auch eine Reise nach innen – wie man sich selbst auch verändert.

Hochland Tie Guanyin brauchte ebenfalls Zeit, um sich zu entfalten. Nach zwei Monaten ruhen kommt er erst zum Ausdruck. Das Phänomen habe ich oft beim vakuumierten Tee festgestellt. Direkt nach der Öffnung schmeckt der Tee fade und launisch. Erst nach paar Tagen, sogar Wochen lernen wir ihn kennen! Der Aufguss schmeckte sanft, mild und lieblich. Er hinterließ ein Hauch von Pfirsich auf dem Gaumen.

Nach einer Stunde trank ich noch einmal die beiden Tees. Sie schmeckten immer noch sehr gut. Einer tränkt mich in einem Bad voller „Tabak“ oder „Wald“; der andere beduftet meinen ganzen Gaumen und Sinnen…

 

Bild rechts: Muzha Tie Guanyin; links Hochland Tie Guanyin.