Archiv für den Tag 15/08/2006

Tee und Brasileirinho

Reinhard erzählte mir, dass er sehr gerne den Geschmack des Fancyoolongs mit Aprikose-Duft, der einst lieferbar war und in der Literatur gepriesen wurde, einmal probieren würde. Ich verstehe seine Sehnsucht und versichte ihn diesen Wünsche zu erfüllen. Nach dem er diesen speziellen Oolong degustierte, schrieb er mir, dass er den Teebauer bewundert, wie er dieses Kunstwerk schaffen könnte! Ich schrieb ihm, wahrscheinlich hat dieser Teebauer einfach seinen Vater gefolgt, was der Vater gezeigt hat, wie man einen richtigen Baihao Oolong (Fancy Oolong oder Oriental Beauty) produziert. Der Teebauer hat die Teeblätter einfach Schritt für Schritt verarbeitet, ohne an Mode und Markttrend zu denken. Ein einfacher Teebauer macht seinen Tee einfach nach seiner Tradition. Dadurch entsteht ein großartiger Tee, der jemanden in der Schweiz fast zu weinen bringt…

Film

 

Das ähnliche Erlebnis habe ich gestern im Kino erlebt. Mika Kauriskäki erzählt in „Brasileirinho“ die Geschichte und Lebendigkeit des Choro – die Alltagsmusik von kleinem Volk. Die Musik wurde von Darstellung verschiedener Stars präsentiert. Die künstlerische Fähigkeit des Stars ist beeindruckend und die musikalischen Klänge sind unvergesslich ausgezeichnet. (Mir gefällt trotzdem der Film vom Wim Wenders – Bueno Vista Social Club besser, weil es dort nicht nur Stars zum Wort kommen, sondern der Mensch.) Nicht die filmische Darstellung oder Musikalität mich berührt, sondern das brasilianische Wesen. Ein einfacher armer Schlucker wie meiste in diesem Land, sang über seine Hütte, seine unerfüllte Träume in einfacher Wörter und Melodie von seiner einfachen Poesie. Diese einfache Poesie, die überall in brasilianischen Texten und Lieder zu finden ist, brach mich zu weinen. Diese Poesie ist der große Schatz von Brasil!

Teebauer oder Künstler, die einfach ihrem Werk mit Herz und Fleiß widmen, einfach ihre Arbeit tun, sind heute unser Schätze geworden. Heute geht es um „Neuigkeiten“, „Innovation“, „Wirtschaftlichkeit“ und „Trend“, selbst die „Schlich-heit“ wird inszeniert – geht doch einfach ins super moderne Möbelhaus und beobachte, was „Designer“ uns von „schlich“ und „kalt“ erzählt.

Teetaster Chen wollte, dass ich ihm eine Kücheuhr kaufe. Ich suchte überall in Konstanz nach einer eleganten Kücheuhr – ohne Erfolg. Ich sagte, dass es modern ist, eine Digitaluhr zu haben. Er lachte im Telefon und sagte, er sei ein einfacher Mensch und wollte eine einfache drehbare Kücheuhr. Nun ist es dieser einfache Wünsch schwer zu erfüllen, weil unsere Gesellschaft kompliziert geworden ist und komplizierte Uhr mit Batterie „einfacher“ geworden ist…