Archiv für den Tag 02/08/2006

Individualität eines Filmmachers

„In unserer Gesellschaft werden Menschen gepuscht und zu einem bestimmten Typus geformt… Egal ob es sich um einen Regisseur oder einen Künstler handelt, sie befinden sich stets in einem Verwandlungsprozess. Menschen brauchen Raum, damit wir zum Individuum reifen können. Kino ist eine sehr individuelle Sache. Es gibt kein standarisierte Kriterien oder Norm. Akzeptanz des Publikum ist kein Norm, aber die Geschichte, die ein Film schreibt.“ Tian Zhuangzhuang

„Ich habe Delamu 茶马古道·德拉姆 gedreht, nicht weil es sich finaziell lohnt, sondern weil das chinesische Kino diese Gattung noch nicht kennt… Kino muss keine Geschichte erzählen.Ein Gegend und seine Menschen, so wie es ist, konkret ungeschminkt mit der Filmsprache darzustellen ist die stärkste Kraft, andere Menschen direkt anzusprechen!“ Tian Zhuangzhuang 

Der Film Delamu von Tian Zhuangzhuang wurde im Mai 2004 fertiggestellt und rief eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit hervor. Das ist der erste digital chinesische Dokumentarfilm und wurde von NHK (Japan) finanziert. Das ist der erste Film von einer Serie über den „Tee und Pferde Weg“. Viele Botschafte und sein persönliches Experiment wurde von der Presse in die Frage gestellt. Der Film kam bei den meisten Publikum nicht gut an. Der Regisseur gab nicht nach und bleibt treu zu seinem Weg…

Tianzhuangzhuang Tian Zhuangzhuagn in einem Interview

Delamu -茶馬古道 Ein Weg von Tee und Pferde

Tian Zhuangzhuang 

Tian Zhuangzhuang (rechts) und ein Ma Jiaozi (chin. Cow boys ohne Zigeretten)

Chinesischer Regisseur Tian Zhuangzhuang 田壮壮 widmete seinen Dokumentationsfilm Delamu diesem historischen Tee-Weg zwischen China und Südasien, zwischen Han-Volk und anderen Naturvölkern, wo Tee seit Zweitausendjahren von Pferde und „chinesischen Cowboys“ zwischen steilen Hängen und tiefen Schluchten getragen wurde!
Dieser Tee-Weg überquerte das Gebiet, wo wir als „Shangri-La (香格里拉 Xiānggéli lā)“ nennen – ein Ort der Sehnsucht nach paradiesischem Frieden und irdischem Glück.
Menschen, die hier leben, lernen mit der Natur umzugehen. Sie verändern die Natur nicht. Sie passen sich an und leben in einem unglaublich bescheidenen Verhältnis im Gegensatz zu einer so genannten „Wohlstandsgesellschaft“. Die Pferde, die Tee in die fernen Welt transportieren, waren die einzigen Gäste in diesem Paradies, das fast melancholisch, bescheiden und einsam von der Zivilisation abgeschottet allein steht…
Seit Zweitausendjahren existiert diesen Weg, der genau so berühmt wie die von Touristen überfüllte Seidestrasse war. Der Weg führt der in Yünan produzierte gepresste Teefladen in die ferne Welt – nach Tibet, nach Burma, nach Laos und nach Indien. Tee war und ist ein Grundnahrungsmittel von Tibeter. Tibeter hatten wiederum die nötigen Kampfpferde für die Song-Dynastie. Tee und Pferde bildeten Stütze zwei verschiedener Zivilisation und schrieben die Geschichte zwischen Völkern.
Die Pferde wurden getrieben und geritten von so genannten „Cow Boys“ Ma jiaozi – bescheiden anonyme Wesen, das den Tee aus China in die Welt trug, den Buddhismus nach Tibet mitbrachte und Schritt für Schritt die Weltgeschichte schrieb. Sie blieben allerdings gesichtslos, spurlos und unbekannt, während Herr Busch und Frau Rice (eine der 10 besten gekleideten Frauen der „Welt“) im klimatisierten Büro ihre Geschichte mit weissen Handschuhen schreiben.
Tian Zhuangzhuang versucht uns ein Blick in den Alltag dieser bescheidenen Menschen zu vermitteln, wie sie gegen die Grausamkeit der Natur kämpfen, sich der Wechselhaftigkeit der Natur anpassen und ein einfach ungestörtes Leben führen. Der Buddhismus kam und ging. Die Pferde kamen und gingen. Der Gottes Sohn Jesus kam und blieb. Tian sagte, dass dieser Dokumentationsfilm nicht den gesellschaftlichen sozialen Aspekt dient, sondern einen spirituellen Aspekt. Realismus und Ethnographie waren nicht seine Absicht. Exotik war nicht sein Thema. Er sei einfach berühmt von der Einfachheit dortigen Menschen, von ihrem Rücksichtnahme mit der Natur und ihrer Mitmenschen, von den Pferden (Esel)-Karawanen, die wie Wellen zwischen Bergen und Wolken ziehen.

Ma Bang2 Gewalt der Natur, Mekong 澜沧江 schneidet eine Kurve..

„Delamu“ heißt auf Tibetisch „Göttin des Friedens“.  Tian sagte in einem Interview, dass er mit einer Religiosität Filme dreht. Das Respekt, das durch die Einfachheit und Bescheidenheit dortiger Völker in ihm erweckt  war das zentrale Thema seiner Dokumentarfilm. Er bekam einen Zugang zu sich selbst und erreichte einen reinen Zustand des Glücks, als er auf den Tee-Pferde Weg wanderte. „Was ist das Wesen der Menschheit“ stellte der Regisseur seinen Rezipienten.

Ma Bang Pferde auf den Tee-Weg

Dieser Tee-Pferde Weg steht einfach, einsam und unberührt seit Tausendjahren zwischen den Bergen und Flüssen. Nun ist es ein neues „Insider“ Tipp für Abenteuer und Rücksacktouristen aus Westen geworden. „“Shangri-La“ (香格里拉 Xiānggéli lā)“ wird bald wohl von „Sheraton Hotel“ gefüllt…