Der Besucher

Wie könnte man ein Teemeister zu einem Arbeitssklaven umwandeln! Eigentlich wäre es in Asien undenkbar. Ulrich hatte etwas in Zürich zu erledigen und fuhr mit seinem Motorrad in die Schweiz. Ich dachte, ich hätte genügende Zeit, meine Wohnung zu putzen vor seiner Ankunft. Leider war sein Termin früher fertig und er kam drei Stunde früher als ich dachte. Im Telfon fragte er, ob es mich stören würde… Oh, mein Chaos… dachte ich. Aber was soll´s! Warum sollte er denn wegen meines Images irgendwo drei Stunden stehen! Er kommt bestimmt nicht wegen meiner Tapferkeit sondern wegen meinem „Herz“! Wenn die Spontaneität nicht gelebt werden kann, lebt das Leben auch nicht mehr.

So kam er an und wir tranken eine Tasse Kaffee. Anschließend wollte er Shui Tang anschauen. Das passt sehr gut, denn der Jürg kaufte mir ein Tisch mit zwei Banken, die dort hin transportiert werden müsse! Alles richtig gut geplant!

Mühsam haben die beiden starken Männer den Tisch endlich in dem Keller gebracht, wo der Tee in der Zukunft gepackt werden soll. „Ein Wunderschöner Tisch!“ Zu Schade für Tee packen, meinten sie. Warum nicht?

Als Entschädigung lud ich Ulrich ein bei Wendy (Hot Pot, Birmensdorferstrasse 222 8003 Zürich 0444503031) die besten Ente zu essen. Nein, eigentlich war es seine Idee, als ich anbot etwas für ihn zu kochen, sagte er, „Nein, wir gehen zu dem leckeren Restaurant neben Dir!“ Ich habe die Botschaft verstanden!

Nach dem Tod von Michel habe ich nicht mehr viele Menschen, bei denen ich Frage stellen könnte. Klar sind alle Menschen unser Spiegel. Wir sind allerdings so fixiert auf unsere Befindung und Empfindung, selten verstehen wir die Reaktion von Außen. Michel war immer jemand, der mich direkt konfrontierte, in Frage stellte, und mich kritisierte. Nun wie sollte denn mein Weg sich weiter entwickeln, vor allem mit einem Laden Shui Tang. Die Balance zwischen dem materiellen und geistigen in mich selbst zu finden ist nun eine dringende Frage geworden. Ulrich ist nun jemand, mit dem ich meine Frage stellen kann.

 

In unserer Gesellschaft sind wir gewöhnt, dass die anderen uns ein Image auftischen und wir ebenfalls erfolgreich und selbstbewusst auftreten „müssen“. Wenn wir es nicht tun, fühlen die meisten eher irritiert als erfreut. Stets versuchen wir uns selbstbewusst darzustellen und wenn wir Mal Schwäche und Probleme zeigen, können viele Menschen nicht damit umgehen. Also wir lernen, Menschen und Dinge zu steuern und manipulieren, um das Leben scheinbar zu erleichtern und uns ins günstigeren Licht zu lenken. Oft verstecken wir unter dem Deckmantel, etwas für die anderen tun, um andere Menschen und uns in einer Abhängigkeit zu binden. Liebe Dein Nächst ist schon gut, aber zuerst bitte Dich selbst.

Ulrich hat mir eine interessante Geschichte erzählt, als wir über die Abhängigkeit zwischen Menschen sprachen. Er sagte zu seinem Lehrer als er Japan verließ und vorhatte, in Deutschland etwas aufzubauen für Menschen im Teeweg. Dann erwiderte ihm sein Lehrer mit einer Frage, „Wozu?“ Er sagte zu ihm, dass er die Pferde wohl verkehrt betrachtet. „Du muss es nur für Dich tun. Tue das, was Dich begeistert und was Du für richtig hältst. Die anderen sind Dir egal. Alles anderen kommen von sich alleine.“ Tue die Dinge für uns selbst anstatt für anderen, für die Zukunft oder für das Geld. Wenn Tee mich begeistert, lebe ich die Begeisterung mit den Menschen und die Begeisterung kann sehr ansteckend sein. Die Dinge nehmen ihren Lauf und alles kommt von sich alleine.

Dann unterhielten wir uns über die Loyalität. Ein Thema der Abhängigkeit, die so gerne eingesetzt wird in allen Lebensbereichen. Kann man Loyalität, Liebe und Freundschaft einfordern? Kann man mit Geld Wissen bezahlen? Löst das Geld die Abhängigkeit zwischen Geben und Nehmen? Was ist dann das Wesentliche zwischen Menschen, das keine zwanghafte Abhängigkeit schafft, aber bereichert?

Ich danke Ulrich sehr über die Zeit, die er nahm, mich zu besuchen. Ich wusste, dass er nur wegen mir gekommen ist, nicht wegen dem anderen Termin, den er wegen dem Witterung abgesagt hätte. Ich fühle mich reichlich beschenkt.

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