Zhutong Xiang Cha

Liebe Meng-Lin,

Vor einigen Wochen habe ich mir im Internet unter anderem einen Pu Erh
bestellt, der in ein Bambusrohr gepresst ist. Der Tee riecht schon sehr
interessant… nur leider habe ich es immer noch nicht geschafft, ihn aus
dem Bambus zu befreien… Ich will es nicht einfach aufsägen oder so und
dabei den Tee beschädigen. Kannst Du mir da eine elegante Methode
empfehlen? Der Tee ist ca. 1cm im Durchmesser und das Bambusrohr ca. 5mm
dick und sehr hart…

Dann noch eine Frage zu Yixing-Kännchen. Soweit ich das auf dem Blog
mitbekommen habe, bist Du ja eher für Keramikkännchen zu begeistern. Ich
habe hier einen Qi Lan von Madame Tseng, den ich sehr mag und schätze.
Ich habe ihn immer in einem kleinen Yixing-Kännchen zubereitet und war
damit auch sehr glücklich. Bis ich eines Tages ihn dann doch mal in
einem Keramik-Gaiwan gemacht habe und überrascht war, wie frisch der Tee
geschmeckt hat und ganz neue Aromen offenbart hat. Ein anderer Oolong
aus dem Wuyi-Gebiet hingegen scheint in dem gleichen Kännchen
interessantere Aromen zu entwickeln als im Gaiwan. Liegt das nun daran,
dass ich den Qi Lan »falsch« zubereitet habe (Wasser zu heiß/kalt, zu
wenig/zu viel Tee) oder gibt es Tees, die sich in Yixing besser
entwickeln als andere? Gibt es da allgemeine »Richtlinien« oder muss man
es für jeden Tee ausprobieren? Vermutlich muss man es, aber so eine
grobe Richtlinie, vielleicht nach Fermentierung oder so? Ich habe da
noch nicht die Erfahrung, dass ich das beurteilen könnte…

Schließlich möchte auch ich Dir meine Unterstützung zusagen. Sollte ich
mal nach Zürich kommen, würde ich mich sehr freuen, Dein Teehaus
besuchen zu können. Ich wünsche Dir, dass du alles schafftst, was Du Dir
vorgenommen hast…
Wir haben uns zwar noch nie gesehen, aber wenn ich an einem tristen Tag
lese, mit welcher Begeisterung Du über Tee schreibst und dieses einfache
Blättergetränk zu einem ganzen Universum werden lässt, blühe auch ich
innerlich auf…

Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr!

Arno

Lieber Arno,

1. Zhutong Cha. 竹筒香茶

Der Tee, der im Bambus-Rohr gefüllt ist, stammt aus China, Yünan. Traditionell wird er aus Frühlingsernte hergestellt, die nur getrocknet war und nach und nach ins Bambusrohr gefüllt wird. Durch das leichte Rösten übers Feuer samt der Bambusrohr wird der Tee weich und kann weitere Menge gefüllt werden. Aber man zerlegt tatächlich das Bambusrohr, das aufgeschnitten werden muss. Um diesen Tee zuzubereiten bricht man ein wenig von dem runden Tee-Stock ab und bereitet man mit kochendem Wasser.

Eigentlich sollte dieser Tee nicht in dem Bambusroher verkauft. Dieser Tee sollte eigentlich nach der Endproduktion bereits aus dem Bambusroher entfernt und im Bambusblätter oder Papier verpackt und aufbewahrt werden.

Da das Material für diesen Tee von der chinesischen Minderheiten im Südyünan sehr zart ist, wird er auch als „der Jungfrau Tee“ (Guniang Cha 姑娘茶) genannt. Tee ist im chinesischen Auge stets begleitet mit Erotik, nicht wahr?

Zhutong Xiang chaSieht Dein Zhutong Cha auch so aus?

Im Moment wird auch diese Art von Zhutong Cha in Taiwan hergestellt. Wo? Natürlich in dem innovativen Teegegend im Südformosa – Natou Lugu. Es sind zwei moderne Urheber, die nun sich zurück auf die alte medizinische Weisheit besinnen, den Formosa Oolong Jinxuan im Formosa-Bambus aus dem Bergen zu füllen. Diese Art von Formosa-Oolong-Bambus-Tee sollte die Aufmerksamheit der japanischen Gesundheitsministerium bereits erregt haben. Denn dieser Tee hat keine Teein oder kofein. Das so gennante Bambussirup, das man den Bambus durch langes Rösten gewinnt, war in der chinesischen Medizin ein Wundermittel gegen Problem durch innere Hitze wie z. B. Lungen-Entzündung, Schlaganfall etc. (Li Shizhen) Diese wertvolle Flüssigkeit verschmelzt in dem gefüllten Jinxuan-Oolong und wird zusammen mit Tee getrunken. Für Menschen, die im heissen Süden leben und an solche Krankheit leiden, ist es ein Geschenk der Natur.

2. Den Betrag vom Tee und seine richtige Teekanne darf ich morgen erst schreiben. Für heute ist es genug zu lesen.

Dein Bambusrohr wird wohl mit einer elegenaten deutschen Säge geöffnet oder einem richtigen militanten schweizer Messer.

5 Gedanken zu „Zhutong Xiang Cha

  1. Arno

    Ja, genau so sieht meiner auch aus 🙂
    Schönen Dank für die Informationen, werde mal eine passende Säge suchen.
    Bin gespannt auf den zweiten Beitrag,

    Grüße
    Arno

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    Antwort
  2. Jörg

    Halli-Hallo!

    Es gibt wohl nicht viele Arnos die einen Qi Lan von Mdm. Tseng trinken…..deshalb kann ich jetzt nur mit dem Insider Tip aufwarten es bei deinem Puerh dochmal mit dem Laser aus dem Labor zu probieren….grins.

    Schöne Grüße und einen guten Rutsch

    Jörg

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    Antwort
  3. Jörg

    Halli-Hallo!

    Es gibt wohl nicht viele Arnos die einen Qi Lan von Mdm. Tseng trinken…..deshalb kann ich jetzt nur mit dem Insider Tip aufwarten es bei deinem Puerh dochmal mit dem Laser aus dem Labor zu probieren….grins.

    Schöne Grüße und einen guten Rutsch

    Jörg

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  4. Menglin

    Ich hoffe, dass Arno uns berichtet, wie er den Pu Er aus dem Bambusrohr erfolgreich operiert. Bitte mit Fotos!
    Eigentlich könnte man diesen Tee nicht als Pu Er bezeichnen! Nicht alle Teesorten aus Yünan sind Pu Ers!
    Und, Jörg, „lutsch“ nicht zu schnell.

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  5. Arno

    Ja, ja, der Laser… aber wenn ich den da reinhalte, ist gleich alles verdampft. Und das wollen wir doch nicht.
    Werde davon berichten und die einzelnen Arbeitsschritte ausführlichst dokumentieren. Dauert aber noch ein bisschen, da ich den Tee in Heidelberg habe, da müsst ihr euch ein paar Wochen gedulden.

    Schönen Gruß
    Arno

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    Antwort

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