Archiv für den Tag 27/12/2007

Der Jahresrückblick-Tee

Die Hausmischung Bodman bezeichnet Detlef den Tee, den er die Reste von jeder Zusammenkunft zusammen wirft. Es beinhaltet einen Teil jeder Zusammenkunft und somit schlussendlich ein Rückblick des Jahres. Jahresrückblick-Tee ist die Hausmischung Bodman.

Wir trafen noch im 2. Advent zum Tee, als wir dachten, dass wir uns vor 2008 noch einmal zum Tee versammelten. Der Tag wurde sehr schnell dunkel. Als ich mit dem Koicha Tee beendete, war das Tageslicht bereits vorbei. Kalt, feucht und dunkel. Ich wurde aufgefordert, den poetischen Name des Teelöffels mitzuteilen in einem gewöhnten geregelten Frage- und Antwortwechsel der Koicha-Zeremonie. Ich sollte eigentlich wie erwartet einen intelligenten Zen-Spruch oder irgendeinen chinesischen poetischen Metapher angeben, was diesem Tee einen Rahmen verleihen würde. Ich zögerte. Ich spürte die Spannung. Ich zögerte noch paar Sekunden. „Das Warten auf dem Schnee.“ Schweigen herrschte unerwartet ein paar Sekunden. Die Gäste bedankten sich. Der Teeraum wurde wieder leer.

Schnee kam nicht und wir trafen uns 2007 auch nicht wieder. Ich wartete auf das Schnee, das trotz der Sehnsüchte nicht kam.

Vor einem Jahr beschloss ich endlich nach Zürich anzusiedeln. Die Vorbereitungszeit war über die Jahre, aber ich konnte den Zeitpunkt nicht richtig spüren. Ich konnte mich von meinem akademischen Karma nicht richtig befreien und der Erwartung meines Vaters nicht enttäuschen. Diesen Schritt bedeutete mir wie das Springen ins kalte Wasser. Aber in meinem Herz hegt ein Plan. Nach Zürich zu gehen, damit ein Herzensprojekt endlich vorangetrieben werden kann.

Ich habe einen Traum, ein Teehaus in Zürich zu öffnen. Ein Ort, wo der Tee und Menschen im Mittelpunkt steht, ein Ort, wo Kulturen sich berühren, ein Ort, wo Menschen sich begegnen. Ein Haus, wo authentische Teesorten in ihrer Originalität verkostet und kennen gelernt werden könnten, wo Teeliebhaber ihre Leidenschaft dem Tee widmen könnten und sich weiter bilden könnten, wo das Wissen und Freude an Tee ausgetauscht werden könnten!

Nach Zürich bin ich gekommen und aber nicht angekommen. Das Spiel mit der Bewilligung und der neue doch bekannte Prozess der Anpassung prägten meinen Alltag. Tiefere Ängste und Enttäuschungen brachten mich zur unsichtbaren Depression, die mir wiederum half, meinen eigenen Abgrund zu erfahren. Bitter, schmerzhaft jedoch heilsam. Als Menschen, die grenzüberschreitend leben müssen oder wollen, wird von einer Einsamkeit begleitet – das Gefühl an einem falschen Ort zu sein. Das Weiterziehen zu beenden ist leider noch nicht im Aussicht. Die Zerrissenheit und Inkohärenz der Selbstbilder könnte man nicht selbstverständlich mit anderen teilen. Wie ein Wanderer lebe ich auf der Erde, nur im Tee bin ich angekommen. Dort ist meine Heimat. Vielleicht ist es auch eine Heimat von vielen Unbekannten.

Vor der Verwirklichung dieses Projektes brauche ich sehr viel Mut. Mut, über meine eigene Grenze zu überschreiten; Mut, sich auf etwas Risikoreiches einzulassen; Mut, sich vor anderen Menschen zu stellen, prüfen zu lassen. Ich habe Angst.

Ich brauche sehr viele Unterstützungen, die mir jegliche Hinweise bedeuten, wo, wann und was sich eine geeignete Lokalität befindet. Ich freue mich über jegliche Meldung und HInweise!

Mit Ambivalenz und Entschlossenheit gehe ich langsam auf das Jahr 2008 zu. Die Energie sich gegen das Unbekannte zu wehren und sich zurück in das Gewöhnte fallen zu lassen kostet uns genau so viel wie die Energie unbeirrt auf dem eigenen, vielleicht steinigen Weg weiter zu schreiten. Ich wünsche allen Teefreunden und Blogfreunden zum 2008 viel Mut auf das Neue und viel Kraft für das Durchsetzen unserer Leidenschaft!

Es wäre schön, Euch irgendwann im Jahr 2008 in meinem Teehaus einzuladen, zum Tee, zum Klatsch oder zum Nichtstun.