Tee. Nicht nur ein Phänomen

Tee. Nicht nur ein Phänomen
Am einen nebligen Nachmittag machten Antje und ich auf den Weg nach Aarau, um die Ausstellung „Tee. Ein Phänomen“ anzuschauen. Das etwas verschlafene Städtchen versank im Nebel, als wir endlich ankamen. Der Weg zu dem Schlossplatz war unkompliziert und der Empfang war recht herzlich. Ein Eintrittsritual musste vollzogen werden, indem man die Hausschuhe wechseln musste, bevor man die Ausstellung eintrat.
Wir sahen einen Pfad zu Räumen, die allerdings mit Kieselstein gefüllt war. Ich denke sofort an die Steingarten im japanischen Tempel. Sollte ich hier vor dem Pfad kurz meditieren, bevor ich meine „Tee-Reise“ begann? Wir waren recht unsicher und wollten nicht wie ein Barbar verhalten. Antje sagte „Komm´ wir gehen zuerst auf die Toilette!“
Wir trauten uns danach doch auf dem „Kieselstein-Pfad“ zu gehen und befanden uns gleich in dem 1. Raum. Ein etwas kränklich aussehender Teebusch stand Central im Geschehen. Ein Lautsprecher erzählte uns ohne zu verlangen die Entdeckung des Tees und seine Geschichte. Wir sollten mich hier informieren lassen, wie und woher der Tee kommt. In diesem etwas künstlich gestalteten Raum fühlte ich mich nicht ganz wohl und verhielt mich wie ein Barbar – nach 2 Minuten verließ ich den Raum.

Der 2. Raum ist dekoriert mit wunderschönen Teekisten aus Indien. Freundlich und exotisch. Hier sollten Teenamen, Teeformen und Teesorten dem Publikum näher bringen.
In dem 3. Raum standen ein Leinwand und paar Stühle. Das Publikum kann den Tee visuell genießen, wie er aufgegossen wird. Das ist eine interessante Idee, die jeder zu hause praktizieren kann. Wir vernachlässigen diesen Aspekt sehr gerne, indem wir die Ziehzeit des Tees zu gerne nutzen, um gleichzeitig andere Dinge parallel zu erledigen. Wir sahen, wie Teeblätter im Wasser schwammen, tanzten und sich entfalteten. Wir beobachte, wie eine Teeblume ins Wasser fiel, zögerlich seinen Platz suchte – sie schwamm, zögerte und suchte… In nächstem Augenblick erlebten wir, dass sie sank und stehen blieb, als ob sie dort ewig lieben würde… Diese Szenerie erinnerte mich an einem Stück von Peking Oper “ Ba Wang Bie Ji“. Als Xiang Yu, der Rivalen vom Kaiser Liu Bang, keinen Ausweg mehr in seinem gescheiterten Feldzug sah, sang seine Geliebte Yü Ji ihm ein Lied. Sie war die letzte treue Begleiterin, die ihm noch liebte und folgte. Sie verstand, dass ihr Geliebter sich zögerte und sie nur zur Last ihrem Geliebten fiel. Sie sang ein Lied, versuchte ihm aufzumuntern und nahm ihr Leben vor seinen Augen. Er sollte weiter gehen und kämpfen. Er ist ein Held und sie eine fallende Blume. Er hatte noch eine Welt vor sich und sie machte ihm den Weg frei. Sie sang ein Lied und tanzte. Plötzlich schwankte sie, sie fiel nach links und dann nach rechts. Sie suchte nach einem Halt. Sie fand ihn nicht. Sie versuchte sich zu halten und landete am Boden erschöpft. Der Augenblick wurde durch Liebe verewigt. Das Oper verewigt die Liebe.

Zum Schluss landeten wir selbst im 4. Raum, wo wir Tee mit Geschmackssinn erleben durften. Hier durften wir einen Tee zwischen vier verschiedenen Teesorten aussuchen und ihn erleben. Auf den Regalen standen viele alltägliche Teetassen, die im Europa den Tee-Genuss erleichtern. Wer sich für das Phänomen Tee noch mehr interessieren, können sich mittels Bücher, die ebenfalls ausgestellt waren, beim Tee-Erleben weiter vertiefen.
Das Ziel der Ausstellung versucht wohl das Phänomen Tee an Menschen näher zu bringen. Für einen gelegentlichen Teetrinker ist diese Ausstellung ein gelungener Versuch, Oberfläche eines Phänomen Tees zu kratzen. Wer sich einen Extra Weg für eine Tee-Ausstellung machte, fragte sich, wie geht der Weg weiter?

Ein Gedanke zu „Tee. Nicht nur ein Phänomen

  1. Juerg

    Wir hatten Probleme, das „Phänomen“ zu erkennen. Die Ausstellungsmacher sind grosse Tee-Fans, und ich denke, sie wollten zeigen, dass aus einer Pflanze soviele mögliche Endprodukte herstellen kann. Aber ich denke, das ist zu harmlos. Was heisst harmlos? Ich denke, die grossen kulturellen Einflüsse des Tees wurden überhaupt nicht gezeigt. Hierin sehe ich das Hauptphänomen. Der Bezug zum Menschen hat mir an der Ausstellung gefehlt.

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