Bei einem Glas Bier

Das Spannende in der Welt und im Leben ist, dass wir stets nach dem Gleichen zu suchen, um unsere Identität zu „beruhigen“- zum Glück bin ich normal und ich gehöre dahin und gleichzeitig nach der Differenzen, um eine eigene Identität zu „stiften“- ich bin ganz besonders. Wir-Teetrinker und Ihr-Bierliebhaber. Wir hier und Ihr dort.

Die Zeit spielt oft bei einer Schale Tee keine Rolle. Die Zeit ist das, was Menschen vermeintlich für gemeinsam gehaltenes Konzept. Die Zeit hat erst einen Sinn, wenn das Leben mit einem Ende verstanden wird. Weil der Tod uns droht, macht es einen Sinn über die Zeit nachzudenken. Es gibt einen Tod. Vor diesem Tod fürchten wir und erscheint das Leben plötzlich zu kurz. Das Leben ist für einen Tod in seelischem Zustand aber viel zu lang. So lang, dass man sich das Leben nehmen muss.

In einem Teegeschäft an der Spiegelgasse hat man vieles zu entdecken. Für denjenigen drinnen und für denjenigen außen.

Euch wünsche ich viel Freude beim Zuhören. Entweder hier klinken oder morgen am Dienstag 21.03 bei SRF.

«Nach dem Tee trinke ich gerne Weissbier» Bei SRF

http://www.srf.ch/sendungen/menschen-und-horizonte/nach-dem-tee-trinke-ich-gerne-weissbier

 

Zwei neue Veranstaltungen in Shui Tang

Zwei neue Veranstaltungen in Shui Tang.

Seit Song Dynastie gehören Tee Zubereitung und Räucherkunst zu den wichtigsten Tätigkeit eines gebildeten Menschen.

Wu, Zimu, ein Gelehrter aus dieser Zeit schrieb in seinem berühmten Buch Meng Liang Lu: „Tee (Dian Cha), Blumen Steckkunst ( Hua Yi – So genannte Ikebana), Antiquitäten Sammeln (Jian Gu) und Räucherkunst (Pin Xiang) sind vier Tätigkeit voller Muse. Diese Tätigkeit sollte man lieber mit eigener Hand erledigen anstatt den anderen.“

Wer sich angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen, in Shui Tang gemeinsam zu spielen.

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Haben Sie Finken zu verkaufen?

Gerade spazierten ein junges Paar hinein.

„Haben Sie Finken zu verkaufen?“

„Wie bitte?“

„Ich suche japanische Finken.“

„Wie kommen Sie auf die Idee bei uns Finken zu suchen?“

“ Ist hier nicht ein japanisches Laden?“

„Es tut mir leid, wir sind ein Teegeschäft.“

Kein Kolonialwarenhändler, das habe ich nicht ausgesprochen.

“ Haben Sie nichts anders als nur Tee?“

“ Nein. Leider.“ Ein Teehaus ist ein Teehaus, nicht wahr?

Die Dame war sichtbar beleidigt.

Ich war auch nicht ganz glücklich.

Ja, Shui Tang wurde oft als japanisches Warenhaus verstanden. Obwohl Pu Er Fladen gerade im Schaufenster ausgestellt sind. 

Was machen wir falsch? 

Oder ist es niemand falsch. Es ist bloss eine Unterstellung dass wir alles verstehen und verstanden werden können anstatt zu sehen, dass wir beschränkt sind? 

Ich bin auch beleidigt, wenn meine Unwissenheit entblösst ist. Wie kann man anderen Menschen ihre Unwissenheit neutral und liebevoll vermitteln? Eine grosse Lektion des Lebens!

Freude an Gongfu Cha

Eine Zeit lang vermied ich Tee in meiner privaten Zeit zu trinken. Weil ich das Gefühl hatte, dass Tee mein Leben überfüllt. In Shui Tang wurde ich oft als Frau Tang angesprochen. Als Person wurde ich als Teefrau bezeichnet. Ich dachte, ich kann Tee nicht mehr normal schmecken. Normal, als Mensch.

Als ich wieder wie eine gewöhnliche Freundin zum Tee eingeladen werde, war es in der Küche von Cordula. Sie machte mir einen Tee bevor sie mir eine Shiatsu gab. Es war ein Fenghuang Shuixian aus Mingjian, Jahrgang 2013. Reife Früchte und südländische warme florale Note füllten mich. Ich kann wieder schmecken, wie jeder gewöhnlicher Teeliehaber! Sie wusste nicht, wie emotional ich in jenem Moment war. Zum ersten Mal seit 8 Jahren konnte ich wieder als eine Freundin in einer Küche Tee trinken.

Härtlings Murakami würde diese Momente als  ein „kleines greifbares Glück“ bezeichnen, oder? In einer friedlichen Stadt, an jenem sonnigen herbstlichen Tag bei einer Schale Tee! Der Tee schmeckte, das Gespräch floss und die Ruhe kehrte ein.

Cordula pflegt eine Gongfu Cha Kultur. Sie sucht und näht selbst Teetücher, um Tee zu spielen. Dabei macht es besonders Spass passende Teatoys zusammenzustellen. Gongfu Cha ist eine ästhetische Bildung, die aus Tee trinken unser Leben verändert!

Das ähnliche Erlebnis erlebte ich am Sonntag mit der Gongfu Cha I Gruppe. Als wir uns allmählich weg von konkreten Teeschiff verabschiedeten, fühlten die Teilnehmer recht unsicher. Oh, wie geht es weiter. Eva hat sich angeboten als Erste es auszuprobieren. Sie nahm das schöne lila Tuch voller fliegenden Farfalla und Blumenwiesen. Dazu nahm sie schlichte Celadontassen begleitet von Zhuni-Kanne. Zarte ruhige Bewegungen führten uns in ihre Welt des Tees! Wir wurden verzaubert.

Am Ende des Tages fragte mich Domingo wie es weiter geht. Was kann man machen, damit man weiter lernt, die Welt des Tees zu gestalten? Ich war glücklich über seine Begeisterung. Ich bedankte herzlich an die Teilnehmer für die beiden intensiven Tage.

„Hoffentlich hattest Du auch Freude.“

„Ja, natürlich. Ansonsten würde ich es nicht machen. Ich habe auch sehr viel von Euch gelernt. Vielen Dank!“

5 Menschen, 5 Spielarten des Tees und viel Freude!

Wie lerne ich Tee?

Irgendwie landet oft ein Teeliebhaber irgendwann in Shui Tang. Sei es durch sinnvolle Zufälle oder durch Hören und Sagen.

Viele Tee-interessierte kommen mit vielen Fragen und Kommentare. Man muss wirklich fit sein im Tee, um hier zuarbeiten.

Ich war nicht fit. Meine Nase lief und meine Augen waren müde. Der junge Herr aus Italien, extra angemeldet und eingereist, hielt bereits Fragebogen und Degu-Notiz vor sich. Wurde ich geprüft? Ich lachte in den Teeschiff und fand es richtig absurd, aber zugleich berührt.

„Die Welt des Tees ist riesig. Ich weiss nicht, wie ich anfangen sollte.“

„Ich weiss auch nicht.“

„Wenn ich in China und in Japan bin, bin ich immer so glücklich, weil ich dort guten Tee trinken kann. Aber wenn ich im Europa bin, bin ich immer frustriert.“

„Es tut mir leid.“

Oft sagen viele Menschen zu mir, dass sie sich sehr wohl im Asien fühlen. Sie haben möglicherweise eine chinesische Seele. Aber ich kann ganz sicher sagen, in mir lebt eine europäische Seele.

„Vermissen Sie Taiwan, wenn Sie hier sind? Vermissen Sie Europa, wenn Sie in Taiwan sind?“

„Nö.“ Ich doch nicht. Ich bin aus Taiwan als eine junge Frau „geflohen“. Und wenn ich jetzt in Taiwan bin, genieße ich die Auszeit als ein sichtbarer Fremde und Auszeit als Haustier vom Shui Tang. Ich bin nicht mehr diese junge Frau, die nicht wusste, wie man das eigene Leben eigenhändig gestalten sollte. Ich bin auch nicht mehr dieser Fremde, der sich nicht helfen kann.

Was hat solche Frage mit Tee zu tun? Was hat die Degu-Notiz mit Tee Verstehen zu tun?

Am Ende unseres Gesprächs wollte der junge Herrn paar Teesorten kaufen. Er kaufte unsystematisch – in meinem Augen. Ich malte ihm ein Plan:

Also Tee zu verstehen kann man mit weißen, gelben, grünen, Oolong, Hongcha, Pu Er anfangen.

Da ich spezialisiert mit Oolong und Pu Er bin, nehmen ich die beiden Teesorten als Beispiel:

Oolong verstehen kann man mit Varietäten beginnen: 1. Traditionelle Sorte (Tie Guanyin, Qingxin, Buddhas Hand, Shui Xian, Da Hongpao, Rougui, Wuyi, Qilan, Huang Jin Gui, Meizhan, Da Man Zhong, Qingxin Dapang etc.) und 2. Moderne Sorten (Jinxuan, Cuiyu, Sijichun etc.).

Dann nimmt man die Varietät Tie Guanyin als Pfad, weil der Tee einem wahrscheinlich ganz besonders gut gefällt. Dann geht man mit Anbaugebieten vor. Es gibt China -Anxi und Taiwan-Muzha und Hochland. Dann geht man automatisch tiefer in die Herstellungsmethode wie Oxidation, Fälschung und Röstung. Am Ende landet man bei der Lagerung als Faktor.

Man sieht, es geht immer weiter, tiefer und ganzheitlicher. Zeit, Raum und der Mensch bilden zusammen zu drei wichtigen Achsel. Die Degu und Wissens-Notiz hilft nur bedingt (ABER sie helfen). Man schreibt Notiz um es später wegzuwerfen. Was wirklich hilft ist Probieren, Vergleichen und Beobachten. Zwar introvertiert anstatt extrovertiert. Tee trinken um zu sprechen ist vorläufig lustig. Weil man immer die Aussage prüfen kann.

Bei Pu Er wurde ich mit zwei Kategorien anfangen: Sheng und Shou. Bei Sheng und Shou gibt es gleichzeitig drei Kategorien: Gushu, Huangshan und Taidi. Bei Sheng-Gushu (oder Taidi oder Huangshan) geht man weiter mit Kennenlernen vom Anbaugebieten. Hier wird man konfrontiert mit anderen Faktoren wie Lagerung, Sonne-Trocknung und Fälschung. Bei Shou kommt noch das Faktor Fermentationsgrad dazu.

Meine Besucher waren so glück und gingen mit Lächeln aus Shui Tang.

Ich atmete aus. Irgendwie war ich auch sehr glücklich! Mein Herz war berührt.

Ein Teegespräch mit Teefreunden ist oft anregend und lustig. Ich bevorzuge manchmal einen seltenen Tee mit Teefreunden zu teilen, mit den ich nicht sprechen muss. Die Worte stören oft.

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Eine Supernova in der Tasse

Das war ein Screenshot von einem Doku Film bei ARTE, Galaxis Milchsstrasse. Es bildet eine Supernova ab.


Hier sind die Fotos von dem modernen Werke aus Taiwanesischen Künstler, die aus der Tian Mu (auf japanisch Tenmuku) Tradition experimentiert.

Tian Mu, eine Keramik Tadition von Song Dynastie (10-12 Jh.), sollte den nächtlichen Sternhimmel nachbilden können und das Mystische ausdrücken soll. Sie wurden zur Hilfe der Meditation verwendet! 

Nun, ein Supernova in einer Tasse. Wie findest Du? Die Farbe verändert sich je nach der Lichtreflexion durch die unterschiedenen Aufgüssen!

Das Spiel mit dem Tee

Das Spiel mit dem Tee geht weiter. Bei Gongfu Cha III spielen wir den Tee mit Jahreszeit, mit Farbe und Raum. Wir gestalten den Teetisch mit dem Thema Herbst. Es gibt verschiedene Variation des Herbst zum Ausdruck.

Wie verorte ich mich? Wie plaziere ich mein Gegenüber? Was steht zu was als eine Einheit? Wie sieht der Herbst aus? Blühende Chrysathemenwiese oder verfärbte Blätter? Susanne hat trocknende Rose mit Hagebutten gebracht. Farberot tanzte im grauen Hintergrund. Zisha Kanne steht auf schönen Bambusplatte. Der Herbst, eine Zeit zur Reifung. Natascha suggestierte die blühende Chrysathemenwiese durch ein seidentuch. Die Tassen steht auf den von Blätter gepressten Untersetzen wie in einem Schiff. Sie tragen den Tee in dem blauen Celadon, flanierte auf Tatami wie in der Ozean!

Nächtest Mal üben wir weiter an das gleiche Thema. Aber es wird bestimmt anders. Anders weil man ein neues Bewusstsein gewonnen hat!

Etikettenschwindel

Das ist ein Film, bei dem ich als Teeliebhaber und Teehändler sehr viel lernen kann. Wie gehe ich selbst mit dem grossen Name von einem grossen Tee um? Wie gehe ich mit dem zunehmenden Renommee um?

Mein Lehrer Chen, Huan Tang sagte mir als erstes, Tee lügt nicht, aber der Verkäufer. Was machst du mit Menschen, die aber an Name glauben anstatt an eigenen Urteilsvermögen zu arbeiten?

Urteilsvermögen ist eine Bildungsgeschichte. Eigene Bildung muss man selbst erwerben, eine harte Arbeit mit sich selbst. Es ist anders als an Punkte zu glauben und an Zertifikate! 

Ich wünsche mir manchmal dass ich hinter einer Autorität verstecken kann, zum Beispiel hinter einer alten Schule oder Guru. Atong lachte einmal und sagte zu mir, wieviele Zertifikate sollte er mir drücken? Mein Wunsch zeigt meinen inneren Mangel und Zweifel an mir selbst. Also an das werde ich arbeiten!

 Etikettenschwindel – Der große Weinskandalhttp://www.arte.tv/guide/de/054808-000-A/etikettenschwindel