Das Wesentlichs ist für die Augen unsichbar

Mein junger Schauspieler Freund Dirk hat es nicht einfach als ein deutscher Schauspieler in der Schweiz. Er sollte nach Berlin gehen, rate ich ihm. Er kämpfte noch in dieser von Bergen umkreisenden Insel, betrachte es als eine Auszeit der Reflexion und hoffte auf sein Glück. In dieser Transformationszeit braucht er Menschen, die ihm zuhören, anstoßen und manchmal nur bekochen. Er meinte, dass er von Hexen umgebend ist, in positiven Sinne. Seine Chefin sei eine gute Hexe, in der ähnlichen Qualität wie meine. Diese Hexen lehren ihn viele Lebensweisheit aus der weiblichen Sentimentalität, die er sonst nie erfahren würde, wenn er sich dieser Auszeit nicht gönnen würde.

Jeden Morgen gießt er den Grüntee auf, den ich ihn schenkte als ich mich entschied, meinen Schrank zu räumen. Die Gusseisen-Teekanne bekam er als Geburtstaggeschenk von einer anderen Hexe, die ihm beruflich so viel hilft. Dieses Ritual gewöhnt er sich nun am jeden Morgen und bekam ein Halt für den ganzen Tag. Anscheinend brauchen Männer weibliche Ohren und erzählen gerne Frauen von seiner unglücklichen Lieben. Ich hörte unterschiedliche Geschichte von ihm zu. Manche Geschichte werden unfreiwillig abgebrochen und gären irgendwo in einem verlassenen Ecke im Körper und warten auf eine Chance um auszubrechen. „Ich sage es Dir einfach wie von Mann zu Mann und hoffe, Du verträgt es. Warum sehen Männer nur hübsche Frauen? Weiß Du, ich habe es so satt mit Prinzessinnen! Ich will nicht mehr komplizierten Geschichte haben!“ „Schöne Frauen sind unsichtbar.“ Das sagte P. Roth. „Warum? Man sehen sie sofort.“ „Das Wesentliche kann man nur mit Augen übersehen.“ So lief oft unser Gespräch.

Als Dankbarkeit für mein Caterinservice für ihn, lud er mich ein zur einen Kultur-Veranstaltung, in der er als Sprecher einen Text liest und gutes essen gibt. Außerdem gäbe es einen ganz tollen Pianist, den ich unbedingt kennen lernen sollte. Der Raum war bereits voller Zuschauer. Es war eigentlich ein Vernissage von einer Malerin, die in Romanshorn lebt, eine musikalische Darbietung und eine Lesung. Dazu noch ein ganz edles Cateringservice. Ich dachte zuerst, ich wäre in einem falschen Film und wollte gleich wieder raus. Doch war es diese besondere Malerin mit dunklen starken Augen, die mich anzog, dort zu bleiben. Es war viele Menschen, die mit ihr sprachen. Als Außenseiter genoss ich einfach das gute Häppchen. Die Musik war ausgezeichnet. Der Pianisten spielte nicht nur Piano, auch Saxofon und Flöte etc. Als man ihn vorstellte, wie viele Instrumente er spielt, zuckte er nur sein Schulter und sagte, er habe kein Diplom. Ein guter Typ.

 

Dann kommt endlich die andere Hexe, von der Dirk immer wieder erzählte. Die Sima, eine schöne vielseitige Schauspielerin, die Balletttänzerin, in verschiedenen TV-Serien und sich sofort für den Montag einen Besuch bei mir zum Tee anmeldete. Dirk sagte mir, dass es so sein muss. Seine Teekultur, die aus meinem Tee und der Kanne von Sima besteht, bringt uns beiden selbstverständlich zusammen! Eben eine karmische (schicksalhaft) Verbindung.

Als Besucher allmählich sich verabschiedeten, kam die Malerin zu mir, sprach mir an, dass sie von meiner Tätigkeit erfuhr. Sie wollte wissen, ob es eine Möglichkeit gäbe, etwas mit Ausstellung und Tee zusammen zu verbinden. Das würde ihr sehr gefallen. „Das Sehen des Bildes und die Teilnahme an einem Tee finden in der Wirklichkeit nicht durch die Augen statt, nicht wahr?“ Sie war berührt. Sie würde sich freuen, mich als Gast am Bodensee zu haben.

 

„Hast Du seine Visitenkarte?“ fragte Dirk mich, als wir zusammen zu Central liefen. Ich zuckte meinen Schulter. „Weiß Du, ich wäre gerne ein Schwuler – wegen ihm!“ Er schlug mit seiner Hand seinen Kopf. Ich versicherte ihn, dass ich auch gerne Schwuler wäre. Männer sind sichtbar kindisch, nicht wahr?

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