Archiv für den Tag 17/08/2008

Vor einem konkreten Projekt

Es ist anscheinend immer so, wenn man sich nicht richtig entscheiden kann, wird man von Überraschung überrumpelt. Wenn man das Angebot nicht wahrnimmt, weil man sich nicht klar ist, verpasst etwas, vielleicht für immer. Vielleicht gerät man tatsächlich das Leben lange in Reue und Jammern. Oder auch nicht (ich bestimmt nicht).

Eigentlich geht es mir viel zu gut, um an mein ursprüngliches Projekt zu denken, ein Teehaus in Zürich zu eröffnen. Warum soll ich denn an irgendetwas binden, wenn es mir so gut geht. Im Moment genieße ich meine Freiheit, meine Zeit und meine Tätigkeit, wenige Verpflichtung, wenige Druck, ein bisschen zu viel Chaos, was ich immer brauche. Warum sollte ich in einer Struktur leben, die mir vorschreibt, dass ich von morgens und abends irgendwo präsent sein muss? Ein strukturelles Leben kannte ich nur in der Schule. Und nun soll ich mir überhaupt so etwas antun?

Ein Laden in einer Traumlage wird frei. Es ist wie ein Zauber, eine Bestellung an Kosmos könnte wahr werden. Eine Lage, von der ich immer träumte, immer liebäugelte, wird nun möglich. Dieser Nachricht ist an einem lieben Freund zu danken, der eigentlich an meinem potentiellen Laden nichts profitieren kann, sondern eher geschädigt. Aber er tat es aus seiner Großzügigkeit, die mir helfen wollte, meinen Träum wahr werden zu lassen. Dankbarkeit ist nur ein Wort, das viel zu trivial ist, eigentlich. Wahre Freundschaft und wahre Liebe ist so großzügig und ohne Kalkül! Das erlebt man wohl auch nicht oft im Leben. Ich umarmte ihn und wusste, dass ich ein wertvolles Geschenk erhielt. Ein Geschenk für die Hoffnung, weiter den eigenen Weg zu gehen.

Ich erzählte Monika und dann plötzlich wissen fast alle Freunde. Mich riefen sie an und schrieben mir Mails mit voller Begeisterung. Sie meinten, ich wäre ja richtig blöd, wenn ich es nicht tun würde. Manche boten mir sofort Hilfe an, mich zu ersetzen, wenn ich auf Reise bin. Manche wollte mir finanzielle Hilfe anbieten. Manche bieten Präsenz und manche für Handwerk… Unglaublich. Ich war diejenige, die Zweifel hatte. Zweifel, weil es mir heute gut geht und warum sollte ich mein Leben radikal verändern? Und vor allen die Horror-Vorstellung, sich an einem Ort zu binden… an Zürich… Muss ich hier alt werden? Wie schrecklich, an das Ende des Lebens zu denken!

Ich schwieg, während andere laut diskutieren. Doris sagte mir, „Menglin, Du brauchst doch immer Herausforderungen. In einem Jahr wirst Du jammern und schimpfen, wenn Du es nicht probiert hast! Das weiß ich jetzt schon.“ „Du musst einmal im Leben machen, ansonsten traust Du immer nach. Du hast nicht gerne ein leichtes Leben.“ sagte die andere. Aber ich weiß, dass die Herausforderung nicht an das Geld liegt, nicht an den Laden, nicht an die Arbeit, sondern an meiner Angst, sich richtig dafür zu entscheiden und zu binden. Was für ein Horror! „Komisch.“ meinten alle, „wir sind doch immer da. Wofür sollst Du Angst haben?“ „Was mache ich denn ohne Euch?“ ich weine fast zwischen meinen Freundinnen. Doris sagte wieder, „Weiß Du, wie wir Dich ertragen müssen!“

Nun warte ich noch ab, bis meine innere Stimme klarer wird. Mein Onkel schickte mir ein Ticket nach Australien auf seine Insel, vielleicht wäre es eine gute Idee, abzuhauen?