Musashi Abumi – der Brief aus Musashi

Oli war der erste, der mich zum Geburtstag gratulierte, sogar bevor der Tag richtig eintraf. In der Mailbox sagte er, damit der Tag zwischen den Terminen nicht unterging, rief er lieber mich sofort an. Eine Woche später kam ich erst dazu, ihn anzurufen, um zu fragen, ob er eine Lücke zwischen den Gerichtsterminen fand. Ich wollte am Wasser sein. Abgeholt wurde ich am Fischmarkt. Ohne viel zu sagen fuhr er mich direkt an den Rhein. Die Zeit verging, seit einem Jahr meldete ich mich nicht bei ihm. Wenn ich an ihn denke, fällt mir immer die Gedichte zwischen Rikyu und Oribe. Damals war Oribe in Schlachtfeld Musashi.

„Krieg in Musashi – Oribe 古田重然 (1544-1615)
Musashi abumi
Sasuga ni michino
Takene ba
Towanu mo yukashi
Tou mo ureshishi.
Der Weg von Dir zu Musashi ist wirklich weit.
Wenn Du nicht schreibt,
Ich denke an Dich,
Wenn Du es tust, Ich bin überglücklich.

Go Onshin
Todae Todaezu
Musashi Abumi
Sasuga ni toki
Michi zo to omeba.
Ich bin sehr glücklich, von Dir zu hören.
Auf diesen Brief habe ich schon lange gewartet.
Der Weg nach Musashi, ist wirklich ein weiter Weg. – Rikyu.“

Oribe war einer von den sieben bekanntesten Teeschüler Rikyus. Sein Name ist bekannt nicht nur wegen seinem Ruhm als Teemeister, sondern als eine Bezeichnung des bekannten Oribe-Keramik-Stils. Anders als Rikyu liebt Oribe den asymmetrische Form der Teeschale und eingereicht mit glänzenden leuchtenden grünen Glasur. Diese freie gestalterische Darstellung z. B. einen kurvigen Bergweg am Rande einer Teeschale hinterzulassen bezeichnet sein ästhetisches Verständnis. Als Freiheit liebender Mensch wurde er nicht zufällig ein Teemensch. Freiheit kostet. Oft kostet die Freiheit nicht nur Schmerzen oder Geld, manchmal auch das Leben. Rikyu starb als ein unbeirrter Teemensch, der sich nicht scheut vor seinem Herrn zu stehen und seine Meinung einfach vertrat. Er starb nicht aufgrund seines Freiheitsliebe oder seinem unabhängigen Geist, sondern wegen der Demonstration der Macht Hideyoshis. Nach Rikyus Tod wurde Oribe der Teemeister in seiner Zeit. Jahren später starb Oribe wegen demselben Grund unter der neuen Herrschaft, die seine Macht zur Schau stellte.
Der Stil von Oribe ist nicht zu verkennen. Sein freier Geist ist in seiner Ästhetik nicht zu verstecken. Die Freiheit in einer Freundschaft, die zwei Menschen verbindet, jedoch frei sein lässt, ist in diesem Briefwechsel ebenfall nicht zu übersehen.
Am Rhein schauten wir einfach das Wasser an. Es gäbe eigentlich viel zu erzählen. Es regnete ganz heftig in Konstanz. Das Wasser tropfte heftig ins Wasser. Irgendwann rief seine Freundin zum dritten Mal an. Ich stand auf. „Was hast Du noch vor?“ „Dich nach Hause schicken.“ Eigentlich musste ich mich beraten lassen, ob ich das Angebot tatsächlich wahrnehmen sollte, ein Laden zu übernehmen, den ich schon lange liebäugle. Vielleicht nächste Woche, sagte ich. Mich fuhr er nach Weinfelden, wo ich einen direkten Anschluss hatte.
„Hoffentlich bis bald.“ „Rufe an, wenn Du wieder ans Wasser gehen willst.“ Er gab mir Abschiedskuss, „wenn Du nicht anrufst, weiß ich, dass es Dir gut geht.“ Ich spürte das Wasser in meinem Gesicht. Es schmeckte salzig. Das Wasser im Rhein war matt, matt grün. Anders als die Glasur von Oribe, grünlich schimmernd und verlangend, verlangen nach Raum, nach Bewunderung – wie der Mensch Oribe.

Oribe Teeschale
 
Viele Kunstkritiker bezeichnen seinen Stil als natürlich und unbefangen. Für mich verbirgt hinter der vermeintlichen Freiheit einem ungestillten Hunger nach Leben, nach Vollendung und nach Wahrheit. Oribe starb unter dem Befehl von Shongun. All sein männliches Nachkommen starben unter dem gleichen Befehl an dem gleichen Tag, Oribes wegen.
In dem Film Prinzesin Goh fing der Kult- Regisseur Teshigahara (der Regisseur von „Der Tod des Teemeisters“. Er ist selber ein Tee- und Ikebana-Meister.) mit der Szene an, Oribe fragte verlangend dem Hideyoshi, weshalb er dem Tod Rikyus verlangte. Hideyoshi verneinte all die Vermutungen Oribes, aber gab keinen Preis über seinen Grund. Oribe gab es nicht nach und brachte Hideyoshi zum Schweigen. Im tiefen Schweigen des Herrschers erkannte Oribe, dass der Tod keinen tatsächlichen Grund brauchte, die Freiheit in tatsächlichen Leben keinen tatsächlichen Grund besass. Es unterliegt alles unter der Willkür eines Herrschers. Nur im Tee und in seiner künstlerischen Wirklichkeit lebt er in seiner Freiheit, die keinen Grund bräuchte.

Herr Staufenbiel hat eine ausführliche und informative Seite über Oribe Keramik geschrieben. Eine Einladung aufs Land Oribes Hier.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s