Eine Begegnung mit Raku

Raku HausEingang von Raku Familie in Kyoto

Detlef war bitter enttaeuscht, dass ich seinen Auftrag eines Raku-Chawans vergass. Er sagte mir gleich im Telefon, dass ich nicht nach Bodman kommen musste. Teetreffen sagte er ab. Ich war zu tiefst betroffen und bat ihm mehrmals um Verzeihung. Ich will unbedingt wieder nach Bodman, nachdem ich realisiserte, wie privilegiert es ist, dort Tee zu ueben. Ein richtiges Ofen in der Erde, ein richtig nach Mass eingerichteter Teeraum und unzaehlige kostbare Teatoys machen den Tee in Bodman zum Privileg in Europa. Ich bat ihm so lang um Verzeihung bis er mir einen Termin nannte. Beim Vergebungstee bereitete er mir eine Schale Koicha mit der ersehnten Raku-Schale. Ich war uebergluecklich.

In Nyon-Seminar mit Nojiri Sensei wurde ein Film ueber Raku gezeigt – seine Herkunft und seine Essenz. Zum ersten Mal bin ich mit dieser einzigartigen Geschichte konfrontiert und weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich diese Geschichte erzählen sollte.

Raku 15.GenerationDas Werk von Kichzaemon 15. Generation von Raku-Familie.

Diese Teeschale erinnert uns wohl nicht gleich an die herkoemmliche Teeschale, sondern an die moderne Kunst. Das Bild verraet uns die Zuneigung des Meister in der 15. Generation von Raku (Ofen des Freudes). Er studierte Skruptur an der Kunstakademie Tokyo und hatte lange Haare als ein Zwangzigjähriger.

Er sagte, dass das akademische Zertifikat keinen Artist macht und wollte sein Studium abbrechen. Er ging nach Rom und besuchte mich oft. Ich schimpfte ihn, dass er das fertigmachen sollte, was er angefangen hat. Sein Vater war sehr besorgt. Sein Sohn wollte mit der Tradition nichts zu tun haben.

Das erzeahlte uns Nojiri Sensei, die in Rom Kunstgeschichte studierte und dort als Teelehrin von der Urasenke blieb. Wie hat der junge Raku-Sohn sich doch fuer den Rueckkehr entschieden? Diese Wende hat der heute bereits älternde Mann im Film nicht bestont, er sagte lediglich, dass er unter den Fremden seine Wurzel wiederfand.

Er wollte nichts mit Tee anfangen und noch weniger mit Zen. Ich schimpfte ihn oft, dass ein Toepfer in seiner Klasse Tee machen muss, um richtige Teeschale zu kreieren. Irgendwann fing er in Rom an, sich fue Tee zu interessieren. Sogar fuer Zen. Er fragte mich, ob er mich zum Zazen begeliten durfte. Sein Vater war richtig erstaunt.

Wie wurde eigentlich ein Raku-Meister ausgebildet? Ist der Vater sehr streng in der Erziehung, um den Sohn zu unterrichten?

Der einzige Tag, wo Vater und Sohn gemeinsam schaffen, ist ritualisiert. Es ist und war immer zum Neujahr. Einmal im Jahr treffen Vater und Sohn zum Toepfern-Lernen. Er machte eine Schale und seine Soehne ihre. Der Vater unterrichtet im Rest der Jahreszeit dem Sohn nichts, wie er seine Teeschale kreiert und glasiert. Jede Generation muss ihren eigenen Weg finden, die Farbe ihres Lebens bestimmen. So sahen wir im Film, wie die Steinen im Bergen von Kyoto gemahlen wurde, um die Farbe fuer die schwarze Farbe der Raku-Schale zu gewinnen. Wir sahen, wie der Rakumeister seine Schale Farbe und Leben verleiht, waehrend seine Frau die Farbe ruehrt. Sie ruehrt seine Farbe und er gab seine Farbe an die Teeschale. Eine ausgesprochene und unbeschreibbare Ramantik strahlte in diese Sequenzen. Diese Arbeit wurde vor 400 Jahren so abgesprochen und bis heute ohne Ausnahme.

Er hielt eine rote Raku-Schale in der Hand. Er lachte und strahlte. Jede Teeschale muss in jeder Hand so harmonisch liegen, rund und kraftvoll. Er erzeahlte, dass es ihm am Herzen liegt, wie eine Schale seinen Herrn dient. „Diese Schale ist von einer unschaetzbaren Kraft. Eine Schale in der Hand kann Menschen beeinfluessen. Diese Schale hat mich veraendert.“ Er probierte ungefertige Teeschale, wie sie an dem Mund anschmeichelte, wie sie auf dem Tisch lag, wie sie in der Hand aussah. Seine Augen schauten durch die Teeschale durch und richteten sich an einem weiten Punkt… Stets an den Herrn der Schale zu denken ist das wichtigste. Nicht nur die Aesthetik, sondern das Praktische und das Emotionale zwischen den Haenden müssen beruecksichtigt werden.

Das erinnerte mich an dem Besuch vor einer Woche in Karlsruhe bei J. Wir schauten zusammen die Teeschale an, die er beauftragte. Wunderschoen und aesthetisch waren sie. Ich war beeindruckt von dem Ausdruck und Starke. Aber die Toefper machen keinen Tee und trinken wohl auch keinen Tee. Das manifestiert sich durch die Teeschale. Eine richtige Größeangabe macht eine Teeschale nicht zu Chawan, sondern die Seele des Machers. Das ist wohl das Geheimnis von Raku-Familie. Sie brennen die Schale mit ihrer Seele mit.

Wie ist nun der Sohn von der 15. Generation? Ist er gut gehütet vor der Globalisierung?

„Vor zwei Jahren sah er aus wie ein Punk.“

Sagte Nojiri Seinsei

Jede Generation muss seinen eigenen Weg finden. Die Tradition koennte eine Seele ersticken, koennte auch belebt werden, durch das Bewusstsein einer unabhaengigen Seele, die vielleicht auf den „Irrweg“ (vielleicht Wege der Sehnsuechte) war oder unter den Fremden lebte.

In diesem Film erfuhren wir, wie die Tradition insistiert wird und wie die Arbeit des Rakumeister von der 15. Generation gewuerdigt wird. Die Momente der Schwaeche, das Gefuehl von Burn-Out und der wahrscheinlichen Drang abzubrechen wurden nicht angesprochen. Ich denke aber, dass Schattenseite und Glanz gleichzeitig existieren. Dass die Arbeit des Rakus fortgesetzt wird, zeigt die Kraft des Vertrauens eines Menschen, einer Familie und eines kunsthandwerks.

Adresse von Raku Museum

Aburanokoji Nakadachiuri Agaru Kyoto Japan 602-0923 TEL. +81 (0)75- 414-0304

Ein Gedanke zu „Eine Begegnung mit Raku

  1. evikienast

    Danke für diesen spannenden Beitrag.Ichbeschäftige mich seit fast 20 Jahren mit der Raku-Teekeramik und war 3 mal in Kyoto bei einem befreudeten Teelehrer. auch konnte ich vor 4 Jahren mit Raku- Kichizaemon über seine Keramik und die spirituellen Aspekte derselben sprechen.
    meine website : http://www.raku-art.ch

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