Archiv für den Tag 02/04/2008

Vor Chion-in

枯籐老樹昏鴉, 小橋流水人家, 古道西風瘦馬。 夕陽西下, 斷腸人在天涯

[越調] 天淨沙·秋思 (Herbst Gedanke)

馬致遠 Ma Zhiyuan(1255-1321, Yuan Dynastie, China)

peilinMeine Schwester vor Chion-In

Als wir vor diesem Haupttempel Chion-In von der Schule „Reines Land‘ erreichte, begegnen wir diese unbeschreibbare Landschaft. Ich fing an, die erste Strophe dieses Gedicht zu singen und meine Schwester folgte.

Eigentlich war es ein Fruehlingsmorgen. Die Sonne schien nicht wirklich freiwillig. Ich zog alles an, was ich hatte. Mir war es egal, ob es zusammenpasste. Kalt, rauh und feucht.

Ma Zhiyuan war einer der bekanntesten Poeten in der fremden mongolischen Herrscher-Zeit. Er schrieb am liebsten ueber Daemone, Geister und Gottheiten. In dieser unsichtbaren Welt suchte er wohl sein Zuflucht in seinem eigenen Land unter Fremden, oder war er selbst ein Fremder in der eigenen Land, das ihm immer fremder wurde? Unter der fremden Herrschaft duften die chinesischen Intellektuellen nicht politisch thematisieren. Die meisten suchten in der Literatur versteckt die Unterdrueckung zu artikulieren. Vielleicht war das Gedicht ein Spiegel seiner Seele, sich wie ein Wanderer mit nicht aussprechbarem Schmerzen unterwegs in dieser Welt zu leben. 

In diesem Gedicht beschrieb er einen Wanderer:

Im tiefen Herbst eilte ein Wanderer. Ihn begleitete ein mageres Pferd im Herbstwind auf einen einsamen Weg. Auf dem alten Baum hingen paar duerren Zweige und standen paar muede Voegel. Ein Fluss fluesterte ohne etwas zu wollen, ueber den Fluss stand ein kleiner Bruecke, am Fluss standen paar unauffaellige Haeuser. Es wurde immer dunkeler. Beim Betrachten des Sonneuntergangs spuerte der Wanderer sein gebrochenes Herz am Rand der Welt. 

Wer mit meiner Interpretation nicht zufrieden ist, koennte eine englische Uebersetzung noch nachlesen.

http://www.pureinsight.org/pi/index.php?news=3704