Archiv für den Tag 16/04/2008

Formosa Dongding 1977

Das Flug war nicht ohne Turbelenz. Ich bin angekommen, aber mein Kopf ist irgendwo noch hängen geblieben. Vielleicht weiss er, dass er wo anders mehr Spass hat als im kalten Europa.

Da mein Kopf nicht mitkommen wollte, vergass ich in Zürich-Flughafen meinen zweiten Koffer. Wie könnte es so etwas passieren? Ich war nur fixiert auf einen schweren Koffer, der mehr als 30kgs wog und dachte nur an die Person, die seit zwei Stunde vergeblich auf die Landung wartete. Das Flugzeug hatte eine Panne beim Starten und es verursachte eine brutale Verspätung. Ich bekam ziemlich schnell den schweren Koffer, schnappte meinen Suntorys und versuchte so schnell wie möglich und so harmlos zu erscheinen, um das Zoll zu passieren. Erst am nächsten Morgen beim Aufwachen merkte ich, dass ein Kofferchen vergessen wurde! In diesem Koffer sind viele Sehnsüchte eingepackt! Sehnsüchte von Jörg, von Hans und Madleine etc. Den Dongding 1977 wurde liegen gelassen! Was würde dann passieren, wenn der Koffer einfach in den Menschenmenge verschwinden würde? Ich stellte mir es vor, wie Jörg seufzte.

Aber der Dongding 1977 will unbedingt zu mir mitkommen, bzw. auch zu Jörg nach Frankfurt. Ich fand ihn wieder in Lost and Found. Der Mann lachte mich aus, dass ich wohl meinen Kopf nicht nach Zürich mitnahm. „Sie haben vollkommend recht. Mein Kopf hat mich verlassen. Er mag Zürich nicht. Einen schönen Tag!“ wünschte ich ihm. Die Dinge suchen uns aus, nicht umgekehrt – das bin ich überzeugt.

Heute fand ich endlich Zeit, diesen zu uns gefundenen Dongding 1977 aufzugiessen – mein letzter Tee war ein Hongyu in Taiwan bei meinem Lehrer. Er testete mich mit drei verschiedenen Hongyu, der Preise 2007 gewannen. Ich wurde aufgefordert, die drei Tees zu plazieren. NATÜRLICH bestand ich den Test. Ich liebe diesen Hongyu (ein Schwarztee), der leicht nach Zitrus und Pfefferminz duftet und eine Mandelmilch-Note hinterlässt.

Dongding 1977 ist hervorragend gelagert – sehr sauer, kein Fremdgeruch, so dass man die Verwandlung eines 30 jährigen Tees sehr gut beobachten und erleben kann! Die salzige pflaumige Noten präsentieren uns die typischen Dongding-Note und sind markanter als der Dongding 1981. Der Aufguss fließt seidig in den Mund und bildet eine starke Oberfläche-Spannung. Fast wie Liquor. Nach 20 Minuten verflog das Pflaumige (wie Umeboschi), bleibt nur das leicht nach Biscuit ohne Vanilin duftende Nuance (vielleicht würde ein Deutsche es als brotig behaupten?) Der Aufguss ist sehr dezent, sanft und wirkt wie Balsam im Gaumen. Schmecken tut er nicht mehr auf der Ebene wie ein frischer Oolong, der aktiv und aromatisch ist. Er schmeckt sehr zurückhaltend und noch leicht fein pflaumig. Mit der Wortschatz von Zhou, Yu, er würde sagen, dass das Qi von diesem Oolong uns beruhigt und Frieden bereitet. Mein Lehrer mag solche Kommentare nicht. Er sagte mir lediglich, dass dieser Tee uns einen feinen eleganten Dongding präsentiert, der einen Höhepunkt des Tee-Erleben ermöglicht. Wenn man das Mögliche an einem Oolong erleben und erfahren möchte, würde man an diesem Tee nicht vorbei kommen.

Auch der Fondmanager will ihn nicht verpassen, aber er will diese rare Chance für sich behalten. Er sagte vor einer Woche zu mir, dass die geliebten Tees seine Konkubine seien. Konkubine hebt man eben auf, um sich zu vergnügen und seine eigene Machtstellung vor anderen zu präsentieren anstatt sie zu verehren.

Dongding 1977 wartet auf seinen Kenner. Ich habe nicht viel vor dem Fondmanager retten können.