Teeküche in Beijing (Peking) – ein Essay von Zhou Zuoren

Auf dem Dong-An Markt kaufte ich ein Buch „我的书翰“ von dem japanischen Schriftsteller 五十岚力. Er erzählte, dass die Teeküche in Tokyo nicht mehr schmeckt. Nur noch selten findet man gutes Dessert, das Frucht, Zucker und Füllung harmonisch ineinander verschmelzt werden, so dass die Zunge den einzelnen Geschmack der einzelnen Zutaten nicht mehr schmeckt. Die zweihundertjährigen gloreichen Edo-Zeit hinterlässt uns noch Spuren der genussvollen sinnlichen Tradition. Obwohl diese Tradition Kyotos noch besser gelebt wird. Die Hauptstadt Bejing besitzt auch mehr als 500jährige Geschichte. Theoretisch würde man meinen, dass die Grundsteine von Mode, Wohnkultur und dem Kulinarischen bereits gelegt wurden. In der Wirklichkeit ist es enttäuschend. In Bezug auf die Teeküche könnte ich keine Spezialitäten empfehlen. Obwohl wir uns in Bejing nicht gut auskennen, könnten wir den Zufall selten überlassen. Wir lernen keine gute Teeküche kennen, auch nicht per Zufall. Haben wir hier wirklich nichts anzubieten? Oder wissen wir einfach nichts davon? Es geht eigentlich nicht bloss um das Gier zu befriedigen, sondern um etwas anders. Dass man in einer alten Hauptsadt keine von Geschichte geprägte und dekadente Speise geniessen kann, ist richtig Schade.

Ich mag nicht die Made-in-China Waren im 20. Jh. Grobe Nachahmungen, die vom Patriotismus als „Unsere“ Ware verherrlicht werden, werden teurer als impotierte Ware verkauft. Waren im neuen Häuser erwecken in mir immer Skepsis. Diese Denkweise ist wohl altmodisch, aber die Qualität von Genuss und Schönheit für mich ist in der Tradition begründet. Wenn ich in Bejing nach Süden laufe, sehe ich die große Plakat von Yi Fu Zhai异馥斋. Das erweckt in mir immer Freude und Phantasie. Nicht nur, weil Yi Fu Zhai ein traditionreiches Geschäft, das bereits vor dem Boxeraufstand existiert, sondern auch dass Yi Fu Zhai eine Illusion verkörpert, dass der Alltag mit Räuchern und Meditieren von Muße und Überfluß gefüllt werden könnte. Ich räuchere nie, interessiere mich allerdings sehr dafür. Aber ich traue mich nicht in den Laden zu gehen, weil ich fürchte, dass man auf dem Räuchergefäss Seife und Parfüm aufbewahren, um uns Duft vorzutäuschen.

Das Leben kann nur schön sein, wenn man ausser dem alltäglichen Gründbedürfnissen ein bisschen nutzloses Spiel und Genuss noch Raum zulassen kann. Z. B. über den Sonneuntergang zu seufzen, dem Fluss im Herbst entlang zu spazieren, Blumen bewundern, Regen anhören, Räuchern und den Duft geniessen, Wein nicht aus dem Durst zu trinken, etwas zu essen, weil man nicht satt werden will. Das ist notwendig fürs Leben, obwohl sie nutzlichlos sind. Je raffiniert, desto besser. Schade, dass unser Leben in China gefüllt von Grobheit und vulgärem Geschmack ist. Seit 10 Jahren finde ich hier nichts gescheite gute Teeküche.

Zhou Zuoren, 1924 Februar.

4 Gedanken zu „Teeküche in Beijing (Peking) – ein Essay von Zhou Zuoren

  1. Ulrike

    Ich habe bisher insgesamt 8 Monate in China verbracht und habe eine chinessiche Teekultur überhaupt nicht erlebt. Teezeremonien werde höchstens überteuert für Touristen angeboten. Leider ist es so, dass ein Teil der Bevölkerung in erster Linie mit der Befridiegung der gundlegenden Bedürfnisse zu tun haben. Der andere Teil der Gesellschaft, der möglicherweise über das nötige Geld und die Zeit verfügt, gibt sein Geld viel lieber für teure wesltliche Produkte aus und strebten nach westlichen Idealen. Ich hoffe sehr, dass die chinesische Gesellschaft sich irgendwann wieder auf ihre Wurzeln und Traditionen besinnt und dazu gehör natürlich auch die Tradition des Tees.

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  2. Menglin

    Schön von Dir zu hören, liebe Ulrike!
    Was nun in China stattfindet, ist ein Phänomen jeder Gesellschaft, die zwischen den herrschenden Werten und vergangenen Tradition einen eigenen Weg sucht. Wenn Du die Geschichte Europas im 18. Jahrhundert betrachtest, wie die Obrigkeit die Chinoserie und Japonismus feierte und sich damit kokettiert, könnte man die heutige aufsteigende asiatische Gesellschaft sehr gut verstehen.
    Die Projektion der Sehnsüchte und Verherrlichung des Anderen schreiben immer die Weltgeschichte. Nichts Neues.
    Hast Du das Gefühl, dass man hier ein Bewußtsein pflegt, langsamer und „nutzlos“ zu leben? Selbst in der Wohlstandsgesellschaft Europas sind die Menschen nicht besonders bewußt, die Leichtigkeit des Lebens wie in alten China zu pflegen und zu leben. Für mich ist der jetzigen Zustand in Europa keine Alternative zu dem Chinas.

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  3. Barbara Streiff

    Dear Artfriends,
    with best wishes for a happy NEW YEAR, i`m sending you this information about
    International Art Exchange in Beijing China.
    Since 2005 are the artprojects from alpswisart saved by OCPA/UNESCO PARIS
    http://communicativeart.blogspot.com
    http://performanceart.blogspot.com
    In end of january till february 2009 the artist Barbara Streiff will be there with her Performance expressive Motionspaintings and
    interactive Installations by Homage to Nature in the Art Garden Beijing with
    Invitation from NY ARTS BEIJING INTERNATIONAL.
    http://www.alpswissart.ch
    Greatings from the organisation of Alpswissart

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  4. Mengllin

    Ich glaube, dass Frau Streiff sich geirrt hat, hier in einem Teeblog für ihre Performanz in Beijing zu werben.
    Ich wünsche ihr trotzdem viel Erfolg.

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