Archiv des Autors: Menglin

Meine Yunnan Reise IV – unser Hauptgetränk war Bier

Bier in Yunnan
Während Werner unsere Sucht nach Kaffee nicht ganz heiss lieben konnte, war er immer der erste, der nach Bier schrie.
Als You mir den Preis für unsere Reise nannte, wusste er nicht, dass er eine Bier-Gruppe hatte. Ich auch nicht – aber ich hätte daran denken können! Ich kenne diese Freaks ja seit paar Jahren!
Sie tranken immer Bier. Immer Bier. Zu jeder Mahlzeit und zu jeder Tageszeit.
In Jinghong, in Menghai, in dem schmutzigen Dorf Yiwu, in dem schlimmen Restaurant von Lao Ban Zhang, auch in dem wildem Westen von Mengsong…
Bier… das gehörte zu meinem Kulturschock… Hast Du jemals ein Bier getrunken, das gar nicht nach Bier schmeckt, weil er nur 3,3 % Alkoholgehalt hat und nie gekühlt ist?
Ganz selten bekommen wir eiskalten Bier. Meistens lauwarm.
Schrecklich.
Es war wie abgefärbtes Wasser. Aber der Bayer Werner trank es.
Wir tranken wahrscheinlich pro Tag über 50 Flaschen Bier -ca. 700 ml Flaschen. Am den schlimmen Abend in diesem stinkenden Dorf Yiwu, war es allein in der Nacht über 30 Flaschen.
Nach der schlimmen Wanderung in Jing Mai und in Ba Da, tranken die Wilden als erstes das Bier – anstatt Tee!
Helmut sagte, dass Brauerei unsere nächste Teereise nach Yunnan finanzieren muss.
Er hat Recht.
Ich weiss nicht, wie viel You für unser Bier-Sucht bezahlen muss.
Er ist – wie immer – grosszügig: „Ihr seid meine Freunde!“ Ach!
Ich habe ihn wirklich gerne. Ich habe meine Bier-Freaks auch gerne.

Meine Yunnen Reise III – Mein Kaffee Sucht

Meine Yunnen Reise III - Mein Kaffee Sucht

Während ich jetzt blogge, goss ich noch einmal eine Tasse Kaffee auf, genau so wie in Bergen Yunnans…
Ich schliesse meine Augen und plötzlich bin ich wieder in den Bergen… Wie wäre es, wenn ich Kaffee nicht hätte!
In Taiwan waren wir zuerst und ich wusste unbedingt, welchen Kaffee mitzunehmen. Wasser hat man ja immer und per Hand Kaffee in dieser Form aufzugiessen kann man überall machen. Als wir da kräftig Kafffee in aufklappbaren Filter einkauften, lachten Werner und Henning über mich und Chris. Eine Sucht ist eben eine Abhängigkeit. Ich bin sehr bewusst über meine Abhängigkeit. Eine Kaffeesucht ist nicht schlimmer als eine Sucht nach Tee!
Tom und Chris waren meine Genossen. Sie versorgen mir immer Kaffee. Ohne sie wäre ich total gelähmt in den Bergen.
Als wir mit dem Bus Richtung Menglun fuhr, fuhren wir über einen Regenwald-Gebiet. Ich spürte die Schwüle und komischen Druck in meinem Kopf. Ich weiss ganz genau, dass Chris es genau hat. Kaffee! Meine einzige Rettung. Ohne ihn wäre die Tee-Reise Scheisse!
Nach der Wanderung in Nannuo-Shan war es mir klar – Kaffee! Nicht der scheinbar Nannuo-Shan Tee mir von der Anstrengung erholen helfen würde, sondern diese komische braune Flüssigkeit. Er bringt mich einfach wieder auf den Punkt und stellt mich auf.
In Ba-Da, in Lao Ban Zhang, in Mengsong oder in Yiwu…in diesen Höhe würde ich doch nie schaffen ohne Kaffee. Kaffee hilft mir nicht zu konzentrieren, das hilft Tee. Kaffee hilft mir zu entspannen, gerade wenn ich mich mit Tee beschäftige. Nein, besser gesagt, gerade weil ich mich nur mit Tee beschäftige und so weit weg von der Welt, die mir vertraut ist.
Jeden Tag schaute You mit und schmunzelte dabei. Er trinkt nur Tee – ein echter Teemensch und sich so wohl fühlt in so einer fremden Welt für mich.
Jeden Tag trank ich zwei Male Kaffee mit meinen zwei Genossen in den Bergdorf und fühlten mich so komplett mit dem Leben trotz den Kulturschocks und dem Toilette-Stress.
Jeden Abend in Taiwan trank ich mit meiner Schwester Kaffee vor dem Schlaf. Schön entspannt, familiär und glücklich.
Ich liebe Tee und liebe Kaffee. Warum kann man nicht zwei gegensätzliche Getränke nicht gleichzeitig lieben?

Meine Yunnan Reise II – Kulturschock von „Toilette“

shi yang
So ein stilvolles Toilette gibt es in Shi-Yang in den Bergen Taipeis. Ein Klossomat mit einem Fenster auf Garten.
Weiss Du, was das einfache Glück im Leben ist? Dass man ein Toilette hat.
Was haben wir in Xishuang Banna erlebt?

Wir tauschte gerne aus, ob das Toilette begehbar sein sollte. Jeden Tag. Wir gaben sogar Sternen für Toilette.
5 Stern Toilette ist: mit Wasser, mit Tür, mit Dach in sauberer Umgebung.
4 Stern Toilette ist: mit Wasser, mit Tür, durch Sau-Stahl oder Hühnerstahl.
3 Stern Toilette ist: ohne Wasser, mit Tür, nur ein Loch, aber in sauberer Umgebung.
2 Stern Toilette ist: Mit Wasser, ohne Tür
1 Stern Toilette ist: im freien…

Es gibt schlimmeres…
In dem Bergdorf Ba-Da, nach dem Mittagsessen, nach meinem obligatorischen Kaffee mit Chris und Tom, überlegte mir gerade, ob ich Toilette aufsuchen sollte.
Während ich mir überlegte, kamen gerade paar Leute mir entgegen. Von ihren Gesichtern habe ich entnommen, dass sie auf Klo waren. Es waren zwei prächtige starke Männer, Chris und Tom.. „Hey, wie sieht das Toilette aus?“
Sie schauten sich kurz gegenseitig an… Chris sagte mit einem komischen Gesicht: „Menglin… wir wollen uns gar nicht erinnert werden von dem, was wir gerade gesehen haben!“ Tom sagte noch klarer: „Menglin, Du sollst nicht hingehen.“
Dann sah ich Carian, wie sie hin und her Schritte machte – „Willst Du auf Toilette?“ Sie war überrascht, dass ich ihr Gedanke lesen konnte. „Du sollst nicht gehen.“ sagte ich. Sie lachte.
You lachte immer über uns aus, wenn wir wieder über Toilette austauschten. Er erzählte uns zwei Storys in Bangwei.
In dem Toilette von Bangwei gab es oft ein Bambus Stock. Das Stock dient dazu, dass man sich vor sprudelnden Flüssigkeit schützen kann. Wenn man das grosse Geschäft macht, sollte man das Ausgeschiedene auf das Stock fallen lassen. Somit geht das Ausgeschiedene nicht direkt ins Loch, was bereits voller Flüssigkeit und Substanzen gefüllt ist…
You entschied sich oft ins freien zu gehen und dort sein grosses Geschäft zu machen, weil es mit dem Bambusstock doch zu wider war. Eines Abends ging er an einem kleinen Bach und machte dort das Geschäft. Neben ihm war paar grossen schwarzen Steinen, die im Bach lagen und in Dunkelheit kaum wahrzunehmen waren. Als der Geruch kam und das Geräusch tönte, sprangen plötzlich die Steinen aus dem Bach! Sie waren eben kein Stein, sondern Schweinchen… die rannten Richtung der Gerüchen…. Er – geschockt – rannte auch…
Nun liebe ich mein Toilette in meinem Bad! Wertschätzung kann man nur lernen, durch Entzug.

Meine Yunnan Reise I – Kulturschock – chinesische Organisation

Als das Flugzeug am Sonntag in Europa ankam, dachte ich dass mein Kopf nun zerplatzte.
Ich hatte eine Erkältung – scheinbar ging es zuerst aus der Schweiz nach Yunnan, von Schweizer zu Deutschen und dann zu mir in Taiwan gelandet.
In dieser Reise ist unsere Gruppe nicht gespalten zu deutschen und schweizer Sektionen. Es wurde wahrscheinlich durch die Virus der Erkältung vereint.

Mir geht es gut. Ich bin wieder in meinem Heimat Zürich gelandet.
Hier möchte ich über meine Grenzerfahrungen in Yunnan sprechen.
Das stimmt, dass ich Schlitzaugen habe. Das stimmt auch, dass ich Chinesisch als Muttersprache spreche. Das stimmt vollkommen, dass ich in China wirklich nicht auffallen würde. Aber – ich war wirklich an meine Grenze gekommen.
Noch einmal Yunnan?
Noch einmal so eine Reise mit so einer Mannschaft?
Jein – wieso nicht.
Noch einmal mit so einer chinesischen Organisation?
Bedenklich.

Bei jedem Stop wurde ich gefragt, „Was machen wir jetzt? Wann sollen wir im Bus sein?“
Ich wusste es einfach nicht. Ich wusste nicht einmal, wo und wann wir essen. Es wurde immer improvisiert. Es wurde immer im Moment entschieden. Es war wirklich so chinesisch…
Zum Glück war ich eine Zicke. Ich gab einfach keine Antwort und liess meine lieben Mitreisenden stehen. ( Kurz vor meiner Abreise fragte ein Kunde mich, ob die 18 Teilnehmer nur männlich sein – wie kam er darauf? und wie ich es schaffen könnte! Ich sagte, ich sei eine Zicke. Ich kann lernen unangenehme Dinge anzusprechen.)
Was hätte ich machen sollen? Ein Aufstand gegen diese chinesische Organisation? Natürlich fühlte ich mich nicht wohl dabei und wusste es sehr, meine Mitreisende zu schätzen, wie sie einfach mitmachen. Tom sagte mir immer wieder auf der Reise, ich sei kein Reisebüro und You auch nicht und wir sind nicht in der Schweiz. Das tröstete mich sehr. Von Sekunde zu Sekunde verändert sich das Restaurant und der Ort wo wir hinfahren. Von Minuten zu Minuten wurden Pläne verschoben! Wem hätte ich es sagen sollen wie ich mich fühlte?
Unübersichtliche Organisation und eine Mentalität, als ob man das grösste Geheimnis hätte! Alexander sagte mir heute beim Mittagsessen, dass er unsere taiwanesischen Teebauer und Meister Atong sehr zu schätzen weiss. Für die Tee-Menschen aus Taiwan geht es nicht mehr um das grösste Geschäft mit Tricks und Betrüger zu machen, sondern mit Teilen von Wissen. Von Atong lerne ich stets wertvolles Wissen über Tee, somit könnte ich den Teil, den ich verstanden habe, hier weiter vermitteln. Nur wenn Teemenschen hier Tee schätzen, können wir in Taiwan gute Tees produzieren!
Aber dort in Yunnan – sie behalten ihr Wissen für sich selbst und erzählten mir ein Märchen! Leider weiss ich so viel um es zu knacken, dass es Märchen war. ABER – wie sollte ich meine Mitreisenden es erzählen, was gerade vor sich ging?
Meine Teefreunde sind wissensgierig. Wegen Tee sind wir geflogen, nicht wegen der schönen Landschaft und Exotik. Wir wollen vieles über Tee lernen und dann im Europa weiter geben. Ich spürte den Vorhang was man vor mir inszeniert sehr gut. Aus Rücksicht auf Yous Dasein und als ein Gast konnte ich es nicht konfrontieren.
Es hiess, dass wir nicht sehen durften, wie die Fladen gepresst werden.
Beim Frühstück-Nudelsuppe in dem schmutzigen Dorf Namens Yiwu, sprach ich mit sehr ernsten Wörter mit You – eben unangenehme Dinge anzusprechen – dass es mir am Herzen liegt, diesen letzten Produktionsschritt zu erleben!
Er nahm es wahr und telefonierte gleich und ständig. Es hiess ja und es hiess wieder nein. Er schaute mich an und ich schaute ihn zurück. Auf einmal klappte es. Ein Wechselspiel von lehrreichen Lektionen über mich selbst und Klarheit von dem, was einem wichtig ist.
Ich kämpfte nicht – ich lernte. Ich lerne sehr viel über mich selbst und über das, was ich nicht mehr mitmachen will im Leben.
Wer hat uns in der Schule beigebracht, Konflikte zu ertragen und unstimmige Dinge anzusprechen? Wer hat uns im Leben gezeigt, dass Konflikte uns weiter helfen, über uns selbst zu lernen?
Ich danke sehr an meinen mitreisenden Teefreunden, die alles mitmachten und mich getragen haben.
Teilen ist wirklich ein schwieriges Thema im Leben und vor allem im Geschäftsfeld. Es ist einfacher nur an sich selbst zu denken und Dinge für sich selbst zu beanspruchen. Ich war oft zerrissen in dem dass ich nett sein und Harmonie aufbewahren wollte und in dem, was es mir nicht mehr stimmt.
Schritt für Schritt komme ich näher zu mir und schließe Frieden mit mir selbst. Ich will nicht so sein, wie die Menschen dort, die das Geld überwiegt und das Wissen für sich behalten sollen. Ich will auch nicht, dass man meine Arbeit als Selbstverständlichkeit betrachte. Ich will aber lernen, es wert zu schätzen, was ich tue. Nicht meine Person wert zu schätzen, sondern das Tun.

Berichte ueber unsere Reise

Ich lebe noch. Habe allerdings keine Zeit, keine Ahnung, wie ich anfangen soll, ueber unsere Reise zu schreiben.
Vielleicht fange ich mit Toilette an. Das war das schönste Thema, wenn wir miteinander zusammen sitzen und gerne besprechen… „gell…es war ein schwieriger Toilette-Tag!“
Tim hat vorgeschlagen, dass wir einen Termin doodlen sollen, um miteinander per whats up zu unterhalten, während wir auf dem schönen Klo daheim sitzen können!

Da ich immer noch in Taipei bin, schlage Euch vor, die Blogs von anderen zu lesen, die schneller und fleissiger sind!
http://shuimeitang.ch/blog/
http://www.teeshop.de/blog.php?osCsid=15lt01tspp6n310000924rdsl1
http://www.teehaus.com/blog/?
http://www.teahouse.de/tee-blog/

Tee und die Mystik des Wassers

Tee und die Mystik des Wassers

„Die Teezubereitung ist eine Kunst,
die nach der innersten Seele des Wassers sucht“.

Dieses Zitat von Soho Kitami soll uns als roter Faden durch diesen Lichtbildervortrag führen.
Wir betrachten die unterschiedlichsten Aspekte des Wassers – von der taoistischen Mystik
bis in die tägliche praktische Übung einer Teezeremonie.

Vortrag von Ulrich Haas, Teemeister in der Urasenke-Tradition des japanischen Teewewgs
und Priester der Rinzai-Tradition des Tenryu-ji.

Ort: Shuitang
Zeit: Samstag, den 1. Juni 2013
Um 18.30 Uhr
Umkostenbeitrag 20 Sfr. (Ermässigung bitte per Anfrage)
Anschliessend nach dem Vortrag gibt es einen Tee (selbstverständlich mit Wasser).
Anmeldung unbedingt erforderlich!

Hu Ji, Fremde Frauen

Hu Ji 胡姬. Fremde Frauen. In alten China bezeichnet man Fremde aus Norden und Westen gerne als Hu – die anderen.
Im 7. Jahrhundert vertreibte der Kaiser Li Shimin aus der Tang-Dynastie die „Hu“ aus Norden und diese vertriebenen Hus, kamen als die so genannten „Hunen“ in Europa an. Sie galten im Europa als eine grosse Bedrohung.
Kriemhild und Brünhild streiten vor der Kirche um den Vortritt. Kriemhild gewann den Streit, indem sie Geheimnis der Hochzeitsnacht von Brünhild enthülte. Die beleidigte Brünhild bewegte ihren Mann, der Bruder Brünhilds, um den germanen Held Siegfried zu ermorden. Die schöne stolze Kriemhild verlor ihren Mann und schwor auf Rache. Um die Mörder zu rächen heiratete sie den Hunen König und bewegte ihn, ihre Verwandte zu töten, die Siegfried ermordeten.
Ob es dieser Verwandtschaftsmord wirklich gibt, wissen wir nicht. Aber die Minnensänger haben diese Sage verewigt.
Ich liebe Nibelungenlied. Es zeigt uns deutlich, wer wirklich das stärkere Geschlecht ist und was für Kraft es ist, Menschen zum Verbrechen zu bewegen.
In der ähnlichen Zeit galt die Hauptstadt Chang-An der Tang-Dynastie als Paradies für Glücksuchende. Viele Fremde aus dem vorderen Orient in diese Stadt, eröffnete eine Art von Bodega und das Marketingstricks war der Weinverkauf durch die schönen Tänzerin.
Wir wissen nicht, ob diese schönen Frauen aus dem vorderen Orient freiwillig oder gezwungen nach Chang-An kamen. In der offiziellen Geschichte-Schreibung existieren sie nicht. Die einzigen Überlieferung von ihnen waren die Poesie.
Die Tang-Dichter, männlich und fantasievoll, fangten die anmutigen Blicke, engelhafte Gesänge und reizende Fremdheit in ihre Poesie auf:

卷发胡儿眼睛绿,高楼夜静吹横竹。一声似向天上来,月下美人望乡哭。直排七点星藏指,暗合清风调宫征。蜀道秋深云满林,湘江半夜龙惊起。玉堂美人边塞情,碧窗浩月愁中听。寒贴能捣百尺练,粉泪凝珠滴红线。胡儿莫作陇头吟,隔窗暗结愁人心。 (Li He 李贺) (790–816).)
Li He beschreibt, wie diese fremden Frauen aussahen: Haare voller Locken mit grünen Augen. In hohen Gebäude spielen sie Musik. Die Klänge sind himmlisch und versetzt uns ins Paradie, während die Schönheit im Mondschein weinten aus Heimweh. Der Weg nach Westen über Sichuan ist bereits im tiefen Herbst und voller Nebel. Der Fluss Xiang ist nun stürmisch und voller Gefall. Dein Heimweg ist voller Behinderungen. Unsere Schönheit ist voller Romantik von wilden Westen, aber wenn ich genau hinhöre, höre ich leichte Seufzer und Melancholie. Höre auf, meine Schönheit – Deine Stimme bringt den Zuhörer an der anderen Seite des Fensters in die dunkle Stimmung und zieht sein Herz im Schweigen zusammen.
Das war die Annährung eines chinesischen Dichters an eine fremde Frau Hu Ji aus dem Westen, die über die Seidenstrasse nach Chang-An kam. Wir wissen nicht, was diese Frau hinter sich gelassen hat und was für Wege sie hinterlegte. Wir wissen, dass der Dichter gerne bei den fremden Frauen und das fremde Getränk genossen hat. Was hinter diesen fremden Gesang verbirgt, bleibt für den Dichter geheimnisvoll. Der Dichter reist durch die fremde Frau in die fremde Welt. Seine Fantasie war der beste Begleiter. Der Traum wird zu einem Raum. Ein erfahrbarer Raum.

Ähnlich wie diese vielen jungen Frauen kam ich in die umgekehrte Richtung nach Westen. Im Herzen Europas eröffnete ich Shui Tang. Hier wird nicht Wein ausgeschenkt und Gäste mit Tanz verwöhnt. Es gibt lediglich Tee und manchmal Gespräche. Es ist ein Ort von Aufeinanderprallen der Kulturen und Begegnungsstätte für offenen Menschen. In diesem Herbst möchte ich gerne an einem Vollmondabend den Traum, der zuerst nur in unserer Fantasie bleibt, der uns mit Vorstellungskraft bewegt, das Andere zu begegnen, mit Musik, Poesie und Tee zu einem erfahrbaren Raum verwirklichen – am 21.September… Ich bin sehr gespannt.

Ein gelagerter Shui Xian aus Shiding

Ein gelagerter Shui Xian aus Shiding

Dank Teeclub habe ich meine Lager neu sortieren müssen, weil wir uns zusammen über die Lagerung von Oolong vertiefen wollten. Auf einmal wurde mir bewusst, dass ich viele gelagerte Tees aus dem Jahrgang 2009 aufbwahre. Warum nicht eine Runde von diesen Tee degustieren? Diese fünf verschiedenen Tees von verschiedenen Röstung, Oxidationsgrade und Pflückgut (von Zikaden befallen) zeigen uns verschiedene Gesichter nach 4 Jahren…
Es waren: Jinxaun stakr geröstet, Oriental Beauty von Da Man Zhong (meine private Sammlung von einer seltenen Baumsorte – diese Sorte treibt sehr langsam im Frühling und ist deswegen sehr unbeliebt. Heute werden diese Buschart aus dem Teefelder ausgerottet, weil sie zu langsam sind. Ich machte dann Anspieglung auf die typische schweizer Art… und erntete Lachanfall! Also die Anwesenden hatten echt Humor. Ich denke SVP hätte sicher das Gefühl, dass das Alpenvolk ein vor Aussterben beschutzt werden soll. Ansonsten würden sie nicht so viel Angst verbereiten.), Zheng Dongding, Shui Xian, Huang Jin Gui. Zheng Dong Ding hat allen gefallen. Aber mir hat der Shui Xian besonders angesprochen.

Das stimmt, dass ich im Moment nur arbeite. Zwei Traumprojekte, die Vorbereitung für eine Traumreise mit 18 Wilden, ein laufendes Ladengeschäft, ein Saison von Teeeinkauf und so weiter – machen mich total zur Stimmung voller Jammer. Manchmal traume ich schon, dass ich alles nicht schaffe und mein Flugzeug verpasse. Ich versuche mir stets zu sagen, Step by Step – auch ich werde ankommen. Aber die innere Zeigefinger lass einen nicht immer in Ruhe. Wir sind manchmal der schlimmste Feind und der strengste Kritiker von uns selbst.

Ich sagte Carola, dass es schön wäre, wenn wir diese Tees noch einmal degustieren. Sara kam heute zum Zazen und wir degustierten zu viert noch einmal die 5 Tees. Der Shui Xian sprang sofort für uns beiden aus dem Rahmen. Wir fühlen uns sehr angesprochen von diesem Oolong. Sie sagte, dieser Tee ist so reich an Faccetten, stark im Ausdruck und voller Power! Eine junge Seele sagte sie. Ich schüttelte meinen Kopf…
Ein Shui Xian von Shiding kannte ich als ein Mauerblühmchen. Nicht mehr.
Ein Oriental Beauty hingegen ist eine Päonie, die immer im Vordergrund steht und nie übersehen werden kann. Ein Oriental Beauty ist schön zu trinken. Aber… Sara und ich würden etwas anderes vermissen an diesen Glanz und Schönheit.
Ein Mauerblühmchen, der schweigsam an dem Rand steht und sich zurückhält, ist heute reich an Aromen und Faccetten und voller Ausdruck von Stärke. Ich erzählte Sara, dass so ein Shui Xian kann nur gelagert sein. Die Erlebnisse und Schmerzen machen einem Menschen stark – wirklich stark, nicht stolz. Reich an Erfahrungen und Vertrauen in das eigene Tun macht einem Mauerblühmchen zu einem selbstbewussten Blüte.
Sara sagte, dass ich eine „Lifestory about a tea“ erzähle. Was ist daran so anders zwischen einem Tee und einem Menschen?
In dieser sehr harten Zeit bekomme ich auch verschiedene Kommentare zu hören. Manche fragte mich, ob ich nicht wieder zu Yoga gehe – Yoga würde mich super erden und Energie stärken. Oder Zazen sei richtig für mich, um mich runter zu holen. Diese Kommentare wirkten immer zuerst wie ein Stich – als ob ich etwas nicht gut genug machen würde und nicht gut genug wäre. Meine Reaktion war zuerst immer, „Könnten andere Menschen es besser meistern?“ Wahrscheinlich können andere Menschen es tatsächlich besser. Ich bin einfach nur ich. Ich mache mein Bestes und lerne es zu gestehen, dass ich auch nur das kann. Nicht mehr.
Es ist schwer nur zufrieden mit sich selbst zu sein. Es ist hart, zu akzeptieren, dass man ein sehr gewöhnlicher Mensch ist. Mit der Zeit möchte ich nur eins lernen – nicht mehr Shui Tang besser zu machen oder noch mehr aus Shui Tang zu machen – sondern lerne, Frieden mit mir zu schliessen.
Dieser Shui Xian ist genau so alt wie Shui Tang. Ich bin inzwischen auch 4 Jahre älter. Gelagert, gereift und vielleicht ein Stück weiter gekommen mit sich selbst. Ein Mauerblühmchen wird zu einem ausdruckstarken Blüte. Und ich?
Hoffentlich nur friedlicher mit mir selbst.
Vielleicht wenn wir aufhören können, an uns verbessern zu wollen, sondern nur mit uns selbst in Einheit zu kommen, dann werden wir friedlicher und die Welt endlich voller Frieden!

Tee ist unsere gemeinsame Sprache! Teil III

Meistens weiss ich nicht, wer mir in Shui Tang gegenüber sitzt. Oft interessiert es mich auch nicht. Das, was der andere macht ist häufig uninteressant. Das, was er mir offenbaren kann und will, ist interessant. Manchmal weiss ich doch, was meine Besucher machen, wenn sie mir erzählen. Dann beobachte ich, dass es eine Weile Banker-Welle gibt, eine Weile Anwälte und eine Weile Uhrenhändler. Meiste Besucher sind Banker, die mir erzählen, dass sie unbedingt ihren Beruf wechseln wollen.
Es war ein recht ruhiger Mittag. Ein Herr öffnete die Tür und fragte, ob er bei mir eine Tasse Tee trinken kann. „Was möchten Sie denn gerne trinken?“ „Was Sie für richtig halten.“ Okay. Was wollte ich ihm denn zubereiten? Ich goss eine Kanne Yiwu 2008 von You. Ein Tee, der mich an die süsse Seite des Lebens erinnert.
„Der Tee ist ausgezeichnet. Sie haben einen guten Riecher, was gut ist für mich.“
Ein Kompliment, das gut ankam.
Ich sass zu ihm. „Wo kommen Sie her?“
„Aus der Schweiz. Im Moment pendele ich zwischen Mailand und Zürich.“ eine kurze Atempause, „Ich fühle mich immer fremd als Schweizer in der Schweiz.“
Ich nickte meinen Kopf. Ja – ich fühlte mich oft an einem falschen Ort.
„Fühlen Sie Sich auch fremd hier?“ fragte er mich.
Ich wusste nicht wie zu antworten. In einem schmall talk über meine Gefühle unter den Fremden zu sprechen schaffe ich nicht.
Der Fremde wartet nicht auf meine Antwort und erzählte mir von seiner Reise in Taipei. „Taipei? waren Sie dort? Ich komme aus Taipei!“ Was für einen Zufall.
Er erzählte weiter. Ein Anwaltfreund kam mit Tränen zu einer Besprechung. Er fragte ihm, was los war. Der Freund antwortet mit Tränen, dass der Pianist Horowitz gestorben sei und er sein grösster Fan ist! „Könnten Sie Sich vorstellen, dass Sie in Zürich einen Anwalt treffen können, der wegen Horowitz weint und vor allem vor Ihnen weint?“
Ich schüttelte meinen Kopf.
„Wissen Sie, das kann nur in Asien passieren!“
Mein Besucher erzählte weiter. „Als ich zum ersten mal die alten chinesischen Bronzen in einer Ausstellung sah, wurde ich zutiefst berührt. Ich hatte keine Ahnung was vor mir stand. Aber es war mir so klar, dass es sich um etwas handelt. Etwas, was über Schön oder unschön hinausgeht. Etwas, was eine Seele berührt, auch wenn er die Sprache nicht kennt. Es ist – “ er schaute zu mir, “ das Erleben von dem Wert der inneren Wahrheit!“
„Das ist Kunst!“ mein Besucher rufte. „Die Kunst ermöglicht uns als Menschen auf dieser Erde zu leben mit all das, was wir herum schlagen müssen.“ Er wurde Kunsthändler.
Seine Augen erzählten mir, dass es viel erlebt hat. Sehr wahrscheinlich trägt er auch viele Fragezeichen in sich. In dieser Ozean des Lebens passieren genügend Geschichte, die mich verwirren und emotional durcheinander bringen. Ich frage mich oft, warum? Und wie so gerade ich? Es sind nicht angenehme Frage und man findet keine Antwort.
Plötzlich dachte ich an die alten Bäume in Yiwu. Plötzlich wurde es mir klar, warum ich diesem Herrn diesen Tee servierte. Das Leben von der inneren Wahrheit ist das, was der Tee mir vermittelt und das, warum ich in Shui Tang bin. Die alten Bäume in Yunnan überleben verschiedene Zeitepoche, politische Systeme und klimatische Bedingungen. Sie stehen immer noch dort, nicht um auf uns zu warten, sondern weil sie eben Bäume sind. Und jeder Frühling erinnert sie zu wachsen. Jeder Winter erinnert sie zu warten.
Alexander sagte, ich muss nicht mit auf der Wanderung zu den alten Bäumen. Ich kann mit seinem Vater im Dorf Kaffee trinken und Zigarren rauchen. Die Gruppe braucht keinen Uebersetzer. Denn die Sprache des Baums kann jeder.
Manchmal wenn ich Tim und Alexander sehe, wie sie von Tee begeistert sind und experimentieren – sehe ich einen Anfänger, der mit Spontanität und Naivität seinen Weg bereichert. Sie geben sich Mühe und erleben Freude. Not und Druck machen einen erfinderisch. Ich war auch so frisch – bin nun aber träge und manchmal arrogant. Sie erinnern mich, wie ich einmal war.
Bruno wollte Abschied nehmen und bedankte sich für den Tee. „Das war ein grossartiges Geschenk, was Sie mir geben.“ „Glauben Sie mir – ich tue es nur für mich.“
„War es ein Zauber? Sind Sie die feminine Form von Merin?“
„Nein. Ganz normal, nur Menglin.“ Ich will nicht mehr als es. Es ist schwer genug nur so zu sein
Er ging zur Tür, drehte sich um und suchte. Ich bewegte mich nicht. „Ich glaube, dass ich hier etwas liegen lassen habe.“ er lächelte verlegen. „Ich dachte nur oder ich habe Angst davor etwas zu vergessen…“
„Ja, Sie haben hier den Wert der inneren Wahrheit liegen lassen.“

Tee ist unsere gemeinsame Sprache! Teil II

viele Menschen finden den Weg zu Shui Tang und ich lerne viele Menschen an diesem Ort kennen. Ohne Tee hätten wir uns wohl nie begegnet.
Oft habe ich in meinem Leben das Gefühl, dass ich an einem falschen Ort sei. An einem falschen Ort – ein Gefühl als ein Fremdlinge zu sein. Man ist fremd, weil man anders denkt. Man ist fremd, weil man etwas anders will.
Erst bis vor paar Jahren verschwindet sich das Gefühl immer mehr aus meinem Horizont und man ist immer mehr und mehr zu den Menschen geführt, die einem etwas vermittelt, wie Seelenverwandte.
Man hat das Gefühl, dass man schon lange darauf gewartet hätte oder schon lange kennen würde.
Shui Tang ist wie eine Reise. Sobald wie man an diesen Ort eintritt ist die Zeit unbedeutend. Es gleicht wie ein Schwarzloch, was alles frisst und alles beinhaltet – deswegen – was hat die Zeit überhaupt noch etwas zu sagen?
Fast jeden Tag stehe ich an diesem Ort und mache mich bereit für verschiedenen Menschen, die kommen. Manche wollen nur immer den gleichen. Manche wollen immer einen anderen. Manche wollen bloss sich selbst zeigen. Ich sage mir jeden Tag, ich komme nicht um den Menschen etwas zu zeigen, nicht um Menschen zu beurteilen und nicht um etwas hevorzuheben . Ich bin da, um meine Glaube an Tee zu leben.
Ein Leben für das, was wir glauben. Eine Kultur, eine Tradition, eine Lebenshaltung und ein Schatz, was nicht verloren gehen darf.
In unserer heutigen Zeit, wo meisten Menschen an ihre Jobs kleben, wo meisten Menschen die Herrlichkeit des Lebens mit Ferienwohnung, Autos und Freizeit verwechseln – in einer Zeit, wo das Materielle immer mehr überhand erhielt, während der Wohlstand immer mehr ins Schwanken gerät… getraue ich hier über Glaube zu sprechen…
Das, was viele Menschen bewegt, auf den Weg zu den alten Bäume im tiefen Wald Yunnans zu gehen, erzählt uns eine Kraft. Diese Kraft bringt fremden (wirklich wild fremd aus Europa) Menschen freiwillig unter den alten Bäumen (Gu Shu) zu zelten, zu pilgern und zu verehren. Das ist die Kraft einer Glaube, die nichts mit der Religiosität zu tun hat, sondern mit einer Lebenshaltung.
Etwas tun für etwas Nutzloses – eben bloss für eine Tasse Tee – es sind bloss paar Blätter…
Während meiste Menschen auf der Bahnhofstrasse herum irren und Buchstaben auf den eigenen Körpter tragen, um den eigenen Körper zur Schau zu stellen – geht man auf den schmalen steinigen Weg zu den alten Bäumen, die sich nicht bewegt, nur weil jemand jetzt kommt. Diese alten Bäume machen sich immer im Frühling bereit zu wachsen, egal wie die Welt sich verändert!
An dieser Seitengasse in der Altstadt Zürich passieren spannende Geschichte. Ich kann keine Geschichte erfinden. Tee im Shui Tang hat seine eigene Dynamik und ist das Zentrum des Geschehens. Ich war einfach der Initiator. Ich fühle mich von einem Ozean gerufen und kann mitgehen. Es ist wie und eine Reise. In dieser Reise teile ich mit andern meine Träume und teile Träume des anderen. Die Zukunft ist ungewiss und ich bin voller Ambivalenz. Ich hoffe, ich lebe noch, wenn diese Reise zu Ende geht.
Ich hoffe, ich lebe noch, wenn diese Reise zu den alten Bàume zu Ende geht.