Archiv des Autors: Menglin

Vortrag über Pu-Er Tees aus Yunnan mit Teeclub

Wer sich für unsere Teereise zu den alten Teebäumen interessiert, bietet der Vortrag von Alexander eine spannende Perspektive. Ich nehme an, dass er nicht über die schlimmen Klos und scharfes Essen referieren, sondern für seine Impression.

  • Pu-Er Vortrag diesen Donnerstag in Zürich
    Der Tee Club Schweiz hat mich freundlicherweise eingeladen, einen Bildervortrag über meine Reise nach Yunnan zu den alten Bäumen zu halten. Der Vortrag mit Teeverkostung findet am kommenden Donnerstag um 19:00 Uhr in Zürich statt. Dazu ist jedermann herzlichst eingeladen! Mehr Informationen zum Anlass findet Ihr hier.

EIne Veranstaltung von Teeclub Schweiz
Zeit: 19:00
Ort: GZ Altstadthaus, Obmannamtsgasse 15, 8001 Zürich
Mitglieder: kostenlos
Gäste Club-Mitglieder: 20.-
Nicht-Mitglieder: 20.-

Profile der Taiwaner in RTI

Sehr geehrte Frau Chou,

die Sendung mit ihrem Interview kann nun online gehört werden. Unter diesem
Link http://www.rti.org.tw/ajax/RtiwebPod/German_VOD.aspx brauchen Sie nur
auf das Datum vom 6. Juli und dann auf eines der Icons neben „Profile der
Taiwaner“ zu klicken.

Vielen Dank noch einmal für das interessante Gespräch und alles Gute für die
Zukunft!

Viele Grüße

Sebastian Hambach

Ich wünsche Euch viel Spass bei Hören von diesem kurzen Gespräch. Leider kann ich selbst nicht hören, weil mein Computer immer noch streikt.
Es ist lustig für mich, dass ich durch Shui Tang und meine Arbeit inzwischen von Aussenwelt anders wahrgenommen werde. Ich bin immer noch ich – was ist dabei anders geworden?
Eigentlich gar nichts. Aber die meisten Menschen interessieren nicht, dass Du immer noch dieselbe Person bist. Sie interessieren sich für Storys.

Ein Aermel voller Düfte – Oolong aus Shan Lin xi

Shan Lin Xi
Ich habe wirklich viele guten Tees in meinem Leben getrunken. Oft handelt sich nicht mehr um einen so gegannten guten Tee, vielmehr geht es mir um einen Tee, der mich bewegt und inspiriert.
Oft habe ich meinen Lehrer Atong gefragt, weshalb er keinen Oolong aus Shan Lin Xi hat. Seine Antwort war immer, wenn er einmal einen guten findet! Wie schmeckt ein guter Shan Lin Xi?
Man sagt oft, dass es im Sommer bei Teegeschäften ein Sommerloch gibt. Sommerzeit, Eis-Zeit. Auch Besucherzeit. An so einen warmen Tag kommt nur gewollter Besucher. Letzte Tage empfange ich viele Besucher aus der Ferne, wegen Tee wegen Menschen. Für meinen Besucher bereite ich den neuen Shan Lin Xi. Einerseits weil ich ihn näher kennen lernen möchte – es ist schön mit Teefreunde gemeinsam ohn zu erkunden; andererseits weil er unbekannt ist unter den Teefreunden.
Von den entzückten Augen und begeisterten Miene beobachte ich den Erfolg dieses Neuankömmlinge. Ein Aufguss nach den anderen, Ein Atmenszug nach einem anderen. Düfte betörten unsere Sinne – Blüte aus Süden… waren es Osmanthus, Rosen und Lilien? Sanft im Gaumen, dickflüssig auf der Zunge, Nachklang wie Balsam. Angenehm und ungewöhn zugleich. Fremd und vetraut gleichzeitig.
Gegen Abend nachdem letzte Gäste aus Amerika Shui Tang verliess, draussen auf den Neumarkt herrschte noch Lärm – Samstagabend im Sommer gefüllt von Gespräche und Gelächter, schaute ich die bergvolle Blätter aus Shan Lin Xi erinnerte ich mich an einen Ausdruck, wie ich diesen Tee beschreiben würde…
紅袖添香 Hong Xiu Tian Xiang
Roter Aermel voller Düfte
Ich liebe Düfte und sammle gerne verschiedene Düfthölzer und Harz. Nicht wegen esoterischem Spass, sondern aus reiner Liebe. Ich liebe den Aufwand, wenn ich Duftkugel aus Dufthölzer, Honig und Harz knete, wenn ich Asche siebe, wenn ich so aufwendig den Duft geniesse. Ein Hauch von Ruhe und Frieden. Meistens brenne ich auch Rächerstäbchen, nur weil es Fremdgeruch vertreiben soll. Aber für Spass und für mich, bringt der Aufwand mir innerlich viel mehr. Bei jeder Schritt der Vorbereitung wird der Ärmel immer wieder von Duft gefüllt.
Ähnliche Handlung, ähnliche Frieden und Freude wiederholten und beglückten wohl auch Menschen in alten China. Es wurde gerne erwähnt in der männlichen Phantasie der alten Zeit. Bei einem Buch begleitet von einer Schönheit, dessen Aermel voller Düfte – was will man mehr von Leben?
Shan Lin Xi Hochlandsoolong von Atong begleitete mich und meine Gäste an jenem Samstag bis spätem Abend. Er wird wie der Aermel voller Düfte noch weitere Menschen bei einem Buch, bei einem Besuch oder bei einem Sonneuntergang begleiten.

Das Gesicht einer Nacht 夕顏

Das Gesicht einer Nacht 夕顏

松樹千年終是朽,槿花一日自為榮。
Auch wenn Kieferbäume Tausendjahre alt werden, werden sie irgendwann zerfallen.
Auch wenn Hibiscus nur ein Tag lang blüht, strahlt sie in voller Schönheit.
Bai Ju Yi (772–846), Tang-Dynastie China

Wenn ich in mir Unruhe spüre, mache ich unbewusst mir eine Schale Tee. Je nach meiner eigenen Auffassung wähle ich einen – selten einen grünen.
Grüner Tee geniesst im Europa wegen der angesagten Wirkung gegen Krebs einen Kultplatz. Die meisten Menschen hier haben selten einen Zugang zu ihrem eigenen Körper und glauben gerne an PR-Texte. Sie kaufen das, was empfohlen wurde und wo gepriesen wird mit einem Daumen nach oben oder nach unten. In jedem Frühling zerbreche ich meinen Kopf, um das Verhältnis von Preis und Qualität vom grünen Tee stabil zu halten. Zu viel eingekaufter güner Tee bedeutet für Shui Tang ein Verlust, weil die Schönheit des grünen Tees in meinen Augen eben nur von kurzer Dauer ist. In Japan gibt man sogar den Genusszeitraum von drei Monaten. Aber wenn ich alte Texte von 千利休, Sen no Rikyū lese, dann werde ich richtig verwirrt, dass er den alten Tee bevorzugt und den neuen Shincha als zu unreif bezeichnete.
Ich bin noch tiefer in Pu Er Tee verliebt, seit ich aus Yunnan von den alten Bäumen zurück komme. Der einfache Geschmack gleicht die Schönheit aus der einfachen Erde. Etwas, was reifen muss, um Facetten und Tiefe zu gewinnen – das spricht mir wohl wegen meinem Alter immer mehr an. Das grasige Grün verliert immer mehr mein Gunst.
Seit paar Wochen reisen immer mehr frische grüne Tees in Shui Tang an. Wir sind ganz fleissig beim packen. Die frische grasige Note und federleichte Blätter strahlen eine unglaubliche Leichtigkeit aus. In dieser Hitze Zürichs greife ich ihn sogar freiwillig zu. Während Natascha nach dem Feierabend noch für mich den Computer reparierte, machte ich mir eine Schale Matcha… Plötzlich sass ich im Garten von Sanzenin in Ohara. Der alte Kiefer und Moos scheinen greifbar zu sein. Der alte Kiefer kann lang leben, während mein Leben ein Provisorium ist…
Sara fragte mich auf der Reise, weshalb ich viele Leute aus Europa nach Yunnan mitnehmen wollte. Ich antwortete, weil mein Leben ein Provisorium ist, während der Tee weiter geht. Irgendwann bin ich weg und Tee muss im Europa tiefe Wurzel einschlagen.
Mein Leben ist so kurz wie der grüne Tee. Kurz von Lebensdauer. Wie der Hibiscus in Bai Juyis Gedicht.
Nicht nur Hibiscus ist ein Ein-Tagsblume. Prunkwinde auch. Es gibt zwei verschiedene Sorte: eine Sorte blüht nur am Tag – auf Chinesisch heisst er Morgengesicht, Zhao Yan, eine andere Sorte blüht nur in der Nacht – auf Chinesisch heisst er Gesicht einer Nacht, Xi Yan. Xi-Yan ist gerne erwähnt und oft mit einer Seufz in der chinesischen Literatur – weil er in einer Nacht blüht. Etwas, was nie zu Tage treten soll. Wir haben meistens Angst davor, wo das Licht nicht ankommt… Eigentlich liegt dieser Ort wo Licht keine Chance hat in unserem eigenen Herzen. Deshalb fühle ich mich immer angezogen von den Xi-Yan. Diese Blume erzählt mir das, was ich nicht zu Tage treten lassen will und das Leben nur von kurzer Dauer ist.
Beim Besuch von Hannes Garten entdeckte ich diese blaue Blumen in der abendlichen Stimmung – fast genau wie unser alten Garten in meiner Kindheit, als ich noch mit meiner Schwester durch unsere verschiedene Höfe Versteckspiele machten und vor Erwachsenwerden flohen. Unser Garten ist hin nach Hundertjahren. Ich bin nun hier in Zürich. Manchmal gehe ich zu Vrenis Garten an der Spiegelgasse – die Mauer ist rauh und alt, während die Blumen in voller Schönheit bloss paar Tage blühen.

Shui Tang in Monocole

Shui Tang in Monocole

Für die paar Zeilen und paar Fotos war es eine Haufen Arbeit. Paar Stunde verbracht ein Profi-Fotograf, der bereits viele VIP der Welt verewigt in Shui Tang. Ich konnte am Ende nicht mehr lächeln…
All die Arbeit für die paar Zeilen zeigt mir wie dieses berühmte Magazin arbeitet. Es geht um die Bestrebung der Perfektion, nicht um den Aufwand. Trotz dem Aufwand wurde mein Name falsch geschrieben…
Ich möchte mich hier besonders an Roger Fischer und Ursula Kaspar bedanken. Die wunderschöne Webseite und grafische Erscheinung war aus Rogers Hand und Chragis Können. Ursula ist die wirkliche Zauberin von Shui Tang. Ich bin unschuldig in dieser ganzen Geschichte – bloss zufällig dort, wo so ein wunderschöner Ort geschaffen ist!
Vor etwa fünf Jahren zeigte Roger mir das Magazin Monocole bei einem Abendessen. Er ist Fan von Monocole und das Magazin war mir nie ein Begriff. Er sagte, „Wenn Du einmal ins Monocole schaffst, dann gehörst Du zu dem „Top der Welt“.“ Ich bin ehrlich gesagt, nie ambitioniert, etwas zu werden und mache nur meine Arbeit, weil ich es will.
Es ist so entstanden – ich habe es nicht gewollt.
Shui Tang ist bald vier Jahre alt. Ich möchte mich bei allen Teefreunde bedanken, vor allem Shui Tang regelmässig kommen, tragen und helfen! Ohne Euch wäre das Teehaus nicht hier.

Nan Nuo Shan Shi Tou Zhai 南糯山石頭寨

Nan Nuo Shan Shi Tou Zhai 南糯山石頭寨

朔風如解意 Wenn der Nordwind mich (die Pflaumenblüte) verstehen würde,
容易莫摧殘 würde er nicht so heftig und wütend wehen.

唐-崔道融《梅花》Dang-Dynastie, Cui Daorong „Pflaumenblüte“

Als ich den Deckenrand roch, roch ich Spuren von Poren. Poren versunken im Kräuterzucker. In einem Tee aus Yunnan Poren zu riechen? Ich dachte es sei wegen meinem „Geschmackslosigkeit“.
In diesem Dschungel ist der Mensch so klein. Umgebend von grossen üppigen Bäumen – dazwischen Teebäume, die Spuren von Menschen verschwinden in der dunklen Schattierung des anderen Lebewesen. Vögel lästern, Insekten summen und Tiere lauschen… Nach dem typischen tropischen Nachmittagsschauer duftet der Wald nach Kampfer, nach Jasmin oder nach Maiglöckchen oder nach… mir fällt kein Begriff, um diesen umfassenden Spektrum diese Düfte zusammenzufassen. Nan Nuo Shan – bekannt nach dem Legende von Kong Ming, der intelligenteste Mann der chinesishen Geschichte, berühmt durch die Erzählungen von drei Königsreichen 三國. Es wurde erzählt, dass Kong Ming in Yunnan Kriege fuhr um die politische Macht von Shu zu stabilisieren. Als er mit seinen Soldaten durch Nan Nuo Shan reitete, wurden die Augen seiner Männer krank. Aber die Teeblätter in diesem Wald heilte die Augen seiner Soldaten und die Teebäume wurden seitdem verehrt. Und Nan Nuo Shan wurde zu einem Pilgerort des Tees.
Meine Augen waren heil – tatsächlich. Seit ich wieder in Zürich bin, stehen sie wieder unter stetigem Reiz und Rötung.
Ich weiss nicht ob diese Geschichte mit Kong Ming wahr ist, oder nicht. Wahrheit gehört zur Geschichte, die beliebig und oft willkürlich von Hegemonie interpretiert werden kann. Aber die Poesie gehört mir – für immer.
Nachdem ich in diesem Wald fast vier Stunde gewandert bin, wollte ich unbedingt auch einen Tee von dem Shitou-Dorf, wo Kong Ming verweilte (angeblich) HABEN. Haben, nicht nur ein Schluck zu erleben. Ich will meine Erinnerung wahr haben!
Über Umwege bekam ich endlich diesen Tee. Meine Nase riecht inzwischen wieder und mein Geschmack kehrt bedingt zurück. Mit Freude brach ich Stückchen von diesem Fladen, Nan Nuo Shan Shi Tou Zhai 2010, von You produziert, goss ich mit dem Wasser von Zürich auf. Plötzlich ist der Wald in meiner Tasse und ich bin auf einem Teebaum, der einfach dort auf dem Hang steht, allein und glücklich. Der Mond und sein Schatten sind seine bester Freund. Wie lang steht er da schon? Spielt die Zeit wirklich eine Rolle?
Ich will diese Verbundenheit mit diesen Teebäumen hier haben. Sorgfältig falte ich das Papier des Fladens und Aufguss für Aufguss trank den Tee.
Wenn der Mensch weiss, wie alt diese Bäume sind – vielleicht werden sie vorsichtig sein mit ihren Spuren… Wenn der Mensch weiss, wie hart es ist, eine Fladen noch wie in der Song-Zeit zu erzeugen, vielleicht gibt es Dankbarkeit bei jedem Schluck…
Plötzlich entdeckte ich bei zweiter Degustation die Ursache für die Spuren der Poren. Eine winzige Camelia-Blüte wurde in dem Fladen mitgepresst! Ein bisschen stolz auf meiner sensorischen Fähigkeit, vermischt mit einer starken Traurigkeit.
Teeblüte im Frühling – ein Phänomen gegen das Naturgesetz. Wenn der Baum nicht gestresst wäre, würde er nicht im Frühling blühen… Wer stresst den Baum?
In der chinesischen Kultur werden Pflaumenblüte gerne von Poeten verewigt. Nicht weil sie schön sind, sondern weil sie in den kalten Winter blühen. Eine Schönheit, die trotz der schwierigen Zeit zu sich selbst steht und Mut hat, selbst zu entfalten, wird in dieser Kultur als Ideal gefeiert. Pflaumenblüte bietet den Nordwin, nicht zu bitter und zörgerlich zu toben. Wenn der Nordwind wissen würde, wie schwer sie haben trotz der Kälte treu zu sich selbst zu sein! Vielleicht wenn die Menschen es wissen würden, wie schwer ein Teebaum in dem Dschungel zwischen den Schatten des anderen zu stehen, und wie viel Freude ein gesunder Teebaum den Menschen bereichern kann, würden die Menschen sanfter mit dem Ausbeuten seiner Blätter umgehen…

Meine Yunnan Reise VII – Fairtrade

Oft kommen Kunde, die mit mir über Fairtrade diskutieren wollen. Das ist ähnlich wie Diskusion von Vegetarismus und Bio-Produkte, emotional geladene Themen, weil die Menschen glauben, dass was sie tun besser sei.
Warum ist man bereits besser, wenn man glaubt, etwas zu unternehmen? Warum ist man korrekt, wenn man keine Tiere isst oder mehr für einen Produkt bezahlen will?
Warum muss man sich überhaupt besser als die anderen fühlen?
Ich versuche immer mit meiner Art Fairtrade zu erklären:
Weil jemand sehr intensiv sein Kapital investieren, will er das maximale Gewinn aus dem Geschäft machen. Weil sehr viele Menschen nicht bereit sind für einen guten Preis für einen Produkt zu bezahlen, werden die Preise künstlich niedrig gehalten. Weil die Preise so tief sein müssen, werden bestimmte Menschen unterdrückt.
Fairtrade ist interessant, weil manche Menschen extrem wenig für eine Leistung bezahlen wollen, weil manche Menschen extrem viel daran verdienen wollen, weil manche Menschen extrem wenig für seine Leistung bekommen.
Wenn man mehr dafür bezahlt, verändert sich diese Handlungskette?
Ich habe keine Weisheit und beantworte diese Frage nicht.
Fabio ist super cool – er sagte zu mir: „Menglin, es gibt kein Fairtrade im Leben!“
Fabio und Anna, zwei getarnte Vegetariare unter unserer Gruppe. Ich warnte ihm, dass er mir kein Problem machen darf, ansonsten werde ich zickig und beisse. Wie soll ich überhaupt den Teebauer in den Bergen Yunnans erklären, was für Probleme diese Menschen in dieser Wohlstandsgesellschaft haben mit dem Essen! Sie waren super cool und machten mir nie ein Problem. Sie assen in der Stille ihre Blätter und Kannichen Mahlzeiten. Ich habe sehr viel Respekt vor ihnnen.
Fabio ist mutig und erzählte in Shui Tang vor anderen Teefreunde, dass er es sehr fair fand in Yunnan.
Das städtische Bürgertum und die Langnase pilgerten selbstständig nach Lao Ban Zhang, weil sie an ihr Geld glauben. Wenn man Geld hat, kann man gute Dinge kaufen.
Dort in Yunnan ist es anders. Das Geld stiesst an der Grenze – oder man kann es sogar mit einem negativen Begriff besetzen: Betrug.
„Nein, das ist kein Betrug, Menglin!“
Fabio behauptete, dass die Käufer selbst zu Teebauer gehen und Tee direkt bei Bauer degustiert bekommen. Sie kaufen den Tee, den sie selbst bestimmt hat. Das ist doch kein Betrug! „Das ist bei dem italienischen Olivenöl nicht anders!“
Koreaner haben recht, wenn sie unter den alten Bäumen zelten. Sie haben zwar keine Ahnung, wie ein Tee von alten Bäumen schmecken. Aber wenn sie genügend lang unter den Bäumen schlafen, können sie den Prozess kontrollieren. You hat auch so vor 15 Jahren angefangen. Step by Step bewinnst Du mit dieser dummen Methode Respekt von Teebauern und dann ensteht eine nachhaltige Beziehung.
Bei den Koreaner gibt es noch ein Hacken – sie können die Herstellungsfähigkeit des Bauers nicht beurteilen… Tee ist eben ein Produkt einer Kultur und Tradition, was mit Menschen sehr eng verknüpft ist! Deswegen ist nicht alle Gushu-Pu Er gut, nicht alle Bio Tee sind geniessbar…
Jetzt sage ich in Shui Tang zu meinen Besucher: „Möchten Sie Fairtrade? Was für auto fahren Sie? Was für Smartphone haben Sie? Die Bauer daoben fahren BMW oder VW, sogar Porsche und fast alle Bäuerinnen haben ein I-PHone 5. Wollen Sie Fairtrade? Der Pu Er ist ein echter Fairtrade!“

Meine Yunnan Reise VI – Der Zweifel eines Teeprofis

Inzwischen bin ich so stark von Europa geprägt, dass ich oft nachdenken über meine eigene Herkunftskultur. Das Reichtum der chinesischen Kultur bereichert mein Leben und ermöglicht mir die Grenze zwischen den Westen und Osten zu überschreiten und zugleich Frieden in mir zu finden. Das kann auch nur geschehen, weil ich versuche mit Modernität meine Wurzel zu betrachten. Viele Ballast aus der Vergangenheit nehme ich zwar wahr, entscheide mich für einen eigenen Weg. Aber wenn ich Tee vermitteln will, vermittele ich keinen selbst gemischten Cocktail. Nur wenn man die Wurzel des Tees kennen lernen kann, kann man selbst eine Wurzel in einen fremden Boden einschlagen. Ein Cocktail schmeckt easy, bleibt eben auch nur auf diese Ebene von Easy-Geschmack. Ich kümmere mich nur um das, was bleibt.
You sagte mir, dass wir kleine Fahrzeuge mieten mussten um nach Lao Ban Zhang zu fahren. Ein Tag vor unserem Fahrt, wurden die Fahrzeuge immer noch nicht bestellt. Ein Freund, der ehemaliger Direktor von einem grossen Basis-Station der Menghai Teefabrik organisierten dann allen Fahrzeuge und Fahrer. Alles nur wegen ihm. Wir duften gehen wegen You. You duften uns so mitnehmen wegen dem Direktor.
So fuhren uns 5 fahrer, Freunde des Direktors. Sie machten ein Freundschaftsdienst, ohne uns zu kennen. Sie machen es einfach so – das wird in Europa nie passieren! Wer würde wegen Freunde von Freunde einen Tag frei machen und 5 Stunde Auto fahren – durch so einen gefährlichen Weg? Ich möchte auch wissen, ob unsere Teefreunde im Europa jemals für diese Leute so ein Freundschaftsdienst machen würde!
Es war eine beeindruckende Fahrt durch ausgewaschene Felswege. Ich schnallte mich natürlich nicht an, so dass mein Körper je nach wie das Auto schwingte, hin und her bewegen konnte. Ich habe die 2 stündige Fahrt pro Weg durch Staub und gefährliche Löcher immer sehr gut bestanden, weil ich schlief – allen bewunderten meine Fähigkeit in diesen Fahrten schlafen zu können. Irgendwann kamen wir an.
Das reichste Dorf in den Bergen, Lao Ban Zhang hat viele neue Häuser und am jeden Wochenende fahren das städtische Bürgertum sogar mit ihren Porsche hoch – wie schaffen sie durch diese Löcher?, um Tee einzukaufen. Auch das städtische Bürgertum will direkt bei dem Teebauer einkaufen.
Das Restaurant – ist es überhaupt ein Restaurant? Wenn es regnen würde, würden unsere Füsse im Schlamm stehen. Toilette – da verzichte ich freiwillig zu fragen.
Dann wurden wir von dem Direktor zu einem neuen prächtigen Haus gebracht. Ein Haus von einem frisch verheirateten Teebauer. Wir sassen dort, tranken Tee. Der Direktor bereitete uns verschiedene Tees, die er einen nach dem anderen aus Nebenzimmer holte. Ich versuchte mit ihm zu sprechen – erfolglos. Er sprach nicht mit mir, nur mit You. You ist für ihn einen ebenbürdigen Austausch-Partner.
Wir blieben dort und wussten aber nicht, warum, wie lange und was danach. Meine Teefreunde aus Europa waren so einfühlsam, sie machten mir kein Problem. Sie folgten einfach, weil sie mich vertrauen.
Ich sah, wie der Direktor sein Gesicht immer mehr zusammen zog, die Diskussion immer intensiver wurde und seine Miene schwerer wog. Ich malte mir eine Geschichte, einen Krimi.
Es war wie ein Krimi. Der Direktor, ein Profi von Profis, musste für seinen Mandant einen echten 100% wahren Lao Ban Zhang Tee aus den 600järigen Bäumen kaufen. Er suchte und suchte. Wir trankten mindestens 6 verschiedene Tees, die seiner Vorstellung nicht erreichten. Sie seien nicht echt. Bei einem Muster war er nicht sicher, auch wenn der Geschmack ihn überzeugt, aber die Art des Rollens von diesem Muster nicht. Er holte ein bisschen Muster und musste in Menghai selbst degustieren und vergleichen. Ich fragte You, warum er nicht einfach dem Teebauer fragte. Er müsste doch mit dem Bauer siper befreundet sein, wenn er die Langnasen einfach zu diesem Haus mitnehmen konnte und sie Toilette besuchen konnten. You sagte, „Freundschaft hat wohl nichts mit dem Geschäft zu tun, oder? Freundschaft erreicht in diesem Geschäft mit Pu Er nicht…“
Wenn Du es nicht erkennst, ob der Tee echt ist – das ist doch selbstschuld…
Wenn der Profi von Teeprofi es genug schwer hat, die Echtheit zu erkennen – was mache ich denn da?
Wenn Du hier im Netz googlest, findest Du sooooo vieeeele selbst Reisende nach Yunnan und dort selbst Tee einkaufen. Was passiert da für Geschichte? Oder Krimis?
You sagte mir, ohne Wissen und langjährige Erfahrungen und Beziehungen ist man hier total verloren. Bei Teetasting sagte ich ihm, dass ich mich wie ein Anfänger fühle. Er sagte zu mir, „Auch wenn Du nicht so viel Wissen von diesem Tee hast, Du spürst so gut. Du muss es nicht wissen, Du weiss einfach was gut ist. Du verstehst es eben.“ Das kann nur funktionieren, weil er anders denkt als die Teebauer in Yunnan…
Der Zweifel dieses Teeprofis brachte mich zu einer Klarheit von Fairtrade.
Im Europa verbindet man Fairtrade nur mit dem Geld. In Yunnan muss man eine andere Assoziation mit Fairtrade erweitern: Wissen ist Macht.
Wenn Du keine Ahnung hast, bekommst Du eben das, was Dir ebenbürdig ist…
Diese Vorstellung ist revolutionär!

Meine Yunnan Reise V – die Mauer

Ich spürte noch einmal das Gefühl gegen eine Wand angestossen zu haben. Eine Wand, eine Mauer, die nichts mit der Sprache oder Kultur zu tun hat, sondern mit dem Patriarch und der Hierachie.
Noch einmal von Lebensmittelvergiftung geholt, noch ein Tag lang nur Erbrechen und Durchfall, als ob ich etwas nicht verdauern und vertragen könnte.
Ich erzählte Sara bei einem Spaziergang durch die fremden Landschaft über unsere Reise in Yunnan. Ein Schweizer Bauer von Bergen starrten uns – zwei fremden Frauen mit Flair von Exotik und Anflug von Lächeln, er konnte unsere Frage nach dem Weg nicht einmal richtig beantworten und zugleich seine Augen nicht von uns ablenken… Ich sagte Sara – „Siehst Du, das ist der Unterschied zwischen Yunnan und der Schweiz.“ In den Bergen von Yunnan sind die Bauer unheimlich herzlich und freundlich – auch wenn sie nicht mit uns reden…
In den Bergen von Yunnan sind die Dörfer oft gefärbt von Matriarcht. Die Frauen sind tapfer und fleissig, während ihre Männer für die Repräsentation zuständig sind. Bäuerinnen sprachen nicht mit uns, sie waren immer unter sich alleine. Auch die Männer sprachen nicht mit mir, fuhr aber mit einem unglaublichen Stolz, wenn er ein Dolch trug und uns durch seinen Reich fuhr!
Die süsse Erscheinung – dass ein stolzer Mann ein Dolch auf dem Rücken trägt und 18 Langnase durch seinen Garten führt, bleibt für immer in meiner Erinnerung.
Ueberall wo wir waren, fielen auf. Unsere Pässe wurden in Yiwu sofort von Polizei gesammelt und wurden uns frei gegeben, als wir wieder abreisten. You sagte mir, dass er immer angerufen wurde, dass er mit einer Gruppen von Langnase unterwegs sei.
Aber das Wissen über Tee, über die Produktion und über Teebäumen selbst, erzählten sie mir nicht. Egal wo ich war, wenn ich nach dem gerade aufgegossenen Tee fragte, wurde nicht geantwortet oder mir wurde eine Geschichte erzählt.
Ich beobachtete, wie sie dicht über die Informationen umgehen und wenn dann nur mit You austauschen. Sobald You mit den Chinesen zusammen war, war es eine unsichtbare Mauer anwesend. Sobald er nur mit mir war, war die Mauer wieder zerfallen und ich spürte ihn wieder. Warum?
Das war ein schlimmes Stress für mich.
Ich habe viele Menschen mitgenommen, nicht um die schöne Landschaft Yunnans zu besichtigen – es gibt bessere Reiseveranstalter! Wir sind gekommen, um Tee zu lernen. Gegenüber meinen Teefreunde aus Europa fühlte ich mich stets schuldig, weil ich auch nicht wusste, was lief und ihnen auch nicht weiter erzählen konnte. Aber – wem soll ich denn das erzählen? Gegen eine Mauer zu rennen und vor einer Wand zu stehen, was von Aussen vertraut und bekannt sein sollte!
Sara lächelte mit nachdenklichem Gesicht, „Menglin, Du sprichst von Teilen… Ist Teilen nicht ein Produkt von moderner Vorstellung? Ist der chinesischen Struktur ist stark von Pariarch geprägt. Dort gibt es Teilen nicht, sondern sich unterordnen!“
Ich sei in die dunkleste Falle der eigenen Kultur getappt.
„Erinnere Dich doch einmal als Du das chinesische Oper lernen wolltest, was Du zu hören bekamst?“ Zuerst dem Meister dienen und lernen, wie er sich bewegt. Irgendwann ist man selbst so weit und der Meister tauscht mit Dir aus – nur wenn Du so weit bist.
„Wenn Du Ahnung hast hier in Xi Shuang Ban Na -“ sagte You zu mir, „bekommst Du Respekt von den Bauern, weil sie wissen, dass Du Tee verstehst. Aber das heisst nicht, dass sie Dir den besten Tee verkaufen willst. Sie wissen, dass sie mit dem gemischten Ware an ahnungslosen städtischen Besucher noch mehr Geld machen können! Warum sollen sie Dir den besten reinen Gushu (Tee aus altem Baum) verkaufen?“
Wissen ist Macht.
Eine Machtstruktur plus kommerziellem Interesse. So sichert man das Wissen, beziehungsweise die Macht. So sichert man das Reichtum.
Das Teilen, was wir hier in Facebook und Google sprechen, ist ein extremes Pol von dem was ich in Yunnan erlebe. Hier im Europa ist das Teilen gratis – so dachte ich manchmal, dass man meine Arbeit auch fast selbstverständlich annimmt! Sehr oft fühlte ich mich sehr unwohl, wie man mich behandelte. Wo ist die Grenze von Respekt vor eigenem Wissen und das Teilen von bedienungsloser Liebe?
Ist ein Individuum wirklich in der Lage an etwas teilzuhaben, was ihm einfach auf dem Schoss fällt? Oder ist es durchaus das Wichtigste im Leben zu lernen, andere Menschen zu tragen und für etwas einzusetzen, ohne etwas zurückzuerhalten?
Ich habe meine Antwort gefunden. Aber Deine, muss Du selbst finden. Das teile ich wirklich nicht.

Hua Shi 花事 – Eine Angelegenheit von Blumen

Man hat Schnee angekündigt.
Auch wenn ich immer noch nicht viel rieche, keinen Geschmack emfpinde, wenn ich diesen Regen fallen sehe, weiss ich, dass Päonie es nicht vergisst zu blühen und unter diesem Regen leidet. Fast jeden Tag ging ich in den Garten schauen, rettete die Blüte, die zu retten waren. Ich stelle die zarten seidigen Blumen ins Wasser. Keine überlebt nach einer Nacht. Keine.
Hannes hat einen traumhaften Garten voller Päonie. Auch wenn ich keinen Geschmack habe, will die Blumen besuchen gehen. Blacka wollte mit. Dann kam Emma. Dann tauchte plötzlich Yumi. Am Ende war noch Sandro dabei. Sie wollten alle mit mir Päonie schauen gehen. Was für eine geschmacksvolle Angelegenheit? Mein Körper war in Zürich, aber mein Geist schwebte in einer anderen Zeit.
In der alten Zeit von China und Japan versammelten sich die geschmacksvollen Menschen um Schönheit des Lebens zu zelebrieren. (das Wort Geschmack – Feng Liu, wird in unserer Kultur anders verstanden. Es ist nicht die Menschen, die schönen Dinge tragen, besitzen und zeigen, sondern Menschen, die das Leben schön und sinnlich gestalten.) Man trifft sich zum Beispiel um Päonie zu bewundern.
Wir gingen zu Hannes. Es war kalt und leicht regenerisch.
Als Hannes unsere Mannschaft sah, hat nur gelacht – ja, Menglin hat immer eine Überraschung bereit. Er zeigte uns den blühenden Garten im leicht flüsternden Regen. Ich hörte wie Yumi seufzte, „wer hätte gedacht – das mitten in Zürich!“ „Wer hätte gedacht – dass wir heute zusammen diesen Blumengang machen? Wie ein Traum, nicht wahr?“ Ja… wie in der alten Zeit, es ist bloss hier und jetzt in Zürich!
Sie sagte mir, dass sie unbedingt zu mir gehen wollte und wusste, dass es ihr danach gut gehen wird. Ich stand zwischen den Blütenmeer, spürte unglaublich viel Anmut und Liebe. So standen wir alle in dem Zürcher Berg und genoss den einmaligen Augenblick unter den Blüten. Einmalig… Es kommt nie wieder zurück.
Die Päonie blühen, egal wie der Wind schimpft und wie der Regen tadelt. Sie wissen nur zu blühen, Jeder Schritt, den ich trete, jeder Atmungszug, den ich nehme und jeder Augenblick, den ich wahrneme, werden von dem Farbepracht und dezenten Duft gefüllt. Überall sind Päonie. Ich wurde ambivalent. Kann das Leben so verschwenderisch sein, wie diese Blumen grosszügig meine Sinne sättigen und mein Verlangen nach Schönheit befriedigen! Kann das Leben noch so schön bleiben, wenn diese Nacht vorbei eilt? Was ist dann, wenn niemand diese Blumen zu bewundern kommt? Verwelken sie in der Einsamkeit?
„Onejiang, was sollen wir machen? Hier eine Flasche Sake aufmachen, trinken bis wir betrunken werden? Dann können wir ein bisschen singen ohne Karaoke oder irgendein Gedicht schreiben ohne Form.“ ich seufzte – das Leben ist so komplett im Hier und Jetzt.
Hannes sagte, es sei kalt und nass. Also meine Idee war bloss ein Traum. Ausserdem lag eine Flasche Champagner im Kühlschrank.
Der Regen fiel. Die Nacht kam an. Die Blumen verschwanden in dem Moment, als ich Richtung Wärme lief.
Ich wünsche der Regen entscheidet sich rasch, ob er schneller vorbei zieht. Er sollte nicht zörgern. Seine schleichende Schritte würden mir weh tun. Päonie verträgt es nicht. Sie werden fallen.
Hannes war grosszügig. Er gab mir den von unserer Teereise nach Taiwan selbst gemachten Si Ji Chun aus 2009. Süss, blumig und gesprächig. Der Tee rundete den geschmacksvollen Abend.
Während ich auf den Weg nach Seebach fuhr, dachte immer noch an dem schönen Spruch meiner Vorfahren: Unter den Päonie zu sterben ist eine geschmacksvolle Tat!
Eine Angelegenheit von Blumen – eine Angelegenheit von Leben…