Archiv für den Tag 26/10/2008

Tee trinken, um gesund zu werden?

Ich bin ein leidenschaftlicher Esser. Wenn der Appetit bei mir Ferien macht, bedeutet es wohl, dass es mir wirklich schlecht geht. Wolfgang (ein guter Freund und zugleich Hobbykoch) sagt mir oft, dass es selten eine Frau wie mich gibt, die kein gestörtes Verhältnis hat zum Essen. Ich esse wahnsinnig gerne. Der einzige, der sich beschwert, dass ich zu dünn sein könnte, ist mein Teevater – das stimmt überhaupt nicht! Aber er beschwert sich jedoch jedes Mal, wenn ich gegen ihn beim Abendbrot konkurriere. Ausgerechnet ich, ein leidenschaftlicher Esser, wurde eingeladen für einen Diät-Club ein Teeseminar zu halten.

 

Die Idee war, dass ich die Übergewichtige zum Teebegeisterten verwandele. Die Übergewichtige sollten den gesunden Tee trinken anstatt Cola!

Für mich war der Idealismus der Leiterin eine Illusion. Das Problem eines Übergewichtigen liegt nicht an der ungesunden Ernährung wie z. B. Cola, sondern an den Drang, sich ungesund zu ernähren!

Wenn ein Mensch einfach sich schlecht gehen lassen will, kann man ihm eigentlich gar nicht helfen!

Wie so weiß jeder Arzt, dass sein Patient gesund werden will?

Ist Tee tatsächlich gesunder als Cola? Warum sollte ich denn Nahrungsmittel moralisieren? Ich fühle mich nicht besser als ein Teetrinker, außerdem ich kümmere mich nicht um die Dinge, was andere machen. Ich möchte nur Menschen über den Genuss des Tees vermitteln, wenn er auch bereit ist, selbst den Genuss zu gönnen!

Wir können niemanden lieben, wenn der Andere nicht bereit ist, die Liebe zu empfangen. Trotzdem könnten wir diesen Menschen weiter lieben auf eine andere Art. Ich wünsche, dass es ihm gut geht und sein Glück findet.

Ich tue und gebe mein Bestes.

Also mit dieser Einstellung bin ich zum Seminar gefahren. Ich verdiene gerne Geld, aber will nicht bloß für Tee propagieren. Schlussendlich hat jeder seinen freien Willen und ich tue nur mein Bestes, den Tee zu vermitteln.

Das Publikum bestand aus gewöhnlichem Schweizer Bürger, gestresst und hat seine eigene Trauma und Geschichte. Als das Thema Tee gegen Stress zur Sprache kam, erklärte ich zuerst die Haltung des Tees. Wenn man Tee zubreitet, bewegt man sich nur innerhalb der Reichweite unsere Hände. Jeder hat unterschiedliche Hände, die unterschiedliche Weite erreichen. Wenn man mit Gewalt, die Grenze der Reichweiten überschreitet, verliert man sehr schnell das Zentrum der Haltung und zugleich die Eleganz der Bewegung. Was die eigenen Hände nicht erreichen, müssen die Hände von Anderen mithelfen. Menschen sind für einander da, um das gegenseitige Leben zu erleichtern. Der Stress entsteht, wenn man die Hände des Andere nicht traut und die Reichweite der eigenen Hände überschätzt. Einfach gesagt, schwer umzusetzen. Das lernen wir im Tee, indem wir Tee zubereiten und anderen Menschen servieren. Diese Praxis erleichtert uns diese Haltung zu veralltäglichen. Nur wenn es uns geht, könnte es anderen auch gut gehen. Nur wenn es uns gut gehen, könnten wir andere Menschen beraten, helfen oder „Geschäft machen“.

Aber was heißt denn „Gut Gehen?“ Für mich bedeutet bei sich selbst bleiben können. Ohne Respekt vor sich selbst, könnte man sich nichts gönnen weder einer Pause, einer Tassen Tee oder einem guten Aussehen. Respekt findet man nicht vom Außen, sondern in uns selbst. Ich versuchte den Teilnehmern zu motivieren, Selbstachtung und Selbstliebe zu entdecken und zu spüren. Man will ein gutes Aussehen haben, wenn man Respekt vor sich selbst gewinnt. Wenn das gute Aussehen Bestätigung erhält, wird der Respekt vor sich selbst automatisch erzeugt. Zuerst muss man es in sich selbst finden und das bedeutet eine harte Arbeit der Selbstfindung. Du bist es wert, gut und gesund zu sein. Und Du bist so wie Du bist in Ordnung. Auch wenn die Gesellschaft Dich als so oder so zuschreibt!

 

 

 

Ich war nicht sicher, ob mein Auftragsgeber mit mir zufrieden war. Ich wollte nicht Tee verkaufen. Wozu? Paar Teebeutel in fremden Kücheschrank stehen zu lassen, nur um eine gute Verkaufszahl zu kreieren? Das Vertrauen zwischen Menschen sollte aufgebaut werden, dann wird dieser Mensch immer wieder zu Dir kommen, wenn er etwas bräuchte. Die Verkaufszahl ist nur Ziffer, temporär und abstrakt. Das Dauerhafte ist mit dem Auge unsichtbar.