7. 4. 2008 in Mingjian I

23.30 am 6.4.2008

Ich schlief im Xiangxiangs Zimmer. Er war bereits mit seinen Eltern nach Taichung gefahren. Es gab sehr viele Geraeusch in dieser Nacht, die ich laengst vergass und nun alles sehr praesent wurden. Auch ich war ein Kind unter den Pamelo-Baeumen und spielten mit der Erde und Frosch. Die Erinnerung wurde hell: das verfluchte Grundstueck meiner Grossmutter, mein verstorbener Onkel und seine Mangos und meine Mutter, die ihren Vater nie erlebte und allein in Taipei unter den Fremden lebt. Irgendwann schlief ich ein.

Fermentierte BlattgutFermentierte Blattgut. Wenn die Fermentation genuegend war, sollten die blaetter nun nach Honig und Fruechte duften.

00.00 am 7.4.2008

Ich wurde geweckt und sprang aus dem Bett. Die Nacht war leicht kuehl, sehr angenehm. „Bist Du muede?“ fragte ich. “ Nein, wenn ich weiss, dass der Tee gemacht wird, bin ich immer fit.“ antwortete mein Lehrer. Er fuhr zu Aming, unser Teemaker. Er schlief wohl noch, das Licht war noch aus. Dann fuhren wir weiter zu anderen. Die Teemaker in Mingjian schliefen in naechsten Tagen nicht mehr. Wir gingen zu einer Powerfrau, meinte er. Diese Powerfrau ist juenger als ich, kraeftiger und flink! In dieser Nacht musste sie 800 Kg Tee erhitzen und verdiente dabei 150 Sfr. Und in naechsten paar Wochen wird sie wohl nachts nicht zum schlafen kommen.

Erhitzen

00.30 Erhitzen (Shaqing)

In einer heissen Dampf-Maschine werden die gewelkten fermentierten Teeblaetter erhitzt, um den Fermentationsprozess zu stoppen.

Aehnlich wie bei Kaffeebohne in der Kaeffeeroesterei werden die Teeblaetter unterschiedlich erhitzt – bei der Industrieproduktion, wie die Powerfrau machte, war die Temperatur ueber 200 Grad und nur 10-15 Minuten. Viel zu heiss und zu kurz, meinte mein Lehrer. Bei Aming, ist es nur ca. 150 Grad, aber dafuer laenger.

Diese Powerfrau zu fotographieren war unmoeglich. Sie vermied mein Blitz und meinte, dass sie nicht schoen sei. Ich lachte und vertsand es, weil ich auch so ueber mich denke. Aber ihre Arbeit machte sie schoen, speziell, einzigartig. Ich haette sie gerne portraitiert, wie sie in dieser Maennerwelt einen Platz behauptet – DIE Frau fuer die groesste Teeproduktion in diesem bekanntesten Teedorf. Sie schaffte mit vier anderen maennlichen Kollegen in dieser Nacht zusammen und sie spielte die erste Geiger.

00.45 waren wir bei Aming. Er war mit einem Kollegen bei der arbeit. In seiner kleinen Teeproduktionsstaette schafft er mit seiner Frau und zwei Soehnen, die nur beim Welken helfen. Seine Frau machte mit einer anderen Frau bei Xiaolang und Dalang. Dann ging sie schlafen. Er wurde dann geweckt, um die weitere Schritte zu leiten.

In dieser Nacht musste er die fermentierten Teeblaetter erhitzen, rollen und die 1. Trockenung feritgstellen. Morgen um 6 Uhr kommt der teuer bezahlten Formen-Meister, der alles zum Rohmaterial zu Ende verarbeitet.

Powerfrau

Rollen – um den Saft der erhitzten Teeblaetter zur Oberflaeche zu bringen. 1. Trockenen dient dazu, um die Teeblaetter so zu stabilisieren, dass man in paar Stunde weiter verarbeitet. Erhitzten, Rollen und 1. Trockenung finden gleichzeitig hinter einander statt. Darum werden mindestens zwei Arbeitskraefte benoetigt.

Rollen Rollen

Unser Tee wurde erst gegen 3 Uhr ehitzt. Die Fermentation war mindestens 3 Stunde laenger. Den Tee kaufte mein Lehrer von dem Teebauer ab, der seinen Tee gleichzeitig machen liess. Er wollte mir aufzeigen, was Dalang und Fermentation bei der Produktion entscheiden koennte. Unser Tee war 15 Minuten laenger unter Dalang (grosses Schuetteln) gelaufen, waehrend der Teebauer nur 15 Minuten haben wollte. Er wollte nicht einen ungewoehnlichen Tee. Amings Frau sagte mir, dass mein Lehrer immer eine andere Vorstellung hat. Die meisten Leute wollten nicht warten, nur er wollte warten. Das Warten bedeutet Geld ausgeben in Mingjian.

1. TockennungTrocknen

Warten auf die Zeit, die sich lohnt, zu warten.

Als ich gestern morgens in das Dorf ankam, sagte mein Lehrer bereits zu mir, was ich lernen werde. Er sagte, Warten und Vertrauen.

Warten, auf die Zeit, die wert ist, zu warten. Warten bis die Teeblaetter Dir sagen, „ich bin so weit.“

Vertrauen auf die Teeblaetter, was sie dir sagen. Vertrauen in Deine Nase, die sagt, was Du riechst. Vertrauen in Dein Wissen, was Du von Tee weiss und willst. Die anderen wollen andere Dinge haben als Du, aber Du hast Vertrauen in Dein tun. Er sagte mir, dass es eine Sucht sei, Dinge zu haben, was alle haben und schon immer haben (meine Kaffeesucht). Vertrauen ist etwas anders. Vertrauen zu haben sei romantisch, meinte er. Vertrauen in die Ungewissheit, um vom Gewoehnlichen abzubrechen und um etwas anders zu ermoeglichen.

01.30 er liess mich immer noch nicht schlafen. Er holte bei drei verschiedenen Produktionsstaette bereits die ersten Teeproben. Ich musste ihm noch sagen, was ich roch.

Gestern wurde ich bereits zu verschiedenen Fruechten und Blueten gefuehrt, um die Duefte richtig zu speichern. Bei jeder Schritt der Produktion musste ich ihm sagen, was ich roch. Roch es bereits nach Blumen? Nach Fruechte ? Nach Honig? Alles haben eine Bedeutung bei der Produktionsproezesse.

Vor den drei Tassen sagte ich ihm, was mir am besten gefiel und was nciht stimmte. Er kommentierte dann, warum.

1.50 fuhr er mich endlich wieder nach Hause. 2.05 lag ich auf dem Holzboden-Bett. Die Kindheitsgeraeusche liess mich nicht gleich einschlafen.

Um 6 Uhr sollte es weiter gehen.

 

Ein Gedanke zu „7. 4. 2008 in Mingjian I

  1. Suzanne

    Was für eine spannende Nacht!!! Vielen Dank, Menglin, für diese tolle Beschreibung einer Tee-Nacht …

    Ich bin gespannt, wie es weitergeht! Viele liebe Grüße, und genieße diese tolle Zeit bei den Teemenschen …

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