Easy Gesellschaft, easy Geschmack

Vor einer Woche hatte ich paar interessante anregenden Briefwechsel mit einem fast aus dem Auge verlorenen Teefreund „Dill’icious“. Er meldete sich plötzlich und wir hatten eine heisse Diskussion um „den easy Geschmack“ von populärer Teemischung, die schon immer die mitteleuropäische Teekultur prägt und als Mainstream herrscht.

Meine Haltung ist klar: wer sich mit dem Geschmack des Tees auseinandersetzt, begnügt sich nicht mehr mit dem industriellen einheitlichen „Easy Geschmack“. Interessante Tees sind wie interessante Menschen, die anderen provozieren (nicht angreifen), Diskussionen anregen und sich trauen, eigene Schwäche zu zeigen. Interessante Tees mögen uns nicht von Anfang an schmecken – sie sind eben nicht easy, sondern uns herausfordern, zu probieren, zu entdecken und zu schmecken! Sie beeindrucken uns nicht mit dem blendenden Duft, sondern mit ihrer Einzigartigkeit, die von uns eben Zeit, Mut und Geduld fordert! 

Hoi Menglin
Warum kann man nicht beides gleichzeitig mögen? Entschuldige den Vergleich
(Obwohl, Chinesen mögen ja allmählich Laktat verdauen, wie die
Weltmarktpreise von Milch veranschaulichen :-), also entschuldige bitte den
Vergleich, aber beim Käse mag ich sowohl einen vierjährigen, im feuchten
Felsenkeller gereiften Gruyère als auch einen stinknormalen Scheiblettenkäse
… alles zu seiner Zeit. Kann man also nicht auch Tee sowohl als Ritual
zelebrieren, aber auch als triviales Alltagsgetränk (in Form von gut
aromatisieren Beuteltees) geniessen? Ich finde nach einigem Ausprobieren,
dass die Teemischungen vom Seefeld zwar sehr modern-populär gemischt sind
(da gebe ich dir Recht), aber so zwischendurch ganz „easy“ sind. Schnell
Wasser kochen, Beutel in die Thermosflasche, Mobiltelefon auf 4 Minuten
stellen, fertig! Seit ich das so mache, trinke ich täglich viel mehr
Flüssigkeit. Wasser allein mag ich nämlich irgendwie einfach nicht.
Abends dann wenn ich Zeit und Musse habe, kann ich dann einen „puren“ Tee
trinken.
Was meinst du?
Okay, um wieder auf den Geschmack zu kommen, bestelle ich bei dir die 3
besten Tees DEINER Wahl. 1x Grün, 1x Olong, 1x Schwarz.

Oder soll ich bei RVR bestellen?
Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
Dill’icious

Liebe Teefreunde, was meint Ihr dazu?

Ps. die Veröffentlichung ist unter der Genehmigung von Dill’icious. Ich denke, er ist ebenfalls gespannt auf die möglichen Diskussionen. Die Hervorhebung der Wörter ist von Menglin veranlasst.

teabeutelWhy qTpod !
Pure …. Designer foil© doesn‘t absorb the natural flavours.(brewing colloids!) Safe …. Designer foil©, sterilizable up to 121°C! (FDA). Smart …. Exact dosage, no wastage, no dripping, no wringing, no teaspoon! Fresh …. Single estate premium Ceylon tea packed at the point of origin! Stylish …. Appealing Life-style flair with a touch of exoctic flavour! Dressed …. Fragrance protective envelope© is tear resistant & moisture-proof!

6 Gedanken zu „Easy Gesellschaft, easy Geschmack

  1. Suzanne

    Das ist eine interessante Frage! Prima!

    Ich kann die Meinung von Dillìcious zwar nachvollziehen … vor einiger Zeit (bevor ich den Tee kennenlernte – größtenteils dank Menglin!) hätte ich sogar selbst auch so gedacht…

    Aber seit ich wirklich guten Tee und seine vielen Aromen kenne – der meiste auch von Menglin, aber auch von Stéphane bei Teamasters und aus einem kleinen Geschäft hier in Strasbourg – also, seitdem kann ich einfach keinen Beuteltee mehr ertragen. Es geht nicht mehr.

    Wenn es bei mir unbedingt schnell gehen muss und was Warmes sein muss, dann gibt es „Tisane“, also keinen Tee, sondern Früchteteebeutel. Aber da finde ich den Geschmack auch brrrr – es ist dann nur zum Wärmen und Flüssigkeit bekommen.

    Und ansonsten gibts nur Wasser (kaltes – warmes trinkt man in China wohl auch gern – aber das pack ich nicht …).

    Einzige Ausnahme beim Beuteltee: beim echten englischen Five o clock Tea, in England. Da habe ich diesen Sommer ganz ausgezeichneten Tee im Beutel bekommen – ich hätte es gar nicht gedacht!

    Der Vergleich mit dem Scheibenkäse ist nicht ganz richtig, finde ich … es gibt auch leckeren Scheibenkäse, der nach was schmeckt. Den esse ich auch gern, selbst wenn ich hier an die tollen französischen Käsespezialitäten gewöhnt bin.

    Ich würde den Käsevergleich lieber mit dem (teilweise in Deutschland erhältlichen) von mir sogenannten „Seifenkäse“ vergleichen wollen, welcher überhaupt keinen Geschmack hat und wenn überhaupt, dann vage an Seife erinnert. BRRRR!!! Nie wieder….

    Aber ansonsten finde ich: es muss jeder nach seiner Façon selig werden.

    Wer gern richtig guten Tee zu besonderen Anlässen trinkt, und wenns schnell gehen soll, auf Beuteltee umsteigt – warum denn nicht? Erlaubt ist, was gefällt – muss ja nicht jeder so machen.

    Ich glaube, manche Menschen könnten ein Problem mit der „Beliebigkeit“ haben, die darin zum Ausdruck kommt („erlaubt ist, was gefällt“). Sicher ist es beliebig, und Beliebigkeit passt nicht zum Teeweg. Der Teeweg hat eine klare Richtung, er ist nicht „easy“ …

    Aber er zwingt niemanden in seine Richtung. Wer ab und zu vom Teeweg abgeht, braucht länger – und jeder hat seinen eigenen Teeweg, nicht wahr?

    Ich bin gespannt auf andere Meinungen! Viele liebe Grüße,

    Suzanne

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  2. Suzanne

    Nachtrag: was mir beim „echten“ Tee auch so gut gefällt, ist die Tatsache dass man ihn immer wieder neu entdeckt. Jedesmal schmeckt er anders (man hat etwas mehr genommen, oder ihn etwas länger oder kürzer ziehen lassen) …

    Ich entdecke immer wieder neue Aromen im Tee – heute im Buddhahand, den ich sonst sehr fruchtig fand – heute kam mir aus der vorgewärmten Kanne (wo ich die Blätter gerade hineingetan hatte), ein Schokoladenduft entgegen – ich war begeistert!

    Und manche Tees mag man zu Anfang nicht – weil man sie nicht versteht. Man muss erst ihre Sprache lernen! So bei vielen Pu Erh – ich persönlich habe auch länger gebraucht, um den gelben und weissen Tee besser zu verstehen …

    Solcher Tee ist viel komplizierter als der „Gebrauchstee“, der easy ist.
    Der normale Beuteltee wäre für mich mittlerweile wie Margarine statt Butter … (pardon für die Margarine-Freunde, aber für mich ist Margarine das Äußerste des Ekligen, und man schmeckt sie überall durch). Ehe ich mir Margarine aufs Brot schmiere, nehme ich lieber nur das trockene Brot … und beim Tee ist es genauso. Lieber nur Wasser, wenns schnell gehen muss…

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  3. Menglin

    Ich bin kein Gegener von Teebeutel. Es gibt solche Teebeutel und solche…
    Was ich wirklich dagegen hätte, ist dieser industrialiesierten Geschmack, der unseren Geschmack erziehen sollte, wie Äpfel und Mandarine schmecken sollen. Der einfachste Weg ist nicht immer der richtige Weg. Der easy Geschmack ist nur ein Spiegel unserer Gesellschaft, die auf Anweisung warten anstatt auf eine Abenteur; die auf Verkundung von Heil wartet anstatt selbst nach Heil sucht; die Probleme nach Aussen sucht anstatt selbst in Frage zu stellen.
    Andererseits ist es mir richtig gleichgültig, was andere Menschen trinken. Zucker im Tee, Tee im Zucker – as you like. Take it easy – denn jeder kommt zu dem Geschmack, den er verdient.

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  4. dill'icious

    Richtig! Mit Tee habe ich im Vergleich mit Euch nur wenig Erfahrung, bezüglich „Tasting“ würde ich mich doch aber als graue Eminenz bezeichnen. Und je grauer ich werde, desto weniger bin ich Puritaner. Und lebe das Sowohl-Als-Auch. Das hat m.E. nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit der Freiheit, sich nicht festlegen zu müssen, weil man die Widersprüchlichkeit des Lebens erträgt (orsicht Fettnäpfchen … nicht sehr europäisch, ich weiss). Kurzum: Ich will keinen fadenscheinigen Halt in einer Philosophie, die abhängig ist von der Abgrenzung des Guten vom Schlechten :-).
    Es gibt üblen Industriekäse, üblen Wein, üblen Tee. Und üblen Tee gibts nicht nur im Beutel. In einem angesehenen Lokal bestellte ich letzthin eine dieser „Blüten“, die im Wasser aufgehen. Katastrophale Qualität.

    Ich stimme mit Menglin überein, Teebeutel dürfen sein. Auch Assemblagen dürfen sein. Sie können sogar sehr interessant schmecken. Die Exklusiv-Reihe eines Grossverteilers beispielsweise trumpft auf mit zwei, drei schönen Beispielen. Eines davon , Flower Blend, riecht allerdings nach dem Achselschweiss meines Vaters (das sind die Hibikusblüten). Dafür kann mein Vater allerdings nichts oder?!
    🙂 Eben.

    Apropos Blends. Ich komme noch einmal auf die Puritaner zu sprechen. Sie neigen dazu, die Reinheit des Einen, Wahren, Richtigen zu suchen und zu verteidigen. Oder liege ich da falsch? Ich erinnere aber an berühmte Cocktails, umwerfende Assemblagen beim Wein. Oder die Cuvées beim Champagner. Das sind doch wunderbare Geschöpfe!! So mag eine strenge Ursprungsbezeichnung beim Wein ein klar umrissenes Gebiet bis auf die Grösse eines kleinen „Clos“ bezeichnen, es können aber trotzdem verschiedene Traubensorten gemischt werden. Denken wir an einen Bordeaux, einen Château-neuf-du-Pâpe … wir können den Faden weiterspinnen und auf die grossen Düfte dieser Welt zu sprechen kommen. Ein Parfumeur macht auch Assemblagen, experimentiert mit Herz- und Kopfnoten …

    Zurück zum Tee: Wenn eine hervorragend aufgemischte Assemblage dann noch in einem schönen, Platz lassenden Beutel verpackt ist, mmhhh … wahrhaftig eine Delikatesse. Ich stelle diese auf Augenhöhe mit einem offenen Oolong von Menglin, auch wenn ich hier zum Ketzer gebranntmarkt würde 🙂

    Ich bin gespannt.

    dill’icious

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  5. Menglin

    dill’icious,
    wie war der Blend-Champagner zum Jahreswechsel? Ich schreibe einen extra Beitrag als Antwort auf Dein Kommentar und unsere Diskussion könnte weiter fortgeführt werden.
    Das gefällt mir.

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    Antwort
  6. dill'icious

    oops, menglin, ich bin im moment so auf tee versessen, dass ich zum jahreswechsel dem champagner absprach *g*. freundlicherweise war ich eingeladen bei menschen, die ich vorher kaum kannte. sie akzeptierten meine teelaune problemlos. ich wurde den ganzen abend mit herrlichem verveine-tee verköstigt. zugute halten darf ich das meiner ebenso dem tee zugeneinten tischnachbarin. sie sorgte dafür, dass meine tasse immer voll war. verveine hat eine derart berauschende wirkung, dass ich den champagner nicht vermisste. was mich noch interessieren täte: was meint susanne mit teeweg?
    dill’icious

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    Antwort

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