Archiv der Kategorie: Pu Er und gelagerter Tee

Bangwei Gushu – das von Zeit begrabenes Geheimnis

Im Fluss der Zeit werden viele Ereignis akzeptiert, während viele Geheimnisse begraben werden. Manchmal bist du das Geheimnis von anderen. Manchmal ist der andere dein Geheimnis.
Die Zeit fließt. Manche Tee verschwinden. Manche Tee fluten nach vorne, weil sie ein bestimmtes Trend entsprechen, solche Trend werden wieder von einem neuen im Flut der Zeit ersetzt.
Buddhas Hand ist so ein Tee, der fast in Erinnerung von Teeliebhaber Taiwans vergessen wird, nur besessene Köpfe reden noch davon. Ich schätze ihn, weil er mir manchmal an einem Regenbogen erinnert, der auch ohne Regen und Sonne in meiner Tasse lächelt. Uralte Bäume von Buddhas Hand standen gruppenweise im Wald. Der Geschmack erinnert mich an dem Pu Er von alten Bäume aus Bangwei.
Ein Tee, der gleich wie ein Geheimnis, der im Flut der Zeit überschwemmt wird.
Sind Tees aus alten Bäumen im Geschmack ähnlich? You sagte ja. Sind alle Geheimnisse ähnlich, dass sie von der Zeit verschüttet werden?
Am Teetisch tranken wir zusammen den alten Bangwei von 2011. Noch recht jung, zart, so leicht flora wie auf eine Bergwiese, so geschmeidig wie mit dem Barfuß die Wiese zu streichen. Auf einmal wurde sogar Romeo ruhig. Ein seltener Tee, der so einen wie ihn auch beruhigt. Fühlt er sich getragen? Unbeschwert das Sein des Lebens am Teetisch zu genießen? Ich fühle mich getragen von der Leichtigkeit dieses Tees und von der Einfachheit des Geschmacks. Ein Tee aus alten Bäume die ueber 800 Jahre alt sind, könnte so eine Leichtigkeit des Seins in unsrem Herzen wieder vermitteln! Ich staune jedesmal über das Geheimnis dieses Tees, so alt und so leicht – wie das Sein zwischen Wolken und Wasser! So alt wie das Wolken und Wasser schon immer existieren und so zweifelsohne ausdehnend wie sie ineinander fließen.
Dieser Tee war auch ein Geheimnis, das ab und zu noch in Welle der Gedanke nach Vorne getrieben wird. Er verbindet etwas, was ich in meinem inneren Garten gut aufhebe zwischen mir und einer Person die mir viel bedeutete. Er war aber auch ein Fusstee, der mich in letztem Jahr bei meiner Fußverletzung getragen hat. Ohne ihn wäre der Alltag in Shui Tang ein Qual gewesen.
Manchmal wirst du ein Geheimnis des anderen ohne es zu wissen. Manchmal ist der andere deins, weil du es nicht aussprichst. So bleibt das Leben wie eine endlose Geschichte. Und der Tee ist das Geheimnis selber, sein Geschmack ist die Botschaft.

Heitere Pu Er Stimmung in Shui Tang

Ich bin zu beschäftigt mit meinen Chinesen in Baidu. Sie lassen mich gar nicht los. Wegen Pu Er bin ich doch zurück in meine deutsche Welt gekehrt.
Erstaunlich war die herbstliche Stimmung in Shui Tang so heiter wie im Frühling. Wir haben gelacht, degustiert und geredet. Obwohl ich zwei Male auf dem Tisch gehauen habe, weil das Geschwätz sehr laut war und ich mich bemühen muss so laut zu sprechen. Die Stimmung war so harmonisch und heiter wie unter dem Sonnenschein.
Was haben wir denn degustiert?
Die Neuigkeiten, die ich aus Yunnan mitgebracht habe. Ich bekamen viele interessante Muster aus Yunnan von You gesammelt, von Dorf zum Dorf, wo wir unsere Spuren hinterlassen haben. Von Dorf zum Dorf liessen wir unsere Erinnerungen wach rufen und diese spezielle Momente aus den hohen Bergen lassen uns übers Wolken bleiben. Ein so schönes Seminar mit vielen Wiederholungstäter trotzdem immer wieder spannend und lehrreich.
Die erste Runde haben wir verschiedenen chinesischen Tees degustiert um Pu Er zu verorten.
Die zweite Runde haben wir Wuliangshan Hong Cha (Schwarztee aus Wuliangshan), Wuliangshan Pu Er 2012 und Dienhong Premium 2013 degustiert. Die gleiche Ernte aus WUliangshan Frühling können zwei verschiedene Tees werden. Sehr gelungene Kreation von dem Schwarztee, früchtig und glänzend rot in der Tassen!
Die dritte Runde haben wir verschiedene Yiwu Huangshan degustiert, um die Unterschiede durch die Höhe festzustellen. Dann zwei Tees von Wistariahaus und von You aus Yiwu zu vergleichen.
Die vierte Runde: wir degustieren Tees aus verschiedenen Dörfer wo wir waren. Hua Zhu Liang Zi (Mengsong), Nannuo Shan, Lao Banzhang, Lao Man E Bitter, Lao Man E süss, Lao Man E Mischung. Der Tee aus Lao Man E (Bulangshan) hat zwei interessante Komponenten: süss und bitter. Als Mischung wird er oft als Lao Banzhang verkauft!
Die fünfte Runde: Mahei reife Blätter – was Bauer oft für sich zum Alltagsgetränk behalten haben, Mahei Gu Shu 2012, Yiwu Reife Blätter 1960, Yiwu Reife Blätter 1960 Blend. Diese Runde erklärt uns wie die reifen Blätter sich durch die Zeitreise entwickeln können, wie sie sich geschmacklich entwickeln.
Die sechste Runde: Degustation über die postfermentierten Tees: Klumpen, Lose Blätter (San Cha), Bulangshan Fladen von You 2013, Feuchte Lagerung (200?)
Die siebte Runde: Degustation von unserer selbst gemachten Fladen verglichen mit anderen Jingmai Ernte und Taidi Cha. Am Ende vergleichen wir Jingmai 1999, Xiaguan Tuocha 1999 und Grenztee 1990.
Unglaublich glücklich und gemütlich verabschieden wir uns und freuen uns auf das neue Oolong Seminar am 17.11. Sonntag. Mit neuem Erkenntnis aus Fujian und Guandong freue ich mit allen es zu teilen.

Hoffnung

Hoffnung

Am 01.01 schrieb Tim mir, „Hoffnung ist der Moment indem man ohne Sorgen lebet und sich dies der Zukunft weiterhin wünscht.“ Das sei seine weitere Interpretation 2013.
„Hoffnung ist dass man trotz den Sorgen an sich selbst glauben kann und vertraut, dass man durch diese Sorgen reift.“ Schrieb ich ihm zurück.
Dann ist Pu Er eine Hoffnung – bemerkte er.

Am den ersten Tag des Neujahres haben wir abgemacht, wiederzusehen. You hat die drei wertvollen Teesorten von drei tausendjährigen Bäumen aufgehoben und mir alles gegeben. Er versprach mir, dass er bereits fuer die naechste Ernte reserviert hat. Oder – er fragte, “ möchtest Du nicht einmal diese Bäumen sehen?“
Einmal selbst diese Bäumen zu erleben? Gerne. Ich weiß aber nicht, ob ich es schaffe. Es gibt zu viele Faktoren, die die Zukunft verunsichern. Er redet nicht viel wie immer, bereitete einfach Tee fuer mich zu. Er hat den Ort Jingmai vorgeschlagen, mit mir einen Pu Er Edition selbst zu machen. Ich sagte, ich würde nur lieber zuschauen. Ich will meine Hände nicht verbrennen und bin nicht scharf anderen Leute zu erzählen, dass ich selbst den Tee samt meinem Hand verbraten hat. Er lachte. Fuer mich machte er einen Jingmai, ein Tee aus einem unglaublichen Wald von über 500 Jahren alten Bäumen. Der Aufguss vorbereitet sich in meinem Koerper, breit und weit, horizontal und vertikal. Mein Ruecken wurde gestärkt und meine Augen auf einmal klar. In dieser Klarheit glaubte ich den Ruf aus diesem tiefen Wald zu hören! Leicht blumige und suesse Noten hinterlassen Spuren auf den Zunge. Es pendelt zwischen Hoffnung und Sorgen.
Dann zeigt er was er neulich mit Töpfermeister gemeinsam kreiert hat. Die fließende Glasur erweckt fast den Eindruck eine Kieferallee – ja, Kiefer (Masu) so nennt er sich immer. “ ich würde die Glasur matter bevorzugen. Es glänzt zu sehr fuer mich.“ Meine direkte Art gefällt ihm, er nickte. Auch der Siegel von ihm ist zu markant, ich würde es zurückhaltend gestalten…
Die Zeit verging, er fragte mich, ob ich seine Tees zurück verkaufen will? Ich lachte, „Nein niemals.“ Er sollte warten bis zur naechsten Finanzkrise, dann kann er wieder paar wertvollen Fladen zurück kaufen. Aber ich behalte meine gerne in meinem Keller!
Dann erzählte er mir über eine Anfrage aus Paris. Er sagte, er arbeite nur mit mir. Ich binde niemanden und jeder hat freie Willen. Ich sagte ihm, dass es mir nicht stören sollte, wenn er seine Teekanal erweitert. Er ist frei. Wenn das Leben fließt, dann treffen wir bestimmte Begleiter an einem richtigen Zeitpunkt und an einem richtigen Ort. Ich habe Vertrauen, dass jeder den richtigen Weg fuer sich selbst wählt. Wenn wir uns eine Zeitlang begleiten können, ist es mein Glück, wenn nicht, dann wünsche ich ihm aus meinem Herzen das Beste. Jeder Mensch hat im Herzen einen Garten. Wenn ein Besucher kommt, teile ich gerne Teile meines Gartens mit ihm. Wenn er geht, möchte ich ihm ein schönes Blumenstrauß schenken.
Wer weiß, was sein Tee in Paris macht? Aber ich liebe klare Woerter. Klarheit ist die beste Medizin gegen Komplikation. Klare Aussage tut in dem Moment weh, aber heilsam. Es ist einfach fuer die Menschen in diesem Alpenland schwierig, weil sie dachten, dass es verletze anderen.
Jeder Teetisch gleicht ein Zeitloch. Es war wieder zu Zeit zu gehen! Was bedeutet schon die Stunde mit einem Teefreund zu verbringen?
Er fuhr mich zur Ubahn Station. Ich stieg aus und kehrte wieder um. ich sollte gehen, aber meine Schritte schreiten nicht. Ich fragte ihm, ob ich ihm das Geld fuer die Frühlingsernte vorstrecken soll, um ihm den Anfang zu erleichtern? Er schüttelte seinen Kopf. Das grüne Licht blickte, er musste gehen, “ lebe wohl“ sagte er. Er fuhr ab.
Es war nass und kalt in dieser Stadt.
Mein Fuß tat weh.

Sünden, Scheitern und Lao Banzhang 老班章

Sebastian sagte mir bei seinem letzten Besuch, was das Wort Sünde tatsächlich in Hebräisch bedeutet. Er malt mir ein Bild von einem Schützer aus, der seinen Bogen weit spannt und das Pfeil ansetzt. Aber er verfehlt sein Ziel.
Das sei eine Sünde, wenn das Ziel verfehlt ist.
Als ein junger Mensch aus der einst kolonialisierten Welt pflegte ich eine ambivalente Beziehung zum Christentum vor allem mit der Vorstellung von Verführung und Sünden. Wer definiert was eine Trennung zwischen mir und dem Gott sein sollte? Und wer hat das Recht wem zu verurteilen? Diese Fragen begleiten mich Jahre lang auf den Weg. Eine Antwort war nicht mehr nötig, als ich bei mir angekommen fühlte.
In diesem Sommer hörte ich zum ersten Mal Die Rosenkranz-Sonaten von Biber. In der ehemaligen Bosswiler Kirche war mein Herz gefüllt voller Mitgefühl. Die Schmerzen und Leid des Jesus waren getragen von der bedingungslosen Liebe, die Menschen zu Menschen überreichen. Was war verfehlt und wer war gescheitert? Nichts.
In Ezechiel sehe ich oft das einstige Ich. Ein Jünger auf dem Weg der Suche. Wir haben oft schöne Gespräche über die Welt und den Tee. Er hat einen Hang zur Schönheit, versucht aber diese unklärbare Zuneigung mit der rationalen Begründung von Zweck. Er bringt oft ein Argument und dann wieder eine Gegenargument, während er erwartet, dass alles von mir widerlegt werden. Letztes Mal fragte er mich, was ist, wenn man jemandem das ganze Herz gibt und es schmerzt? „Wenn man liebt, dann liebt man mit dem ganzen Herzen. Wenn es nicht erwidert wird, dann tut es einfach weh. Aber nicht mehr. Keine Konnotation.“ Ich dachte an jenem Moment an meinem Zen-Lehrer Michel, als er vor Schmerzen der Krankheit geplagt war und weinte. Er sagte mir, „ich habe Schmerzen, bin aber nicht elend.“
Als ich am Sonntagabend in die Winterlandschaft zurück kam, machte ich mir ernsthaft Sorgen um meinen kranken Fuss. Wie sollte dieser wackelige Fuss sichere Schritte auf dem eisigen Boden machen? Angst vor Verfehlen des Ziels kam hoch und nahm fast Ueberhand. Vorstellung von Verfehlen des Ziels und Scheitern bewegten mich bald in einen Gedankenkarussel. Um es zu aufzulösen machte ich mir einen Lao Ban Zhang. In seinem streng und konzentrierten Aufguss spürte ich so bald die Kraft eines sehr alten Baums. Tief verwurzelt und unbeweglich in seiner Aufrichtigkeit. Ich schmecke den Ruf aus dem tiefen Meer, Seetang, Muscheln und etwas ganz uraltes aus dem tiefen Grund. Das intensive und herben Charakter wirkt wie ein Pfeil, der in einem Bogen gespannt wurde. Es ist bereit loszulassen, egal ob das Ziel verfehlt wird oder nicht. Es gibt bestimmt eine zweite Chance.
Ezechiel erwarb eine Yixing-Kanne, eine wunderschöne, von der ich mit schweren Herzen trennte. Seine Entscheidung sah nicht ganz handfest auf, wackelig. Ich beobachtete und übte Geduld. Dealen ist eine einfache Sache, aber vielleicht ist meine Art von Dealen zu männlich. Ich mache immer blitzschnelle Entscheidung, während Ezechiel stets an seine Wahl zweifelt. Er ging bereits vor der Tür und drehte wieder einmal um, „ABER, WENN…“ Ich schrie – wirklich – schrie zu ihm, „Jetzt gehe!“ Hei, Junge, Du verfehlst Dein Ziel in Deinem Intellekt…
Irgendwann wollte ich Sebastian in seiner Welt hinter der Mauer besuchen, dann werde ich ihm diesen Lao Ban Zhang mitbringen. Sünde oder Scheitern gehören zum Leben. In diesem Lao Ban Zhang weiss ich, dass es immer eine zweite Chance gibt.

Auf verwachsenem Pfade

Janacek schrieb den Zyklus „Auf verwachsendem Pfade“ (1901-11) für seine Tochter Olga. Er schrieb in seinem Brief über das Stück So Namenlose Bang »Sie hören in diesem Werk vielleicht das Weinen, die Vorahnung eines sicheren Todes.« Als Erinnerung an einem Spaziergang mit seiner geliebten Tochter komponiert er die 10 Stücke zu einem Zyklus, ein Notiz über einen Rundgang um den Wald und die nächtliche Trauer eines Vaters.

Bangwei 2012 hat in Shui Tang einen kosen Name, „Der Fusstee“. Im Juli sagte You, dass dieser Tee aus Bäumen von mehr als 700 Hunderjahren alt sein sollte. Ich sollte ihm glauben, tue aber nicht wirklich. Bis ich paar Wochen später den Fuss verletzte und nicht mehr auf meine eigenen Beine stehen kann. Auf einmal wie ein Blitzschlag spüren die Beine die Kraft eines Baumes und ich fühle mich tief verwurzelt, verwurzelt auf diesen schweizer Boden.
Ich scherze immer, dass man mich leider nicht zu einem Bonsai schneiden kann – nicht mehr. Dann fragt mein Gegenüber mich oft, was bist denn Du? Ich antworte gerne mit Schalk, dass ich Orchidee sei. Orchideen sind Parasiten. Sie lehnen sich auf hohen Bäume und ernähren sich selbstständig. Ich sei der Orchidee, parasitär und der Baum ist die Schweiz. Mein schweizer Gesprächspartner sind oft sprachlos und ich habe meinen Spass.
Tee, aus 800jahren alten Baum… Wie schmeckt er denn? Kann man sich vorstellen? Wenn er so alt ist, ist er streng und harzig?
In diesem Tee duftet es. Er duftet nach einer Blumenwiese. Ich atme tief und riech die Sonne und das Licht. Nach dem zweiten Schluck schmecke ich Kräuter und Heublumen. Der Aufguss ist dickflüssig und fein. Ein dezenter floralen Abgang balsamiert meinen Gaumen. Weich und phantastisch! Welch ein Traum! Ist es nicht der Shakespeares Sommernachtstraum? Ein Theater mitten in einem Wald, wo die menschlichen Welt und das Elfenland in einander verschmolzen ist. Ein Tor zu nirgendwo.
Ein Tor, der uns in eine andere Welt leitet. Ein Wald, verwachsen von Moos. Laub raschelt und dünne Äste knirschen. Ein Spaziergang mit dem Vater, geborgen und beschützt. Der sanfte Boden schonen die Füsse und die Bäumen führen. Es wird dunkel und die Nacht nähert sich. Das Käuzchen ist nicht fortgeflogen! Das Vogel fliegt nicht weg und starrt bis in die tiefen Nacht in den dunklen Wald! – So beendet Janacek sein Stück und lässt mich alleine in diesem Finsternis. In diesem Wald zu passieren wie bei einer Tasse von diesem Bangwei in die Höhe und Tiefe. Vom Moss getragen, ideal für eine sanfte Landung, geführt von Baumwurzel und begleitet von schwatzenden Vögeln spazieren in diesem Wald ist wie der Gang durch das Leben. Nur Ueberraschungen, anderes als der Tod!

Pu Er, ein Getränk einer neuen Zeit IV

Es gibt Gerüchte, dass man diesen Pu Er Tee in Höhlen aufbewahren soll. Das feuchte warme Klima Yunnans begünstigt die Lagerung von Pu Er, ist aber nicht absolut. Für mich sind die Kriterien wie Sauberkeit, kostante Temperatur, keine Schwankung von Feuchtigkeit von Bedeutung. In Höhlen aufbewahrte Tees hören sich bestimmt mystischer an, bilden allerdings für meine Ohren eher wie Mythos. Auf dem Markt werden die Lagerungsmethoden zu zwei Begriffen unterschieden: Gan-Cang, trockene Lagerung; Shi-Cang, feuchte Lagerung.
Selbstverständlich schmecken Teefladen aus feuchter Lagerung älter als der gleiche Jahrgang von der trockenen Lagerung. Wenn der alt-schmeckende Geschmack der Grund ist, weshalb man den Pu Er trinkt, dann ist es sicherlich danach zu bevorzugen.
In der Aesthetik des Tees unterscheiden wir von Leichtigkeit und Schwere eines Tees. Die Eleganz eines Tees wird beflügelt von einer Leichtigkeit und Komplexität. Das Schwere hat nichts mit dem Komplexität des Körpers eines Tees zu tun, aber mit der Undurchsichtigkeit seines Geschmacks. Um diese Erfahrungen zu lernen, braucht man viele „gute“ Tees getrunken zu haben. Ein in Shi-Cang gelagerter Pu Er ist entsprechend schwerer als der gleiche Jahrgang von Gan-Cang.
Die meisten gut gereiften alten Pu Er stammten im 80er Jahren in Hongkong auf dem Markt. Das Wirtschaftswachstum Taiwans in 80er Jahren bracht eine Renaissance des Tees. Früher war Tee für den Export bestimmt, während der Tee Taiwans ab 80er Jahren für Binnenmarkt produziert wird. Der Durst nach Tee scheint mit dem satten Bauch zusammenhängend. Das wachsende Reichtum und Aufstieg des Mittelschichts liess Teekultur auf der Insel blühen. Irgendwann wurde Pu Er entdeckt. Der gut gereiften Pu Er aus Hongkong wurde von einer kolonialen Insel zu einer anderen Insel verschoben. Kurz vor 1997 wurden noch mehr Pu Ers auf dem Markt Hongkongs gespült und sie landeten meistens auf Taiwan. Nun sind Chinese selbst so weit, den Durst nach Pu Er zu erleben!Heute geht die Suche nach guten Pu Ers nach Taiwan anstatt nach China. Die Insel ist für die meistens Chinesen der sicherste Ort um den authentischen Tees zu kaufen als ihr eigenes Land. Unglaubliche Profite werden gemacht und die Suche im Netz oder auf dem Liebhaber-Teemarkt geht weiter.
Es scheint so, dass je reicher eine Gesellschaft wird, desto begehrter wird der Pu Er und Tee?
Einst waren Gewürze das Verbindungsglied zwischen Orient und Okzident. Um den Geschmack der Gewürze nachzugehen wurden neue Wege nach Indien geprobt und Amerika wurde entdeckt. Das Orient wurde erfunden als Geschmackslieferant und Paradies. Der Weg des Tees nach Europa entsteht aus diesem Kontext – Tee als eine Kolonialware.
Heute feiert das Teeclub in der Schweiz seinen 10jährigen Geburtstag und Special-Tee von Nestle sollte Gewinn versprechen und sorgt als Diskussionsstoffe. Warum gewinnt Tee gerade in einer Wohlstandsgesellschaft wie diese hiessige von Bedeutung?
Wie schmeckt denn eigentlich ein gut gelagerter alter Pu Er?
(Im Vortrag wurde ein Menghai-Fladen aus den 80er Jahren degustiert)
Nach Laub, nach Harz, nach Sandelholz oder Adlerholz, nach Erde oder Waldboden…
Es sind einfache unattraktive Geschmäcke, nicht wahr?
Es sind diese einfache unattraktive Note, die die chinesischen Teeliebhaber fesseln.
Warum?
Ich möchte diesen Vortrag mit der Geschichte von den vier japanischen Adeligen aus dem Anfang des Vorrtags beenden. Vielleicht sind die Dialoge fiktiv, vielleicht nicht.
Die vier Japaner kehrten nach 8 Jahren intensives Lernen von Katholizismus in Europa nach Japan zurück. Das Land wurde von Shonggun Hideyoshi regiert und die Christen befanden sich in einer schwierigen Zeit. Die Heimkehrer mit ihren Jesuiten-Begleiter wurden zu einer Tassen Tee eingeladen. Rikyu war der Gastgeber.
Hideyoshi (der Shongun) zeigte den Besucher die Shifuku, eine aus Seide gewobenen Hülle einer Teedose Shifuku und fragte die Gäste, wie sie diese Hülle fanden.
„Wahrscheinlich finden Frauen im Europa diese Hülle schön und würden Schmücke darin aufbewahren.“
„Ich verstehen nicht, weshalb Sie für Steine so viel Geld opfern!“ erwiderte der Shogun.
„Kein Europäer würde verstehen, weshalb man in Japan für das so viel Geld ausgeben.“
„Diese Hülle kann die Teedose schonen. Und die Teedose kann zumindest Tee aufbewahren. Aber Schmuck…sind doch nur dekorativ und nutzlos!“ Mit einem Schalk fragte Shongun seinen Besucher, „wie viel würden Sie für diese Teedose bezahlen?“
Eine Teedose (Chaire) von einem sehr berümten Teemeister, aus Ton und Asche…
„Nicht viel – ehrlich gesagt.“
Der Shongun lachte.
Der Teemeister Rykyu verbeugte sich tief und sagte, „Ja, unsere Gäste sind ehrlich… Denn es sind dumme Menschen, die fanatisch sind auf Tee. Nur diese dummen Menschen schätzen diese Dinge.“
Rykyu sprach weiter…
„Nur die dummen Menschen können die einfache Schönheit aus der Erde erkennen…“
————————————————————– erzählt von Kenichi Yamamoto.

Pu Er, ein Getränk einer neuen Zeit III

Wir, als Menschen, wollen Dinge munipulieren oder die Vorteile auf uns selbst begünstigen. An sich ist es nichts falsch. Es gibt einfach Konsequenz. Inteligente Konsumenten kaufen Bio und glaube an die Legitimation eines besseren Gewissen, aber die Szene einer neuen Plantage anstatt einem vorher vorhandenen Waldstücke ist medien-unwirksam – es wird gar nicht berichtet und was nicht berichtet gibt es in dieser Welt nicht.
Sollen wir nur Gushu Cha (Tee aus alten Teebäumen) trinken? Dann fallen die gierigen Bauer die Bäume, damit die Blätter bequemer zu pflücken sind! Sollen wir lieber Pu Er aus der Plantage (Taidi Cha) trinken? Damit noch mehr Plantage entstehen?
Eigentlich sollen einfach nicht so viele Leute Tee trinken!?
Eine Massenbewegung verkompliziert die Dinge!

Wie ist denn aber das Gefühl, einen wirklichen Tee aus Gushu über 1000 Jahre zu trinken? Einmal wurde ich von Chou Yu eingeladen und er bereitete mir einen unbekannten Tee zu. Das Gefühl, von Wasser und Wolken umgebend, der Körper wurde federleicht und die Ruhe und das sanfte Landung kehrten zurück im Herzen – ich bin angekommen… Worte wurde überflüssig. Sprachlos und zufrieden sassen wir angesicht zu angesicht. Selten kann man mit Menschen die Leere des Raums teilen. Stets wollen Menschen die Leere zwischen einander mit Worte, Musik oder neulich Düfte füllen… Aber in jenem Moment brachte der Tee aus einem 1200järigen Baum uns eine Leere, die mit absoluter Ruhe und Dankbarkeit gefüllt wurde…
Die Bäume im Wald wachsen so oder so, egal ob Menschen ihn begehren oder verspotten. Wenn er am Leben gelassen wird, vergisst er nicht in jedem Frühling seine Knospe zu treiben, um das Leben richtig zum Ausdruck zu bringen!
Um einen gut gereiften Pu Er zu erhalten, ist die Lagerung entscheidend.

———————————————————————————————-
Nun muss ich zu einem Termin rennen. Der letzte Teil folgt hoffentlich in dieser Nacht.

Pu Er, ein Getränk einer neuen Zeit II

Das Millieu, wo die Teebäume von PU Er wuchsen, waren Mischwälder. Um Tee zu pflücken musste man zu Fuss ins Wald gehen, auf dem Baum klettern und wieder zu Fuss zurückmaschieren. Die Teeblätter wurden auf Holz gefeuerten Pfanne erhitzt und per Hand gerollt. Anschliessend unter der Sonne getrocknet. Nach einer gewissen Lagerung von den getrockneten Blätter wurden sie gedämpft und zu einem Fladen gedämpft.
Man entdeckt seit Jahrhunderten, dass sich diese Teefladen aus den Wälder Yunnans mit der Zeit an Tiefe und Vielschichtigkeit gewinnt. Diese gereiften gelagerten Teefladen gewinnen immer mehr Resonanz zwischen den chinesischen Teeliebhaber.
Da gelagerte und natürlich gereifte Fladen rar sind, ist eine HIlfsmethode Ende 50er Jahren entstanden. Diese Methode hilft, junge Fladen rasch alt schmecken zu lassen. Diese künstliche Methode – das heisst, die ursprünglich getrockneten Teeblätter wieder zu befeuchten und im dunklen und feuchten Räumen ruhen lassen, so dass eine bestimmte Pilze wachsen kann. Diese Methode bezeichnen wir als die so genannte Post-Fermentation Hou Faxiao. Der Tee ohne Post-Fermentation aus Yunnan heisst heute: Sheng-Cha – roher Tee. Der post fermentierte Pu Er heisst Shou-Cha – der gekochte Tee. Die Hou Faxiao Methode ermöglicht, einem frischen Tee künstlich schnell alt zu schmecken. Es bringt Konfusion auf dem teueren Pu-Er Teemarkt. Sie werden oft als natürlich gelagerten Pu-Er auf dem Markt für das teuere Geld verkauft. Selbst erfahrenen Teehändler und Sammler können nicht immer auf Anhieb das Original von der „Fälschung“ auseinander halten.
Nach dem Millenium entwickelt sich das Wirtschaftswachstum Chinas zu einer städtischen Ueberfluss-Gesellschaft und die Nachfrage nach dem Pu Er Tee steigt stets und rasant. Der Tee aus dem natürlichen Millieu wird immer rarer, weil die rasante Nachfrage die Wälder zerstören um Platz für Plantage zu räumen.
Wenn chinesische Teeliebhaber heute von Pu Er sprechen, spricht man von drei Herkünfte: Aus Plantage – Taidi Cha; aus dem verlassenen Wald, den man vor der Kulturrevolution anlegte und später nicht pflegte: Huangshan Cha; aus dem natürlichen Millieu: Dashu Cha oder Gushu Cha. Ich möchte hier nicht über diese Tees kommentieren. Die Tees sprechen für sich selbst. Wenn es sich ergibt, kann man zu Shui Tang gehen und dort selbst kennen lernen.
Natürlich möchte ich, als ein Teeliebhaber, nur Gushu Cha trinken, ein Tee aus dem alten Teebäumen von der natürlichen Umgebung. Oft pflegen wir gerne eine romantische Vorstellung, dass es den Bäumen und den Bauern gut geht, wenn wir solchen Tee fördern. Im Jahr 2005, als die Blase von Pu Er am höchsten Stand war, wurde Gushu (alte Teebäume) von Teebauern selbst gefallen, um das Pflücken am Baum zu erleichtern. Die alten Teebäumen haben sich geopfert für die Liebe des Tees von den Teeliebhaber… Der Teewald in Ortschaft Gingmai ist der grösten intakten Mischwald aus Teebäumen und Laubb$umen. Die Bäumen sind schätzungsweise über 500 Jahre alt. Zwei von diesen sehr alten Bäumen, die über 2000 Jahre alt waren, wurden samt Wurzel ausgenommen und nach Hauptstadt Kunming gezügelt, weil die städtischen Bürger sie bei einem Expo bewundern wollten. Die sehr alten Bäumen waren eine Sensation und sollten die Geschichte Yunnans präsentieren. Tage später starben die beiden entwurzelten Bäumen zwischen den Schaulustigen.
Ist ein Gushu Cha besser als ein Taidi Cha? Ist es besser durch unser Konsumverhalten Dinge zu steuern? Die Tragödie von den gefallenen alten Bäume erzählt mir von dem falschen Bewusstsein und dem Gier der Menschheit.
Die Durst nach Pu Er entwickelt sich stets weiter…

¨¨¨¨¨¨¨¨¨¨
Der dritte Teil folgt am Wochenende.