Archiv der Kategorie: Pu Er und gelagerter Tee

Pu Er, ein Getränk einer neuen Zeit I

1591 Kamen vier japanische Besucher, begleitet von Jesuiten-Mission nach Madrid. Beim Empfang der asiatischen Gästen wunderte sich der spanische König, dass das heisse Wasser rund ums ganzen Jahr in Japan getrunken wurde. Es gab im Europa keine Soft-Drink-Kultur. Im mittelalterlichen Europa wurde damals fast zu jedem Moment alkoholhaltiges Getränk inkl. Kinder konsumiert.
1662 brachte die portugiessischer Prinzessin Kahtarina zwei Schiffe voller Zucker anstatt Silber als Mitgift nach England. Sie machte Tee salonfähig im englischen Hof und gestaltete den ersten Afternoon Tea. Zucker war in jener Zeit mindest so teuer wie der Tee und noch teuer als Silber. Ein Stück Zucker im Tee zu zelebrieren war eine Demonstration der Macht und Reichtum, was nur eine Prinzessin aus Portugar, das Land mit riesiger Kolonie von Zucker-Plantage, es zeigen konnte. Zucker im Tee wurde eine Tradition, die eine neue Zeit im Europa ankündigte.
1717 öffnete das erste Teelokal von Thomas Twinning in London. Tee imanzipiert sich aus der Sich-Zur-Schau-Stellen Funktion der aristokratischen Kreisen, er wurde zu einem bürgerlichen Getränk. Ein Getränk, das arbeitende Menschen nüchtern wach hält und geistig mobilisiert. Ein Getränk, das der herrschenden Industrialisierung beflügelt und das neue Bedürfnis der Gesellschaft antwortet. Ein neuer Geschmack wurde geboren. Dieser Geschmack war wie ein Ferment und eine Treibkraft, die schnelle Entwicklung des Kapitalismus mit prägte – denn der Tee war Zündstoff von verschiedenen Kriege der imperialen Mächte. Der Tee, den man damals trank, war bereits verrochene Blätter und meistens auf den langen Transport-Weg oxidiert… Er dufte nicht weit entfernt schmecken wie ein Pu Er…
Der Tee, den man in China trank in der Tang-Dynastie (10. Jh) war eine Art von gekochten gepressten Paste. In Song-Dynastie wurde Teeblätter anders zubereitet – anstatt gekocht und geschmorrt zu einer Sud, dämpfte man die Teeblätter weich und presste sie zu einem Kuchen zusammen. Diese Methode wurde in China selbst durch neue technische Möglichkeiten aufgehoben, aber in Yunnan, damals ein eigenständiges Königsreich, existiert sie weiter.
Der Tee, der auf dem Flusshafen-Puer in Yunnan gehandelt wurde, hiess, Pu Er Tee.

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Das ist der erste Abschnitt meines Vortrags im Teeclub-Teefest am 24.06. Sonntag. Ich habe erst jetzt Zeit diesen Vortrag zu verwortlichen und werde morgen den 2. Abschnitt hier weiter schreiben.

Der verwachsenem Pfade

Janacek bezeichnet die Botschaft zu seiner Komposition „Auf verwachsenem Pfade“ als eine Art der Artikulation einer Verzweifelung, die er mit Wörter nicht wiedergeben konnte. Angefangen mit einer Erzählung von einem gemeinsamen Abend mit herzlichen Gespräch und fliessenden Atmophäre

Auf verwachsenem Pfade

Ich bin nicht ein tapferer Mensch, eigentlich ein Cremeschnittchen. Das ist der Grund weshalb ich nicht nach Yunnan gehe und die Teebergen besuchen. Ich stelle mir in meinem Kopf voller Horror von kreisenden Insekten, beissenden Tieren und hinterlistigen Homo sapiens vor. Also ich gehe lieber mit Janacek in seine schönen poetischen Komposition auf verwachsenem Pfade!

Eine Erinnerung aus meinem vierten Lebensjahr: Sie schreien: Feuer! Es war in der Nacht, im Sommer. Im Bettzeug trug man uns zum Abhang des Tierparks. Mein erschrockenes Weinen über den Feuerbrand verhängt noch heute meine Gedanken. Und die Tonart cis-moll meiner Komposition ‚Auf verwachsenem Pfade‘ ist der Widerhall dieses Geschehens. Die innere Welt des Erlebens schirmt den Komponisten gegen den nackten Naturalismus des Schaffens.

So schrieb Janacek über die Komposition. Heute würden wir vielleicht sagen, dass er sich damit therapierte. Es ist auch einr Art von Gespräch, das man mit sich selbst führt, um das innere Ich Schicht für Schicht tiefer begegnen kann – und wir tun es im Tee nicht anders.
Drei Degustationen führte ich durch die Bergen von Pu Ers Landschaften, einmal allein, zwei Male mit anderen Menschen. Oft sind die wiederholten Versuche, was mich jedesmal überraschen, wie unterschiedlich die Tees in der Wiederholung zu mir sprechen.
Im Januar machte ich eine kleine Runde mit den Muster nachdem sie frisch eintrafen. Die Namen von den Dörfer und Bergen werden Bezeichnungen von den Pu Er Tees, z.B. Dingwan, das ist ein Name vom Dorf und der Tee aus diesem Dorf trägt dann diesen Name. Als ich Dingwan im Januar allein trank, fiel mir nur den Begriff von Nymphe – was für einen anmutigen geschmeidigen Tee! Und der Nannuo Shan, so prächtig, herb und widerstandfähig, wie ein Gentleman aus dem Roman vom letzten Jahrhundert. Das Durchqueren der Landschaft scheint so einladend wie der Ruf „Kommt mit uns!“

I am waiting for you!

In dem Tagebuch von Janacek findet man das kleine Stück von Kalvier Komposition. Nur 31 Sekunde lange Klänge werden betitelt mit dieser Intention „I am waiting for you!“. Was für eine Botschaft? Möchte der Musiker überhaupt, dass dieses Stücke in seinem intimen Notiz gefunden gar veröffenlicht und interpretiert werden?
Ende 17. Jahrhundert – als das Kaiserreich Ming auseinanderbrach, bevor Manchu-Truppen die Hauptstadt Beijing erreichte, entschied der Kaiser sich für seinen Freitod und kurz vor seinem Tod, tötete er seine Tochter. Es wurde erzählt, dass er zu seiner Tochter sagte – es sei ihr Pech als Prinzessin geboren zu werden. Nach dem Beende der offziellen Linien versuchten viele kleine Fürsten des Mings noch sein Glück in dieser verwirrten Zeit und erklärten sich selbst zu Kaiser.
Es wurde erzählt, ein junge Ming-Prinz floh nach Yunnan und versteckte sich zwischen den alten hohen Bäumen. Er suchte Asyl bei ehemaligen Verbundeten. Obwohl der loyale Freund für den jungen Prinz seine eigene Kinder geopfert hat, konnte der Prinz als fatales Schicksal als Prinz zu entgehen. Er wurde zwischen den hohen alten Teebäume Mansong Bergs ermordet. Heute heisst Mansong-Berg 曼松山, „Der Prinz-Berg – Wangzi Shan 王子山“.
Nur ein blinedes Schicksal? Hat der junge Prinz geseufzt, als er den letzten Atmungszug tat? Was hat Janacek dabei gedacht diese kurze Komposition „Merely blind fate?“ für ein Minute stehen zu lassen? Hat er keine Töne mehr gefunden für dieses Fragezeichen wie der Prinz in dem dichten Wald?
Ich las gerne Bücher und schaue lieber Postkarte an als selbst auf die Reise zu machen. You schickte mir ein geheimnosvolles Packet, datiert mit geheimnisvollen Namen von Bergen Yunnans. Darunter eine winzige Tüte von Mansong Wangzi Shan 曼松王子山.
Mansong wangzi Shan wurde später zun kaiserlichen Tribut-Teegarten reserviert für Manchu-Herrscher. Man hat immer nur geschwärmt wie anmutig und sanft dieser Tee schmeckt – gekostet hat ja nur der Kaiser, nicht einmal seine Prinzessin. Hat er jemals gehört von dem letzten Seufz der ermordeten feindlichen Prinzen zwischen diesen Bäumen?
You hat mir einmal gesagt, dass er nie so einen schönen entzückenden Tee getrunken hat. So schön wie die Frühlingsgöttin. Es war November. Er sagte, er hob ein wenig auf für mich und wartet auf den versprochenen Besuch. Er hatte zwei von Mansong Berg, einer aus alten Bäumen und einer aus dem jungen Wald – Huangshan Lin 荒山林. wir tranken gemeinsam den frühlinghaften Tee aus den alten Bäumen. Der junge frische Tee duftet nach Blumenwiese. Ich spürte eine feine präsente Kraft hinter den entzückenden floralen Körper – ist es von dem Berg? – dachte ich im Dunkel. I am waiting for you… kompositiert Janacek eigentlich für Mundharmonium. So eine Schönheit aus Mansong Berg war ich noch nie begegnet. Das Gefühl des Angekommen-Sein, nirgendwo mehr suchen zu müssen, als ob man seit Geburt nur darauf wartet, um sie zu begegnen.

Der Tee wartet schon lange um entdeckt zu werden. Der Mensch weiss im Dunkel, dass es ein Weg nie zurück führt. „So that one could never return.“ Wenn man einmal den Geschmack des Ankunfts verkostet hat, kehrt man nicht mehr zurück wieder auf der Suche. You sagte, der Tee aus Mansong Wangzi Shan war immer für ihn eine Wegweise. Dort wusste er, wo er den schönsten Tee seines Lebens begegnet ist.
Ich verstand nur plötzlich nachdem ich heute mit Kaspar diesen Mansong Huangshan (Mansong Tee aus jungen wald) trank, warum Janacek seine intime Sketches nie vollendete. Es war wahrscheinlich seine Liebe als ein verheirateter Mann zu einer anderen Frau, die ein blindes Schicksal für ihn bedeutete. Es gibt Dinge, die nichts mit Moral zu deuten sind. Dank diesen Dinge haben wir wunderbare Kompositionen und den Tee, der die Geschichte eines blinden Schicksals dokumentiert.

Klare Schönheit

Es fing plötzlich an in Zürich Nord zu regnen.
Als ich zu Fuss zu Stadelhofen lief, war es trocken, als ob die Altstadt Zürich emotional total vertrocknet wäre.
Und der Regen schlägt natürlich dort nieder, wo Leben da ist – eben bei Balkan-Getto Zürichs.

Viele Mitreisende haben You, in seiner sympathischen Art und natürlichen Erscheinung kennen gelernt. Ehrlich gesagt, ich kann mit ihm nicht sehr gut umgehen, weil er nicht viel von sich preisgibt. Wenn ich solche Menschen treffe, werde ich provokativ. Es ist reizvoll, jemanden aus dem Haus zu jaggen. Trotzdem kommt er scheinbar mit mir klar und beglückt mich immer wieder mit Ueberraschungen. Letze Woche bekam ich ein Paket und sah viele viele schöne Pu Er Muster. Ich wusste wieder nicht, wie ich damit anfangen soll. Er sagte, er möchte mir einen Ueberblick verhelfen, die Teelandschaft in Yunnen näher zu bringen – „Hoffentlich kommst Du einmal mit.“ Und die halbe Fladen von Bangwei 邦崴 – sie ist mir sofort aufgefallen. „Was ist das?“ „Eine seltene Fladen aus dem 2. ältesten Tee-Baum in Bangwei.“ „Wie alt ist er?“ „Angeblich über Tausendjahre alt.“
Bangwei, ein Dorf nähe zu Burma, ist heiss bekannt durch den Teebaum-König, der nun von einer alten Dame besitzt und 24 Stunde bewacht wird. Diese alten Teebäume aus Bangwei sollte Beweis liefern für den Wandlungsprozess der wilden Teebäume zum kultivierten Baum.
You schrieb mir, dass dieser Tee klar auffallend duftet – Qing Yang. „Klar auffallend?“ Ich widersprach ihm, „Er ist eine klare Schönheit! So dezent und subtil. In seiner leise Präsenz spüre ich die Qualität eines alten Baumes!“ In dem ersten Aufguss fällt mir das leichte metalische und fast nach Meer schmeckende Aroma auf. Ich bevorzuge weitere Aufgüsse. Das späte Echo, das langsam aus dem Kehle in den Mund verbreitende Süsse und Parfüm fesselten meine Wahrnehmung. Ich hätte doch wissen sollen, dass sich Tee aus einem alten Baum anders offenbart als die gewöhnlichen Garten-Pu Er Tee, der vielleicht in ungeübten Gaumen sogar besser stärker auffällt!
Dass diese leise Präsenz missverstanden werden kann, widerspiegelt unsere Gesellschaft. Wer kann sich heute nur noch auf das Wesentlich konzentrieren, ohne manchmal verwirrt von dem Geschrei aus der Gasse?
Doch! Gute Dinge sprechen für sich selbst.
Ich kenne Romeo seit einer geraumten Zeit. Er ist ein leiser Unterstützer von Shui Tang. Er besucht mich immer wieder und bringt die Tees überall hin. Er bezeichnet sich als Teekurier. Hinter seiner cowboy-Erscheinung verbirgt ein grosses Herz für Tee! Aber Romeo hat sehr Mühe sich ruhig zu halten. Er muss sich ständig bewegen. Als wir am vergangenen Dienstag diesen Banwei 2011 tranken, war er auf einmal ruhig. Richtig ruhig.
Bei dieser klaren Schönheit, in diesem selten klaren schönen Moment werden Worte überflüssig.
Das ist der Tee, den ich bei einem Regentag wie in heutigen Abend allein trinken würde. Das All-ein-Sein würdigt diesen Tee, so dass er in seinem ganzen Wesen verstanden und berauscht werden kann.
Romeo und ich sassen ganz ruhig in Shui Tang. Es war ein wunderschönes Moment, dass zwei Teefreunde das Zwischen-den-Tee wortlos austauschen können.

Später erzählte mir You, dass es nur 4 Fladen in diesem Jahr gab. Er bekam eins. Mir gab er die Hälfte.
Ich werde ihn hier im Europa weiter verteilen.

Abraxas

On the way.
Auf den Weg treffen Menschen, die ein Zeichen an Stirn tragen. Es mag sein, dass die anderen diese Menschen als komisch oder verrückt halten. Vielleicht haben die anderen Recht, denn sie wollen ihre Energie dort einsetzen, um ihre Ueberzeugungen durchzusetzen. Aber die Menschen, die das Zeichen tragen, möchten eine Klarheit für selbst finden und die höhere Wille manifestieren lassen anstatt die eigene. So formuliert Herman Hesse in Demian über „das Zeichen“.
Und Abraxas ist der Gott, der zugleich Engel und Satan ist. Er vereint alles – gut und böse. Er verlässt Menschen, die zu „sauber“ sind…
Viele Leute bezeichnen Shui Tang als ein Oase. Ich mag diese Bezeichnung nicht. Es hört sich so an, als ob es eine Welt und eine Gegenwelt gibt.
Ist es draussen zu laut – dann sucht man die Ruhe. Gehören nicht Lärm und Ruhe zusammen?
Im Moment tauchen ich ganz tief in die Welt der alten chinesischen Kalligraphie. Kalligrahpie ist für viele Menschen heute eine Gegenwelt. Sie lernen es sehr fleissig und machen Ausstellung. Ich schreibe meine Briefe immer noch mit Pinsel. Nicht weil ich es gut kann, sondern weil es für mich eine Lebenshaltung ist anstatt eine Kunst.
In den hoch verehrten und überlieferten Texten von alten Chinesen lese ich Briefwechsel zwischen Freunde. In jenem kriegerischen Zeit des 5. Jahrhunderten war ein Gruss mehr als ein Gruss im Facebook, ein Besuch anders als ein Besuch per Auto. In diesen Texten schrieben die Menschen, wie sie aneinander denken. „Ich wollte Dich besuchen gehen. Kurz bevor ich Dein Dorf erreichte, erreichte mein Freude auf dem höhen Punkt. Ich kehrte um…“ „Als Du kamst, war ich nicht da. Ich schicke Dir nun ein Lächeln.“
Ich lese Menschen, Menschlichkeit. Ich spüre Freude und Schmerzen durch die Striche und Kurven. Weil wir alle Menschen sind, können wir nur mit Turbelenz der Welt mit einer inneren Haltung umgehen – Menschlichkeit leben.

Der Weg nach Hause führt uns zum unseren eigentlichen Geburt des Mensch-Seins. Unsere Mütter haben uns einmal geboren, aber uns selbst zu gebären müssen wir selbst tun.
Mich interessieren viele Dinge zum Glück nicht mehr. Nur der Weg nach Hause, der Abraxas nicht verdammt, der mich nicht mehr von mir trennt, bleibt.
Und auf diesen Weg treffe ich Menschen, die dieses Zeichen an Stirn tragen. Möglicherweise lieben wir ein Getränk Namens Tee!
Im Moment führt mich der Weg in den tiefen Wald von alten Teebäume in Yunnan. In dem intensiven, harzigen und vielschichtigen Geschmack von den alten Bäume (Gushu 古樹) begegne ich Abraxas. Er sitzt zwischen den Blätter und Zweigen und singt.
Kennst Du die Komposition „Bilder der Ausstellung“? Ich höre BABA-YAGA!

Erinnerung des Körpers

Erinnerung des Körpers

Samstag morgen, nebelfrei. Ein Vater mit einem sehr jungen Sohn kamen zu Shui Tang. Sie sprachen Spanisch, diskret und ruhig. Das Kind wollte den kostbaren Lackbecher von Meister Liao Shengwen anschauen. Ich liess es ihn bewundern, dachte aber dabei, dass es nicht verkauft wird – wer würde solche Kostbarkeit für ein kleines Kind ausgeben? Zur meinen Überraschung ging der Becher mit dem jungen Liebhaber nach Hause. Sein Vater erklärte mir, dass sie eine Teekultur zu Hause pflegen und es ist nun so weit, dass das Kind mit seiner anfängt. Ich war in jenem Moment gerührt von der Liebe des Vaters. Mit Freude zeigte ich dem Kind, wie man mit einem Anfängergeit, den Becher anfasst und pflegt. Das Geld spielt dabei keine Rolle, aber das Herz. Das Geld kann manchmal einen behindern, einen Becher nicht als ein Becher zu sehen, sondern als ein Freund. Dieser junge kleine Teeliebhaber fasste nach meiner Anweisung den ersten Teebecher seines Lebens. Wird er sich immer daran erinnern? An dieses Moment?

You erzählte mir von einem Wald in der Nähe von Jingmai. Die Fläche so gross wie endlos. Ein Wald voller alten und sehr alten Teebäumen. Zwischen diesen Teebäumen wachsen Orchideen und Farn. „Kommst Du einmal mit, zu sehen, wie klein wir sind.“ Eine Körpererinnerung, die wir als Kind haben, wie wir diese Welt anschauen, die wir während reich und berühmt werden verlieren. Ich will nicht dahin gehen, sagte ich. Ich will diese Bäume so alt werden können wie sie sein sollen. 2007 – ein Superjahr für die Pu Er Tee-Spekulanten! Die Preise von Pu Er wurden getrieben zur einen zerstörerischen Höhe. Damals wurden viele, sehr viele, alte – sehr alte Teebäume gefällt, nur um die Blätter bequemer und schneller zu pflücken! Und die zwei tausendjährigen Teebäume, die einst iauf der Erde in Jingmai-Berg standen, wurden nach Kunming zur Schau gestellt. Sie staben an Verlust der Körpererinnerung! Sie starben mitten des grössten Shows ihres Lebens!
Als ich Jingmai 1999 trank, erinnerte es mich an Bunnahabhain (peated). Das Gefühl mitten in einem sehr alten Tempel zu sein – der harzige Wind in einem vermoosten und schattigen Garten. Eine Erinnerung, die mich an Respekt und Einklang mit allen erinnert. Egal wie turbulent und irreführend unsere Zeit wird, glaube ich an die Liebe zu unserem wahren Selbst. Es ist möglich, es so zu leben, wie wir es sind. Es ist eine Körpererinnerung vielleicht auf die Kindheit zurückzuführen, wie wir unbeschwert den ersten Anblick zur Welt blickten.
Anja und ihre Familie waren zu Besuch. Das Kind tanzte, lachte und drehte in dem Raum. Als sie müde wurde, lag sie neben ihrem Vater und streichelte seine Haare. Beim Zuschauen wußte ich, dass Anja es irgendwann vergessen wird. Aber ihr Körper vergisst es nicht. Die Erinnerung wird gespeichert und irgendwann wach gerufen, wenn es so weit ist.

Alte Blätter aus Yiwu

Als ein junger Mensch wollte ich immer weg. Weg von meinem Zuhause. Das heißt nicht, dass ich mein Heimat nicht liebe. Ich wollte bloss weg. Das heißt, dass ich mit dem Ich in dem Spiegel sehr unglücklich war.
Später merkte ich, dass ich nicht nur weg von Zuhause rennen wollte. Ich renne auch vor Unangenehmigkeit, vor Problemen und vor mir selbst.
Nun bin ich in Shuitang gelandet. Ich wurde ein Haustier. Weg rennen geht nicht mehr. Ich will nicht mehr vor mir weg rennen.
Das Leben wurde nun einfacher.

Ich besuchte Zhou Yu. Am einen kalten Tag.
Das Haus Wistaria war angenehm besetzt. Ich brachte ihn die Matcha-Praline. Er konnte nicht bis nach Hause warten. Wie ein Kind öffente er das Schachtel und schluckte das ganze Stück. „Ach, schön!“ er seufzte. Wir verabredeten uns zur eine Degustation.

Für mich ist er ein Tee-Philosoph aus der alten Schule – genau vor dieser alten Schule wollte ich nach Europa fliehen.
Wir vergleichen zwei alt gelagerten Tees – einer aus einer Blend von 60er und 70er Jahren und einer aus der 60er Jahren. Er sagte in seinem Haus degustiert man immer 4g in einer kleinen Gaiwan und 6g in einer kleinen Yixing Kanne.
Die Farbe des Tees verraten uns sehr schnell seine Herkunft. Ist er ein Blend!
Der Blend war sanft und intensiv. Die Intensivität des Aufgusses offenbarte mir der Sandelholzduft aus feuchtem und dichtem Wald! das Holz ist noch nicht ganz trocken. Sehr intensiv, aber nicht so rein, so frei, um zu schweben. Die zarten 70er PuEr verleiht ihn Spuren der Leichtigkeit und der reifen Blätter der einfachen 60er Pu Er bildet einen soliden Körper. Ich roh die Lichtung in dichten Laubbäumen. Der Geruch der Sonne nach dem tropischen Regenguss. Ich erinnere mich an meine Kindheitstage auf dem Land. Unter dem Pamelo-Bäume meiner Großmutter sammelte ich die Laubblätter und kleine Holzstücke, um mein Zuhause zu bauen.

Der andere Tee… nur aus alten reifen Blätter. Zhou Yu sagte, „Weiß Du, so einen einfachen Tee machte der Teebauer für sich selbst.“ So alt. Die Blätter waren so alt, dass man sie nicht wollte. So alt, dass die Teebauer selbst trank. Er kaufte diesen Tee damals im Esstrich eines alten Restaurant in Hongkong. Ihn hat seine Einfachheit nicht gestört.
Aber in der Jugend der alten Blätter aus Yiwu hat für ihn etwas gefehlt. So mischte er ihn mit den zarten Blätter von späteren Jahrgang um ihn aufzupeppen. Ist er durch diese Mischung bereichert?

Wir schüttelten unseren Kopf. Dieser reinen Aufguss aus nur reinen alten Blätter von Yiwu-Bauer ist so einfach und rein geblieben. Sein Wesen öffnete sich sofort, aber Schicht für Schicht, ein Wort nach dem anderen. Er hat keine Eile, er hat keine Zeit – nein, er hat kein Zeitgefühl, weil er ein Teebauer ist. Er erzählte beständig, die Aufgüsse sind reich, ein Aufguss nach dem anderen. Die Erzählungen reichen von puren eleganten Sandelholz, zu vegitalen Feinheit und der duftende Erdetöne. „Menglin, er kann so rein und einfach schön, weil er aus einer reinen Natur stammte. Ach, es war eine andere Zeit!“ er fuhr fort, „das ist das, was wir in der chinesischen Kultur von Zeit und Raum sprechen!“ Endlos und undefiniert. Ein Tee in dieser Art kann Dich zu einer anderen Zeit tragen und versetzen. Was bedeutet schon die Zeit und der Raum? Tee selbst ist Zeit und Raum zugleich.
Die Zeit hat die einfachen alten Blätter aus Yiwu zu einer Schönheit verwandelt. Er ist treu zu sich selbst geblieben. Was ist denn das, was die Zeit überdauert?
Vor was bin ich aus dieser Kultur geflohen?

Zhou Yu erzählte mir, dass er wohl im Sommer im Westeuropa sein wird. Ich rate ihn nach Zürich zu kommen. Ich sollte frisch umgezogen sein und er kann so lange aufhalten wie er will. Ich bat ihn einen Vortrag in Shuitang zu halten. Ein Vortrag nicht nur über Pu Er und Tee. Ich werde der Übersetzer sein, auch wenn es bestimmt nicht einfach wird!

Fotos von Wuliangshan in Yunnan China

Fotos von Wuliangshan in Yunnan China

Heute bekam ich viele schöne Fotos von You. Ich bat ihm mir paar Fotos von Wuliangshan und Mengla, wo ich so schöne Pu Er Tees erhalten habe.
Die wunderbare Fotos zeigen uns, wie die wilde Landschaft dort aussieht und wir können uns ungefähr vorstellen, wie der Teebaum dort wachsen! Teebaum, nicht Teebusch…
Wuliangshan von You schmeckt harzig und gleichzeitig wunderschön nach Blumenwiese! Der langer Abgang, der den ganzen Mund parfümiert, macht den Tee unverwechselbar!

Ich weiß, viele Leute würde mich fragen, ob ich nicht so eine Reise mit You organisieren würde, die wilde Landschaft zu bestaunen! Ehrlich gesagt, ich staune und bewundere gerne aus meinem Monitor. Ich bin ein Stadtmädel und es bleibt so!
Wuliangshan