Pu Er, ein Getränk einer neuen Zeit II

Das Millieu, wo die Teebäume von PU Er wuchsen, waren Mischwälder. Um Tee zu pflücken musste man zu Fuss ins Wald gehen, auf dem Baum klettern und wieder zu Fuss zurückmaschieren. Die Teeblätter wurden auf Holz gefeuerten Pfanne erhitzt und per Hand gerollt. Anschliessend unter der Sonne getrocknet. Nach einer gewissen Lagerung von den getrockneten Blätter wurden sie gedämpft und zu einem Fladen gedämpft.
Man entdeckt seit Jahrhunderten, dass sich diese Teefladen aus den Wälder Yunnans mit der Zeit an Tiefe und Vielschichtigkeit gewinnt. Diese gereiften gelagerten Teefladen gewinnen immer mehr Resonanz zwischen den chinesischen Teeliebhaber.
Da gelagerte und natürlich gereifte Fladen rar sind, ist eine HIlfsmethode Ende 50er Jahren entstanden. Diese Methode hilft, junge Fladen rasch alt schmecken zu lassen. Diese künstliche Methode – das heisst, die ursprünglich getrockneten Teeblätter wieder zu befeuchten und im dunklen und feuchten Räumen ruhen lassen, so dass eine bestimmte Pilze wachsen kann. Diese Methode bezeichnen wir als die so genannte Post-Fermentation Hou Faxiao. Der Tee ohne Post-Fermentation aus Yunnan heisst heute: Sheng-Cha – roher Tee. Der post fermentierte Pu Er heisst Shou-Cha – der gekochte Tee. Die Hou Faxiao Methode ermöglicht, einem frischen Tee künstlich schnell alt zu schmecken. Es bringt Konfusion auf dem teueren Pu-Er Teemarkt. Sie werden oft als natürlich gelagerten Pu-Er auf dem Markt für das teuere Geld verkauft. Selbst erfahrenen Teehändler und Sammler können nicht immer auf Anhieb das Original von der „Fälschung“ auseinander halten.
Nach dem Millenium entwickelt sich das Wirtschaftswachstum Chinas zu einer städtischen Ueberfluss-Gesellschaft und die Nachfrage nach dem Pu Er Tee steigt stets und rasant. Der Tee aus dem natürlichen Millieu wird immer rarer, weil die rasante Nachfrage die Wälder zerstören um Platz für Plantage zu räumen.
Wenn chinesische Teeliebhaber heute von Pu Er sprechen, spricht man von drei Herkünfte: Aus Plantage – Taidi Cha; aus dem verlassenen Wald, den man vor der Kulturrevolution anlegte und später nicht pflegte: Huangshan Cha; aus dem natürlichen Millieu: Dashu Cha oder Gushu Cha. Ich möchte hier nicht über diese Tees kommentieren. Die Tees sprechen für sich selbst. Wenn es sich ergibt, kann man zu Shui Tang gehen und dort selbst kennen lernen.
Natürlich möchte ich, als ein Teeliebhaber, nur Gushu Cha trinken, ein Tee aus dem alten Teebäumen von der natürlichen Umgebung. Oft pflegen wir gerne eine romantische Vorstellung, dass es den Bäumen und den Bauern gut geht, wenn wir solchen Tee fördern. Im Jahr 2005, als die Blase von Pu Er am höchsten Stand war, wurde Gushu (alte Teebäume) von Teebauern selbst gefallen, um das Pflücken am Baum zu erleichtern. Die alten Teebäumen haben sich geopfert für die Liebe des Tees von den Teeliebhaber… Der Teewald in Ortschaft Gingmai ist der grösten intakten Mischwald aus Teebäumen und Laubb$umen. Die Bäumen sind schätzungsweise über 500 Jahre alt. Zwei von diesen sehr alten Bäumen, die über 2000 Jahre alt waren, wurden samt Wurzel ausgenommen und nach Hauptstadt Kunming gezügelt, weil die städtischen Bürger sie bei einem Expo bewundern wollten. Die sehr alten Bäumen waren eine Sensation und sollten die Geschichte Yunnans präsentieren. Tage später starben die beiden entwurzelten Bäumen zwischen den Schaulustigen.
Ist ein Gushu Cha besser als ein Taidi Cha? Ist es besser durch unser Konsumverhalten Dinge zu steuern? Die Tragödie von den gefallenen alten Bäume erzählt mir von dem falschen Bewusstsein und dem Gier der Menschheit.
Die Durst nach Pu Er entwickelt sich stets weiter…

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Der dritte Teil folgt am Wochenende.

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