Auf verwachsenem Pfade

Janacek schrieb den Zyklus „Auf verwachsendem Pfade“ (1901-11) für seine Tochter Olga. Er schrieb in seinem Brief über das Stück So Namenlose Bang »Sie hören in diesem Werk vielleicht das Weinen, die Vorahnung eines sicheren Todes.« Als Erinnerung an einem Spaziergang mit seiner geliebten Tochter komponiert er die 10 Stücke zu einem Zyklus, ein Notiz über einen Rundgang um den Wald und die nächtliche Trauer eines Vaters.

Bangwei 2012 hat in Shui Tang einen kosen Name, „Der Fusstee“. Im Juli sagte You, dass dieser Tee aus Bäumen von mehr als 700 Hunderjahren alt sein sollte. Ich sollte ihm glauben, tue aber nicht wirklich. Bis ich paar Wochen später den Fuss verletzte und nicht mehr auf meine eigenen Beine stehen kann. Auf einmal wie ein Blitzschlag spüren die Beine die Kraft eines Baumes und ich fühle mich tief verwurzelt, verwurzelt auf diesen schweizer Boden.
Ich scherze immer, dass man mich leider nicht zu einem Bonsai schneiden kann – nicht mehr. Dann fragt mein Gegenüber mich oft, was bist denn Du? Ich antworte gerne mit Schalk, dass ich Orchidee sei. Orchideen sind Parasiten. Sie lehnen sich auf hohen Bäume und ernähren sich selbstständig. Ich sei der Orchidee, parasitär und der Baum ist die Schweiz. Mein schweizer Gesprächspartner sind oft sprachlos und ich habe meinen Spass.
Tee, aus 800jahren alten Baum… Wie schmeckt er denn? Kann man sich vorstellen? Wenn er so alt ist, ist er streng und harzig?
In diesem Tee duftet es. Er duftet nach einer Blumenwiese. Ich atme tief und riech die Sonne und das Licht. Nach dem zweiten Schluck schmecke ich Kräuter und Heublumen. Der Aufguss ist dickflüssig und fein. Ein dezenter floralen Abgang balsamiert meinen Gaumen. Weich und phantastisch! Welch ein Traum! Ist es nicht der Shakespeares Sommernachtstraum? Ein Theater mitten in einem Wald, wo die menschlichen Welt und das Elfenland in einander verschmolzen ist. Ein Tor zu nirgendwo.
Ein Tor, der uns in eine andere Welt leitet. Ein Wald, verwachsen von Moos. Laub raschelt und dünne Äste knirschen. Ein Spaziergang mit dem Vater, geborgen und beschützt. Der sanfte Boden schonen die Füsse und die Bäumen führen. Es wird dunkel und die Nacht nähert sich. Das Käuzchen ist nicht fortgeflogen! Das Vogel fliegt nicht weg und starrt bis in die tiefen Nacht in den dunklen Wald! – So beendet Janacek sein Stück und lässt mich alleine in diesem Finsternis. In diesem Wald zu passieren wie bei einer Tasse von diesem Bangwei in die Höhe und Tiefe. Vom Moss getragen, ideal für eine sanfte Landung, geführt von Baumwurzel und begleitet von schwatzenden Vögeln spazieren in diesem Wald ist wie der Gang durch das Leben. Nur Ueberraschungen, anderes als der Tod!

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