Pu Er, ein Getränk einer neuen Zeit IV

Es gibt Gerüchte, dass man diesen Pu Er Tee in Höhlen aufbewahren soll. Das feuchte warme Klima Yunnans begünstigt die Lagerung von Pu Er, ist aber nicht absolut. Für mich sind die Kriterien wie Sauberkeit, kostante Temperatur, keine Schwankung von Feuchtigkeit von Bedeutung. In Höhlen aufbewahrte Tees hören sich bestimmt mystischer an, bilden allerdings für meine Ohren eher wie Mythos. Auf dem Markt werden die Lagerungsmethoden zu zwei Begriffen unterschieden: Gan-Cang, trockene Lagerung; Shi-Cang, feuchte Lagerung.
Selbstverständlich schmecken Teefladen aus feuchter Lagerung älter als der gleiche Jahrgang von der trockenen Lagerung. Wenn der alt-schmeckende Geschmack der Grund ist, weshalb man den Pu Er trinkt, dann ist es sicherlich danach zu bevorzugen.
In der Aesthetik des Tees unterscheiden wir von Leichtigkeit und Schwere eines Tees. Die Eleganz eines Tees wird beflügelt von einer Leichtigkeit und Komplexität. Das Schwere hat nichts mit dem Komplexität des Körpers eines Tees zu tun, aber mit der Undurchsichtigkeit seines Geschmacks. Um diese Erfahrungen zu lernen, braucht man viele „gute“ Tees getrunken zu haben. Ein in Shi-Cang gelagerter Pu Er ist entsprechend schwerer als der gleiche Jahrgang von Gan-Cang.
Die meisten gut gereiften alten Pu Er stammten im 80er Jahren in Hongkong auf dem Markt. Das Wirtschaftswachstum Taiwans in 80er Jahren bracht eine Renaissance des Tees. Früher war Tee für den Export bestimmt, während der Tee Taiwans ab 80er Jahren für Binnenmarkt produziert wird. Der Durst nach Tee scheint mit dem satten Bauch zusammenhängend. Das wachsende Reichtum und Aufstieg des Mittelschichts liess Teekultur auf der Insel blühen. Irgendwann wurde Pu Er entdeckt. Der gut gereiften Pu Er aus Hongkong wurde von einer kolonialen Insel zu einer anderen Insel verschoben. Kurz vor 1997 wurden noch mehr Pu Ers auf dem Markt Hongkongs gespült und sie landeten meistens auf Taiwan. Nun sind Chinese selbst so weit, den Durst nach Pu Er zu erleben!Heute geht die Suche nach guten Pu Ers nach Taiwan anstatt nach China. Die Insel ist für die meistens Chinesen der sicherste Ort um den authentischen Tees zu kaufen als ihr eigenes Land. Unglaubliche Profite werden gemacht und die Suche im Netz oder auf dem Liebhaber-Teemarkt geht weiter.
Es scheint so, dass je reicher eine Gesellschaft wird, desto begehrter wird der Pu Er und Tee?
Einst waren Gewürze das Verbindungsglied zwischen Orient und Okzident. Um den Geschmack der Gewürze nachzugehen wurden neue Wege nach Indien geprobt und Amerika wurde entdeckt. Das Orient wurde erfunden als Geschmackslieferant und Paradies. Der Weg des Tees nach Europa entsteht aus diesem Kontext – Tee als eine Kolonialware.
Heute feiert das Teeclub in der Schweiz seinen 10jährigen Geburtstag und Special-Tee von Nestle sollte Gewinn versprechen und sorgt als Diskussionsstoffe. Warum gewinnt Tee gerade in einer Wohlstandsgesellschaft wie diese hiessige von Bedeutung?
Wie schmeckt denn eigentlich ein gut gelagerter alter Pu Er?
(Im Vortrag wurde ein Menghai-Fladen aus den 80er Jahren degustiert)
Nach Laub, nach Harz, nach Sandelholz oder Adlerholz, nach Erde oder Waldboden…
Es sind einfache unattraktive Geschmäcke, nicht wahr?
Es sind diese einfache unattraktive Note, die die chinesischen Teeliebhaber fesseln.
Warum?
Ich möchte diesen Vortrag mit der Geschichte von den vier japanischen Adeligen aus dem Anfang des Vorrtags beenden. Vielleicht sind die Dialoge fiktiv, vielleicht nicht.
Die vier Japaner kehrten nach 8 Jahren intensives Lernen von Katholizismus in Europa nach Japan zurück. Das Land wurde von Shonggun Hideyoshi regiert und die Christen befanden sich in einer schwierigen Zeit. Die Heimkehrer mit ihren Jesuiten-Begleiter wurden zu einer Tassen Tee eingeladen. Rikyu war der Gastgeber.
Hideyoshi (der Shongun) zeigte den Besucher die Shifuku, eine aus Seide gewobenen Hülle einer Teedose Shifuku und fragte die Gäste, wie sie diese Hülle fanden.
„Wahrscheinlich finden Frauen im Europa diese Hülle schön und würden Schmücke darin aufbewahren.“
„Ich verstehen nicht, weshalb Sie für Steine so viel Geld opfern!“ erwiderte der Shogun.
„Kein Europäer würde verstehen, weshalb man in Japan für das so viel Geld ausgeben.“
„Diese Hülle kann die Teedose schonen. Und die Teedose kann zumindest Tee aufbewahren. Aber Schmuck…sind doch nur dekorativ und nutzlos!“ Mit einem Schalk fragte Shongun seinen Besucher, „wie viel würden Sie für diese Teedose bezahlen?“
Eine Teedose (Chaire) von einem sehr berümten Teemeister, aus Ton und Asche…
„Nicht viel – ehrlich gesagt.“
Der Shongun lachte.
Der Teemeister Rykyu verbeugte sich tief und sagte, „Ja, unsere Gäste sind ehrlich… Denn es sind dumme Menschen, die fanatisch sind auf Tee. Nur diese dummen Menschen schätzen diese Dinge.“
Rykyu sprach weiter…
„Nur die dummen Menschen können die einfache Schönheit aus der Erde erkennen…“
————————————————————– erzählt von Kenichi Yamamoto.

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