Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Palimpsest I

Palimpsest I

In unserem alten dunklen Haus sah man nicht, ob etwas neuwertig war oder altmodisch. Alles verschwanden in der Schattierung im Dunkel. Aus diesem Millieu aufgewachsen wusste ich nicht, dass man Dinge so pflegen sollte, um immer neu aussehen zu können. Dinge putzen und pflegen waren nie unsere Stärke.
Das war mein Kulturschock, als ich den „germanischen“ Alltag in die Berührung kam. Ich staunte wie „germanische“ Frauen ihre Töpfe putzen und ihr Haus frisch halten. Ich kannte es nicht und kann es nicht. Ich kaufe nie eine Hülle für mein IPhone, schaue nie, dass mein alter Lacktisch keine Spuren bekommt und mache oft extra Kratzer auf dem glatten Oberfläche, als ob ich dieses Stück schon lange kennen würde. „Was soll´st? Die Dinge sind doch fürs Benutzen da, nicht wahr?“ Umgekehrt liebe ich alte Dinge. Alte hässliche gekratzte Dinge, die eine Geschichte erzählen können.
Mein Lehrer und ich verstehen gut im Tee. Ansonst vielleicht nur noch die Politik, sonst nichts. Er mag Pu Er nicht. Ich liebe Pu Er. Er mag Literatur nicht. Ich empfinde eine Leidenschaft für Literatur. Er mag Musik nur selten. Ich habe Musik als meine Lebensquelle. Er fragt sich oft, warum ich bis heute immer noch gerne unterwegs bin und warum kein Sicherheitshafen buchen wollte. Er versteht nicht, dass es in manchem Lebensentwurf nicht um die Sicherheit und haben geht, sondern um den Prozess. Aber wir lieben Tee.
Wenn es draussen ganz kalt ist, röstet Atong gerne seinen privaten Tee, darunter oft Lishan Hochland. Auf 2600 Meter hohen Bergen Lishans wachsen immer noch Qingxin Oolongbusch. Die kalte Luft und Luftdruck macht die Pflanzen dichfleischige Blätter, die ein wesentliches Merkmal ist, wenn man den Tee sonst nicht auf Anhieb erkennen kann. Als ich noch jung im Tee war, war der Lishan Hochland ein unglaublich langweiliger Tee – ich scherzte gerne – wie die Schweizer… Damals tanzte ich gerne und liebe Latino-Musik. Der Alishan Hochland war für mich viel spannender – eben wie die Latino.
Nachdem Spuren des Lebens auch in mir hinterlassen haben und ich bekam Zugang zu der Vielschichtigkeit des Seins, verstand ich auf einmal die Zurückhaltung dieses eleganten Tees, der nicht laut schreit und gerne subtil bleibt. Zart, blumig und in sich ruhigend – in einer Überzeugung, dass die Dinge für sich selbst sprechen; in der Überzeugung, dass man den richtigen trifft.
Aus einem Blatt Tee lese ich Spuren, was der Boden und der Menschen ihn geprägt hat – ist er stark gedünnt, ist der von Zikafen befallen oder wurde er über Holzglut geröstet. Aus dem Aufguss des Blattes spricht der Tee zu uns, was für einen Prozess er durchleben muss, um hier zu sein. Als ich bei dem verschneiten Tag vor meinem Fenster diesen Lishan Holzkohle trank, überwältigte mich das Bild von Palimsest! Ein Blatt Papier, das immer wieder gekratzt, geschrieben und geschabt wurde, wurde immer vielschichtiger in jeder Wiederholung von Kratzen und schreiben!
Der schöne Lishan kommt nicht nur aus sehr edeler Herkunft – eben Hochland, wurde nicht nur getrocknet, er wurde sogar über 130 Grad Holzkohle-Glut geröstet. Diese Röstaroma erschwert den Zugang von meisten Liebhaber zu ihm, ziehen andererseits besondere Liebhaber, die genau die leicht herbe ungefällige Note, die einen Tee besonders macht. Hinter dem herben Mantel verbirgt eine Schönheit, die durch Gluten facettenreicher und eigenartiger wird. Das Palimpsest ist dieser von Holzkohle geröstete Lishan Hochland! Einmal sagte Atong zu mir, dass der Lishan Holzkohle geneu ich sein kann. Auch ich und jeder von uns ist ein Blatt Palimpsest!

Der Wolken küssende Tee

Der Wolken küssende Tee

Es war Hanspeters Aufrufszeichen am Dienstagabend. Ich erzählte ihm von meiner Reise und berichtete aus meinem Herzen. Natürlich zeigte ich ihm, was ich als einen total verrückten Tee bezeichnete. Die Tees aus Lala Shan – wild, unangepasst und risikoreich – hmm, es hört sich wie meine Eigenschaften an. Als er das Foto sah, schmunzelte er, „Ach! Der Wolken küssende Tee!“
Wow… dachte ich, wie poetisch…
Nach einer englsich sprechenden Frauengruppe kam eine junge Frau, die heute endlich schaffte zu kommen. Sie hat bereits vieles von Shui Tang gehört und wollte eine Beratung. Zuerst wollte sie einen grünen Tee. Ich tue es, was mein Kunde sich wünscht. Dann plötzlich fragte sie mich, „was würden Sie mir empfehlen?“. Dann erwiderte ich, „Keinen Grüntee.“ „Warum?“ „Weil Sie durchlässig sind.“ „Ja! Genau! Aber wie sehen Sie es?“ Ich kann diese Frage nicht beantworten. Warum sieht man es nicht? Wäre es hilfsreich zu wissen, dass wir uns voneinander nichts unterscheiden? Würde es uns helfen aufrichtig zu uns zu sein, wenn wir wissen, dass der Ruf des Herzen sein eigenen Weg als unsere Kontrolle hat?
Dann kam Dany und er lachte darüber.
Ich holte meine kleine Teekanne von Atong und bereitete diesen verrückten Lala Shan 拉拉山!
Sanft, unaufdringlich und facettenreich! Ein Wolken stieg über den Teetisch. Es bleibt nur zu lachen und zu träumen. Dieser wilde Teegarten in Lala Shan hat eine Geschichte, die ich einmal erzählen werde. Aber wie soll dieser Tee denn eigentlich richtig auf Deutsch heissen?
Dany sagte, es wäre poetisch, wenn man den Satz passiv formulieren würde – der von Wolken geküsste Tee.
Ich sagte, „Nein! Der Tee ist nicht passiv! Der Tee atmet und will den Himmel erreichen. Also, er will Wolken küssen!“
Aber was ist daran schlimm, wenn der Wolken den Tee küssen will, anstatt umgekehrt?
Der Wolken ist beweglich und macht das, was er will, eben den Tee küssen. Der Tee kann sich nicht wehren.
Dass der Tee sich nicht wehren kann, macht mich traurig.
Warum kann der Tee sich nicht wehren?
Warum kann der Tee sich gegen Zikaden nicht wehren? Weil er sich nicht wehren kann, ergibt sich ein wunderbarer Guifei!
Aber, aber… ist der Tee so passiv und muss sich einfach so küssen lassen? Dieses Gedanke macht mich total traurig.
Trotzdem habe ich mich entschieden, dass dieser Tee für mich, der Wolken küssende Tee ist.
Dany wollte den Tee mit ihm nach Hause mitnehmen. Ich schrieb ihm die Ettikette nicht. Ich sei gemein? So ist das. Eben nicht angepasst und unkontrollierbar. Ich sagte ihm, „Schreibe doch, was Du ihn benennen willst. Mir ist es egal!“ Er lachte über meine kindische Verhalten und schmunzelte wahrscheinlich den Heimweg entlang.
Der Wolken küssende Tee würde ich allerdings in Chinesisch andersrum übersetzen. „Bei Yun Wen Dao de Cha 被雲吻到的茶 – Der von Wolken geküsste Tee“ es hört sich auf Chinesisch so poetischer an…

暗香 Der Duft aus dem Schatten

暗香 Der Duft aus dem Schatten

頻相顧
ich schaue immer wieder zurück
餘歡未盡
es ist eigentlich vorbei
卻去且流連
ich sollte gehen, meine Schritte schreiten nicht.
秦觀 Qin Guan, Song Dynastie, China

Nachdem meine Kraft allmählich zu mir kam, war der Besuch bei meinem Lehrer wie ein Lichtstrahl. Ein Lichtstrahl, weil ich wieder nur ich sein kann. Es besteht Hoffnung…
Ich habe viele Teemuster gesammelt und ist bereit mich wie ein Anfänger zu fühlen. Wir haben viele Anxi Tie Guanyin unter die Lupe genommen. Auch wenn ich recht stolz war, was ich nun gefunden habe, lächelte Atong bloß und fragte, ob ich wirklich etwas sehen will, was wirklich einmalig ist? Er brachte mir einen von ihm per Aufrtag erzeugten Tie Guanyin Anxi. Ein sehr leiser Tee, sagte ich fraglich. Ja, antwortet er. Nach 15 Minuten sagte der Tee immer noch kein Wort zu mir. Was ist das eigentlich? Bin ich wirklich ein Anfänger? Er goss einen anderen Oolong von Lala Shan. Ein Guifei Hochlandsoolong, von Zikaden befallen und aus verwilderten Garten. Wieder so einen! Leise, aber präsent. Fein strukturiert, beständig im Aufguss und sanft im Umgang mit unseren Sinne, bloß nicht vordergründig sein, bloß keine Sehnsucht zu erwecken – einfach sein. Einfach sein… Mein Herz wurde glasig und meine Augen ebenfalls.
So einen hätte ich übersehen. Ich hätte.
„Menglin, Tee zu verstehen ist wie eine Lektion über das Leben nachzudenken. Junge Menschen oder Menschen im glatten Lebensweg verstehen den Tee anders als wir.“ Sie lassen sich zu stark beeindruckt von bunten Erscheinungen und Konventionen. Der Duft aus Schatten sei das was ihm fesselt… Anstatt der betäubenden Duft aus der Helligkeit.
Am einem Abend, beim Sonnenuntergang weht eine Brise frischer Wind aus dem Schatten hinter uns. So beschrieb er… Der leise subtile Duft von den schattigen Hecken erreicht unsere Riechweite. Die Brise ist vorbei, der Duft wirkt wie Schatten in unserem Gemüt und es schattiert alles.
Der ruhige Lala Shan ist leise. zwischen den seidigen Textur spürte ich Neroli im Brise.
Atong sagte, so ein Tee ist wie das Verliebtsein. Man merkt es erst Nachhinein. Das leise Süße und blumige Emotion erreicht uns oft vor dem Bewusstsein. Oft ist es schon zu spät. Es wirkt so präsent wie das Schatten in uns schattiert. Man sollte gehen, aber die Schritte schreiten nicht.
Langsam glaubte ich es zu verstehen.
Ich schmeckte eine Veränderung meines Lehrers und meine.
Ist es die Hoffnung, was der 15jaehrige Tim mich einmal fragte?
Beim den letzten Gespräch in Shuitang am heiligen Abend handelte sich um Tod und Organspende. Ich habe die Weisheit nicht, diese Debatte mitzureden. Aber Tod ist für mich anders. Tod ist ein Tor. Das, was wir in diesem Leben nicht gelebt haben und unerledigt bleibt, nehmen wir durch das Tor ins nächste. Wir werden gezwungen bei nächsten Wiederholung zu erledigen. Das ist ähnlich wie, was was wir in diesem Jahr nicht erledige, mit ins nächsten leben müssen. In der chinesischen Vorstellung ist das Leben eine Hoffnung, gewisse Veränderung jetzt zu vollziehen anstatt weiter mit diesem Rücksack zu reisen ins nächsten. Ich habe mein Leben egoistisch genug gefuehrt, immer das getan, was wahrhaftig ist für mich und das gesagt, was ich wollte. Es gäbe nichts zu bereuen. Wenn ich weiß, dass jetzt das Ende ist, würde ich mein Konto plündern, Feste feiern.
Ich habe viel Gepäck, was ich mit ins 2013 mitschleppe, auch wenn ich vieles erledigt haben wollte. Es ist eben wie das Schatten aus der Dunkelheit, unbewusst bleibt der Duft ins mir. An diesem Erkenntnis ahne ich, dass das Leben hoffnungsvoll ist. Weil man sich verändert. Was vorher unmöglich und unerkennbar scheint, ist heute eine Hinweise des Weges. Der Kampf, den ich gegen das Schatten fuehrt, fuehrt zu mir selbst.
Ich werde auf meinen Weg, der mutig in die Dunkelheit schreitet, immer meinen Lehrer sehen und paar Weggefährte begleiten.
Der Duft bleibt.
Mein Lehrer testete gerade Leckerli. Sein Gesicht sah recht kritisch aus…

Ninjas schwere Mission

Ninjas schwere Mission

Atongs Schatzkammer wurde nie von Ninja heimgesucht, wurde mir versichert. Denn der Wert eines Schatz-Tee ist nicht mit Augen erkennbar.
Anhand von dem Erfolg eines Diebes könnte man feststellen was für Teekenntnisse er besitzt.
Warum wurde hier so viele Schaetze gelagert? Weil jemand die Perle aus Nichts erkennt ohne geblendet der Konvention zu befolgen…

Türe

Liebe Menglin
Ich hab’s geschafft. Jetzt bin ich erleichtert und müde. Danke, dass du an mich geglaubt hast 🙂
Hoffe es geht dir gut.
Schaue bald wieder einmal vorbei.
Liebe Grüsse
Rafael

Rafael ist eine grosse Hilfe in Shui Tang, ein Erzengel. Wir haben uns ein Jahr begleitet, während er seine Masterarbeit schrieb und an und zu in den Zweifel landete. Ich kenne diese Zerissenheit zu gut. Manchmal glaubt man nicht mehr, dass man eine Tür aus eigener Kraft zuschliessen kann! Wenn eine Tür nicht zugeht, wie könnte eine andere Tür der Ueberraschung sich offenbaren? Wir unterhielten uns oft und ich sagte ihm, dass ich an ihm glaube. Ich musste ihn gehen lassen, damit er eine Tür schliessen und die andere öffnen kann. Ich freue mich für ihn.
Das sage ich auch jeden Tag zu mir – immer wieder neu. Glaube an Deine Kraft.

Ich bekam die letzte Lieferung von einem Rougui Guifei. Dieser Tee stammte aus dem Garten Atongs Bruder. Mit vielen Teefreunden waren wir letztes Jahr dort. Der Tee namens Guifei bedeutet immer ein Tee aus einem fast verwiderten Garten, von Insekten befallen und nach der Tradition sorgfältig erzeugt. Faccettenreich und vielschichtig. Seine Aromen gewinnen durch die Reifung. Atong sagte, das sei die letzte Parite. Sein Bruder ist bald 80jährig… Er kann nicht mehr sich um seinen Garten kümmern und sein Sohn will diesen Garten für wirtschaftlich interessanteren Ananas entscheiden!
Ananas anstatt Tee!
Wie geht es weiter? Atong zuckte seinen Schulter. „Menglin, das, was wir tun ist gegen die Zeit und gegen die Strömung. Wir müssen vertrauen, dass es weiter geht…“
Wie sollte es denn weiter gehen? Ich fragte mich damals mit meinem Kopf – wenn sein eigener Bruder auch schon aufgibt? Mein Lehrer schweifte seinen Blick weg und richtete sich nach einem unbekannten Ort.
Vor einem Monat verlangte ich die ganze Partie und verlagerte sie nach Zürich. Ein Vertrauen an diesem Ort, wo der Geist einer Tradition weiter gelebt werden kann.

Gestern kam meine jüngere Schwester an. Ehrlich gesagt war mein Gefühl über ihren sehr kurzen Besuch sehr ambivalent. Da ich das älteste Kind bin, verlangten meine Eltern von mir Pflichtbewusstsein und Anstand. Ich habe es immer gehasst.
Zuerst kamen Jeff und seine Freundin zum Besuch und wollten meine Meinung hören, was sie nach ihrem Abschluss tun sollen – hier bleiben oder nach Asien zurück. Als wir zusammen zurück spazierten, sah ich meine Schwester mit ihrem schweren Gespäck entgegen. Wir wechselten kaum Wörter. Es war wie in einem schlechten Film. So verbundene Menschen wie wir, die keim Wort aussprechen können, weil sie zu belastet sind. Ich hatte immer ein schlechtest Gewissen und dachte oft, dass ich sie nicht allein lassen kann. Ich beobachtete mich und beobachtete meine geliebte Schwester. Auf einmal war es klar, dass sie inzwischen eine erwachsene Frau wurde. Meine kleine Schwester verdient mein Respekt und Vertrauen. Wahre Liebe anstatt Mitleid aus Pflicht… Sie kann aus ihrer eigenen Kraft den für sie richtigen Weg beschreiten. Ich glaube an sie, dass sie es kann.
Sie brachte mir ein Berg von Esswaren. Darunter mein Lieblingskuchen Kasutela aus Tokyo, den mein Bruder am Freitagabend aus Tokyo nach Hause brachte. Mein Vater war mit seiner Belegschaft und dem halben Clan in Kyshu ohne mir ein Wort zu erzählen. Er kaufte mir einfach etwas zu essen… es ist wie in dem Film von Ann Lee „Eat, Drink, Men and Women.“ wo Liebe immer nur in der chinesischen Kultur mit Essen assoziiert wird… Sehr wahrscheinlich haben die beiden Männer Angst, einen komischen Auftrag von mir beim Shopping in Misukoshi oder Takashimaya zu erhalten. Ein Hauch von familiärer Verbundenheit vergössert sich in meiner Wohnung. Eine Tür geht zu, dann öffenet sich eine andere. Es geht immer weiter.
Es ist kein Zufall, dass es so einen Tee wie Guifei in Zürich zu erwerben ist. Es ist ein Fluss von Menschen, die an einer Tradition glauben, dass es so richtig ist. Zuerst muss ein Garten gefunden werden, dessen Besitzer kaum Interesse hat an kommerziellen Erfolg. Dann ein Teemaker, der in der Lage ist, Geduld zu üben und an sein Können zu glauben, so dass die moderne Kühlungsgerät gar nicht nötig ist. Dann gibt es einen mutigen Mann, der diesen Tee so röstet, um ihn zu stabilieren um durch die Zeit reifen zu lassen. Als wir die lederigen von Zikaden befallenen Blätter sahen, wissen noch nicht, wie sie zu einem schwarzen Drachen (Oolong – Schwarze Drachen) verwandelt werden können. Aber Paar Menschen können es, in dieser kaputten Pflückgut eine Tür sehen, die zum Regenbogen öffnet!

Satie und Buddhas Hand

Liebe Frau Chou

Mein Name ist Julian,und ich bin 13 Jahre alt.
Ich war im Mai in ihrem Laden,und habe dort einen Buddhas Hand A Li Shan Oolong
gekauft.Ich habe eine Yixing Kanne und probierte oft diesen Tee zuzubereiten,
doch bei aller Mühe die ich mir gab,ich nahm sehr heisses Wasser,liess
die Blätter unterschiedlich lange in der Kanne,mal schüttete ich den yi pao qu di
weg,mal trank ich ihn,aber nie gelang es mir diesen Tee befriedigend
zuzubereiten.Nun ist mir dieser Tee fast ausgegangen,und ich probierte
es heute noch mal,das Ergebnis war das gleiche,aber bei einem Schluck
schmeckte ich für einen Augenblick etwas wunderbar blumiges köstliches,
aber ehe ich mich versah,war es wieder verflogen,und ich schmeckte es nie
wieder.Vieleicht können sie als Expertin mir sagen wie ich diesen Tee
richtig zubereiten kann.
Ich danke für jede Antwort.

Vor zwei Jahren bekam ich ein Geschenk von Miriam, ein CD von Satie. Ich hörte das CD einmal und legte wieder weg. Diese Musik war für mich zu langsam, wie eine Art von Background-Musik. Uninteressant für meine damalige Lebenslage. Ich wollte Aktions und Leidenschaft. Diese Pause zwischen den Töne bleibt in meinem Gedächtnis, verwirrend und zugleich fesselnd. Aber ich war nicht bereit ihn anzuerkennen.
Zwei Jahren später, viele Dinge sind vergangen und viele Veränderung finden im Hintergrund statt. Vor kürzen tauchte das CD wieder auf und auf einmal wurde ich wach.

Es sind die Pausen, die mich an etwas erinnern. Eine Pause zwischen Denken und Denken, zwischen Rennen und Rennen und zwischen Zweifeln und Angst, Eine neue Einfachheit wollte Satie ankündigen. Eine Einfachheit von Pause zwischen den Tönen.
Die Pause, die Leere und das zwischen den Zeilen sind vielversprechend als die gesprochenen Wörter!

Buddhas Hand ist mein Lieblingstee. Er verkörpert diese Pause. Ein Reset-Taste, ein Versprechen, dass alles zum Null-Punkt zurückkehren kann. Ein Nullpunkt zwischen Aktionen und Denken, eine Verortung von Hier und Jetzt. Was nun…
Julian ist erst 13 Jahre alt. Neulich kam Tim, ein 15järhiger. Was macht der Tee mit einem? Ich beobachte die Menschen kommen und gehen, die von einer unbeschreiblichen Kraft geführt werden und hier zusammen kommen. Was macht der Tee mit einem?
Wie bin ich denn hier gekommen?
Wo gehe ich dann hin?
Sabine kam am Freitag. Sie übersiedelt sehr bald nach Texas. Sie sagte mir, dass sie erst in der Donnerstagnacht das Link zwischen mir und dem Blog verstanden hat. Wir plauderten und plauderten als ob wir uns schon lange kennen würden. Wir entdeckten in uns den gleichen Weg zum Herzen. Sie ist kurz vor Aufbruch und freut sich. Denn wo das Herz will, ist das Leben im Fluss. Wenn das Leben im Fluss ist, kommen die Dingen von sich alleine. Denn wir wissen, wir können die Verantwortung für uns selbst übernehmen, wir sind in der Lage, selbst aufzufangen und viel Freude zu haben an die Schönheit der einfachen Dinge. Beim Abschied sagte ich zu ihr, dass sie ein Geschenk für mich sei. Sie sagte, dass sie nie wusste, was der Tee ausser den Blätter noch sein kann und dies hat sie sehr viel an mir zu verdanken. Sie gab mir ihre Telefon und freut sich mich nach meinem Rückkehr noch einmal wiederzusehen, bei einem Bier oder Kaffee – sagte sie – eben nicht immer Tee.
Als ich heute das Email von Julian erhielt, dachte ich an Gleichzeitigkeit. Vielleicht ist das, was einem 13järigen beschäftigt, nichts anders das, was mich beschäftigt. Lieber Julian, ich werde in der Ruhe ein Email an Dich schreiben, wie Du mit diesem Tee besser klar kommst. Vielleicht ist Deine Yixing-Kanne schon zu stark von dem vorherigen Tee gefärbt. Vielleicht muss Du eine andere, möglicherweise eine neue für diesen Tee, der anders ist als Deine vorherige Erfahrungen anschaffen. Aber du muss es nicht.

So sanft wie die Erinnerung

Einmal im Monat treffen sich paar Teefreunde in Shui Tang, um Tee zu degustieren und Notiz zu schreiben. Heute wurde der Tie Guanyin das Thema.
Muzha Tie Guanyin – wie oft habe ich ihn schon getrunken? Seit meiner Kindheit kenne ich diesen Tee, den von meinem Grossvater in der Dunkelheit still getrunken wurde. Diesen Tee stellen wir gegenüber den herrlichen blumigen erfrischenden Anxi Tie Guanyin.
Der Muzha Tie Guanyin wirkte dagegen ruhig, zurückhaltend und erdig. Ein Geschmack, den mein Grossvater vor 30 Jahren gut fand und heute wenige Resonanz findet. Reonanz findet er nur bei den Menschen, die diese Zurückhaltung schätzen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass dieser Geschmack der Geschmack ist, der bleibt. Egal wie die Welt sich ändern. Denn er ruft in mir emotionale Bilder hervor, die für immer für mich etwas bedeuten.
Als mein Zenlehrer Michel noch lebte, erzählte er mir gerne von Schönheit seines Lebens. Er malte mir oft ein Bild von vollkommenem Glück. Er kam aus Bergen Wallis und als Kind sass er gerne neben seinem Grossvater beim Abendsonne. Den Sonneuntergang mit dem Grossvater zu erleben und den herrlichen Blick auf Genfer See zu geniessen. Wortlos und zufrieden war es. Gemeinsam trotzdem jeder für sich alleine. Es war diese Ruhe und Zufriedenheit, was er als das höchste Glück ausmalte. Es berührte mich sehr und lernte diese Ruhe und Frieden zwischen Menschen zu schätzen.
Dieser Muzha Tie Guanyin versetzte mich in die Zeit, als Michel es mit mir teilte. Ich spürte wie Ruhe und Frieden in mir ausdehnt und den wunderbaren Abendsonne, die auf mich schien.
Heute waren Stefan und Stefan zu Besuch. Er kennt zufällig auch Michel und praktizierte auch Zazen. Er hat Mühe mit meinem Ausdrück, wenn ich sage, dass die Einsamkeit eine sehr wichtige Erfahrung sei. Einsamkeit wird in unserer Gesellschaft als etwas Negatives ettiketiert. Aber es ist einfach so, dass man nicht alles mit anderen teilen kann und will. Es gibt viele Ecken in meinem inneren Garten, wo nur mir gehört. Je weiter man auf einem bestimmten Weg schreitet, desto schwierig wird es mit anderen Menschen zu teilen. Dann bleibt nur das Moment unter dem Abendsonne, ein Stück Soledad von Piazolla zu hören, einen Muzha Tie Guanyin zu trinken. Worte werden überflüssig. Die Leere mit anderen Menschen zu teilen, wenn man welche hat.

Der Duft gegen den Abend

Der Duft gegen den Abend

Ein Tee wie die Abendsonne.
Eine Blüte wie der Abend duftet.
Am einen Abend roch ich den leisen Duft eines Abend und erinnerte mich an den Gegenwart. Nicht mein Leben wie das Zeitgefühl am Abend zu sein, sondern die Gesellschaft, in der ich lebe bereits am Abend angekommen ist.

Wie vital kann ein Tee sein, wenn er aus einem Garten, der zum ersten Mal geerntet wird? Atong scherzt und bezeichnet so einen Tee als Jungfrau-Tee. Meine Gäste lachen immer sehr verlegen, wenn ich das Wort „Jungfrau“ ausspreche. Warum lachen sie denn so? Ist Jungfrau etwas Seltsames hier? Oder spricht man von Sex nicht aus, weil es bereits zu dominant ist? Auch wenn das Wort Jungfrau etwas Verlegenes auslöst, löst dieser Jungfrau-Jinxuan trotzdem Neugiere aus. Wie schmeckt denn eigentlich ein Jungfrau-Tee?
Für Atong und Teebauer Taiwans bedeutet dieser Jungfrau-Tee, nicht etwas, was unerfahren und unschuldig ist. Es ist vielmehr das – was das erste Mal kennezeichnet!
Das erste Mal die Welt zu blicken können wir uns leider nie erinnern, aber wir können uns wohl noch sehr gut erinnern, das erste Mal…
Frisch, blumig und anmutig lächeln die Teeblätter in der Tassen. Alle sind verzaubert von der Unbeschwerheit dieses Tees! Eine Woche lang stand immer dieser Tee auf meinen Teetisch und verführt meine Gäste mit ihrem Charme. Was für ein frischer Wind? Was für eine Schönheit! Der Tee ist wie die Mut selbst, als wir viele neue Dinge des Lebens zum ersten Mal beginnen. Plötzlich sah ich mich selbst im Flur der Universität und ich musste das erste Referat im Seminar halten. Nervös, unerfahren und mutig… Mutig lief ich in den Raum, mutig redete ich das erste deutsche Wort und mutig geht das Leben weiter bei den Fremden. „So ein zarter Tee.“ seufzt jemand. Zart? Ich kenne den Tee inzwischen besser. Er ist nicht nur zart. „Dieser Tee ist powervoll, hat Aggresion und zäh.“ lächelte ich. Seine Vitalität und Kraft verbergen sich hinter dem süssen zarten Duftmantel – wie eine junge Frau, die einmal beschloss, aufs anderen Ufer zu gehen. Und diese junge Seele hat jeder in Herzen.
Bevor diese Regentagen kamen, fuhr ich nach Seleger Moor. Ich mag nicht Mittag, unternehme selten irgendetwas gegen den Mittag. Morgens bin ich zu faul und zu passiv. Der Abend und die Nacht sind die besten Uhrzeiten für meine Unternehmung. Gegen Abend waren sehr wenige Menschen wie ich erwartete in Seleger Moor. Die Vögeln und Tiere beginnen wie ich sich zu bewegen. Es ist die beste Uhrzeit, auf etwas vorzubereiten, weil die ungewisse Nacht sich nährt. Laut, scheinbar fröhlich und ganz beschäftigt hörte ich Biene summen, Vögeln klatschen und Tierchen suchen. Ich realisierte, dass sie bewusst sind, die Akktivitäten am Abend so zu gestalten, um ihren Tag entsprechend zu beenden.
Es war ein Abend im Mai. Rhodedenrom und Azaleen blühten auf den Höhepunkt. In alte China war diese Blume ein Symbol der Traurigkeit. Auf diesen Hügel hinter Zürich sind diese Blumen mehr als eine Ansammlung von Poesie. Anmutige Farbe, zwarte Blüte und der Duft, der mich beim Flanieren immer wieder rief, erzählen uns eine Welt voller Schönheit. Unter dem grossen Eichen, neben den blühenden Strauchen spürte ich eine Brise, der im Duft wehte. Ich drehte mich zu dem Wind, sah in den Dämmerung herrlichen gelben Blüten. Unter dem Abendsonne roch der süsse Duft immer distanzierter und wahrscheinlicher. Wahreinlicher – der Duft ist nur wage zu verorten. „Es ist Abend“ dachte ich und es ist der Duft von über Holzkohle gerösteten Lishan. Das ist ein Tee am Abend, den ich alleine hier trinken würde. Nicht diese Mut, nicht diese Vitalität und nicht diese Zartheit des Jungfrau-Jinxuans, die mich jetzt bewegen würde, sondern diese Wahrscheinlichkeit des Abends – etwas Uneindeutiges und Distanziertes. Es sind vieles vergangen und die Zeit ist gekommen, Abstand zu nehmen. Die Vögeln und Tieren wissen, was sie am Abend tun, und wir? Machen wir es weiter so mit uns bis es nicht mehr weiter geht?
Eigentlich geht es schon lange nicht mehr so weiter.

Korkussen unter dem Schnee

Der meiste Jinxuan (eine Oolongsorte) ist nicht von Bedeutung. Er ist bloß ein moderner Formosa oolong.
Die meisten Tage im Leben vergehen bedeutungslos, in den wir nichts vom Anfang und Ende wissen. Die meisten Gespräche verlaufen belanglos, indem bloss Vermutungen und Vorstellung reproduziert werden. Außer wenn sie etwas Neues darstellen. zum Beispiel das erste Mal, jemanden zu begegnen, oder zum ersten Mal ein Muster zu brechen.  Oder in dem nichts Außergewöhnliches  etwas Liebvollste zu erkennen?
Als ich wieder im Büro an der Xinsheng (das neue Leben) nanlu – das Atongs Buero eintrat, bekam ich eine Tasse seltenem Geschmack. „was kann wohl das sein?“ fragte ich so hilfslos. Atong sagte, dass er mir ein Kyosaku ( ein Zenschlag) mit einem Kochlöffel geben sollte. Die anderen gringsten. Ein Jungfrau Wuyi, sagten sie. Diese Jungfrau Wuyi aus den ersten Schnitt der jung Wuyi- Busch. Jungfräulichkeit? Ich schmecke hinter dieser Roestung die Vieldeutigkeit und die Möglichkeit dieses Tees und entschied die ganze Partie zu kaufen und zu lagern. Aber es gibt auch noch ein „Jungmann-Jinxuan“ verraten die Anwesenden.
Wenn unsere Mutter nicht krank wäre, wäre ich nicht auf der Insel. Wenn sie nicht krank wäre, hätten wir alle in dieser Familie das Leben so bequem wie möglich weiter geführt. Und ich als eine abwesende Tochter zugleich eine abwesende Schwester hätte so weiter fehlen können. 
In den Tagen hatte ich nie eine gute Nacht. Alle sind beschäftigt, Männer arbeiten wie gewöhnt weiter und Frauen konzentrieren sich um die Kranke Mutter. Nicht dass mein Herz kalt ist, aber ich fühlte mich in solche Rolle recht absurd. Vier Menschen drehen sich jeden Tag um eine Person. Liebe ist keine Verlust der eigenen Identität. Obwohl ich zu Hause war, waren wir nur nebenaneinder da.
Natürlich habe ich diesen Jinxuan nicht erkannt. Frühlingshaft! Blumenwiese pur. Geschmückt mit dem frischen Tau. Ich hätte das Gefühl ich sähe ein Gletscher unter der zarten Sonnenschein, und neben diesem Eis blühen gerade die ersten Krokusse! Das Bild versetzte mich in einer gefährlichen Abenteuer in einem Frühling als wir geirrt zwischen Schneedecke und zerstörten Wanderwege fast verloren gingen. Ich gab einfach nicht auf, glaubte an einen Ausweg, der Weg das Eis bricht. Dort zwischen schmelzenden Schneedecken blühten die schönsten Krokussen meines Lebens.
Unser alte Vater fuhr mich zum Flughafen. In seinem alten großen Mercedes sagte er, dass er seit dem Tag dieses Auto nur noch ganz selten fuhr. Wir brachen in der Dunkelheit auf. Ich vergaß meinen Scluessel. Wir kehrten noch einmal zurück. Ich vergaß wieder mein iPad, wir kehrten zum zweiten Mal. Dann fing er an mich zu schimpfen und zweifelte daran, wie ich überhaupt allein überlebe. Dann schwiegen wir. Die Autobahn schien unendlich lang zu sein. Eine Ruhe, ein Brise glückliches Gefühl und das ganz einfache Zusammensein füllten den Raum. Er begann irgendwann über seine Sorgen zu erzählen, über jedes Familienmitglied. Das Leben ist so vergänglich, weinte er fast. Ich bat ihm nicht über Zukunft zu denken. Das Denken an Zukunft macht uns immer Angst. Step bei Step gehen wir immer weiter. 
Er machte sich Sorgen wegen meinem Gepäck und insistierte unbedingt noch zu warten. Dann wollte ich plötzlich etwas tun damit die wenige Momenten, inden ich mit dem Vater allein waren, noch länger werden können. Wir liefen auf den falschen Pfad und landeten plötzlich bei Burgerking. Als es mir klar wurde, dass es spät für seinen Augen sein könnte, war es schon spät. Wir liefen zu Passkontrolle.  An diesen Ort standen immer meine ganze Familie seit 20 Jahren um Abschied von mir zu nehmen. Ich drehte mich um, aber nicht wirklich. Er lief paar Schritte weiter und stand dort, wo er schon immer stand – früher mit meiner Mutter und winkte zu mir – wie er es immer tut.