So sanft wie die Erinnerung

Einmal im Monat treffen sich paar Teefreunde in Shui Tang, um Tee zu degustieren und Notiz zu schreiben. Heute wurde der Tie Guanyin das Thema.
Muzha Tie Guanyin – wie oft habe ich ihn schon getrunken? Seit meiner Kindheit kenne ich diesen Tee, den von meinem Grossvater in der Dunkelheit still getrunken wurde. Diesen Tee stellen wir gegenüber den herrlichen blumigen erfrischenden Anxi Tie Guanyin.
Der Muzha Tie Guanyin wirkte dagegen ruhig, zurückhaltend und erdig. Ein Geschmack, den mein Grossvater vor 30 Jahren gut fand und heute wenige Resonanz findet. Reonanz findet er nur bei den Menschen, die diese Zurückhaltung schätzen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass dieser Geschmack der Geschmack ist, der bleibt. Egal wie die Welt sich ändern. Denn er ruft in mir emotionale Bilder hervor, die für immer für mich etwas bedeuten.
Als mein Zenlehrer Michel noch lebte, erzählte er mir gerne von Schönheit seines Lebens. Er malte mir oft ein Bild von vollkommenem Glück. Er kam aus Bergen Wallis und als Kind sass er gerne neben seinem Grossvater beim Abendsonne. Den Sonneuntergang mit dem Grossvater zu erleben und den herrlichen Blick auf Genfer See zu geniessen. Wortlos und zufrieden war es. Gemeinsam trotzdem jeder für sich alleine. Es war diese Ruhe und Zufriedenheit, was er als das höchste Glück ausmalte. Es berührte mich sehr und lernte diese Ruhe und Frieden zwischen Menschen zu schätzen.
Dieser Muzha Tie Guanyin versetzte mich in die Zeit, als Michel es mit mir teilte. Ich spürte wie Ruhe und Frieden in mir ausdehnt und den wunderbaren Abendsonne, die auf mich schien.
Heute waren Stefan und Stefan zu Besuch. Er kennt zufällig auch Michel und praktizierte auch Zazen. Er hat Mühe mit meinem Ausdrück, wenn ich sage, dass die Einsamkeit eine sehr wichtige Erfahrung sei. Einsamkeit wird in unserer Gesellschaft als etwas Negatives ettiketiert. Aber es ist einfach so, dass man nicht alles mit anderen teilen kann und will. Es gibt viele Ecken in meinem inneren Garten, wo nur mir gehört. Je weiter man auf einem bestimmten Weg schreitet, desto schwierig wird es mit anderen Menschen zu teilen. Dann bleibt nur das Moment unter dem Abendsonne, ein Stück Soledad von Piazolla zu hören, einen Muzha Tie Guanyin zu trinken. Worte werden überflüssig. Die Leere mit anderen Menschen zu teilen, wenn man welche hat.

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