Archiv für den Tag 03/03/2009

Qilan Dancong Shuixian, seltene Orchideen

Nach einem aufregenden Ferngespräch nach China ging ich unbewußt in die Küche, wahrscheinlich wollte mir eine Schale Tee zubereiten, oder einen Kaffee. Irgendwie fassten meine zitternde Finger meine arme Orchideen, der ununterbrochen blühte und sein Freude an das einfache Dasein hatte. Meine Finger hielten die Blume nicht und das ganze Topf ist auf dem Boden gefallen. Das zerbrochene Topf ist wie das erschüttelte selbst, alles wurde einfach konkret vor dem Auge geführt. Schmerzhaft.

Mit mir kommt nur Orchideen aus, weil sie selbstständig ist. Ich komme auch nur mit Orchideen aus, weil ich selbstständig bin. Wir brauchen uns gegenseitig nicht, geniessen auch das einfache Zusammensein. Orchideen muss mich nicht mit ihrem Duft verführen. Ich muss Orchideen nicht zum blühen erzwingen. Für Chinesen bedeutet Orchideen nicht nur die Edelheit und Aufrichtigkeit, sondern auch Einsamkeit und Reinheit. Edel und aufrichtig strahlen die schöne Blüte dieser Pflanzen aus. Sie blühen in dem Ecke mit wenige Anspruch auf Nährstoffe und Wasser. Sie beglücken unseren Anblick mit paar prächtige Blüten, weniger ist mehr. Orchideen ist gleichzeitig ein Sinnbild von Einsamkeit, weil sie anders als andere duftende Blumen, die Aufmerksamkeit erregen. Orchideen blüht meistens allein vor sich hin am Fenster – auch ohne deine Bewunderung weiß ich selbst zu schätzen. Sie ist rein.

Als Christof mir am Sonntag sagte, dass der Duft von edelen Tees eher zurückhaltend roch und ruhiger erschien, wußte ich, dass er etwas von Orchideen versteht. Viele Menschen würden einen Tee bevorzugen, wenn er sich schnell zu Wort meldet und Ach-Erlebnis erregt. Auch erfahrene Tee-Profis haben damit Schwierigkeiten, eleganten Tee zu verstehen. Weil ein schreiendes Kind Aufmerksamkeit erregt, ein ruhiges Kind oft vernachlässigt wird. Der leise präsente nachhaltige Duft kann in einer schnellen Degustation bzw. einer Gesellschaft, die stets nach Erlebnisse verlangt, selten wahrgenommen und bewundert werden.

Qilan Shuixian, auf Chinesisch seltene Orchideen habe ich selten richtig gut erlebt. Oft schmecken Sie schwer und herb. Die Leichtigkeit und Edelheit der Orchideen blieben mir immer nur in der Vorstellung. Seit paar Tagen bekam ich 10 Qilan zu degustieren und entdeckte darin eine seltene Schönheit, wie die seltene Orchideen! Diesen Tee goss ich in meinem Seminar am Sonntag, es war für die Teilnehmer ein Erlebnis. Das schöne Parfüm nach Melone, nach Freesie, wobei Freesie für mich schwerer und süsser duftet wie der Qilan, nach Jasmin und nach Citrusblüte!

Der Duft süss, aber leicht, ein Hauch der Kühle anstatt der Wärme, eine Spur der nordischen Schönheit als der verwirrende Zauber. Stets klar und präsent im Aufguss. Ein klarer geschmeidiger Körper fliesst in die Kehle ohne Spuren hinterzulassen. Ein Tee bei der Einsamkeit. Der Tee wird dich begleiten in der einsamen Stunde. Auch wenn die Welt runtergeht, bist Du allein, aber nicht einsam.

Von einer lieben Freundin bekam ich paar Zeilen, die ihre Einsamkeit schildern. Jeder hat einen inneren Garten und in diesem Garten gibt es immer Ecken, wo niemand zugelassen wird. Gewollt oder ungewollt. Einsamkeit ist ein Phänomen, das uns begleitet, auch wenn wir davor fliehen. Je mehr man Dinge von aussen oder von selbst wahrnehmen kann, desto weniger man mit anderen Menschen austauschen kann. Nicht alle Menschen können sich gemeinsam entwickeln, nicht alle Menschen können alles teilen. Mein Garten gehört mir und muss von mir gepflegt werden. Die Einsamkeit gehört wohl dazu, damit ich meine Liebe meinem Garten widmen zu können. In diesem Garten wächst eine seltene Orchideen. Wenn ich will, trete ich auch aus diesem Garten und schaue mir die Welt an.