Zhengshan Xiaozhong (Lapsang Souchong)

L. schickte mir neben den interessanten Felsentees und Anji Baicha einen Zhengshan Xiaozhong aus Tongmuguan in Fujian, Wuyishan.

Zhengshan Xiaozhong, der älteste Schwarztee in der Geschichte, ist allerdings ein rästelhafter Tee, dessen wirkliches Gesicht immer verschwommen wird. Ich kenne diesen Tee erst in Europa und betrachtete ihn als ein stark rauchig whiskyartiger Tee, dessen rauchige Note mich eher abschreckte und zu dominant erschien. Lange verstand ich nicht, weshalb dieser Tee so einen Ruhm besitzt.

Da Hubert in seinem Laden gerne diesen Tee einführt, wurde ich beauftragt diesen Tee zu suchen. Der Zhengshan Xiaozhong, den Suzanne mir einmal brachte sollte laut der Inhaberin des Strassburger Ladens ein Tee aus Sichuan stammen, aber als Zhengshan Xiaozhong deklariert wurde. Insgesamt beauftragte ich drei „Spionen“. Leider waren alle Muster nur nach dem westlichen Vorbild produziert, was man hier bereits überall findet und als selbstverständlich bezeichnet – ein Zhengshan Xiaozhong sollte so sein. Nur diese kleine Packung von L. schien mir ganz anders zu sein.

Seine trockene Blätter sind nach Vorbild Wuyi Yancha gerollt, nicht gehackt oder nadelartig. Sie duften in trockene Form bereits nach roten Dattel und eine unauffällige Longgan-Frucht-Note. Süss, dezent honigsüss und fruchtig. Der rauchige Geschmack bemerkbar aber ausgeglichen. Sein Aufguss zeigt mir einen sehr schönen „Body“, geschmeidig, voll und aromatisch. Der Abgang langhaltig, fruchtig und balsamierend. Ich war ein bisschen unverschämt, dem L. zu sagen, dass dieser Tee noch mehr fruchtige Note haben könnte! Er belächelte mich leicht im Telefon und sagte, „Weiss Du, dieser Tee stammt von dem besten Teemaker in Tongmuguan!“ “ Mir ist es egal von wem. Aber man könnte ihn noch mehr fördern – rösten!“ “ Ausserdem ist er nicht mehr zu kaufen!“ „Wie bitte?“

Dass ich bis Mai warten muss, um auf einen Zhengshan Xiaozhong, den ich endlich gefunden habe, zu warten, ist richtig grausam. Eine zweite Wahl wäre jetzt erhältlich versicherte er mir. Aber was mache ich mit meiner Erinnerung und dem Erkenntnis, dass ein Zhengshan Xiaozhong anders sein kann als diese zu habene zweite Wahl?

Longgang fruchtLonggan Frucht – Longyan auf Chinesisch

10 Gedanken zu „Zhengshan Xiaozhong (Lapsang Souchong)

  1. Jörg

    Du schaffst es echt immer wieder…..
    Eigentlich bin ich den Lapsang Souchongs bis dato immer abgeneigt gewesen (wahrscheinlich auch mangelnde Qualität). „Ich will schließlich Tee und keinen Schwarzwälder Schinken“
    ABER wenn man deinen Artikel liest, bekommt man direkt Lust doch nochmal das Wagnis einzugehen und diesen Tee zu probieren.

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  2. Jörg

    Du schaffst es echt immer wieder…..
    Eigentlich bin ich den Lapsang Souchongs bis dato immer abgeneigt gewesen (wahrscheinlich auch mangelnde Qualität). „Ich will schließlich Tee und keinen Schwarzwälder Schinken“
    ABER wenn man deinen Artikel liest, bekommt man direkt Lust doch nochmal das Wagnis einzugehen und diesen Tee zu probieren.

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  3. Menglin

    Dass Euer Neigier geweckt wurde, liegt nicht an mir. Das ist der Lapsang, der es tut. Es ist wohl meine Aufgabe, Menschen in die Welt des Tees zu „verführen“, ihre vorhandene Vorstellung/Version vergessen zu lassen.

    @Jörg, merci für die süsse Überraschung! Ich melde mich später.
    @Andreas, dieser Lapsang schmeckt allerdings anders als der rauchige Laphroaig.

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  4. Suzanne

    Genau!!! Schinken- oder Specktee, das war bisher immer meine Assoziation mit dem geräucherten Tee…

    Aber ich habe den wundervollen Longgan Zhenshan ausprobiert (gestern hab ich mir gleich einen gemacht, nachdem ich den Artikel hier gelesen habe;-)) – er ist sehr schön, und ich denke nicht so an Speck, wenn ich ihn trinke.

    Ich glaube aber, dass ich etwas beim Aufbrühen falsch mache. Der rtockene Tee duftet herrlich nach getrockneten Früchten (sehr leicht, natürlich, er ist ja nicht parfumiert, es iost nur die Röstung), Orange, diese Zitrusfrucht Longgan … es ist schwer zu beschreiben!) – jedenfalls ist der Duft des trockenen Tees, wenn man ihn in die vorgewärmte Kanne tut (aber auch nur in der Packung) einfach umwerfend …

    Nur: wenn ich ihn dann aufbrühe, verliert er diesen tollen Duft … was mache ich falsch? Länger ziehen lassen??? Kürzer ziehen lassen…

    Was ist das Geheimnis, Menglin? Vielen lieben Dank für Tipps, um den Zhenshan voll genießen zu können … aber ich probiere auch schon rum; nur habe ich es noch nicht so 100% geschafft.

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  5. Andreas

    Hallo Menglin,

    das hoffe ich doch,dass er nicht wie Laphroaig schmeckt,der steht ja schon bei mir im Schrank ;o)

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  6. Menglin

    @Suzanne!
    Dieser Zhenshan, den ich beschrieb, ist meiner Meinung nach von einer besseren Kategorie. Er verliert seinen Duft nicht, der Duft wird leicht anders. Er duftet aber immer noch nach rotten Dattel. Er schmeckt nach drei Aufgüsse immer noch bezaubernd! Um den Duft des Tees besser zur Sprache zu kommen, könnte man Temperatur leicht senken oder wenige Menge nehmen – aber der Aufguss schmeckt ganz anders.
    Der Zhengshan, den Du hast, ist bereits von einer hervorragenden Qualität. Trotzdem ist er im Vergleich schwerer, grober und dominanter. Ich werde für Dich diesen schönen Zhengshan ein bisschen aufheben, entweder schicken oder warten, bis SUZANNE KOMMT!

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  7. Suzanne

    Vielen lieben Dank, Menglin!!! Ich hoffe, ich kann bald selbst wieder kommen … und den Tee von Dir zubereitet erleben!!

    Mit dem Zhenshan, den ich habe, werde ich noch etwas herumprobieren! Vielleicht schaffe ich es doch, ihn noch besser aufzubrühen.

    Viele liebe Grüße und bis sehr bald – und eine gute Reise in Deine Heimat, falls wir uns vorher nicht mehr hören sollten!

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  8. Hubert

    Liebe Menglin
    Deinen Zhengshan Xiaozhong hab ich nun gleich aufgegossen und degustiert. Ein wunderbarer Lapsang, wie ich ihn mir gewünscht hatte. Der Tee hat eine ausserordentliche frische und seltene Eleganz, und eine wunderbare Bersteinfarbe! Was ich sehr schätze bei einem ausgezeichneten lapsang, die feine dezente Kiefernote die wohlig rund unaufdringlich aber lange am gaumen hängen bleibt. Die feinen Fruchtnoten kommen beim zweiten Aufguss noch kräftiger hervor.

    Apropos Speck: ein wunderbarer Tee der gesalzene oder geräuchte Speisen bestens begleitet!

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