Archiv für den Tag 24/03/2008

Ein kleiner Verrat

Ein kleiner Verrat, ein harmloser Seitensprung, ein kurzes Ausflug ins Kaffeeland.

Ich habe meine Kaffeemaschine in Zuerich gelassen, auch meine Kaffeebohne und meine Kaffeetasse. Aber den Koerper mit dem Koffein-Sucht nahm ich mit. Diese Sucht liess mich hier nicht mehr los.

Gestern ging ich endlich Kaffee kaufen, weil unsere Kaffeedame (meine Schwester) nicht da war und ich die Kaffeemahlmaschine mit meinen linken Haende kaputt machte. Die Jungs am Stand war so fit, dass ich nicht auf sie aufpasste. Der Kaffee war gezuckert! Enttaeuscht und sauer, schwoerte ich in ein richtiges Cafe-Shop zu gehen. Ein richtiges Cafe heisst in Taipei, Kaffeebohne nicht aelter als 240 Stunde geroestet, frisch gemahlt und am Tisch zubereitet.

Zhanlu, ein Kaffeeshop an der Xinshen South Road, merkte ich mir schon lange, aber noch nie besucht. Von Aussen sah das Lokal richig professionell aus. Die Karte ist wunderbar, von Blend bis Solo-Kaffeesorte: Von Suedamerika bis nach Hawaii. Was will man mehr? Ausserdem wird sogar Whisky ausgeschenkt! Leider war die Beschreibung und Degustationsnotiz zu wenig differenziert und standarisiert. Aber beeindruckend sieht die Menuekarte im ersten Blick auf jedne Fall! Jede Kaffeesorte wird mit Ort und Farm detailiert angegeben. Diese Art von Kaffeeshop liegt in Taiwan wohl ziemlich im Trend, was mir sehr gut gefaellt, aber in Europa noch nicht sehr bekannt ist.

Ich waehlte Kaffee aus Farm San Augustin in Columbia Huila aus. Die Dame verscuhte mir richtig zu beraten und warnte mir vor der Saeure. Ich meinte, dass ich die Bohne aus diesem Gegend kenne. Sie bereitete den Kaffee vor mir zu. Schoene Kaffee-Zeremonie. Ich haette sofort Zweifel an dem Temperatur des Wassers. Der Kaffee duftet schoen und hat leichte Farbe. Leichte Reostung, meinte sie. Die Saeure war so dominant, dass der fruchtige Geschmack erst beim Abgang bermerkbar wurde. Ich sagte ihr sofort, dass er mir nicht gefaellt. Sie bot mir sofort an, einen erfahrenen „Meister“ fuer mich zubereiten zu lassen. Dieses Service hat mich doch beeindrueckt und liess mir noch einmal einen saeuren Kaffee zu bringen.

Diesmal war der Kaffee eindeutig dunkler. Sie sagte mir, dass die Person bei der Kaffeezubereitung eine Rolle spielt. Ich stimmte zu, aber lobte ihre Grosszuegigkeit. Diese neue Tasse schmeckte vielseitiger, aber die Dominanz der Saeure war nicht zu korrigieren. Der Abgang war laenger und noch fruchtiger. Mein Herz schlug sofort schneller. Mein Koerper vertaegt diesen Kaffee nicht. Er ist zu aggressiv, auch wenn er nur von der leichter Roestung ist.

Enttaeuscht bazahlte ich die Rechnung, 230 Taiwan Dollars, knapp 10 Sfr. Gutes Hardware – Service und Einrichtungen, schlechte Auswahl. Aehnlich wie beim Erlebnis mit vielen Teelaeden. Ich ging wieder raus und erzaehlte Freunden und meinem Teelehrer ueber meine Enttaeuschung. Sie lachten mich aus, als ob ich inzwischen ein Auslaender waere. Es gibt wirklich paar verrueckte Kaffeetrinker unter den Teeliebhaber wie Onkel Huang. Sein Kaffeelieferant zittert, wenn er seinen Kaffee bestellt. Privat ist er ein Uhrensammler und Tee-Ameisen – er sammelt auch Tee, uralte Tees. Er sagte mir, dass man in diesem Laden keinen Kaffee trinken darf. Viel zu teuer und schlecht. Mein Teelehrer sagte mir, dass ich die Essenz des Tees immer noch nicht verstehe und deswegen erwische ich schlechten Kaffee!

Ein guter Kaffee ist wie ein guter Tee meinte er. Wenn man Kaffeebohne unreif pflueckt, ungenuegend fermentieren laesst, unausreichend trocknen laesst und zu kurz roestet, wird der Kaffee sauer und aggressiv. Das Gleiche gilt auch beim Tee! Wenn man so einen Kaffee mit Gewalt stark roesten laesst, bekommt der Kaffee ausser dem verbrannten Geschmack sonst nichts. Das meinen die meisten Menschen einen starken Kaffee!

Jedesmal war ich die erste Person vor einem Teeseminar, die nach Kaffee schreit. Ebenfalls die erste, die danach nach einem Bier sucht. Warum soll ich ausser Tee nicht anderen Getraenke lieben?

Kaffee und Tee oder Bier sind Getraenke, die fuer Einzelngaenger geeignet sind. Ich sitze gerne allein, liebe die Schlichtheit. Von der Verspieltheit halte ich mich fern. Am Ecke bei einer Tasse Kaffee (einen guten) zu sitzen macht mich wahrsinnig gluecklich.