Archiv für den Tag 12/03/2008

岭头单从 Lingtou Phönix

Phönix Ling Tou 岭头, was bedeutet das? Die chinesischen Namen gleichen einem richtigen Labyrinth!

Einen ausführlichen Beitrag über das Dancong Labyrinth mache ich mir ein anderes Mal die Mühe. Heute schauen wir nur den Lingtou Dancong an.

Dieser Dancong Baum stammt aus dem 60er Jahren aus dem Dorf Lingtou (370 M.ü.M.) in Raoping Pingxi im Phönix Gebirge (Guangdong 广东省饶平县坪溪镇岭头村). Ein Experiment mit einem Baiye Dancong (weisse blätterige Dancong Baum) von einem neugierigen Teebauer während der Kulturrevolution. Während die Welt draussend wütete und Menschen sich gegenseitig beschuldigten und um die Macht scharrten, zog der Teebauer Hsu zurück und konzentrierte sich auf die Suche nach einer Spitzensorte des Dancongs!

Lingtou Dan Cong genannt nach dem Dorfname sollte nur zwischen 14-16 Uhr gepflückt werden. Die Erntezeit: Ende März bis 5.April – früher als alle andere Oolongsorten. Das Balttgut sollte reif sein, weder zu jung noch zu alt. Nach dem Pflücken wird dieser Tee anschliessend unter dem Abendsonne welken lassen und durch die Nacht verarbeitet.

Er sollte ein Tee sein, der geeignet ist, zum Lagern. In der chinesischen Zunge des Teetasters sollte der Tee Blütehonig-Note schmecken – langhaltig und klare Duftnote mit einem Intensiven und lieblichen Geschmack.

Pflücken von Shuixian DancongPflücken bei der Ernte von Shuixian Dancong.

Verkosten von Phönix Ling Tou 岭头单从

Der Sponsor meiner duftenden Orchideen kam nach dem Bankgeschäft zum Tee. Zwei Tie Guanyin aus der Chinareise sollten auch verkostet werden. Das passt wunderbar zu dem Duft der Orchideen, dessen Duft die Note eines hervorragenden Tie Guanyin wiedergeben sollte. Ich wollte allerdings noch zwei Dancongs verkosten lassen.

Ich schnitt die original verpackte Tüte auf und der roch bereits in der Tüte etwas fremdartig. Ich roch drei Duftspuren, während der Besucher lediglich die süsse Note identifizierte. Im Schweigen machte ich den Tee weiter und wartete auf den Aurguss. „ Er ist alt.“ „Woher weiß Du?“ „Wie alt? Ca. 1 Jahr?“ „Ja. Woher weiß Du?“ „Ich muss es schmecken können, genau wie Du den Aktionskurs vorhersehen könnten, oder?“ Dieser Tie Guanyin war bereits pflaumig. Der Duft war schwer, sehr süß. Blendend, aber nicht elegant. Schwer und nicht erhebend. Dominant und nicht „beherrscht“. Dann schnitt ich die andere Tüte auf. Ein Tie Guanyin aus Tian-Fu (Tie Ren Konzern). „Er ist sehr teuer! Er kostete mir 300 Yuan! (50 Sfr. Für 50g?)“ Teekanne wurde aufgewärmt und der trockene Duft des Tees wurde „geprüft“, „ Ja, das ist der Orchidee, die Du mir geschenkt hast! Riechst Du?“ „Ach!“ Ein wunderschöner Tie Guanyin, seltene Sorte! Sein Duft sehr klar, konzentriert, erhebend. Ruhig, präsent und zurückhaltend. So eindeutig und besänftigend schmeckt der elegante Orchideen Duft, klar und süß. Der mystischen Guanyin Yun (der berühmte Abgang dieses Oolongs) war so eindeutig, dass man ihn kaum übersehen konnte! Ich genoss den raren Tee. Wie wunderbar!

Der noch teure Phönix Ling Tou gefiel leider meinem Besucher nicht. Das Gesicht war verzogen. Ja, ein schwer zu verstehender Tee. Eine ungeübte Zunge ist überfordert. Der Phönix Ling Tou, den Stefan so gern wissen möchte, ist interessanter und spannend. Ich roch in den trockenen Blätter drei Duftspuren: Meribel (sorry, wie heisst dieses Frucht, das im Sommer gelblich aussieht und ähnlich schmeckt wie Pflaumen?), Lichee und Frauenmantel (Sorry, ich sammele selbst gerne Kräuter und pflegte bis zum letzen Herbst einen Kräutergarten. Der Duft erinnert mich einfach an diese kleinen Pflanzen in Swiss Mountain.). Aber in einer europäischen Zunge wurde die Duftnote „Kirschen“ festgestellt! Das ist das interessante bei dem Teeverkosten. Aufgrund unterschiedlicher kultureller Referenzen wird ein Tee unterschiedlich dekodiert. Das fasziniert mich immer wieder. Eine taiwanesische Zunge könnte nur Lichee deklarieren, während eine „fremde“ Zunge das Tee-Erleben auf eine andere Dimension bringen könnte.

Der Aufguss ist schön, süß und zugleich bitter – das Problem bei fast allen Dancong, den man hier kaufen könnte! Vor paar Wochen trank ich einen Huangzhixiang, der einen schönen Duft zeigte, aber eine unvermeidliche Bitterkeit hinterließ. Natürlich ist dieser Ling Tou von einer anderen Klasse (50g, 45 Sfr.), aber dieser Tee wird nicht leicht haben, verstanden zu werden. In der Wirklichkeit könnte er noch interessanter und unentbehrbarer werden, wenn er einen „Kenner“ getroffen hätte, ihn zu fördern… Er  ist überhaupt nicht geröstet – das Problem von allen käuflichen Dancong. Warum nicht mehr geröstet? Darüber habe ich bereits einen Beitrag geschrieben. Es ist eben schwierig, jemanden zu finden, der sich wagt, aus einem guten „Body“ einen perfekten Tee mit seinem Handwerk zu verwandeln.

Lieber Stefan, der Ling Tou Phönix hat wirklich faszinierende Duftnote. Und wenn die bittere Note Dich nicht stört, oder bereits nicht mehr merkt – wie ich, könntest Du an dem Aufguss richtig Freude haben! Ob Du für ihn so viel Geld ausgeben möchtest, bleibt Dir selbst überlassen.

Als Vergleich habe ich einen Baxian 八仙 – Mandarin Orchideen von Mingcha aufgegossen. Eindeutige Pfirsich-Note: süß, fruchtig und dezent. Der Besucher freute sich über den angenehmen Aufguss, den ich extra so zubereitete. Es ist wirklich eine Geschmackssache. Jeder fühlt sich zu einem Tee hingezogen, je nach dem Zeitpunkt, wann er den Tee begegnet. Banxian ist sicher ein ausgezeichneter Dancong, der einen annährenden Teeliebhaber den Zugang zum Tee verschafft. „Diesen Tee kannst Du sicherlich nach einem „arbeits (augtrags) – intensiven“ Tag in der Ruhe trinken!“