Archiv für den Tag 06/03/2008

Anji Baipian

Anji BaipianAnji Baipian im Aufguss

L. aus China macht tatsächlich gute Arbeit für die Teeliebhaber in Europa. Von ihm werde ich mit ausgewählten Raritäten verwöhnt. Z. B. Anji Baipain (Zhejiang, Anji) und Zhengshan Xiaozhong (der Beitrag kommt morgen).

Dieser Tee war in Sung-Zeit als weisser Tee bezeichnet, weil seine Blätter im März weiss aussehen und im April grün werden. Seine Herstellung ist allerdings eine Herstellung vom grünen Tee. Ich war fasziniert von seiner schönen langen sauberen Blätter und seinen süssen Duft von den trockenen Blättern.

Vor zwei Woche könnte ich das wirkliche Gesicht dieses Tees noch nicht richtig entziffern, weil mein Geschmacksinn noch nicht in der Lage war. Heute bekam ich einen guten Auftrag diesen Tee noch von 2007 einzukaufen, anstatt auf die neue Ernte zu warten. Der Preis erschrak den Käufer auch nicht zurück. Der Grund des Käufers ist, ein guter Tee ist ein guter Tee, wozu warten? Ohne irgendein Werbegespräch fand dieser Tee bereits seinen Liebhaber. Eigentlich bin ich überflüssig, dachte ich. Tee spricht für sich, ohne Wörter.

Ein Hauch von Zitrusblüte und – Schale grüsste mich, als die warme Luft in die Nase hoch stieg. Dann Neroli, aber ganz leise – manchmal find ich Neroli recht dominant, aber dieser Fall nicht. Zum Schluss kam der Röst-Kastanien-Note. Der Aufguss süss, elegant und erfrischend. Schwebend im Himmel wurde ich durch diesen schweren Kastanien-Note auf dem Boden geholt. Was für eine Reise! Was man alles im Tee erleben könnte und mit Tee erleben kann!

Wozu abwarten? Der neue ist nicht unbedingt besser. Der erfahrene Käufer hat recht.

Anji Baipian Blatt

Wann sollte Tee geerntet werden?

Teefreundin aus Freiburg wurde stutzig, als ich ihr erzählte, dass die beste Erntezeit für Oolong mittags ist. Sie sagte mir, so hat sie nicht gelernt.

Gelernt über Tee hat sie bei einer Tee-Sommelier-Ausbildung in Bonn im diesen Herbst und Winter. Um einen Teesomelier zu sein musste sie paar Block-Seminare besuchen und verschiedene Marketingscoach mitmachen. Aber die Degustation erlebte sie nur von Grüntee und Schwarztee. Seminargebühr war nicht wenig, aber wertvoll, wenn man viel Wissen ums Tee authentisch vermittelt wird. Ihr wurde erzählt, dass der Tee immer morgens gepflückt wird, weil die Sonne die Oxidation beeinflusst.

Ich lachte, als sie mir davon erzählte, ein bisschen unhöflich – denke ich nachhinein. Tee als Überbergiff zu nehmen ohne ihn zu differenzieren, könnte man es machen, wenn man sich nicht mit Tee beschäftigt. Aber ein Teesommerlier… Sie fragte ich, wie sie ihr Gemüse im Garten pflückt, oder Kräuter sammelt. „Würdest Du an einem Regentag gehen?“ Sie schüttelte ihren Kopf. Ich fragte, wenn die Feuchtigkeitsverlust für die Herstellung eines Tees sehr wichtig wäre, wann würde sie denn die Blätter pflücken gehen? Ihre Augen leuchteten hell. „Mittags.“ „Welche Teesorten gehören zu diesen Kategorien?“ „Oolong und Schwarztee.“ Ich nickte meinen Kopf. (Darum kritisiere ich den Darjeeling, der im kalten Frühling geerntet und verarbeitet wird. Die Fermentation bei ihm ist für mich selten ausreichend, aber dem Trendgeschmack entspricht.) „Aber warum wurden uns so erzählt?“ „Ich kann nicht für andere Leute sprechen.“

Wie wird Grüntee dann gepflückt? Ich bin kein Expert in dieser Gattung und würde keine Kommentare abgeben. Ich könnte es mir vorstellen, dass die Aussage in ihrer Ausbildung sich eigentlich nur auf Grüntee bezieht.

Heute rief der jung L. (Doktorand im Fach Teeanbau und Herstellung an der Uni) aus China wieder an und wollte mit mir über die Ernte von Anji Baipian besprechen. Ich liess ihn nicht mit seiner Sache anfangen und fragte sofort  „Könntest Du mir bitte sagen, ob der Grüntee morgens gepflückt werden sollte und warum?“ Er lachte über meine aufdringliche Art, „Morgens wird der Grüntee in China gepflückt, weil die Oxidation von dem Sonneschein negativ beeinflusst wird.“ „Meinst Du, dass die Feuchtigkeit des Blattgutes die Herstellung des Grüntees nicht beeinträchtigt?“ „Doch, darum wird das Blattgut vor dem Erhitzen 30-60 Minuten – je nach Ausstattung des Produzenten und der Wetterlage – dünn ausgelegt und ruhen lassen. Durch das Ruhen tritt das grassige Geschmack des Teepflanzens im Hintergrund und die blumigen Duftnote kommen zur Geltung.“ „Das heisst, wenn ein Grüntee eine grassige Note erhält, hängt es mit dem Ruhen-Prozess zusammen?“ „Nicht nur, sondern auch mit dem Erhitzen.“ Wenn die Feuchtigkeit des Blattgutes zu hoch ist, dann wird der Tee vergelbt – er verliert die grüne Farbe. Darum wurde es immer vermutet, dass der gelbe Tee ursprunglich ein schief hergestellter grüner Tee war. Dann sprachen wir über den Röstkastanien-Geschmack, wie dieser Geschmack entsteht und den Prozess über den grünen Tee, der für Export und Massen-Produktion bestimmt ist.

Ich war zufrieden und liess ihn über das geschäftliche Details sprechen. Er sagte, dass er sich sehr freut, meine Frage zu hören. Er merkte, dass ich anders bin als viele Teeimporteur, die sich meistens nur für Trendsetter interessieren. Für mich gehe es immer um die klassischen Sorten und die möglichst beste Auswahl. Naja, er wollte damit sagen, dass ich ein schwieriger Kunde bin. Aber wenn ein Lieferant in der Lage ist, möglichst die beste Auswahl anzubieten, macht er sich auch unentbehrbar. „Wie Du.“ sagte ich zu ihm. Er lachte.

Es geht nicht um die beste Auswahl, eigentlich. Ich will nur meine Arbeit gut machen. Wenn ich einen Tee nicht verstehe, wie könnte ich ihn denn vorstellen? Darum könnte ich keine Riesensortiment anbieten. Andererseits ist es mir egal, ob dieser ausgwählte Tee gut ankommt oder nicht. Schwierige Personen sind keine schlechte Menschen. Sie brauchen mehr Verständnis und unser Geduld. Ebenfalls wie beim Tee. Ein schwer zu verstehender Tee liess sich nicht gut verkaufen, aber er wird seinen treuen Liebhaber finden. Meine Aufgabe ist nur, die Arbeit gut zu machen, anstatt mit meiner Zu- und Abneigung Tee zu beurteilen.