Archiv für den Tag 11/03/2008

Frage nach Fenghuang Dan Cong

Hallo Menglin,

Ich hoffe es geht Dir gut und in der Schweiz machen sich ebenso wie bei uns die ersten Frühlingsboten kräftig bemerkbar?

Ich habe mal wieder eine kleine Frage : Da gibt es einen Mi Lan Xiang, einen Qi Lan Xiang und einen Shiguping Huangzhi Xiang. Grundsätzlich kenne ich (andere) Dancongs mit diesen Bezeichnungen und liebe sie sogar mehr als die oft spröden Steintees aus dem Wuyi- Shan. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Blütentraum des Huangzhi Xiang.

Könntest Du mir aber bitte nochmal genau sagen, worin sich die Aromen dieser drei Tees unterscheiden?

Und dann gibt es da noch einen “ Phoenix Ling Tou“ – dies sagt mir gar nichts. Er ist weit teurer als die anderen drei. Was verbirgt sich hinter diesem Namen und wie würdest Du seine Aromen beschreiben?

Ich freue mich auf Deine Antwort und danke Dir schon im voraus!

Herzliche Grüße von
Stefan

Am vergangenen Samstag war ich zwischen verschiedenen Terminen unterwegs. Manchmal wünsche ich mir, dass ich ein Klone hätte. In Bern war ich beim Länggass zu Beusch und konnte nach all den Teesorten von Stefan nachfragen. Diese wertvolle Teesorten zu degutieren finde ich leider noch keine Ruhe und Zeit. Außerdem ist es eigentlich Schade, allein diese wertvollen Tees zu verkosten. Auch Teeverkosten ist eine soziale Gelegenheit und bedarf Austausch.

Ich hoffe, morgen oder übermorgen, mehr über diese Tees zu schreiben.

Vor der Abreise

Im Telefon klang es ziemlich gut, wie die politische Lage in Taiwan im Moment aussieht. Teelehrer Chen war in bester Stimmung und sagte mir, dass sie sich auf meinen Rückkehr freuen und die Situation für unsere Lage sehr günstig sei. Mein Vater ist im Moment wieder auf Reise und wird wohl am gleichen Tag wie ich in Taiwan eintreffen. Er schien vergeblich auf meinen Anruf vor seiner Abreise gewartet zu haben. Ich sagte meiner Schwester, dass ich viel zu viel zu tun habe.

Sie freuen sich auf meinen Rückkehr, aber freuen sich wohl noch mehr, wenn ich wieder abreise. Meine arme Familie muss immer ertragen, wenn ich daheim bin, wenn Verwante oder ihre Freunde nach meinem Wohl fragen. Sie lehnen für mich Einladungen ab und geben für mich Erklärungen ab, warum ich immer noch im Ausland aufhalte. Nach dem Hinschmeiss meiner Uni-Karriere habe ich keinen Grund mehr in Europa zu bleiben. Und die Geschichte mit dem Tee? Damit muss man doch nicht studiert haben! Das Milieu meiner Familie versteht das nicht, wie ein studierter und scheinbar intelligenter Mensch sich mit Tee beschäftigen und zum Beruf machen möchte. Ich verstehe ihr Bedenken gut.

Eigentlich habe ich es nicht gewählt. Das ist einfach so entstanden. Warum sollte ich gegen das Geschehende kämpfen. Vor paar Jahren beschloss ich ein einfaches Leben zu führen und gestalte meine zwischenmenschliche Beziehung ebenfalls überschaubar und geradelinig. Ich suche keine Anerkennung und mache einfach im Schweigen meine Arbeit – für mich. Das Geschäft mit dem Tee scheint ganz gut zu passen. Manchmal gibt es Auseinandersetzungen, dass man Vorstellungen klar formulieren muss und Grenze aufweisen muss. Aber diese unangenehme streitige Dingen schaffen Klarheit, die das Leben wieder angenehm macht. Für eine konfuzianisch erzogene Frau ist es nicht einfach auf ein Ersuchen, mit Nein zu reagieren. In einer von germanischen Gesprächskultur dominierten Gesellschaft muss es andererseits stets gelernt werden, Menschen auf die Grenze deutlich hinzuweisen. Es muss hier alles angesprochen, besprochen, ausgesprochen und abgesprochen haben. Deutsche und Schweizer halten zu fest an Wörter, anstatt an das Unausgesprochene und Unsichtbare. Diese Diskrepanz war einst problematisch für mich, inzwischen betrachte ich, als Pech für Menschen, die die andere unsichtbare Welt nicht sehen wollen. Ich glaube nicht an aus- und versprochene Wörter und lerne das Nein zu formulieren auf meine Art. Deutsch werde ich nie, chinesisch werde ich immer weniger. Es ist gut so.

Mein Teevater war sehr enttäuscht, dass ich ihm vor dem Heimkehr nur drei Doese Tee mitbrachte. „Was mache ich dann, wenn etwas passiert?“ „Warum sollte etwas passieren? Wenn, dann kaufst Du halt wo anders.“ Es gibt eine Menge gute Teeläden wie Länggass Tee, Reichmuth von Reding etc. Sogar im Internet bei Tea Home kann man Tee direkt aus Taiwan bestellen. Es ist alles möglich heute. Es war seine Art, mir mitzuteilen, wie sehr er mich vermissen würde. Inzwischen gibt es in diesem fremden Land eine Menge Menschen, zu den ich eine Beziehung pflege, die auf Verständnis, Affinität und Liebe zu ähnlichen Dinge aufgebaut ist, anstatt auf „Blut“ und auf eine imaginäre Vergemeinschaftlichung. Sie sind mir nicht mehr gleichgültig. Dieses Aspekt wird klarer, wenn die Welten sich wechseln und die Frage nach „wo hin gehst Du?“ gestellt wird.

Ich gehe nach Taiwan – nun eher als ein teilnehmender Beobachter. Zuerst leide ich unter Schlaflosigkeit – wie „Lost in Translation“ und dann mache ich meinen gewöhnlichen Gang durch die Gasse. Zu den gleichen Essstände, zu den gleichen Restaurants und zu den gleichen Kaffeeshops. Wenn der Geschmack in diesen Orten sich in meiner Abwesenheit nicht verändert, empfinde ich ein Glücksgefühl – meine Welt ist noch in Ordnung. Aber die Welt dadraußend hat seinen eigenen Lauf.