Bio oder Nicht-Bio

Suzanne fragte, was ich von Bio Tee halte. Ich muss vorsichtig meine Antwort formulieren, so dass es kein Missverständnis entsteht. Ich trinke keinen Bio Tee, weil die Qualität des Bio Tees meistens nicht so gut ist, wie der konventionelle. Für mich zählt die Qualität und Herkunft des Tees als die erste Priorität. Wenn die Herkunft des Tees stimmt, der Herstellungsprozess richtig durchgeführt und der Tee ein Bio Tee ist, dann ist dieser Bio Tee sicherlich zu empfehlen. Die Bezeichnung Bio hat für mich keinerlei Bedeutung!
Die Frage ist, wozu brauchen wir die Bio-Bezeichnung? Eine Bio Bezeichnung bürgt überhaupt nichts für den Geschmack und Qualität, sondern sorgt für ein psychologischen gutes Gewissen und einen guten Marktnische.

Nachdem man in Europa langsam über ihre koloniale Vergangenheit und die Ungleichheit der Ressourcen-Verteilung reflektieren können, bekommt man hier zunehmend schlechtes Gewissen über die Ausbeutung von Zucker, Banana und Teeplantage. Tatsächlich sind die Arbeitsbedingungen für Pflückerinnen in vielen neuen Anbaugebiet wie z. B. Assam und Ceylon verheerend und Handelsblatts Bericht über Assam lieferte den beste Beweis: „Armut der Teepflückerinnen schnürt ethnische Unruhe“ (12.03.99). (Die Entstehung von Assam Tee ist ein Spiegel der kolonialen Geschichte! Sie lehnten die Teeindustrie ab und versuchte die Arbeit zu blockieren, so dass Gastarbeiter importiert werden mussten und ethnisches Dilemma gestiftet wurde. Diese Geschichte möchte ich später mit einem eigenständigen Beitrag widmen.) In diesem Kontext ist das Konzept „Fair Trade“ entstanden. Man möchte den Menschen in dritter Welt helfen, indem man für Konsumgüter mehr bezahlt und selbst mit besserem Gewissen weiter in dieser Konstellation lebt.
Solche große Monokultur von Kaffee-, Zucker- und Teeplantage regt steigendes Bedenken in der Öffentlichkeit in den Länden, die sich solche Konsumgüter leisten. Man möchte Genussmittel weiterhin genießen, aber auch gesundheitlich unbeschädigt bleiben. „Bio“ ist ein Trend geworden. Selbst Aldi hat diesen Markt entdeckt und verkauft Bio Gemüse! Es ist fast wie ein Konzept geworden, dass „Bio“ gleich gesund und unbedenklich bedeutet. Für mich bedeuten „Bio“ und „fair Trade“ in diesem Sinne eher eine Markethingsstrategie und ein Konzept als eine Qualitätsgarantie.
In Taiwan, Japan und manche Anbaugebiet in China werden Teegärten überwiegend von kleinen Teebauern getrieben. Das Handwerk wird Generation zu Generation weiter vermittelt.
Teeanbau und Herstellung ist eine Kunst, die nicht einfach angeeignet werden kann. (In Assam importierten Engländer 600 chinesische Kulis aus Singapur und dachte: Chinesen sind Chinesen. Leider waren die 600 Kulis Analphabeten im Teeanbau…) Z. B. in Taiwan leben Teebauer leben gut von ihrem Tee und anderen Produkten. Es sind Familiebetriebe. Darum gehören Formosa Oolong meistens nicht zu billigeren Teesorten und man findet ihn in Aldi nicht. „Fair Trade“ findet beim Formosa Oolong auch keinen Platz! Manche Teebauer, die ich kenne, bauen ihren Tee nach der Tradition. Es sind natürlich eine Art vom „Biotee“, aber ohne europäische „Bio-Siegel“. Oriental Beauty muss z. B. von Insekten befallen werden, die nur im natürlichen Milieu vorkommen und sich vermehren. Die Rede von „Bio“ Oriental Beauty kommt nie vor. Ich bevorzuge diese Redewendung von „traditionelle Anbausweise“ als den leider oft missbrauchten Begriff von „Bio“.

Die Qualität und die Herkunft des Tees stehen für mich im Vordergrund als die drei Buchstaben „Bio“.

4 Gedanken zu „Bio oder Nicht-Bio

  1. Suzanne

    Danke für die vielen interessanten Informationen! Du hast ganz recht – vieles im „Bio“ ist nur Fake und hat mit wirklich naturbelassenen Produkten nichts zu tun. Aber viele Leute kaufen eben gern das, wo „Bio“ draufsteht… und die Verkäufer wissen es.
    Ich werde versuchen, auch mal Oriental Beauty zu bekommen! Bisher habe ich Tees aus Fujian, die von der Teemeisterin „meiner“ Teemeisterin dort in China extra ausgesucht werden – es sind sehr seltene, besonders gute Tees. Also wahrscheinlich auch eine Art von „Bio“… jedenfalls geht es mir mit diesen Tees sehr gut, und das kann ja kein schlechtes Zeichen sein!
    Bis bald!

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  2. marc

    Was du über Fair-Trade Produkte sagst, denke ich auch; es ist zum Teil ein Widerspruch, einen „gerechten“ Lohn für eine „Sklavenleistung“ zahlen zu wollen, das beruhigt das Gewissen, und deshalb lässt es sich manchmal besser vermarkten.
    Aber über ein Bio-Label denke ich anders: Man kauft es nicht, um sein Gewissen gegenüber andern zu beruhigen, sondern weil man für sich selbst etwas Gutes machen möchte und weil man die Produktionsbedingungen richtig findet. Du schreibst, Bio-Tee ist oft schlechter als konventioneller. Aber ist das ein Fehler des Bio-Labels ? Die guten „konventionellen“ Tees sind wahrscheinlich auch biologisch produziert, nur steht es dort nicht drauf. Du sagst, es wäre besser, „traditionelle Anbauweise“ statt „Bio“ zu sagen, aber Bio schützt doch genau die traditionelle Anbauweise: Bei einer industriellen Produktion braucht man z.T. chemische Hilfsmittel oder gentechnisch veränderte Pflanzen, bei einer traditionellen Anbauweise braucht man sie nicht, denn diese Anbauweise existiert ja auch schon länger als diese Technologien. Und es wäre doch gut, wenn ein Teebauer mit traditioneller Anbauweise den Tee besser verkaufen kann als z.B. ein billig-Tee aus Argentinien, oder nicht? Das Problem ist nur, es gibt keine weltweiten Richtlinien für Bio-Labels, und manche Bio-Labels sind wirklich nur von kommerziellen Interessen geleitet und nicht von der Ideologie einer traditionellen Anbauweise.

    übrigens, ich finde dein blog wirklich toll, es ist immer eine grosse Freude, auf deine Webseite zu kommen und einen neuen Beitrag zu lesen. Vielen Dank für die schönen Texte.
    Wenn dir meine Kommentare anfangen auf die Nerven zu gehen kannst du`s mir ja sagen 🙂

    grüsse, marc

    ich kaufe nur max havelaar
    ich hab ja reichlich geld
    doch leider gibts von havelaar
    bis jetzt noch keinen kaviar
    für die dritte welt

    ich sitz an meinem mittagstisch
    vor lachs und weissem brot
    und glücklich weiss ich innerlich
    meinen beitrag leiste ich
    zur linderung der not

    ach wären alle leute wie ich
    ach würden sich alle ändern
    es gäbe dieses elend nicht
    zusammen sässen wir inniglich
    bei tee aus dritt welt ländern

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  3. Suzanne

    Was Du über „Fair Trade“ schreibst, kann ich so nicht teilen. Sicher ist vieles dabei Heuchelei (von den Leuten, die solche Produkte kaufen). Die Idee von Fair Trade ist aber doch gerade, dass es keine Sklavenarbeit mehr geben soll, und dass die Menschen, die in den heutigen Drittweltländern Produkte wie Tee oder Kaffee oder was auch immer anbauen, sich mit ihrer Arbeit eine eigene Existenz aufbauen können. Ob das dann immer so klappt, ist eine ganz andere Frage – an dem guten Prinzip ändert es jedoch meiner Meinung nach nichts. Es ist zumindest ein Anfang – und es bringt das Problem in die Öffentlichkeit. Natürlich reicht das nicht aus, aber soll man denn einfach gar nichts tun? Das kann nicht die Alternative sein.
    Aber sicher hast Du recht, dass sich manche „Fair trade Labels“ auch nur marketingmäßig bereichern. Da muss man sehr aufpassen.
    Die perfekte Lösung haben wir wohl noch nicht gefunden…

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  4. Stephane

    Meine Erfahrung stimmt mit Deiner überein. Ich bin mit Dir ganz einverstanden und bin froh, daß Du den Witz des Bio und des Fair Trade Tees gut erklärst.

    Aber sogar in Taiwan wird Bio Tee als solches vermarktet. Vielleicht ist es eine Antwort auf die billigen Oolongs die zu sehr nach Pestiziden schmecken. Aber oft ist es nur ein Marketing Trick. Nur ein Paar machen das aus Ueberzeugung und, wichiger, um besseres Tee zu machen. Und, ein Tee das gut schmeckt kann der Gesundheit nicht schaden!

    Bei Fair Trade hast Du eine gute Erklärung für dessen Unsinn gefunden: die Plantagen sind Familienbetriebe!

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