Hu Ji, Fremde Frauen

Hu Ji 胡姬. Fremde Frauen. In alten China bezeichnet man Fremde aus Norden und Westen gerne als Hu – die anderen.
Im 7. Jahrhundert vertreibte der Kaiser Li Shimin aus der Tang-Dynastie die „Hu“ aus Norden und diese vertriebenen Hus, kamen als die so genannten „Hunen“ in Europa an. Sie galten im Europa als eine grosse Bedrohung.
Kriemhild und Brünhild streiten vor der Kirche um den Vortritt. Kriemhild gewann den Streit, indem sie Geheimnis der Hochzeitsnacht von Brünhild enthülte. Die beleidigte Brünhild bewegte ihren Mann, der Bruder Brünhilds, um den germanen Held Siegfried zu ermorden. Die schöne stolze Kriemhild verlor ihren Mann und schwor auf Rache. Um die Mörder zu rächen heiratete sie den Hunen König und bewegte ihn, ihre Verwandte zu töten, die Siegfried ermordeten.
Ob es dieser Verwandtschaftsmord wirklich gibt, wissen wir nicht. Aber die Minnensänger haben diese Sage verewigt.
Ich liebe Nibelungenlied. Es zeigt uns deutlich, wer wirklich das stärkere Geschlecht ist und was für Kraft es ist, Menschen zum Verbrechen zu bewegen.
In der ähnlichen Zeit galt die Hauptstadt Chang-An der Tang-Dynastie als Paradies für Glücksuchende. Viele Fremde aus dem vorderen Orient in diese Stadt, eröffnete eine Art von Bodega und das Marketingstricks war der Weinverkauf durch die schönen Tänzerin.
Wir wissen nicht, ob diese schönen Frauen aus dem vorderen Orient freiwillig oder gezwungen nach Chang-An kamen. In der offiziellen Geschichte-Schreibung existieren sie nicht. Die einzigen Überlieferung von ihnen waren die Poesie.
Die Tang-Dichter, männlich und fantasievoll, fangten die anmutigen Blicke, engelhafte Gesänge und reizende Fremdheit in ihre Poesie auf:

卷发胡儿眼睛绿,高楼夜静吹横竹。一声似向天上来,月下美人望乡哭。直排七点星藏指,暗合清风调宫征。蜀道秋深云满林,湘江半夜龙惊起。玉堂美人边塞情,碧窗浩月愁中听。寒贴能捣百尺练,粉泪凝珠滴红线。胡儿莫作陇头吟,隔窗暗结愁人心。 (Li He 李贺) (790–816).)
Li He beschreibt, wie diese fremden Frauen aussahen: Haare voller Locken mit grünen Augen. In hohen Gebäude spielen sie Musik. Die Klänge sind himmlisch und versetzt uns ins Paradie, während die Schönheit im Mondschein weinten aus Heimweh. Der Weg nach Westen über Sichuan ist bereits im tiefen Herbst und voller Nebel. Der Fluss Xiang ist nun stürmisch und voller Gefall. Dein Heimweg ist voller Behinderungen. Unsere Schönheit ist voller Romantik von wilden Westen, aber wenn ich genau hinhöre, höre ich leichte Seufzer und Melancholie. Höre auf, meine Schönheit – Deine Stimme bringt den Zuhörer an der anderen Seite des Fensters in die dunkle Stimmung und zieht sein Herz im Schweigen zusammen.
Das war die Annährung eines chinesischen Dichters an eine fremde Frau Hu Ji aus dem Westen, die über die Seidenstrasse nach Chang-An kam. Wir wissen nicht, was diese Frau hinter sich gelassen hat und was für Wege sie hinterlegte. Wir wissen, dass der Dichter gerne bei den fremden Frauen und das fremde Getränk genossen hat. Was hinter diesen fremden Gesang verbirgt, bleibt für den Dichter geheimnisvoll. Der Dichter reist durch die fremde Frau in die fremde Welt. Seine Fantasie war der beste Begleiter. Der Traum wird zu einem Raum. Ein erfahrbarer Raum.

Ähnlich wie diese vielen jungen Frauen kam ich in die umgekehrte Richtung nach Westen. Im Herzen Europas eröffnete ich Shui Tang. Hier wird nicht Wein ausgeschenkt und Gäste mit Tanz verwöhnt. Es gibt lediglich Tee und manchmal Gespräche. Es ist ein Ort von Aufeinanderprallen der Kulturen und Begegnungsstätte für offenen Menschen. In diesem Herbst möchte ich gerne an einem Vollmondabend den Traum, der zuerst nur in unserer Fantasie bleibt, der uns mit Vorstellungskraft bewegt, das Andere zu begegnen, mit Musik, Poesie und Tee zu einem erfahrbaren Raum verwirklichen – am 21.September… Ich bin sehr gespannt.

Ein gelagerter Shui Xian aus Shiding

Ein gelagerter Shui Xian aus Shiding

Dank Teeclub habe ich meine Lager neu sortieren müssen, weil wir uns zusammen über die Lagerung von Oolong vertiefen wollten. Auf einmal wurde mir bewusst, dass ich viele gelagerte Tees aus dem Jahrgang 2009 aufbwahre. Warum nicht eine Runde von diesen Tee degustieren? Diese fünf verschiedenen Tees von verschiedenen Röstung, Oxidationsgrade und Pflückgut (von Zikaden befallen) zeigen uns verschiedene Gesichter nach 4 Jahren…
Es waren: Jinxaun stakr geröstet, Oriental Beauty von Da Man Zhong (meine private Sammlung von einer seltenen Baumsorte – diese Sorte treibt sehr langsam im Frühling und ist deswegen sehr unbeliebt. Heute werden diese Buschart aus dem Teefelder ausgerottet, weil sie zu langsam sind. Ich machte dann Anspieglung auf die typische schweizer Art… und erntete Lachanfall! Also die Anwesenden hatten echt Humor. Ich denke SVP hätte sicher das Gefühl, dass das Alpenvolk ein vor Aussterben beschutzt werden soll. Ansonsten würden sie nicht so viel Angst verbereiten.), Zheng Dongding, Shui Xian, Huang Jin Gui. Zheng Dong Ding hat allen gefallen. Aber mir hat der Shui Xian besonders angesprochen.

Das stimmt, dass ich im Moment nur arbeite. Zwei Traumprojekte, die Vorbereitung für eine Traumreise mit 18 Wilden, ein laufendes Ladengeschäft, ein Saison von Teeeinkauf und so weiter – machen mich total zur Stimmung voller Jammer. Manchmal traume ich schon, dass ich alles nicht schaffe und mein Flugzeug verpasse. Ich versuche mir stets zu sagen, Step by Step – auch ich werde ankommen. Aber die innere Zeigefinger lass einen nicht immer in Ruhe. Wir sind manchmal der schlimmste Feind und der strengste Kritiker von uns selbst.

Ich sagte Carola, dass es schön wäre, wenn wir diese Tees noch einmal degustieren. Sara kam heute zum Zazen und wir degustierten zu viert noch einmal die 5 Tees. Der Shui Xian sprang sofort für uns beiden aus dem Rahmen. Wir fühlen uns sehr angesprochen von diesem Oolong. Sie sagte, dieser Tee ist so reich an Faccetten, stark im Ausdruck und voller Power! Eine junge Seele sagte sie. Ich schüttelte meinen Kopf…
Ein Shui Xian von Shiding kannte ich als ein Mauerblühmchen. Nicht mehr.
Ein Oriental Beauty hingegen ist eine Päonie, die immer im Vordergrund steht und nie übersehen werden kann. Ein Oriental Beauty ist schön zu trinken. Aber… Sara und ich würden etwas anderes vermissen an diesen Glanz und Schönheit.
Ein Mauerblühmchen, der schweigsam an dem Rand steht und sich zurückhält, ist heute reich an Aromen und Faccetten und voller Ausdruck von Stärke. Ich erzählte Sara, dass so ein Shui Xian kann nur gelagert sein. Die Erlebnisse und Schmerzen machen einem Menschen stark – wirklich stark, nicht stolz. Reich an Erfahrungen und Vertrauen in das eigene Tun macht einem Mauerblühmchen zu einem selbstbewussten Blüte.
Sara sagte, dass ich eine „Lifestory about a tea“ erzähle. Was ist daran so anders zwischen einem Tee und einem Menschen?
In dieser sehr harten Zeit bekomme ich auch verschiedene Kommentare zu hören. Manche fragte mich, ob ich nicht wieder zu Yoga gehe – Yoga würde mich super erden und Energie stärken. Oder Zazen sei richtig für mich, um mich runter zu holen. Diese Kommentare wirkten immer zuerst wie ein Stich – als ob ich etwas nicht gut genug machen würde und nicht gut genug wäre. Meine Reaktion war zuerst immer, „Könnten andere Menschen es besser meistern?“ Wahrscheinlich können andere Menschen es tatsächlich besser. Ich bin einfach nur ich. Ich mache mein Bestes und lerne es zu gestehen, dass ich auch nur das kann. Nicht mehr.
Es ist schwer nur zufrieden mit sich selbst zu sein. Es ist hart, zu akzeptieren, dass man ein sehr gewöhnlicher Mensch ist. Mit der Zeit möchte ich nur eins lernen – nicht mehr Shui Tang besser zu machen oder noch mehr aus Shui Tang zu machen – sondern lerne, Frieden mit mir zu schliessen.
Dieser Shui Xian ist genau so alt wie Shui Tang. Ich bin inzwischen auch 4 Jahre älter. Gelagert, gereift und vielleicht ein Stück weiter gekommen mit sich selbst. Ein Mauerblühmchen wird zu einem ausdruckstarken Blüte. Und ich?
Hoffentlich nur friedlicher mit mir selbst.
Vielleicht wenn wir aufhören können, an uns verbessern zu wollen, sondern nur mit uns selbst in Einheit zu kommen, dann werden wir friedlicher und die Welt endlich voller Frieden!

Tee ist unsere gemeinsame Sprache! Teil III

Meistens weiss ich nicht, wer mir in Shui Tang gegenüber sitzt. Oft interessiert es mich auch nicht. Das, was der andere macht ist häufig uninteressant. Das, was er mir offenbaren kann und will, ist interessant. Manchmal weiss ich doch, was meine Besucher machen, wenn sie mir erzählen. Dann beobachte ich, dass es eine Weile Banker-Welle gibt, eine Weile Anwälte und eine Weile Uhrenhändler. Meiste Besucher sind Banker, die mir erzählen, dass sie unbedingt ihren Beruf wechseln wollen.
Es war ein recht ruhiger Mittag. Ein Herr öffnete die Tür und fragte, ob er bei mir eine Tasse Tee trinken kann. „Was möchten Sie denn gerne trinken?“ „Was Sie für richtig halten.“ Okay. Was wollte ich ihm denn zubereiten? Ich goss eine Kanne Yiwu 2008 von You. Ein Tee, der mich an die süsse Seite des Lebens erinnert.
„Der Tee ist ausgezeichnet. Sie haben einen guten Riecher, was gut ist für mich.“
Ein Kompliment, das gut ankam.
Ich sass zu ihm. „Wo kommen Sie her?“
„Aus der Schweiz. Im Moment pendele ich zwischen Mailand und Zürich.“ eine kurze Atempause, „Ich fühle mich immer fremd als Schweizer in der Schweiz.“
Ich nickte meinen Kopf. Ja – ich fühlte mich oft an einem falschen Ort.
„Fühlen Sie Sich auch fremd hier?“ fragte er mich.
Ich wusste nicht wie zu antworten. In einem schmall talk über meine Gefühle unter den Fremden zu sprechen schaffe ich nicht.
Der Fremde wartet nicht auf meine Antwort und erzählte mir von seiner Reise in Taipei. „Taipei? waren Sie dort? Ich komme aus Taipei!“ Was für einen Zufall.
Er erzählte weiter. Ein Anwaltfreund kam mit Tränen zu einer Besprechung. Er fragte ihm, was los war. Der Freund antwortet mit Tränen, dass der Pianist Horowitz gestorben sei und er sein grösster Fan ist! „Könnten Sie Sich vorstellen, dass Sie in Zürich einen Anwalt treffen können, der wegen Horowitz weint und vor allem vor Ihnen weint?“
Ich schüttelte meinen Kopf.
„Wissen Sie, das kann nur in Asien passieren!“
Mein Besucher erzählte weiter. „Als ich zum ersten mal die alten chinesischen Bronzen in einer Ausstellung sah, wurde ich zutiefst berührt. Ich hatte keine Ahnung was vor mir stand. Aber es war mir so klar, dass es sich um etwas handelt. Etwas, was über Schön oder unschön hinausgeht. Etwas, was eine Seele berührt, auch wenn er die Sprache nicht kennt. Es ist – “ er schaute zu mir, “ das Erleben von dem Wert der inneren Wahrheit!“
„Das ist Kunst!“ mein Besucher rufte. „Die Kunst ermöglicht uns als Menschen auf dieser Erde zu leben mit all das, was wir herum schlagen müssen.“ Er wurde Kunsthändler.
Seine Augen erzählten mir, dass es viel erlebt hat. Sehr wahrscheinlich trägt er auch viele Fragezeichen in sich. In dieser Ozean des Lebens passieren genügend Geschichte, die mich verwirren und emotional durcheinander bringen. Ich frage mich oft, warum? Und wie so gerade ich? Es sind nicht angenehme Frage und man findet keine Antwort.
Plötzlich dachte ich an die alten Bäume in Yiwu. Plötzlich wurde es mir klar, warum ich diesem Herrn diesen Tee servierte. Das Leben von der inneren Wahrheit ist das, was der Tee mir vermittelt und das, warum ich in Shui Tang bin. Die alten Bäume in Yunnan überleben verschiedene Zeitepoche, politische Systeme und klimatische Bedingungen. Sie stehen immer noch dort, nicht um auf uns zu warten, sondern weil sie eben Bäume sind. Und jeder Frühling erinnert sie zu wachsen. Jeder Winter erinnert sie zu warten.
Alexander sagte, ich muss nicht mit auf der Wanderung zu den alten Bäumen. Ich kann mit seinem Vater im Dorf Kaffee trinken und Zigarren rauchen. Die Gruppe braucht keinen Uebersetzer. Denn die Sprache des Baums kann jeder.
Manchmal wenn ich Tim und Alexander sehe, wie sie von Tee begeistert sind und experimentieren – sehe ich einen Anfänger, der mit Spontanität und Naivität seinen Weg bereichert. Sie geben sich Mühe und erleben Freude. Not und Druck machen einen erfinderisch. Ich war auch so frisch – bin nun aber träge und manchmal arrogant. Sie erinnern mich, wie ich einmal war.
Bruno wollte Abschied nehmen und bedankte sich für den Tee. „Das war ein grossartiges Geschenk, was Sie mir geben.“ „Glauben Sie mir – ich tue es nur für mich.“
„War es ein Zauber? Sind Sie die feminine Form von Merin?“
„Nein. Ganz normal, nur Menglin.“ Ich will nicht mehr als es. Es ist schwer genug nur so zu sein
Er ging zur Tür, drehte sich um und suchte. Ich bewegte mich nicht. „Ich glaube, dass ich hier etwas liegen lassen habe.“ er lächelte verlegen. „Ich dachte nur oder ich habe Angst davor etwas zu vergessen…“
„Ja, Sie haben hier den Wert der inneren Wahrheit liegen lassen.“

Tee ist unsere gemeinsame Sprache! Teil II

viele Menschen finden den Weg zu Shui Tang und ich lerne viele Menschen an diesem Ort kennen. Ohne Tee hätten wir uns wohl nie begegnet.
Oft habe ich in meinem Leben das Gefühl, dass ich an einem falschen Ort sei. An einem falschen Ort – ein Gefühl als ein Fremdlinge zu sein. Man ist fremd, weil man anders denkt. Man ist fremd, weil man etwas anders will.
Erst bis vor paar Jahren verschwindet sich das Gefühl immer mehr aus meinem Horizont und man ist immer mehr und mehr zu den Menschen geführt, die einem etwas vermittelt, wie Seelenverwandte.
Man hat das Gefühl, dass man schon lange darauf gewartet hätte oder schon lange kennen würde.
Shui Tang ist wie eine Reise. Sobald wie man an diesen Ort eintritt ist die Zeit unbedeutend. Es gleicht wie ein Schwarzloch, was alles frisst und alles beinhaltet – deswegen – was hat die Zeit überhaupt noch etwas zu sagen?
Fast jeden Tag stehe ich an diesem Ort und mache mich bereit für verschiedenen Menschen, die kommen. Manche wollen nur immer den gleichen. Manche wollen immer einen anderen. Manche wollen bloss sich selbst zeigen. Ich sage mir jeden Tag, ich komme nicht um den Menschen etwas zu zeigen, nicht um Menschen zu beurteilen und nicht um etwas hevorzuheben . Ich bin da, um meine Glaube an Tee zu leben.
Ein Leben für das, was wir glauben. Eine Kultur, eine Tradition, eine Lebenshaltung und ein Schatz, was nicht verloren gehen darf.
In unserer heutigen Zeit, wo meisten Menschen an ihre Jobs kleben, wo meisten Menschen die Herrlichkeit des Lebens mit Ferienwohnung, Autos und Freizeit verwechseln – in einer Zeit, wo das Materielle immer mehr überhand erhielt, während der Wohlstand immer mehr ins Schwanken gerät… getraue ich hier über Glaube zu sprechen…
Das, was viele Menschen bewegt, auf den Weg zu den alten Bäume im tiefen Wald Yunnans zu gehen, erzählt uns eine Kraft. Diese Kraft bringt fremden (wirklich wild fremd aus Europa) Menschen freiwillig unter den alten Bäumen (Gu Shu) zu zelten, zu pilgern und zu verehren. Das ist die Kraft einer Glaube, die nichts mit der Religiosität zu tun hat, sondern mit einer Lebenshaltung.
Etwas tun für etwas Nutzloses – eben bloss für eine Tasse Tee – es sind bloss paar Blätter…
Während meiste Menschen auf der Bahnhofstrasse herum irren und Buchstaben auf den eigenen Körpter tragen, um den eigenen Körper zur Schau zu stellen – geht man auf den schmalen steinigen Weg zu den alten Bäumen, die sich nicht bewegt, nur weil jemand jetzt kommt. Diese alten Bäume machen sich immer im Frühling bereit zu wachsen, egal wie die Welt sich verändert!
An dieser Seitengasse in der Altstadt Zürich passieren spannende Geschichte. Ich kann keine Geschichte erfinden. Tee im Shui Tang hat seine eigene Dynamik und ist das Zentrum des Geschehens. Ich war einfach der Initiator. Ich fühle mich von einem Ozean gerufen und kann mitgehen. Es ist wie und eine Reise. In dieser Reise teile ich mit andern meine Träume und teile Träume des anderen. Die Zukunft ist ungewiss und ich bin voller Ambivalenz. Ich hoffe, ich lebe noch, wenn diese Reise zu Ende geht.
Ich hoffe, ich lebe noch, wenn diese Reise zu den alten Bàume zu Ende geht.

Tee ist unsere gemeinsame Sprache! Teil I

Es sind bloss paar Teeblätter, ein bisschen heisses Wasser und eine einfache Schale oder Pot. Warum werden so viele Geschichte erzählt?
Am Samstag erzählte You mir, dass er uns in Yunnan zu Koreaner führen wollte. Koreaner in Yunnan? Er lächelte in Face-Time: „Ja. Sie zelten dort – über den ganzen Frühling.“ Sie zelten unter den alten Teebäumen (Gu Shu). Wozu? Um ihren Tee zu schützen oder genau gesagt, sie kämpfen um ihren Tee.
Yous Stimme waren voller Respekt. Respekt vor den Kämpfer des Pu Ers. „Weiss Du – wir können wirklich von ihnen lernen. Sie schätzen Pu Er, sie wollen Pu Er und sie bekommen den Pu Er, den sie wollen.“ Egal wie sie von Insekten bestochen sind, egal wie es draussen regnet und egal wie sie belächelt werden, sie wollen eins – ihren Tee!
Was ist Pu Er? Was ist das, was diese Menschen bewegen, diese Strapazen auf sich zu nehmen?
Ich frage mich, was ist das, was diese Menschen bewegen mit mir nach Yunnan gehen zu wollen?
Wir werden in Jingmai einen Pu Er Fladen machen, der Wilden Menschen Fladen heisst. Diese Menschen, die mit mir nach Yunnan gehen, bezeichnen sich freiwllig als Wilde. Die Bäume von unseren Fladen stehen irgendwo im tiefen Wald von Jingmai Berg. You sagte, dass es 1-2 Stunde Fussmarsch pro Weg dauert und ob die Wilden hin gehen wollen. Selbstverständlich – dachte ich – ich hätte sie nicht fragen müssen. Die Wilden wollen wandern und es ist ihr Volkssport. Aber Wandern hat kein Ziel – die Wilden im Europa wandern gerne einfach vom Ort A zum Ort B, während die mitkommenden Wilden hier ein klares Ziel verfolgen – sie wollen zu den Bäumen gehen. Zu den Bäumen – den alten Bäumen, die seit paar Hundertenjahren dort stehen, wo sie immer stehen, egal wie die Aussenwelt sich verändert.
Was ist der Grund, was diese Menschen dazu bewegen, sich als Wilde anzugeben und diese alten Bäume verehren? Einfache Exotik?

Tee hat viele Facetten. Für manche ist es ein Sport wie Jogging, wie Qigong und wie Yoga – eine Art von Körperbeschäftigung. Für manche ist es ein Akt des Genusses. Für vielen ist es Wellness. Für anderen ein Hobby. Für mich ist es nicht zu verwortlichen, was Tee bedeutet. Es ist mehr als Philosohpie, mehr als eine Form, mehr als ein Getränk und viel mehr als Wörter.
Tee kann nie für sich selbst sprechen, insofern dass er immer in unserer Beziehung zwischen uns und diesem Getränk existiert. Er ist leer. Er ist eine weisse Fläche unserer Poesie, unserer Verlangen und unserer Imagination.
Aber, darf ich fragen, was ist das, warum Du dieses Blog liest und ich hier etwas schreiben will in dieser späten Stunde?

Tee ist unsere gemeinsame Sprache

Ulrich hat wieder ganz spannende Beträge in seinem Blog, vor allem über Lackwaren.
http://teeseminar.blogspot.ch/2013/03/pflege-von-teegeraten-2-urushi-jap-lack.html#more

Ich liebe Lackwaren, weil das wunderschöne Wesen uns zeigt, dass die ästherische Erfahrung nicht nur auf den visuellen Akt beschränkt ist. Die Berührung durch Hände und die Annährung zwischen Mund und Holz sind viel versprechend als die Augenkontakte. Und die Schatterung im Dunkelheit viel interessanter als in hellem Licht!

Tee in China heute

http://v.youku.com/v_show/id_XNDg2NTE1MjQw.html

Ich erinnere mich, als Tim vor paar Monaten zu mir kam und mir um eine Lektion von Gongfu Cha bat. Er sagte, dass er fast allen Video von Gongfu Cha studiert hat – das ist ja das moderne Lernen heute. Nach der Lektion sagte er mir, „Es geht ja hier um etwas anders! In You-Tube ist es ja Sport-Gongfu Cha!“
Heute suchte ich Information nach Jingmai und fand diese You Ku (cool) Seite – das chinesische You Tube. Dort fand ich ein Video über ein Wettbewerb der Teezubereitungskunst in Wuyishan. Es sei eine internationale Angelegenheit und es handele sich um die Kunst des Tees. Aber wenn ich das Video anschaue, habe eher das Gefühl, dass es sich wohl um eine Schönheitswettbewerb handelt…
Wenn das ist, das was man in China offiziell als Kunst des Tees feiert, dann bin ich sehr glücklich an einer Seitengasse in Zürich zu sein. Wie schön, dass ich so weit weg bin von diesem Rausch von Glanz und Gloria des Tees!

Der feine Wilde

„…die Wilden dieser Inseln sind die zufriedensten, die glücklichsten (…) Sie haben kein anderes Gewand als das, mit dem die Natur sie bedeckt hat. Sie kennen eine gesetzte Ordnung: sie leben ganz in Freiheit, trinken und essen, was es ihnen gefällt. Sie machen sich keinerlei Sorgen, nicht einmal von der einen Mahlzeit zur nächsten, und schon gar nicht um den kommenden Tag…“ J.B. Du Tertre. Paris 1667, S. 356.

Unsere Reisegruppe nach Yunnan bezeichnet sich als die Wilden. Unsere Fladen, die wir dann selbst erzeugen, heisst „Ye Ren Cha Bing“ (Wilde Menschen Fladen) Eine interessante Formulierung, wenn man vergleich mit dem Text von dem fränzösischen Reisebericht im 17. Jahrhundert. Wer ist für wem wild?
Was bedeutet denn heute „Wild sein“ in unserer entzauberten Zeit? In einer Zeit wo alles bereits bereist und entdeckt wurde, wo alles aufgeklärt und belegt wird? Wo liegt noch Zauber und wo sind die Wilden?
Ich bin wild – ich hoffe, ich bin wild genug. Wild genug, noch zu meiner Wildheit zu stehen.
Vor zwei Wochen sprach mein Bonsai-Doktor zu mir, als ob er zu seinem Amigo geredet hätte. Ich sagte ihm sofort, dass ich nicht sein Kumpel sei. Aus seiner guten Erziehung entschuldigte er sich sofort. Aber ich habe ein Gespräch mit ihm gewünscht.
In dem Gespräch sagte er mir, dass er wild sei und seine Meinung direkt ausspricht. Er sagt seine Meinung.
Er sei wild und kann seine Meinung einfach sagen.
Ich lachte richtig und sah einen Spiegel vor meinen Augen. Also – mein lieber Junge… Meinung zu sagen ist einfach. Schwierig wird es, wie man es sagt. Noch schwieriger wird es, zu eigenen Meinungen zu stehen, nachdem man es gesagt hat.
„Es ist nicht so interessant, wild zu sein.“ sagte ich. „Interessanter wäre zu respektieren, dass Du und die anderen Meinungen haben. Wenn die anderen andere Meinung haben, kannst Du immer noch Deine Meinung respektieren und zu Dir zu stehen? Das ist interessant. Nur einfach etwas zu sagen ist nicht so spannend.“
Die Augen von Tim fingen an zu leuchten. „Wild sein und keine Grenze zu kennen ist uninteressant. Die Grenze zu erkennen und zu respektieren macht Dich zu einem feinen Menschen. Wenn du noch Mut hast, wie die Wilden, dann bist Du ganz interessant für Deine Mitmenschen. Denn Du bist ein feiner Wilde! Mutig und fein.“
Tim erzählte weiter, dass er bis vor kürzen in privater Schule war und hatte das Gefühl, dass es demokratisch sei zwischen ihm und den Lehrern. Die Lehrer sind bezahlt von den Eltern der Schülern. Er konnte immer seine Meinung äussern. Nun ist er in der öffentlichen Schule. Die Lehrer sind über ihn gestellt. Er muss lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen.
„Also, wenn Du Tee bei mir lernst, bin ich für Dich eine autoritäre Person, oder?“ ich schmunzelte.
Er nickte.
„Also, dann ich bin über Dich. Ist es klar?“
Er wusste nicht, wie zu antworten.
„Wenn Du mich nicht respektiert und auch wenn Du mich bezahlst, schmeisse ich Dich raus. Glaubst Du es?“
„Ja, ich traue Dir zu.“
„Weiss Du, das stimmt, dass man meine Arbeit bezahlen kann. Aber, was ich geben kann – ich kann viel mehr geben, alsdas was ich bezahlt werde – und DAS tue ich aus meinem Herzen. Das ist nicht zu bezahlen! Das geschieht nur vom Herzen zum Herzen!“ ich lächelte zu ihm, „Ist es Dir auch klar?“
Mein Bonsai Doktor schien nachdenklich zu sein.

Ich liebe unsere Gespräche – Teespräche mit einem inzwischen 16jährigen Junge, der alles mit anderen Augen sieht und die Welt mit voller Poesie betrachtet. Höflichkeit ist anders als Demut. Höflichkeit ist anders als Dankbarkeit. Höflichkeit ist anders als Respekt. In der Dunkelkeit habe ich lange alleine versucht, zu verstehen, was Respekt bedeutet und was Mut anstellen kann. Aus einem sehr bürgerlichen Verhätlnis habe ich mit vielen Mühe die so gennante Freiheit zu gelangen und zu begreifen, Grenze und Freiheit immer nebeneinander stehen. Menschen sind in der Schweiz gerne höflich, aber herzlich sind die meisten nicht. Mein Bonsai Doktor hat eine wunderbare Chance durch seinen Teeweg sein Herz zuzuhören und seine Freiheit in wahrsten Sinn des Wortes zu leben. Mut und Respekt wünsche ich als Begleiter für unser Leben.

Der Wilde pendelt sich zwischen dem „edelen“ und „bedrohlichen“ – nicht nur in den europäischen Reisebeschreibung letzer Jahrhunderten, sondern auch noch heute.

Eine Wette

Alexander brachte einen Boss (einen prächtigen Kravattenträger). Er behauptet, dass er alles trinkt, was seine Assistentin ihm zubereitet – ein scheinbar zugänglicher Boss.
Aber er behauptet, dass es keinen Unterschied bei dem Geschmack gibt zwischen den Oolong von Teebeutel und von Gongfu Cha.
Also, ich bin auf die Wetter eingestiegen. Auf eine Flasche Champagner! Ich habe eine Flasche ausgesucht. Aber der Boss behauptet, dass er es gewinnen könnte. Es wurde gewettet, ein Lishan Holzkohle 2012 sollte in zwei Arte zubereitet werden: einmal in Gongfu Cha und einmal mit PapierFilter. Es wird ein Blindtest sein und ich werde getestet! Mit herzlichen Lachen akzeptierte ich die Bedingungen.
Ich bin sehr gepannt.
Denn ich erlebte heute eine Ueberraschung.
Ich dachte, ich kenne fast allen meinen Tees. Tim stellte es auf Probe.
Er kam ohne angekündigt. Während ich sein Essen aufwärmte, sollte er selbst einen Tee aussuchen. Er suchte einen aus und bereitet ihn in dem Tonkanne zu, die Atong mir schenkte. Ich dachte es sei ein Dongding Guifei, weil der Tee schöne mineralische Note auffächerte… Nein… er war ein Muzha Tie Guanyin!
Ich war sprachlos in dem Moment. Muzha Tie Guanyin – kenne ich mehr als genug! Aber immer in Porzellan! Nun offenbart er mir in einer Tonkanne andere Facetten, die mir zuvor unbekannt war!
Anfängergeit ist der Teegeist! Ich habe Respekt vor Tee und vor dem, was Tee mir offenbart.
Und diese Wette – gewinnt nun auch Respekt von mir.

Ein Bericht über Shui Tang und Shui Mei Tang

Hotel et Gastronomie Zeitung Shui Mei Tang Mar 13.pdf

Shui Tang existiert seit 2009 Sommer. Seitdem gibt es einen Zufluchtsort für Teeliebhaber an der Spiegelgasse. Jeder, der den Weg findet, entdeckt einen Ort des schönen Wassers. Wer bereit ist, findet immer weitere Winkel dieses Ortes, immer tiefere Wellen des Wassers… mitten in der Zürcher Altstadt!
Seit 2012 Herbst wurde Shui Mei Tang gegründet, für Menschen, die auf Reisen sind, sich für einen Raum der Begegnung freuen. Alexander und ich haben die Idee eine Firma gemeinsam zu gründen, um Tee in solchen Räume zu bringen, wo Menschen aus verschiedenen Kulturen und Grenzen kommen. Denn Tee spricht die Sprache des Herzens, werden Herzen aller Welt hier geöffnet!
Ich danke Frau Bissig für Ihren fliessenden informativen Artikel über Tee und unsere Vision. Es war ein Freude, Menschen wie sie in Tee zu begegnen!