Archiv der Kategorie: Pu Er und gelagerter Tee

Ein Streifzug durch die Pu Er-Landschaft

Carola wollte unbedingt eine Pu Er Schulung haben. Immer mehr Leute kommen zu Shui Tang und verlangt nach diesem Tee. Sie, als eine perfakte Löwin, ist gewöhnt immer nur das Beste zu geben und zu machen. auf ihre Bitte haben wir heute Abend eine Pu Er Schulung durchgeführt.

Jeanine kam im August, als Shui Tang nach der Sommerpause wieder eröffnet wurde. Eine Gruppe von Teebesessenen waren da. Sie fragte mich so direkt, dass sie gerne bei mir Tee lernen und arbeiten möchte. Ich verstand es als ein Wink aus dem Kosmos und sagte ihr, „warum nicht? Komme einfach doch einmal vorbei.“ Ich dachte mir, dass diese junge Frau es nicht ganz ernst meinte. Doch sie kam sofort nach paar Tagen. Ein gutes Zeichen. Sie kam, sehr vorsichtig, sehr bewußt. Sie fragte mich jedesmal, bevor sie etwas anfasste. Sie berüht die Dinge, wenn ich es zustimme. Ich beobachte, wie wir langsam aneinander gewöhnen und voran tasten. Zwei verschiedene Menschen mit zwei Geschichten fingen langsam miteinander anzuvertrauen. Fein und geschmeidig. Sie hatte wirklich „keine Ahnung“ von Tee. Sie trank am liebstens komische Teefladen, was sie irgendwo in Brüssel oder Paris kaufte. Es war sehr angenem für mich, ein weißes Blatt in eine farbige Welt des Tees einzuführen. Sie sollte selbst ihre Farbe finden und Stricke trauen – mit einer Haltung von Offenheit und Demut! Was wollte sie bei mir lernen? Wahrscheinlich meine Haltung gegenüber Tee – Demut. Tee spricht für sich selbst. Wir lernen Tee zuzuhören anstatt über sie zu sprechen.
Jeanine entdeckte in Shui Tang den Matcha und Pu Er. Sie sagte mir heute, „Ja, viele Tee würde ich heute nicht mehr trinken. Die drei Monate haben so viel verändert!“ Ein Weg, der kein Rückflugticket hat…
Für die lieben Leute, die Shui Tang tragen, mache ich gerne die Einführungen. Wir degustieren heute zuerst das offezielle Programm des Pu Ers von Shuitang:
Pu Er Grenztee 1990, Pu Er Simao 1999, Pu Er Tuocha Xiaguan 1999, Pu Er Nanuo 2006, Pu Er Yiwu 2008 und eine künstlich nachfermentierte von Dayi 2002.
Wir merkten sofort bei 2008, wie dieser Tee fein, ruhig und sanft schmeckt. Ich schmunzelte, „Ja, wie der Mensch You.“ Matsu You, der Produzent, ist eben so wie dieser Tee – ruhig und stets bei sich selbst. Ein tiefes Wasser. Wir merkten auch, wie der Gartentee von Xiaguan 1999 eine ganz andere Sprache spricht wie der Simao wilde Sammlung 1999. Der Gartentee ist eleganter und klarer, während der wilde Sammlung charaktervoll und kräftig zur Sprache kommt. Wir merkten anhand der Blätter von Simao 1999, wie sie uns verraten, dass die Zeit zwischen der Ernte und Produktion einfach zu lang liegt und der Tee entsprechend ausweichende Note bekommt.

„Wie merkst Du, dass der Tee ein Problem hat?“ „Wenn man immer einen guten Referententee trinkt und versteht, dann werden die „richtigen“ Aromen und Geschmäcke im Körper gespeichert. Dann melden diese Information sich zu Wort, wenn der Körper merkt, dass es dort etwas nicht stimmt.“ Es ist unglaublich wichtig, einen guten Tee, der „richtig“ gemacht ist, zu trinken und im Körper zu speichern. So lernt der Körper die Gerüche und Geschmäcke kennen, antsatt nur intellektuell zu imaginieren!!
Das geschieht ganz automatisch, dass man das Horizont unbewußt und bewußt erweitert, Dinge wahrzunehmen, ohne anzufassen.
Dann führten wir noch eine Runde Pu Er von offenen Blätter durch. „Brücke zur Vergangenheit 1979“, Yiwu 2010, Yiwu Mengla 2010, Taihe 2005. Alle waren beeindruckt von der feinen fruchtigen Noten von You´s Produktion 2010. Sehr schön gelungen! Der Brücke zur Vergangenheit, der eigentlich ein gestreckte Pu Er ist, missfiellen den Anwesenden, leider. Denn er gegenüber dem anderen Fladen von 1979 von Xiao Haungyin kann einfach seine „Falschheit“ als ein gestreckter Pu Er nicht verstecken!
Tee lügt nicht!

Wir lernten noch die feinen Unterschieden zwischen paar Anbaugebieten. Der Wuliangshan 2010 ist einfach ein herrlicher Tee, der mit einem leicht harzigen und ruchtigen Note uns unvergesslich macht! Ich sagte heute zu Fabio, dass es immer ein Bild bei diesem Tee in mir aufkommt: ein schönes Mädchen spaziert durch eine wilde üppige Landschaft zwischen Wasserfall, Felsen und ururalten Bäumen! Das süsse und die Schönheit des Mädchen begleitet von der starken natürlichen Landschaft!
Jeanine möchte in 10 Jahren ihr Teehaus in Australia eröffnen. Sie will bei mir alles lernen, nicht nur von Tee (wir hatten heute auch eine kleine Keramik-Stunde von Song-Dynastie). Ich bin glücklich, jemanden dabei helfen zu können, ihren Weg zu gehen! Es ist nicht ein Traum, sondern ein langer Weg! Auf diesen Weg braucht man viele aufrichtige Freunde und Demut, dass man weiß, was man vieles nicht weiß. Caleb, ihr Gatte, sagte zu mir, dass ihr Geschmack sich komplett verändert hat, seit sie jetzt nur „gute Tees“ trinken. Das kann man nicht wollen. Das geschieht einfach so.

Der Brücke zur Vergangenheit

Ich musste diesen Text zuerst schreiben, denn seine Worte mich nicht in Ruhe lassen.
Er kam zu Shui Tang, um den Brücke zur Vergangenheit zu kaufen. Ein Tee, der nicht im Programm von Shui Tang steht – wie viele andere tatsächliche Raritäten. Warum nicht? Ich weiß auch nicht. Nicht jede Sache hat einen Grund.

Monate vergehen, Tage häufen sich an,
wie ein trunkener Traum –
Ein alter Mann seufzt. Ryokan (Japan, 1758-1831)

Er kommt immer extra angereist. Ich bereite ihn immer extra seine Tees zu. Seine Tees – es sind erlesene gelagerte Pu Ers, die meistens in dem Schrank verschlossen bleiben. Warum bereitest Du immer für ihn solche Seltenheiten zu? „Weil wir uns gerne haben.“ er schmunzelte zu dem jungen Mann am Tisch. Weil er diesen Tee über alles schätzt.

Ich fragte ihn, weshalb er so beladen war und was für Last er sich herum trug. Er blickte zu Joseph und wollte diese neue Bekanntschaft nicht zu sehr mit Vergangenheit belasten. „Ach, ich will unsere schöne Momente jetzt nicht belasten.“

Schöne Momente und die belastete Vergangenheit… Wer kennt es nicht? Wer hat keine belastende Vergangenheit? Der belastete Gegenwart kann jeder Zeit zu einem schweren Rücksack werden, wenn – der Brücke zu uns selbst nicht gefunden wird.

„Weiß Du, ich wollte den bösen Geist einfangen.“ Er will den bösen Geist im Griff haben, um die schwere Vergangenheit endlich zu entlasten. Er glaubt, dass es jemanden gibt, die Verantwortung für die schwere Vergangenheit trägt – der böse Geist. Er ging mutig zu seinem Elternhaus am See. Das einstige vertraute Haus ist heute eine Sammlungen von liegenden Schachtel, vergessenen Dingen und häufenden Staub. Pflanzen verschliessen die Fassaden, Wildnis herrschte das Horizont. Die fremden Herrscher hatten sich zerstritten nachdem sie das Haus erwarb. Ruhlos und verlassen. Er suchte, suchte und suchte die Spuren der Vergangenheit. Er sammelte, häufte und packte all das, was er glaubte, wo der böse Geist ist! „Weiß Du, dieses Praxis ist einfacher als Psychoanalyse! Nützlicher als Psycho-Therapie!“ Ein Psychoanalytiker müsste wissen, wenn er es sagt.

„Weiß Du, ich habe ein Heucher-Thil (eine Puppe).“ Ich nickte. Ich kenne meine Heucherlei. Ich wollte Menschen gefallen und auf den bequemsten Weg gehen. Ich merkte, wie ich meine Stimmte veränderte, wenn ich mit meinen Eltern telefonierte. Ich weiß, wie ich meine Gesichtsauszüge wechselte, wenn ich bestimmte Menschen begegnete. Ich weiß, wie ich meine Zuneigung inszenierte, wenn ich etwas nicht wirklich absagen konnte… Heucherisch war ich. Vielleicht immer wieder ein wenig… Der lange Weg zu wahrem selbst! Er glaubte aber, dass eine klar definierte Puppe die Heucherlei heilt. Er wurde geheilt. Er schickte zum Beispiel diese Puppe zur Einladung, die er nicht wirklich absagen konnte. Er, als der Akteur, will nicht mehr heuchern.

Ähnlich wie eine Heucher-Thil sollte ein böse Geist endlich gefangen werden, der für die schwere Vergangenheit verantwortlich ist. Seine Erzählung war ruhig, lustig. Mein Herz wurde mehrfach gerüttelt. Wir tranken am Tisch den Brücke zur Vergangenheit – Yingu, ein Tee aus Wistaria Haus, Yunan 1989.

Wie schmeckt die Vergangenheit? Ich weiß es nicht. Mein Speichel sprudelte, meine Augen feuchteten. Der Brücke zur Vergangenheit, war auf der Zunge so sanft und geschmeidig. Es gleitete. Mut haben, auf dem Brücke zu gehen, die Last der Vergangenheit zu sehen, um loszulassen. Der Tee roch ein bisschen nach Blätter auf dem Waldboden. Die erdige Note war zuerst präsent, nahm sehr schnell ab. Die Lichtung durch die Blätter kam in dem dritten Aufguss. Der Geschmack wurde immer leichter, klarer und ruhiger. Ich sah die nackten roten Backsteinen unser altes Hauses, wo wir seit 7 Generation wohnten und abgerissen wurde. Die Luft war voller Staub. Wenn das Licht einmal durch das dunkle Fenster schien, sah ich wie Staub tanzte. Meine kindliche Hand versuchte sie zu fangen und scheiterte… Er sah die drehende Klingel der Haustür und die schöne Stübe, wo er als Kind als riesig emfand. Und Jeannie? Was sah sie?
Wir waren auf unseren Brücke zur Vergangenheit.
Der junge alte Mann seufzte.

Wann ist der Tee tot?

Wann ist der Tee tot?

Ich brachte einige Pu Er nach Shui Tang zurück. Ein Tee, der nicht in seinem jungen Jahren getrunken wird, sondern in seinem Alter, Reife.

Ba. ist einer der festen Bestandteil des Shuitangs Liebhabers, die fast jede Woche kommt, die ich vermisse, wenn sie nicht erscheinen. Einst trank er gerne Oolong, der inzwischen zu lieblich versöhnlich wurde, seit er das Unfassbare und Unberechenbare des Pu Ers entdeckt. Ein unglaublich geistreicher und eloquenter Mann, den ich in seiner Reife treffe. Ende des 2009 sagte er zu mir bei dem Abschied, dass er sich ohne Shuitang nicht mehr vorstellen könnte.

Wie kann man denn einen Tee berechnen, wie lange er bereits lebt und wie lang er noch leben kann? Wir berechnen unser Leben mit Jahrgang und anschliessend alles anderen mit Minuten und Stunden, aber Tee… Wann ist der Tee tot? Wann ist der Mensch tot??

Jiri kam zum Besuch, auch ein Pu Er Teefan. Wir tranken zu viert glücklich am Tisch. Ich bereitete die Quelle des Frühlings 1989. Ba fragte, was der Frühling wohl sein wollte? Ich erinnerte mich an die ersten Stunde, als meine Mutter mir erklärt, wie das Zeichen „Wind“, „Donner“ entstanden ist. Sie versuchte mir zu sagen, dass alle Phänomenen manisfestieren viel früher als das vermeintliche Zeichen vor unserem Auge wahrgenommen wird. Der wirkliche Frühling war schon da, als der erste Donner unsere Erde schüttelt und alle Wurzel und Lebewesen in der Erde erweckte!! Nur der Mensch merkt noch nicht, er wartet vergeblich noch auf SEINEN FRÜHLING…. Sei wach, meine kleine, wollte sie ihren 5jährigen und 3 jährigen Töchtern erklären.

„Spürst Du das unruhige dieses Tees“ sagte Jiri und Ba. nickte seinen Kopf. Reichhaltig und tiefgrundig. Er jubelte. Dann bereitete ich noch einen Tuocha vermutlich 1982. So einen zarten habe ich noch nie begegnet!

Vereint von einer unbeschwerten Zartheit und einem reichhaltigen Körper zeigte uns der Tuocha von You eine neuartige Erfahrung mit einem Pu Er. Ich sehe leichte Feder mit Flügel und festen Waldboden voller leichten Laub… wie die Sonne den dichten Wald gelegentlich durchflutet… „Was ist das?“ Ich erinnere mich an einem Roman von Jin Yong. An eine Szene, als ein Schwerttanze von zwei Liebenden ausgeführt wurde. Zwei scharfe tödliche Schwerten treffen sich an den Spitzen und werden zu einem romantischen Bogen gespannt wie ein Tor. Ein Tor zu einer anderen Zeit! Wann ist ein Tee tot? Ich fragte plötzlich. Ba. wurde geschockt.

„Wann ist ein Tee tot?“ Wenn er nichts mehr geben will! Er erzählte von seinem Taihe, den er drei Tage lang den gleichen Aufguss trank. Er wurde nie tot, aber er musste ihn trotzdem wegkippen, weil er dachte, er sei zu geizig!

Dann brachte ich noch einen Tee, versteckt im Schrank. Ich verrate nichts. Dunkel, dickflüssig und voll. Die Augen wurden immer gross. Wann ist ein Tee tot?

Warum fragst Du denn andauernd diese Frage? Weil der Tee so alt ist! 40 Jahre alt! Wann ist er dann tot? Wie lang kann er noch leben? Ich will wissen! Ich will verstehen, was man mit Tod und Leben verbindet, was man meint, Tod oder Leben!

„Er lebt!“ Ba. schrie, „er lebt!“ Der Alishan 1967 lebte! Ja, er lebt. Warum? Weil wir ihn spüren, hören und riechen! „Kennst Du hörbaren Duft?“ fragte Ba. Ach, wie schön! Ein Duft, der zu hören ist! Musik ist sein Metier, natürlich gibt es! Er hört immer bei Pu Er summende Gesang. Bei Oolong? Er schüttelte seinen Kopf, „ich will überhaupt keine Versöhnung!“ Was für einen versöhnlichen Charakter hat ein Oolong für diesen Mann mit Reife und Alter!

Beim Abschied versprach er Peijen seine Musik noch dieser Woche mitzubringen, die summende Pu Er Musik.

„Menglin! Ein Tee ist tot, wenn sein Liebhaber stirbt.“

Ja, das ahnte ich langsam mit meinem Alter. In Panaroma verlor der König Alobar auch seine Lebensmut in seiner Unsterblichkeit als seine Kurda verschwand. Liebe macht etwas zum Leben und auch zum Tod. Oder, was meinst Du?

Chun Yuan, Pu Er 1989

Ein Schnee Chaos hat meinen Rückkehr erschwert. Lange Wartezeit in Tokyo, lange Wartezeit in München. Mit Taxi fuhr ich nach der Ankunft direkt zu Shui Tang, um den schönen schweren Last abzuladen. Knapp 50 Kilos – es war mir noch nie ein Problem, aber nun – ich konnte es nicht mehr.

Nicht die Winkel des Faltens meines Altwerden verraten. Nicht einmal die verschwindende Glanz der Haut. Es ist primär das Schweigen und Verweigern des Körpers. Ich werde alt, bin alt. Der Körper will nicht mehr immer jetten, er will nicht mehr herum hüpfen. Er will Ruhe. Er will nicht mehr komplizierte Geschichte. Er will nicht mehr Experimente. Er will irgendwie und irgendwo ankommen.

Auch war es kalt in Taipei. Es war immer kalt! Keine Heizung, keine Kaminfeuer. Meistens jammerte ich durch die ganze Stadt… 

Ich wärmte mich mit einer Tasse Tee, um auf Zhou Yu zu warten. Er kommt auch gerne zu spät. Während des wartens sollte ich den Tee selbst degustieren, Chun Yuan – Quelle im Frühling, 1989. Er kam und seufzte, „ich bin alt.“ Alte Menschen können nur solchen Tee trinken, scherzte er. Er (Chuna Yuan) habe guten Körper, noch voller Lebendigkeit, sagte ich. „Ja.“ er stimmte zu, „für manche ist er bereits zu alt, für manche ist er noch zu jung, zu frisch und zu prickelnd.“ Ich nickte. Und warum Chun Yuan? Ich fragte nach der Geschichte der Name. Er lachte ohne zu erklären. Er sagte mir, „Name eines Tees ist immer eine Reflexion über die Wechselbeziehung zwischen den zwei Subjekten – Tee und ich, nicht wahr?“

Zhou Yu war höchst begeistert von meinem Spass mit Musik, Literatur und Tee. Er hat gerne denselben Spass. Mit großen Freude zeigte er mir ein nicht veröffentlichten Essay von seine Reflexion über die Kunst und Tee. Seine knappe literarische Art des Schreibens war orientiert an dem alten chinesischen Vorbild. Während er mir vorlass, musste ich mich höchst konzentrieren! Dieser knappen Text kann man als moderne Menschen nicht mehr so nebenbei verstehen. Und wenn es übersetzt werden sollte, wird es auf Deutsch mindest zweifach länger werden! Es würde mir nicht leicht fallen, ihn zu übersetzen. Ohne fundiertes Wissen von traditioneller chinesischen Ästhetik und Verständnis für chinesische Philosophie wäre ich stumm und taub neben ihm zuzuhören. Ich verstehe, warum seine Angestellte mich manchmal so nerven, wenn sie mir von seinem Tee vorstellen wollten. Sie wirkten für mich wie Papagai, Papagei von einem alten Chinese, der stets sich hinterfragt, was ist der Tee, was bin ich, und dann?

Zhou Yu ist wirklich nicht mehr jung. Ich bin auch nicht mehr so frisch. Aber neben ihm zu sitzen, ihm zuzuhören, mit ihm zu plaudern, fühle ich mich jung. Er wollte mich nicht gehen lassen, obwohl das Telefon ständig klingelte. Er fragte mich, wie ich die Entwicklung des Westens betrachte. Er erzählte, wie er den Westen sieht. Er sagte mir, „schaue Mal, auch Nietsche wurde am Ende seines Lebens verrückt. Was hat ein Weltbild, das auf ständige Suche und auf die ständige Innovation gegründet ist, uns als Menschen gebracht? Was können wir denn noch überschreiten?“ Er fragte mich noch weiter, „Was können wir uns denn noch überschreiten?“ – ich bin alt, seufzte er; ich bin alt – dachte ich.

Wir trankten den Chun Yuan. Auf den Boden wächst ein Baum. Der Boden, sehr fruchtig. Der Baum, sehr kräftig. Manche Leute finden ihn noch zu spritzig, sagte Zhou Yu. Ich finde ihn erfrischend… wie kann man einen gelagerten Tee als erfrischend bezeichnen? Wir lachten zusammen. Wie denn? Er ist eben nicht ruhig. Da er unter dem typischen Anschein eines gute gelagerten Pu Ers noch eine unruhige Elemente innehat – als ob er zu Dir flüstern würde, „Wenn Du Freude daran hast, kehrt die Kraft immer zu Dir zurück; wenn Du Freude an mir hast, beschere ich Dir noch mehr Gesichter – ich kann anders werden, besser oder schlechter. Ich bin nicht tot…“ Deswegen nennst Du ihn als Chun Yuan – Quelle im Frühling?“ fragte ich ihn. „Es ist Deine Beziehung zu diesem Tee, oder? Es ist euer Dialog.“

Tee hat an sich nichts zu erzählen. Es sind bloss Blätter, die Wasser brauchen, um etwas anders zu werden. All das, was ich hier für Schwachsinn erzähle, ist meine Illusion und Phantasie. Es sind immer Menschen, die etwas dichten, manchmal reflektiert, manchmal einfach eingebildet. Und der Frühling kommt immer, auch wenn der Mensch daran denkt. Quelle im Frühling! Der immer zurückkehrende Frühling ist in jedem Herzen, das nicht stil steht…. 

Leise, präsent und nachhaltig

Hast Du einmal die chinesische Landschaftsmalerei betrachtet? Das Fliessend zwischen weiss und schwarz, das Verschmelzen von Himmeln und Wasser und die leise Präsenz des Menschen integriert in dem ganzen grossen Bild…

Zhou Yu traf ich ganz zufällig im Wistaria Teahouse. Ich habe mich nicht angemeldet. Georg wollte dort hin gehen und wir nahmen das gemeinsame Mittagessen dort. Plötzlich sah er mich und sagte, was fuer einen Zufall! Gleich sollte die Chef-Redakteurin Luo von Pu Er Magazin kommen und er sollte heute 17 Pu Er Tee testen. Meine Augen leuchteten. Yep!!

Wir sassen zusammen in einem Zimmer und testeten gemeinsam 17 verschiedenen Pu Er Muster in drei Runden, die vor zwei Jahren bereits einmal besprochen wurden und nun noch einmal getestet werden sollten.

Zhou wusste noch, dass Shui Tang nun in Zurich steht und erkundigte sich danach. Ich erzaehlte ihm von dem abwechslungsreichen Alltag und interessanten Experimente, die wir in Shui Tang unternehmen können, wie das Publikum bis jetzt recht gute Resonanz senden und von meinem Gebundensein. Er war begeistert von der Idee von Vollmondfest – Musik, Literatur und Tee. Er war gluecklich zu hoeren und erzaehlte der Redakteurin Luo voller Begeisterung als ob er selbst da gewesen wäre.

Als wir auf Tee warteten, tauschten wir aus über die Art der Degustation zwischen Europa und Asien aus. Er war sehr erfreut von meinem Vergleich zwischen expressive/narrativen und poetischen Zugängen von Westen und Osten (darüber möchte ich einen extra Beitrag schreiben, wenn meine Beobachtungen und Gedanke noch reifer werden können). Im Wein schreibt der Menschen mittels Fruchtsalat über ihn. So möchte man im Tee diese Art adaptieren. Wird Tee davon profitieren oder geht der Tee mit Wein gemeinsam in dieser Art in einer Sackgasse des Wortspiels? Zhou nickte seinen Kopf und gab mir einen Text ueber seine Vorstellung des guten Tees: leise, präsent und nachhaltig.

Tee wartet. Der Mensch wartet. Sie warten auf einander, um verstanden zu werden. Ich bin fuer die Anwesenden ein ahnungslosen Teeliebhaber. Sie wussten, dass ich keine Ahnung habe von Pu Er. Ich kenne die Sprache des Pu Ers nicht. Aber ich weiss, ihm zuzuhören zu können. Zhou ist bereits eine Autorität in diesem Gebiet. Er wirkte jedoch in der Degustation absolut offen und normal. Er gab immer wieder seine Kommentare, zweilfelte allerdings immer wieder daran. Immer wieder stellte er fest, wie der Geschmack des Tees innert Minuten sich veränderte und wie einfach es nach aussen erschien, aber so schwierig es tatsächlich ist einen Urteil abzugeben. Da ich keine Verantwortung trug, hatte ich sehr schnell meine Urteile. Er spürte meine Vorstellung und fragte mich nach meiner Meinung. Ich wusste, dass es sehr gefährlich werden konnte, wenn ich ihm gefallen wollte. Nur Ehrlichkeit bringt einen Anfaenger weiter beim Lernen. Ich sagten, wie ich diesen Pu Er betrachtete und wie ich schmeckte. Dieser schmeckte sauer, dieser leicht pflaumig, dieser leise, lang und nachhaltig und jener vielschichtig und von guter Substanz. Er lobte meine Nase. Es lage an Atongs Schulung. Er nickte seinen Kopf, ja, Atong sei ein seltener Fall in Taiwan. Treu zu seiner Ideen und treu zu seiner Schule. Schueler von Atong… er nickte und nickte.

Miss Luo war nicht besonders begeistert von Atong. Sie sagte mir, er sei zu stur. Jeder hat seine eigene Ansichten von Tee. Die Ansichten von Atong seien nicht richtig. Es gebe so wie so nichts Richtiges oder Falsches. Alles sei relativ und man bleibe in der Mitte.

Das stimmt, dass man ueber Geschmack nicht streiten kann. Das stimmt, dass alles relativ ist – weil man vermeintlich offen und objektiv sein muss…

Aber wenn man Tee lernen will… dann gibt es das Richtige und das Falsche in Sprache des Tees. Oder folgst Du Dir einfach selbst. Das geht sicher auch und fast alle Wege führen nach Rom, nur der mittler Weg nicht. 

Jeder, der einmal mit Atong bei der Produktion war, wusste, jeder Schritt bedingen den anderen. Wenn dieser Duft nicht auftritt, wenn man den Tee erzwingen will, dann kommt der Tee am Ende so raus und eben nicht leise, präsent und nachhaltig. Ich scheute mich nicht vor Stellungnahme vor der geehrten Frau Luo, auch wenn sie mit ihrer Magazin mächtig ist. Ich sagte ihr, dass es nicht nur alles relativ und verschwommen ist in dieser Welt. Es gibt etwas, was absolut ist. Es gibt Grenze, die uns klar macht, was ein guter Tee ausmacht. Ein Oolong ist eben nicht ein Gruentee. Nur wenn man weiss, was Tradition ist, weiss man was Innovation sein kann. Sie schwieg.

Auch wenn ich innert einer Sitzung nicht viel von Zhou lernen konnte, was er unter Struktur, Expressivität und Spannkraft des Tees versteht, versuchte ich es zu lernen, wie er Tee betrachtet. Er vergleichte die Stabilität des Aufgusses, kontrollierte die Qualität der Geschmeidigkeit, Nachhaltigkeit und Bekömmlichkeit. Er war selbstbewusst und fragte immer nach meiner Meinungen. Er sagte, was er kommentierte nicht absolut ist. Er wollte von einem anderen Perspektiven seine Betrachtung reflektieren. Am Ende war es unsere gemeinsame Degustation geworden. Eine Degustation voller Austausch. Manchmal seufzte er, dass es sich hier halt um eine Degustation handelte. Manchen Tee würde er selbst nicht empfehlen, weil er eine andere Meinung ist. Aber man darf nicht nur in seiner eigenen Meinung stecken bleiben. Man muss machmal die Grenze der eigenen Zu-und Abneigung überschreiten. Manchmal zweifelte er an seinen Urteil und testete, testete und testete. Manchmal strahlte er wie ein Kind und freute sich über einen guten Tee. Ich erlebte einen Tee-Mensch, der zu seinem Urteil steht. Er wollte Menschen nicht gefallen. Er war einfach da.

Diese Degustationsnotiz sollte in nächster PuEr Magazin 普洱壺藝 werden. 

http://www.ceramicart.com.tw/ 

 

Bluetenmeer im Aufguss

Aufguss Bluetenmeer

Zu Schade, das Bluetemeer zu brechen und aufzugiessen. Wie schmeckt denn eigentlich das Bluetemeer? Verspricht der Aufguss auch so blumig wie der visuelle Genuss?

Mild, sanft und dezent. Das Blumige versteckt in jedem kleinen Schluck. Wer gewoehnt ist von dem Fruechtetee und parfuemiertem Teegenuss, wird sich hier sehr getaeuscht fuehlen. Es ist nicht das Versprechen von einem sinnigen Impuls, sondern das Versprechen von einem sanften Bluetenmeer, wo Du gut schimmen kannst und immer noch weiss, wo Du bist.

Also Spass beiseite. Die Ernte diesen Pu Er Bluete findet immer zwischen September und Oktober statt. You beauftragt gerne Kinder, die diese sorgfaeltige und spielerische Arbeit zu machen, aehnlich wie Schulkinder beim Mostfruechtepfluecken in Deutschland. Die Blueten werden gepresst und entwicklet sich immer noch in Form von Fladen. Das Nektar der Bluete faerben das Papier und ziehen gerne Ameisen an. Darum muss man diesen Tee sorgfaeltig aufbewahren.  

Das Bluetemeer im Aufguss:

Untere Tasse 2008, schmeckt blumiger als vom Jahrgang 2006. Sanft, leicht suess. Die Blueten schwimmen im Aufguss.

Obere Tasse 2006, schmeckt intensiver. Der Duft eher nach Honig oder geduerrten Fruechten. Duftnoten sehr dezent, aber praesent.  Die Blueten bleiben mehr konzentriert zusammen.

Bluetenmeer

Pu Er blumen

Wie kommt er (You) auf die Idee, die Bluete von den uralten Pu Er Teebaeumen zu sammeln und zu einem Fladen zu pressen?

Ich bin so neugierig, dass ich immer komische Kuriositaet finde. „Warum hast Du mir diesen Tee nicht gezeigt?“ Meine Stimme klang vorwurfsvoll. Es war ihm peinlich. „Dieser Tee ist nicht Dein Geschmack.“ Doch! Ich bin auch eine Frau, die gerne kitschige Dinge haben! Eine Fladen voller schoenen Bluete! Wie herrlich duften sie!

You zeigte mir den Fladen aus dem Jahrgang 2006, dunkel intensiv! Er duftet nach Bluete Honig in meiner tiefen Kindheit! „Fuer mich erinnert dieser Duft an Longgan!“ „Ja! Ich verstehe!“ Der Bluetefalden aus 2008 duftet dagegen mild und klar. „Ich will es kaufen.“ Er lachte und nickte.

W wusste, was ich in Taiwan am liebsten esse! Im Restaurant zeigte ich ihm, was ich von You kaufte. Die Personal kamen ploetzlich alle an unserem Tisch. So etwas haben sie noch nie gesehen. Alle wollten den Duft riechen, geniessen! Ich war stolz. „Wie hast Du so etwas gefunden?“ „Per Zufall!“ W’s Hobby ist Essen und Trinken. Er war sehr ueberrascht von diesem Bluetenmeer.

Ich schenkte ihm es nicht, auch wenn er mich zum meinem Lieblingsessen einlud. Ich bin eben geizig.

Pu Er aus feuchter oder trockener Lagerung

Jörg hat mir erzählt, dass man in Deutschland an den Mythos von Höhlen-Lagerung des Pu Ers glaubt. Pu Er, laut einem bekannten Teebuch sollte in Höhlen des feuchten Provinz Yünan gelagert werden.

Simmt das? Stimmt das nicht?

Ich fragte You, was er denkt. Er lächelte leicht schüchtern, wie er immer lächelt. „Lass den Tee für sich sprechen.“ Er holte zwei seine private Sammlung und goss die beiden Tees auf. Einer wird in einer winzigen Kanne aufgegossen, während der andere in einer gewöhnlichen Kanne. Ich beobachtete den feinen Unterschied und verstand, was er denkt. Wenn Du mit einem Teeliebhaber Tee trinkst, weiß Du, was ein Tee für ihn bedeutet, wenn er eine kleinere Teekanne als die gewöhnte nimmt. Ein wertvoller und geschätzter Tee wird nur in kleiner Menge und in bewegendem Moment aufgegossen.

Der Tee in der trockenen Lagerung war klar, präsent und aromatisch, während der Tee aus feuchter Lagerung schwer, trüb und typisch erdig schmeckte. Azhong und seine Kollegin waren in der Degustation begeistert von dieser feuchten Lagerung, denn er war einfacher, markanter und typischer zu erkennen. Der aus der trockenen Lagerung forderte unsere Sinne heraus, ihn zu entdecken und ihn „anzufassen“. Er war klar, aber für die vorhandenen Vorstellung, wie ein Pu Er sein sollte, nicht identisch. Sein Geschmack war so klar, dass man die Faccetten schmecken könnte, wenn man ohne Vorbehalt an ihn antastet. Dieser Tee hat uns mehr zu erzählen als sein Kollege, der in einem feuchten warmen Raum gelagert wurde.

Mit der gleichen Frage kam ich zu Chou, Yu. Er sagte mir, dass er den alten Pu Er aus feuchten und warmen Guandong und Hongkong nicht bevorzugt. Für ihn sei viele dieser Lagerung nicht hygenisch und geniessbar. Ein Pu Er aus einer trockenen Lagerung erzählt uns eine klare Geschichte und sein Werdegang als ein schöner Tee kann gut mit unseren Sinne nachvollzogen werden.

Ich würde behaupten, dass Tee für sich spricht ohne Worte.

Das Degustationsfoto siehe hier.