Archiv des Autors: Menglin

Sankyoku – Ein Konzert in Shui Tang

Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts entsteht im politischen und weltlichen Zentrum Japans, in Edo, eine neue Musikgattung, die sich beim bürgerlichen Publikum schnell grosser Beliebtheit erfreut. Gesungene Gedichte werden mit instrumentalen Zwischenspielen verbunden, gespielt vom Sankyoku-Ensemble, bestehend aus den drei Instrumenten Sangen (Shamisen), Koto und Shakuhachi.
Diese Musik wurde früher auch in den Teehäusern gespielt.
Trotzdem die Menschen verschieden sind, und jeder die Sprache der Töne, die Rhythmen der Musik anders empfindet, Poesie anders erlebt,
verbinden uns Ort und Stunde. Tee verbindet – auch fremde Herzen von Hier und Dort!
Es ist ein Experiment und eine Herzensangelegenheit, diese Musik im Teehaus Shuitang zum Erklingen zu birngen.
Zwischen und nach den musikalischen Ausflüge werden wir eine kulinarische Reise ins fernen Asien unternehmen. Inspiriende Töne der fremden Gewürzen und Zutaten bei einer Tasse Tee verhelfen diesem Abend zu einer Einmaligkeit.

Sankyoku
Naoko Kikuchi, Sangen und Koto
Chizuko Hayashi, Sangen und Koto
Wolfgang Hessler, Shakuhachi

Am 27.11. 2010, Samstag, 19 – 21.30 Uhr

Ort: Shui Tang, Liquid Delicacies
Spiegelgasse 26
CH 8001 Zürich

Beitrag inkl. Tee und einen kleinen kulinarischer Ausflug
35 CHF (Ermässigung bitte per Anfrage)
Anmeldung:
044-555 9161
oder info@shuitang.ch

Chanoyu Ondo

Chanoyu Ondo ist ein Lied, was man gerne im 19. Jahrhundert im japanischen Teehaus spielte. Der Titel bedeutet: Ein Lied des Tees – der Teezusammenkunft.

Chanoyu Ondo, komponiert von Kikuoka Kengyo in Kyoto

Nirgends blühen die Blumen schöner
Als am Yoshino-Berg;
Nirgends leuchten
die scharlachroten Blütenblätter strahlender
als in Tatsuta;
Und der Tee ist am köstlichsten in Uji,
südöstlich der Hauptstadt.
Aber am schönsten von allen
Ist ein bestimmter Ort
Südwestlich der Hauptstadt.

Die Kirschblüte blühen am schönsten in Yoshino-Berg, wo Yoshino am schönsten blühen. Yoshino, eine unvergleichbare Schönheit in alten Japan und eine Sorte entzückender Kirschblüten! Was könnte der Yoshinos Schönheit vergleichbar sein? Es musste der Tee aus Uji sein – und ein Ort, wo meine Liebe weilt, irgendwo südwestlich der Kyoto…

Man lernte sich bei Tee kennen. Einer findet den anderen als erster. Einer antwortet auf die Anderen. Man verliebt sich, oder vielleicht? Tee verbindet. Tee verbindet auch zwei Menschen, die nur aneinander vorbeireden. Die Farbe des Tees wird immer tiefer und der aufrichtig Liebende hofft auch auf die Liebe, die tiefer wird.

Deine Teetasse?
Einmal aufgegossen, eingetaucht in die Gasse,
wie die vielen Farben des grünen Tees
wird die Liebe immer tiefer werden.
Vergleichbar
der wartenden Kiefer.

Der Kiefer hat immer die grüne Farbe. Kiefer bewegt sich nicht. Er ist sicher, worauf er wartet – auf den Frühling. Aber wird auch der Mensch warten bis die Zeit reif wird?

Wenn ein aufrichtiges Herz
Rein wie seidenes Gewand,
einen unentschlossenen Liebhaber fragt
mag die Antwort widersprüchlich sein.

Warum ist das so?
Wenn wir uns begegnen
Ist mein Herz so aufrichtig
Wie ein Schöpfkelle aus Bambus
Doch deines ist gebogen
Wie der Griff eines Teesiebes.

Warum ist das so, dass der Liebhaber unentschlossen ist? Tee hat verschiedene Ebene, nicht wahr? Man könnte es auch nur oberflächlich betrachen und nehmen. Denn die Ernst bindet einen. Wer will schon gebunden werden, bevor man ganz sicher ist, dass man auf der sichere Seite steht. Manche Menschen können einfach nicht vertrauen! Sie sind zu verletzt. Sie wissen es nicht, dass es immer eine Kommunikation zwischen Verletzungen stattfindet, bevor die Verletzungen konfrontiert werden können! Soll man diese unentschlossene Liebhaber hassen? Wenn man die Liebe als eine Abhängigkeitsbeziehung betrachten würde, dann ja. Ansonsten ist das Problem der Unentschlossenen. Auch ein unentschlossener Geist wird alt, hinfällig und sogar reif. Aber vielleicht ist alles bereits zu spät! Oder vielleicht auch nicht…

Wir sprechen über die alten Zeiten
Und unsere Herzen werden leichter
Bis wir schliesslich ein altes Paar sind
Wie im Märchen;
Das Wasser in unserem Teekessel
Wird nie kalt werden.
Durch das Schicksal sind wir miteinander verbunden
Für tausend,
für zehntausend Jahre.

Vielleicht gibt es doch etwas, was zwei Herzen verbindet, die sich einmal gegenseitig verletzten. Vielleicht ist es der Tee. Bei einer Tee unter dem flattierenden Kerzenlicht, wenn die schweren Herzen ausgeschüttelt werden, wenn die Heilung im Gang gesetzt wird, wenn die Vergebung möglich ist, dann wird die Liebe Liebe. Eine Seelenverwandtschaft, die immer durch Tee zueinander geführt wird; ein Vertrauen, das im Tee basiert ist, sind das Glut in Asche, das Wasser in Kama (Teekessel) heiss hält!

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Ich freue mich sehr, Naoko, Wolfgang und Chizuko zu Shui Tang einzuladen. Sie werden die traditionelle Teehausmusik in alten Japan nach Zürich bringen! Diese traditionelle japanische Kammermusik wird am 27.11. 2010 in Shui Tang stattfinden! Was für ein Freude! Chanoyu Ondo, Lieder des Tees verbindet!

Teeliste von Teeseminar am 31.10.2010

In diesem Seminar haben wir folgenden Teesorten degustiert und besprochen:
1. Runde: Vielfalt von camellia Sinensis
Yinzhen Baihao, Junshan Yinzhen, Anji Baicha, Paochung, Dianhong Jin Ya (Premium), Jasmin Yinhao, Pu Er 2010 Yiwu Premium
2. Runde: Überblick von chinesischen Oolongs
Es gibt natürlich noch mehr als ich hier zeigte, aber was ich bis jetzt gesammelt habe und in Frage käme, sind folgendes:
Tie Guanyin Anxi, Qilan Baiya, Zhangping Shuixian, Da Hongpao, Phönix Dancong Shuixian
3. Überblick von Taiwan Oolong
Tie Guanyin Muzha, Cuiyu Oolong, Jinxuan Oolong, Sijichun, Paochung, Buddhas Hand, Dongding Original, Lishan Hochland, Huang Jin Gui, Oriental Beauty, Qilan Mingjian
Ich habe diese Runde den Muzha Tie Guanyin selbst nicht erkannt – siehe den Beitrag von gestern.
Ehrlich gesagt, diese Vielfalt erschreckt einen richtig!
Unser ältester Teilnehmer Lutz war richtig überrascht von dieser unglaublichen Vielfalt. Sie dachten, sie kämen nach Zürich, schaue paar Dias an, höre einen netten Vortrag voller Stories und trinke Tee in der Tasse. Auf so etwas hätten unsere Teefreunde aus Karlsruhe nicht gedacht!
4. Ein Oolongsorte aus verschiedenen Anbaugebieten
Beispiel Shuixian
Zhangping Shuixian, Milanxiang Phönix Dancong Shuixian Premium 2010 , Baxian Nantou 2010, Baxian Nantou 2006, Huang Zhi Xiang Phönix Shuixian Dancong
5. Qualitätsvergleich
Wir vergleichten die Qualität von Yancha.
Bai Ji Guan 2010, Da Hongpao 2010, Da Hongpao Premium 2006, Da Hongpao (Fälschung) Oriental Beauty, Oriental Beauty Premium, Korea Beauty, Fancy Oolong
Selbst Lutz sagte mir, dass er das Original von Da Hongpao am besten findet und diese Fälschung sofort aussorte. Ich lobte seine Urteilsvermögen. Tee spricht für sich selbst!
6. Eine gleiche Teesorte aus verschiedener Höhe und Machart, Beispiel Qingxin Oolong
paochung, Dongding Original, Dongding Guifei, Dongding 1981, Lishan Hochland, Alishan Hochland
7. Einfluss von Röstung
Anxi Tie Guanyin, Muzha Tie Guanyin, Pinglin Tie Guanyin, Tie Guanyin Nantou, Tie Guanyin 2990
Oriental Beauty Premium, Oriental Beauty auf Holzkohle geröstet.

Eigentlich gäbe es noch 8. Runde – Lagerung. Aber alle Leute waren froh, dass ich den Tag mit dem gerösteten Geschmack beendet habe… Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet!

Annai Nashi ni – Unangemeldete Überraschung

Unangemdelte Überraschung erlebte ich gestern. Gestern in dem Oolongseminar.
Für viele Leute bin ich ungewollt jemand geworden, der sich mit Tee auskennt, ein so genannter „Meister“. Für mich ist dieser Status nicht sehr bedeutend, manchmal ehr lästig, denn es eine Projektion bedeutet und ich diese Menschen bestimmt enttäusche. Ich schreibe dieses Blog, weil ich es will, weil es mir Spass macht. Manche meinen die Länge des Blog ist zu lang – ich lächele meistens entgegen – geht es mir dabei etwas an, wenn sie es zu lang finde? Lese es einfach nicht, sagte ich. Manche finden es ganz toll. Ich finde es auch ganz toll, weil ich es gerne mache. wenn meine Arbeit nicht nur mich inspiriert, sondern auch viele anderen. Was will man mehr?

Den Ärmel als Hut –
ganz unangemeldet kam ein
kühler Regenguss.
SADA

Im späten Herbst geniesst man noch die letzten Sonnentagen. Aber wenn ein kühle scheuer kommt und uns den Winter verkündet, zeige ich das Überrascht-Sein. „Ach, tatsächlich. Es ist vorbei…“ Ich stehe im Shui Tang schaue die vorbei ziehenden Menschen an, die ihren Ärmel als Hut nehmen. Manche kommen in die Tür und seufzen.

In diesem spätherbstlichen Oolongseminar wollte ich die Vielfalt des Formosa Oolongs veranschaulichen. Damit die Teilnehmer nicht nur intellektuell imaginiert, die Power Point anzuschauen, sondern selbst zu erleben, gab ich mir Mühe eine Runde zu degustieren. Irgwndwie wollte ich zu viel und diese Runde war mit 9 verschiedenen Sorten ausgestattet. Es war richtig grausam!

Nicht nur grausam für die Anwesenden, sondern auch für mich! Aber ich dachte, das schaffe ich schon. Schliesslich kenne ich ja meine Metier. So glaubte ich es.
In diesem Runde gibt es auch der frisch eingetroffene Ernte von Muzha Tie Guanyin, der fest in meiner Erinnerung sitzt. Da ich keine Zeit hatte, ihn vorher zu verkosten und so fest davon überzeugt bin, dass ich diesen Tee kenne, gab ich ihn in diese Runde.

Dann kam die unangemeldete heftige Überraschung! Ich erkannt diesen Tee nicht! Fast verzeifelte zählte ich die Schalen und der Muzha Tie Guanyin war nicht zu finden! Die vielen Augen schauten mich an, ich konnte nichts anders zugeben, als so wie es war. Es stimmt was nicht, sagte ich – eigentlich stimmte es etwas nicht mit mir, anstatt mit dem Tee! Dieser unerkannte Tie Guanyin ist überraschend wenig fermentiert. Dieser unerkannte Tie Guanyin ist nicht so stark geröstet wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Was ist los mit mir?

Nachdem meine Migräne heute morgen langsam abklingte, rief ich meinen Lehrer Atong an. „Ist dieser neue Tie Guanyin aus Muzha?“ „Ja.“ „Aber er ist so anders.“ „Er ist nicht anders. Er ist anders als Du denkst!“lachte er „ja, das Material ist anders, Menglin. Er wurde nicht so stark fermentiert und das Material duftet unglaublich schön, so dass ich ihn nicht so stark röstete. Du muss nicht das Endergenis lernen, sondern den Prozess!“ Ich dachte Tee zu lernen, ist die Erscheinung zu speichern. Nun zeigt mein Lehrer mir eine andere Dimension, die ich bis jetzt verweigert zu sehen. Das Material lernen, nicht statisch an die Erscheinung festhalten. Wenn ein Tie Guanyin schön blumig gemacht wurde, kann man ihn leichter rösten, so dass diese Schönheit anders glänzt. Aber ein Tie Guanyin ist ein Tie Guanyin, wenn man seinen ursprünglichen Duft und Geschmack tatsächlich speichert, wird man nicht verwirrt durch die bizzaren Erscheinungen. Man erkennt die Essenz! Dann muss ich jetzt sagen, ich bin noch nicht so weit!

Nach dieser kühlen heftigen Schauer, geht das Leben weiter. Der Anfängergeist ist so von Bedeutung, dass einige Überraschungen mich noch auf dem Weg warten werden. Diese Überraschungen werden mich immer wieder auf dem Boden holen und ich werde jedesmal seufze, „Ach, Anfängergeist!“

Zwei Menschen, ein Herz

„Waka singen, Gedichte rezitieren, Ball spielen
gemeinsam in den Feldern –
Zwei Menschen, ein Herz.
Ryokan,1 1758 – 1831

Pu Er Fan bin ich ehrlich gesagt keiner. Meine Beziehung zu diesem Tee kann man nicht mit der Konvention begreifen, noch weniger mit dem Wort „mögen“! Und was bedeutet das Wort „Fan“ heute? Zum Glück gibt es das Pu Er Facebook nicht!

Ich weiß, wenn bestimmte Menschen zu mir kommen, greife ich sofort diesen Tee – ohne nachzudenken. Heute war eine junge Frau mit ihrem neuen Familieglück da. Sie wollte Jasmin. Ich stand ihr gegenüber und gab ihr ein Stück Pu Er Grenztee. Ihr Gesicht ist durchsichtig, die Haut ist blass. Ich wollte nicht, dass sie das Gefühl bekam, einen Tee gedrückt zu bekommen. Aber dieser Tee würde ihr sehr gut tun. Ich gabe ihr es und bat ihr zu beobachten, wie der Tee in ihr macht. Ihre Überraschung war nicht zu übersehen. Ihre Augen wurden weich und die Augenbraun wurden kurvig.

Wenn Balthasar kommt, bekommt er immer seinen Tee – meistens gelagerten Pu Er. Er kann diesen Tee wunderbar beschreiben und kann die Anwesenden am Tisch auch recht gut einleiten. Er sagte, dass der erste Aufguss ihm meistens nicht so schmeckt. Denn der erste Aufguss meistens „das Alte“ beziehungsweise die Alterung aufzeigt, während ab dem zweite Aufguss der feine Körper, das Nektar der Blätter und die Wurzel des vitalen Baumes uns langsam offenbaren. Es ist wunderschön, einen Tee zu erleben, wie er sich verändert, wenn man die Konvention, einen freundlichen blumigen Tee zu wollen überwunden hat!

Was kann man denn all die Formen der menschlichen Beziehungen verstehen und aufzeichnen? In dem chinesischen Ideal existieren viele Beziehungen zwischen Menschen, die Alters-, Kultur- und Geschlechtsgrenzen überschreiten. Menschen, die sich verbunden fühlen , müssen nicht lange kennen, gut verstehen oder „lieben“. Das Wort Liebe ist bereits so verbraucht und „tot“ definiert…

Wenn jemand zu Shui Tang kommt, nehme ich diesen Menschen so wahr, wie er ist. Und viele Dinge kann man nicht erzwingen. Manchmal fühle ich mich verbunden mit jemandem, auch wenn die Welten dazwischen liegen. H. war einer meinen ersten Gäste. Ein seltener Gast, der immer extra eingereist nach Zürich kommt und mich extra besucht. Seine Eloquenz geniesse ich und vergesse nicht. Als er letztes Mal da war, war der Besuch kurz. Wir redeten über Dinge, die mich richtig betrifft. Aber so abstrakt und sachlich. Obwohl es so sachlich und fast unpersönlich war, spürte ich eine tiefe Melancholie, die mich nicht los liess. Als ich ihm wieder Matcha schickte, schrieb ich ihm eine Karte. Ich schrieb ihm auch, wie ich mich bei seinem Besuch fühlte. Ich wünsche ihm alles Gute. Unsere zarte Verbindung bedeute mir viel und er sei immer willkommend.

Tage vergangen. Ich begann es zu vergessen. Wochen vergehen, ich vergesse es.
Ich bin keine Person, die regelmässig eine menschliche Beziehung mit Wille pflegt. Auch der Geburtstag meiner Mutter vergass ich am letzten Samstag! Ich vergesse oder ich will es vergessen?

Heute bekam ich ein Email. Großer Überraschnung folgte wieder das Gefühl der Melancholie.

Liebe Meng-Lin,

Herzlichen Dank für Ihre einfühlsamen Zeilen. Zu Ihrer Empfindsamkeit menschlichen Stimmungen gegenüber kann ich Sie nur bewundern; denn obwohl ich mir Mühe gegeben habe, zu erscheinen wie gewohnt, ist Ihnen meine tiefe Herabstimmung nicht verborgen geblieben. Ich stand während meines Besuches bei Ihnen unmittelbar vor einer schweren Krebsoperation.

„…“
Ich habe mich sehr gefreut, zu hören, daß Ihnen an unserer Verbindung gelegen ist. Ihrer chinesischen Sentimentalität setze ich

meine hoffnungslos verheulte teutonische Romantizität entgegen.

Viele liebe Grüsse und hoffentlich bis bald,

Ich fühle mich verbunden mit dieser Person, auch wenn wir uns nicht gut und lang genug kennen. Nicht nur mit ihm, auch mit vielen Menschen auf dieser Erde. Manchmal kann man eben nicht definieren und mit Konvention begreifen, was da ist. Man muss einmal viele moralische Vorstellungen und Erziehungsfassade überwinden. Dann kommt man an dem Kern der Menschen ran. Dort liegt das Schatz der Herzen.

Ja manchmal ist es genau so Pu Er zu verstehen und zu beschreiben. Pu Er ist ein Tee, der einem abschreckt, denn er riecht nach „Alter“ oder „das Alte“. Das Alte wird häufig assoziiert mit dem Negativen. Wenn man das Alte einmal überwindet, denn öffnet sich eine Welt von Eleganz, Üppigkeit und Vielfalt. Manchmal kommt er aus einem feinen kultivierten Garten, manchmal kommt er aus einem herrlichen dichten Wald!

Fotos von Wuliangshan in Yunnan China

Fotos von Wuliangshan in Yunnan China

Heute bekam ich viele schöne Fotos von You. Ich bat ihm mir paar Fotos von Wuliangshan und Mengla, wo ich so schöne Pu Er Tees erhalten habe.
Die wunderbare Fotos zeigen uns, wie die wilde Landschaft dort aussieht und wir können uns ungefähr vorstellen, wie der Teebaum dort wachsen! Teebaum, nicht Teebusch…
Wuliangshan von You schmeckt harzig und gleichzeitig wunderschön nach Blumenwiese! Der langer Abgang, der den ganzen Mund parfümiert, macht den Tee unverwechselbar!

Ich weiß, viele Leute würde mich fragen, ob ich nicht so eine Reise mit You organisieren würde, die wilde Landschaft zu bestaunen! Ehrlich gesagt, ich staune und bewundere gerne aus meinem Monitor. Ich bin ein Stadtmädel und es bleibt so!
Wuliangshan

Ein Streifzug durch die Pu Er-Landschaft

Carola wollte unbedingt eine Pu Er Schulung haben. Immer mehr Leute kommen zu Shui Tang und verlangt nach diesem Tee. Sie, als eine perfakte Löwin, ist gewöhnt immer nur das Beste zu geben und zu machen. auf ihre Bitte haben wir heute Abend eine Pu Er Schulung durchgeführt.

Jeanine kam im August, als Shui Tang nach der Sommerpause wieder eröffnet wurde. Eine Gruppe von Teebesessenen waren da. Sie fragte mich so direkt, dass sie gerne bei mir Tee lernen und arbeiten möchte. Ich verstand es als ein Wink aus dem Kosmos und sagte ihr, „warum nicht? Komme einfach doch einmal vorbei.“ Ich dachte mir, dass diese junge Frau es nicht ganz ernst meinte. Doch sie kam sofort nach paar Tagen. Ein gutes Zeichen. Sie kam, sehr vorsichtig, sehr bewußt. Sie fragte mich jedesmal, bevor sie etwas anfasste. Sie berüht die Dinge, wenn ich es zustimme. Ich beobachte, wie wir langsam aneinander gewöhnen und voran tasten. Zwei verschiedene Menschen mit zwei Geschichten fingen langsam miteinander anzuvertrauen. Fein und geschmeidig. Sie hatte wirklich „keine Ahnung“ von Tee. Sie trank am liebstens komische Teefladen, was sie irgendwo in Brüssel oder Paris kaufte. Es war sehr angenem für mich, ein weißes Blatt in eine farbige Welt des Tees einzuführen. Sie sollte selbst ihre Farbe finden und Stricke trauen – mit einer Haltung von Offenheit und Demut! Was wollte sie bei mir lernen? Wahrscheinlich meine Haltung gegenüber Tee – Demut. Tee spricht für sich selbst. Wir lernen Tee zuzuhören anstatt über sie zu sprechen.
Jeanine entdeckte in Shui Tang den Matcha und Pu Er. Sie sagte mir heute, „Ja, viele Tee würde ich heute nicht mehr trinken. Die drei Monate haben so viel verändert!“ Ein Weg, der kein Rückflugticket hat…
Für die lieben Leute, die Shui Tang tragen, mache ich gerne die Einführungen. Wir degustieren heute zuerst das offezielle Programm des Pu Ers von Shuitang:
Pu Er Grenztee 1990, Pu Er Simao 1999, Pu Er Tuocha Xiaguan 1999, Pu Er Nanuo 2006, Pu Er Yiwu 2008 und eine künstlich nachfermentierte von Dayi 2002.
Wir merkten sofort bei 2008, wie dieser Tee fein, ruhig und sanft schmeckt. Ich schmunzelte, „Ja, wie der Mensch You.“ Matsu You, der Produzent, ist eben so wie dieser Tee – ruhig und stets bei sich selbst. Ein tiefes Wasser. Wir merkten auch, wie der Gartentee von Xiaguan 1999 eine ganz andere Sprache spricht wie der Simao wilde Sammlung 1999. Der Gartentee ist eleganter und klarer, während der wilde Sammlung charaktervoll und kräftig zur Sprache kommt. Wir merkten anhand der Blätter von Simao 1999, wie sie uns verraten, dass die Zeit zwischen der Ernte und Produktion einfach zu lang liegt und der Tee entsprechend ausweichende Note bekommt.

„Wie merkst Du, dass der Tee ein Problem hat?“ „Wenn man immer einen guten Referententee trinkt und versteht, dann werden die „richtigen“ Aromen und Geschmäcke im Körper gespeichert. Dann melden diese Information sich zu Wort, wenn der Körper merkt, dass es dort etwas nicht stimmt.“ Es ist unglaublich wichtig, einen guten Tee, der „richtig“ gemacht ist, zu trinken und im Körper zu speichern. So lernt der Körper die Gerüche und Geschmäcke kennen, antsatt nur intellektuell zu imaginieren!!
Das geschieht ganz automatisch, dass man das Horizont unbewußt und bewußt erweitert, Dinge wahrzunehmen, ohne anzufassen.
Dann führten wir noch eine Runde Pu Er von offenen Blätter durch. „Brücke zur Vergangenheit 1979“, Yiwu 2010, Yiwu Mengla 2010, Taihe 2005. Alle waren beeindruckt von der feinen fruchtigen Noten von You´s Produktion 2010. Sehr schön gelungen! Der Brücke zur Vergangenheit, der eigentlich ein gestreckte Pu Er ist, missfiellen den Anwesenden, leider. Denn er gegenüber dem anderen Fladen von 1979 von Xiao Haungyin kann einfach seine „Falschheit“ als ein gestreckter Pu Er nicht verstecken!
Tee lügt nicht!

Wir lernten noch die feinen Unterschieden zwischen paar Anbaugebieten. Der Wuliangshan 2010 ist einfach ein herrlicher Tee, der mit einem leicht harzigen und ruchtigen Note uns unvergesslich macht! Ich sagte heute zu Fabio, dass es immer ein Bild bei diesem Tee in mir aufkommt: ein schönes Mädchen spaziert durch eine wilde üppige Landschaft zwischen Wasserfall, Felsen und ururalten Bäumen! Das süsse und die Schönheit des Mädchen begleitet von der starken natürlichen Landschaft!
Jeanine möchte in 10 Jahren ihr Teehaus in Australia eröffnen. Sie will bei mir alles lernen, nicht nur von Tee (wir hatten heute auch eine kleine Keramik-Stunde von Song-Dynastie). Ich bin glücklich, jemanden dabei helfen zu können, ihren Weg zu gehen! Es ist nicht ein Traum, sondern ein langer Weg! Auf diesen Weg braucht man viele aufrichtige Freunde und Demut, dass man weiß, was man vieles nicht weiß. Caleb, ihr Gatte, sagte zu mir, dass ihr Geschmack sich komplett verändert hat, seit sie jetzt nur „gute Tees“ trinken. Das kann man nicht wollen. Das geschieht einfach so.

Banana, grüne Banana!

Atong und meine Mutter teilen ähnliche Schicksale als ein Kind aus dem armen Südtaiwan. Sie kannten den Hunger und Verhungern. Ich nicht.

Wenn Atong von dem grünen Banana spricht, wenn er einen schlechten Oolong erwischt, schimpft er über meine Generation und wird sentimental. Er sagte mir immer, dass dieser Oolong schlecht sein, weil er nach grünem Banana riecht und den rauen Nachgeschmack eines schlechten Banana im Mund hat. Für mich bedeuten solche Worte nichts. Ich mag Banana nicht!
Es gibt und wächst überall Banana auf Taiwan. Es ist nichts besonders an dieses Frucht! Meine Großmutter kaufte immer ein ganzes Stauden und lagerte sie im Reistopf. Sie, Bananas und Reis helfen sich gegenseitig, meinte meine Großmutter.

Meine Großmutter hatte 7 Kinder als eine Alleinerziehende. Drei Kinder sind verhungert. Vier überlebten. Eine Schwester meienr Mutter starb wegen Banana. Es wurde erzählt, dass sie eine reife Banana fand und Angst hatte, dass andere Kinder sie vor ihr wegschnappen konnten. Sie ass dieses Frucht so schnell und sie hatte so ein Hunger, dass sie erstickte.
Ach, wie könnte ich diese Geschichte vergessen? Wie kann ich das Frucht mögen?

Wenn Atong zu viel von seiner grünen Banana erzählte, fragte ich ihm zurück, „wie so isst Du nicht die reife Banana? Warum quälst Du Dich mit solchen unreifen Früchten?“
Er wurde sentimental. Er sagte, er habe nur solche unreife Früchte finden und essen können. Er fand sie noch unreif am Baum, bevor andere Kinder sie wegschnappten. Er grabte ein Loch im Garten, versteckte er seine Banana, die grünen. Als ein ungeduldiges Kind schaute er jede Stunde an diesem Loch vorbei, um zu kontrollieren ob die Banana schneller reifer werden konnte. Er sagte, die Banana wurde so oft gedrückt, so oft kontrolliert, dass sie zwar immer noch grün bleibt, aber so weich wurde. Er musste sie so schnell essen bevor die Insekten und andere Kinder sie finden konnten!

Manchmal denke ich, dass er seine Abneigung gegen die grünen Banana auf die bestimmten Oolong übertragen hat. Ich wurde einmal gezwungen, die grünen Banana zu kauen. Er stoppte mich, als ich sie schlucken wollte. Er stoppte, weil er es ungesund fand, solche Früchte zu essen. Auch meine Mutter wollte nicht, dass wir die Dinge essen, wie sie als Kind. Sind Ihre Kindheitserfahrungen für eine bestimmte Generation reserviert? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass es bestimmte Dinge vorbei sind, weil es vorbei ist. Und es gibt bestimmte Dinge im Leben, salzig schmecken kann wie die Tränen – sie kristarisieren sich und so sauer und süss wie Ferment riechen – sie fermentieren im Körper weiter.

Atongs special

Jedesmal wenn Atong uns versucht zu erklären, wie ein schlechter Oolong sein kann, gibt er uns ein Stück unreife Banana! Alle Mitreisende im letzten Jahr mussten ein Stück unreife Banana essen, um ihn zu verstehen. Jedesmal wenn er mir erklären wollte, wann der Zeitpunkt der Fermentation beendet werden sollte, gab mir zu wissen, es sei wie reife Banana duftet. Mein Lehrer versteht nicht viel von Pädagogik. Aber er versteht, dass man eine Kultur nicht in eine andere verpflanzen kann und man eine Lebenserfahrung nicht einem anderen erzwingen kann.

Seit Wochen hört er nichts mehr von mir. Ich habe zu wenig Ruhe, zu wenig Raum für ein Gespräch mit jemandem, der mir viel bedeutet. Seit ich mich nur mit Shui Tang beschäftigt bin, beschäftige ich mich nicht mehr viel mit meiner Entwicklung des Tees. Ich mache kaum noch Fortschritte. Ich schwimme im Routine. Mit diesem Zustand kann ich mit meinem Lehrer nicht sprechen. Er rief an und fragte nach mir. Sicher hat er keine Erwartung von mir, aber ich habe meine.

Meistens bereite ich den Tee zu, was mein Gegenüber verlangt. Für mich selbst mache ich nur noch Dianhong daheim und Pu Er im Hintergrund. Mein Körper verlangt nach der Einfachheit, nicht nach Vielfalt. Die Vielfältigkeit des Oolongs bekommt er nicht. Der Körper ist im Moment müde.

Viele Leute sagen, dass Shui Tang ein Oase ist. Ich verneine es.
Wenn es ein Oase gibt, gibt es auch eine Wüste. Ist die Stadt Zürich eine Wüste, so dass Shui Tang ein Oase bedeutet? Wenn es so ist, dann sind wir alle mitverantwortlich für die Wüste!
Nein, Shui Tang ist ein Nebenraum, ein Wohnzimmer oder ein Nebenzimmer in Zürich. Jeder kann in den Raum eintreten, sich dem Tee widmen und dann wieder in den anderen betreten! Fliessend.
Ich will kein Oase in der Schweiz schaffen – denn es würde bedeuten, etwas Fremdes in einem fremden Kontext zu verpflanzen. Einfach nur ein Nebenraum neben einem anderen Raum. Es gibt nichts Dualistisches.

Mein müder Körper erholt sich gut, wenn er zwischen den Räume übergehen kann. Wenn alles fliesst. Wenn der Geist nicht mehr viel unterscheidet. Dann riecht er wieder gerne Faccetten von Oolong! Heute kam Holger wieder, immer extra eingereist aus Tübingen. Für den seltenen Gast holte ich gestern frisch eingetroffenen Atongs Specials! Atong hat in diesem Sommer zwei wunderschönen Oolong gemacht, kostbar und wunderbar. Er möchte, dass diese beiden Tees gelagert werden sollen. Denn sie gewinnen noch mehr durch die Reifung, und mit der Zeit!
Ich goss Holger den schönen Special Fancy Oolong. In dieser Gelassenheit und Harmonie- wenn ein Teefreund aus der Ferne, Dich extra besuchen kommt, dachte ich in den schönen Tropfen die Banana zu trinken! „Ach, Reife Banana!“ seufzte ich. „Ja, sehr reif.“ sagte er. Ich höre wieder, wie mein Lehrer spricht…

Ein neues Teesalon in München

Laifufu_Einladung.pdf

Teefreundin Peijen hat nun tatsächlich ihren Traum verwirklicht, in München
ein Teesalon zu eröffnen!
An diesem schönen Ort kann man die von ihr selbst ausgesuchten Tees und seit
Jahren gesammelten schönen Objekten bewundern!

Was ist denn einen Traum zu verwirklichen? Ich kann nicht für andere Leute
sprechen. Für mich ist es das Moment, den so genannten Traum zu
verwirklichen, das Moment des „Erwachens“. Es gäbe nämlich keinen Traum zu
verwirklichen. Es gibt nur sehr viele Arbeit und eine ständige Auseinandersetzung mit „sich selbst“. Ein Weg der wirklichen Selbstverwirklichung, die nicht zwangsläufig mit dem materiellen Erfolg verbunden sein muss !
Liebe Peijen, alles Gute und viele Erfolge!

(Wenn es tatsächich einen Traum zu verwirklichen wäre, möchte ich nie aus diesem Traum erwachen… denn die Realität ist brutal hart…)