Archiv des Autors: Menglin

Yugao

Wie ist ein Oriental Beauty, wenn er über Holzkohle geröstet ist? Das überraschte ihm.
Er sagte, er habe Oriental Beauty gerne, blumig, fruchtig und zugleich tiefgrundig. Die Leichtigkeit eines blumigen Tees beflügelt einen soliden feinen Körper. Wo findet man so einen Oriental Beauty, wie geht man mit so einem um? Aber so ein schöner Tee über Holzkohle kann doch nicht mehr federleicht und blumig tönen!
Ich goss ihm einen, der gerade nach letzten Weihnachten geröstet wurde. Die Zeit tat ihm sehr gut und die Geschmäcke vermischen sich und entwickeln sich harmonisch zusammen. Der junge Mann seufzte. „Wer wohnt hier?“ könnte man fragen. Was für Düfte „wohnen“ in diesem Tee? Ich schmeckte die Vielschichtigkeit dieser Schönheit. Das feine runde Schokoladige kommt wohl von der Röstung. Nach dieser Röstung duftet eine edelen Rose meinem Mund. Ach, vielleicht ist sie besprenkelt mit Morgentau?

Ein Hauch der Düfte umhüllte uns. Der Oriental Beauty über Holzkohle offeriert uns eine schöne Blüte. Edel, selbstbewußt und präsent! Es versetzte mich in eine andere Zeit!

Als Kind lass ich umheimlich gerne japanische Literatur, überhaupt Literatur! Es war die Nahrung eines gesperrtes Kinds, das gerne gesperrt wurde. Lesen ist zugleich eine Reise, eigentlich noch spannender als Reise. Denn ich bin immer auf der trockenen Seite. Diese Gewöhnheit pflege ich bis heute. Viele Orte besuchen ich lieber via Postkarten!
Es wurde immer von einem schönen unschuldigen Prinzen Genji erzählt. Die zarte Liebe von Genji und das Liebesspiel auf einer anderen Art jenseits von gut und böse faszinierten mich. So etwas gibt es irgendwie in der chinesischen Literatur nicht. So etwas vermischt mit Erotik, Liebe, Unschuld, Hass und Rache…
Einmal besucht der 17jährige Genji seine Ziehmutter – es war klar, dass die Mutter ihn nicht aufzog. Auf dem Weg stand ein junges Mädchen. Der Genji schaute kurz durch die Spalte seines Kutsche. Er sah blühende Blumen auf einem duftenden Fächer. Auf den Blumen schimmelten noch Tautropfen. Nichts anders konnte er als der jungen Dame zu folgen und lernte eine entzückende Schönheit Yugao kennen. Er verführte sie (?). Doch Genjis frühere Geliebte erfuhrt es (wieso?) und schickte einen bösen Geist. Yugao starb in Genjis Arm, als die Sonne wieder aufging.

Wann ist, wenn eine Blume am schönesten ist? Um Mitternacht!
Diese Geschichte wird am Samstag in poetischen Strophen gesungen – natürlich auf Japanisch. Ein kurzer Traum von einer „vielleicht“ beginnenden Liebe…

Wer wohnt hier?
Eine Dienerin hat er in der Dämmerung befragt,
Genjis Kutsche hält an
Und er späht durch eine Spalte
Der hochgewachsenen Hecke
Auf ein stattliches Haus
Das Besucher nur selten aufsuchen.

Einen Fächer in der Hand
Durchtränkt mit dem Duft
Des Räucherwerks
Offeriert die Hausherrin
Genji eine weisse Blüte
Besprenkelt mit Tau.

Ein kurzer Traum
Verbindet ihn mit Yugao
Einer Blume, die noch schöner ist.
Beim Erwachen um Mitternacht
Spürt er frierend
Den kalten Wind.

Sankyoku-Konzert ausgebucht

Das Konzert von Sankyoku ist definitiv ausgebucht! Ach, mehr als ausgebucht!
Ich staune über das rege Interesse!!
Vielen Dank für Eure Unterstützung und Euer Interesse!
Shui Tang wird in kommendem Jahr mit anderen musikalischen Experimente und literarischen Spielen in Zürich einen Ort schaffen, wo Begegnungen stattfinden. Sehr Wahrscheinlich kommt Reinhard im Januar wieder einmal für die Schokolade. Im Februar ein Teaparty mit der Lesung von Menglins „Kind“ – Blätter vom Teeweg, beflügelt mit musikalischen Klänge!

Ist Tee ein elitäres Getränk?

Ich weiss es nicht. Ist Tee ein elitäres Getränk?
Vor drei Wochen lernte ich zwei neuen Shui-Tang-Liebhaber kennen. Sie sind voll begeistert von Wuliangshan 2010! Sie sagte mir, „man kann nicht mehr so Tee trinken wie bis jetzt. Der Wuliangshan öffnet eine große Tür für uns! Aber, nicht allen sind so offen und begeistert. Man kann nicht mit allen Menschen dieses Freude teilen! So Schade!“
Ich lächelte. Ist es schlimm, wenn nicht alle Leute Wuliangshan toll finden und vom Gonfu Cha begeistert sind? „Das macht nichts.“ ich lachte, „wir haben auch nicht so viel gute Tees zu verkaufen.“ Mein Gegenüber waren zuerst stutzig und 1 Minuten danach lachten die beiden. „Das ist gut so!“

Was ist, wenn alle Dancong Milanxiang aus Fenghuang Berg super finden und sich das leisten können? Wir machen uns doch im Europa Sorgen, dass vielleicht alle Chinese jetzt ein Auto fahren und kaufen wollen, oder?

Was passiert, wenn der Wohlstand die Teeproduktion fordert? Was passiert, wenn mehr Menschen gibt, gute Tee kaufen wollen und können – aber nicht unbedingt geniessen?
Was passiert, wenn Tee ein Prestigobjekt ist anstatt ein Genussmittel?
Ich kann all diese Frage nicht beantworten und weiss selbst auch nicht, wie.

Ich versuche in Shui Tang Menschen, Tee zu geniessen zu inspirieren, das Bewußtsein, dass Tee mehr als nur ein Getränk ist, zu verbereiten und Tee, so wie in einem kulturellen Kontext zu verstehen ist, anzustoßen. Aber meine Kraft ist zu klein. Ich habe eine Vision, die heute noch zu klein ist, eine Stieftung zu gründen, eine Bewegung anzusetzen. Irgendwann wird es so reif sein – davon bin ich überzeugt! Dann können wir vieles bewegen – nicht nur hier, sondern auch dort!

Post aus den Bergen Guangdongs

Post aus den Bergen Guangdongs

Ich erhalte paar sehr spannende Fotos aus den Bergen von Guangdong und erhielt auch einen schönen Milanxiang aus den Bergen!
Ich sehe, wie Pflückerinnen Arbeit und Spass vereinen. Die hohen Hocker und sogar Leiter werden gebraucht, um die Blätter sorgfältig zu pflücken. Ich sehe, wie Menschen zwischen den dichten Bäumen verschwinden.
Das Foto von dem Welken gibt mir natürlich viele Informationen. Als ein Tourist, der in den Bergen reist, ist es bloss ein Foto von vielen Eindrücken. Aber für einen Teehändler wie mich, sagt mir vieles aus diesem Foto. Er erzählt mir, ob diese Produktion für die Industrie organisiert ist oder wie das Verständnis des Teemakers zu traditionellen Methoden steht.
Der Hochlandsdancong überzeugt mich. Und es gelingt nicht durch die Fotos. Es wird nur durch die Fotos bestätigt, was der Tee mir bereits am Samstag bei der Degustation aussagte.
ps. ich machr mir auch Gedanke über das Umweltproblem in diesen Bergen. Ich sehe auch in Fotos, wie Bergen „nützlich“ gemacht werden…

Auf Seide gemalt

Ra ni Kakite
Auf Seide gemalt,
kaki-enu ran no
die Orchidee – nicht malen
nioi kana
kann man ihren Duft

Rocho

Über Tee kann man Stunde lang reden. Was man dabei nicht kann, ist über den Duft zu sprechen! Dies kann man nur, wenn man Tee selbst trinkt und in der Lage ist, es zu beobachten, was Tee mit einem macht.

Shui Tang hat heute tatsächlich einen schwierigen Fall. Ein Teekanner und -liebhaber kam aus Genf zu besuch. Er kam tanzend wie ein König zu Shui Tang und grüsste uns mit Chinesisch. Er lebe zwischen Genf und Beijing. Ein Teekenner, der Oolong zwischen dem so genannten grünen und brauenen unterscheidet und nach Raritäten sucht. Denn er hat zu viel Anxi und zu viel Dancong.

Ich zeigte ihm den Alishan 2004, eine echte Rarität. Er sagte, nein. Er will grünen Oolong. Ich zeigte ihm Alishan 2010. Dieser Tee sei nicht gut, denn er sucht nach ganz grünem. Ich sollte ihm doch Lishan zeigen. Der Lishan ist doch noch zu sehr geröstet, aber auch zu teuer. Dann sollte ich ihm Dancong zeigen. Er wollte dies und jenes. Er ging zu Troilette und vergass den Raum zu schliessen und das Licht auszuschalten. Sein Geist hüftete hier und dort. Er nahm einfach meine Aufgusskanne vor meinem Gesicht und bediente selbst, obwohl er ein Gast war! Das ging mir zu weit! Ich stoppte ihm und wies ihm darauf hin, dass seine Rolle ein Gast war! Dies verstand er leider nicht. „Was heisst ein Gast zu sein?“
Dieser Mensch ist verlaufen in einen Ort, wo er orientierungslos wurde. Denn er verlor seinen Sinn für Grenze. Alles was er meinte als „normal“ zu sein, scheint in Shui Tang anders zu funktionieren. Inwieweit darf man gehen als ein Gast? Inwieweit ist man noch willkommend?
Kannst Du in einem Geschäft alles machen, was Du willst? Nur weil Du das Geld eventuell ausgeben willst?
Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Dann kommt entsprechende Behandlung, ob man als ein willkommender Gast behandelt wird, oder ein Gast, von dem man einfach das Geld sieht! Ach, das Geld! Das Geld ist für manche doch nicht das Heiligtum, nicht wahr?

Ich kann diesem Gast nicht den Duft des „gut gemachten“ Oolong zeigen. Denn er sucht nach etwas anders und er sollte das bekommen, was er will. Er war an einem falschen Ort.

Für mich wurde es klar, dass ich nicht allen Menschen recht machen kann und will. Shui Tang kann nicht alle Teeliebhaber beglücken. In Shui Tang gibt es eine klare Linie, was die Ästhetik des Tees betrifft. Ich kann auch nur Tee anbieten, was ich gut vertragen kann. Vielleicht kann mein Ego einfach akzeptieren, dass nicht alle Menschen hier das finden, was sie wollen. Und ich möchte auf meinen Weg gehen, wie jeder seinen.

Der Orchidee, der man auf Seide malen kann, ist in der chinesischen Kultur oft in Verbindung zu edelen Charakter. Orchidee ist schön, aber nicht dominant und reizvoll. So wie ein schöner „gut gemachter“ für mich, leise und elegant! Ein Tee, der gegen die Zeit nur gewinnt!

Shui Tang, die 333 besten Shopping Adresse Zürichs

Plötzlich lagen eine große Briefsendung auf dem Ladentisch, adressiert an mich. Zwei Magazin von „Zürich, kauf ein!“ Was hat es denn eigentlich mit mir zu tun? Mit einem großen Fragezeichen öffnete ich das Buch und fand überraschend zwei bekannten Worte „Shui Tang“ auf der Seite 150!
Mit einem großen Zweifel schlug ich die Magazin auf die Seite 150 und lass den „vielversprechenden“ Überschrift: „Kleine Übung in Demut“

So beginnt der Text
„Der ehrliche Connaisseur erlebt immer wieder Momente, in denen er sich eingestehen muss, dass er ein Nichtwissender ist. So geht es einem, wenn man den Tee-Laden Shui Tang an der Spiegelgasse im Niederdorf betritt….
(…)
in diesem kleinen Teehaus lernen wir auch, dass Tee eben weit mehr als ein anregendes Getränk ist, sondern genau so Architektur und Gartenkunst, Keramik und Wasser, Haltung und Konzentration.
Warum hat man nur in Zürich in letzter Zeit so viel von diesem ominösen „Nagelhaus“- Kunstobjekt geredet, wo es doch im Niederdorf dieses wunderbare Teehaus gibt? Es erfüllt, um eine Wortkreation des Künstlers Joseph Beuys zu benützen, in gerade perfekter Weise den hohen Anspruch einer „sozialen Skulptur„…“

Ich war sehr erfreut von dieser fremden Darstellung! Aber, aber, wer war es denn? Wer war der Mann oder Frau, der diese Bilder in Shui Tang erlebt hat? Ich kann mich einfach nicht erinnern! Wirklich nicht!

Dann kam Bernd zu Besuch bevor er weiter nach Salzburg fährt. Als ein Profi der Modebranchen freute er sich sehr für Shui Tang und war auch begeistert von der Darstellung. Er sagte mir, „Menglin, Du weiß nicht mehr, wer es war. Weil Du alle Menschen gleich gut behandelst, deswegen erlebt jeder DAS an diesem Ort.“

Wenn ich es könnte, möchte ich mich herzlich bei diesem Connaisseur persönlich bedanken. Er hat den Geist in Shui Tang tatsächlich richtig erlebt und weiter vermittelt…

Blätter vom Teeweg

Auf die neugierige Frage, was mit dem Buch „Blätter vom Teeweg“ weiter geht, kann ich nur sagen, „ich bin so gespannt!“
Das Buch ist bereits im Druck.
Zwei sehr wichtige Menschen auf meinen Teeweg beschönert das Buch und schreibt das Vorwort. Ich habe das Vorwort selbst auch noch nicht gelesen und weiß gar nicht, was alles darin steht. Eine echte Überraschung!! Ich warte genau so gespannt wie ein Kind vor Weihnachten am Weihnachtsbaum…
Eine Geduldsprobe für Menglin!
Bestellung kann man natürlich bei Amazon in Deutschland. In der Schweiz geht es noch einfacher bei Verlag Spuren, bei Shui Tang oder bei allen Buchhandlungen.

Oolong meets Slow Food

Morgen sollte eine Degustationsrunde von Oolong in einem Treffen mit dem Verein Slow Food stattfinden.
Was hat Tee mit dem Slwo Food gemeinsam?
Irgendwann im August kam ein junger Mann von einem akademischen Gesicht zu Shui Tang. Er sagte mir, dass er etwas braucht, damit die Uhr in seinem Labor langsamer läuft. Soll er zum Uhrmacher gehen? „Nein! Ich brauche Tee! Ich will eine Ausstattung haben, damit die Uhr langsamer gehen kann.“ Natürlich kann man in Shui Tang wunderbare Teatoys ausrüsten. Als ein Anfänger bekommt er einen Vorschlag von dem schönen freundlichen Tie Guanyin. Er ging mit dem Anxi Tie Guanyin, einem Gaiwan und einem Bambustablett. Eine Woche später kam er wieder und ging mit einem Teeaufgusskanne, ein Gongfu-Tassenset und einem neuen Tee. Ein Monat später kam er und jubelte, „Ja, es klappt! Meine Uhr läuft jetzt langsamer. Und ich will jetzt die Uhr daheim mit meiner Familie auch langsamer läuft!“ Also er ging mit einer neuen Ausstattung nach Hause und überzeugte seine Partnerin… Vor einem Monat kam er wieder und sagte, „Hey, Menglin! Ich brauche widerstandsfähigere Tees! Nicht solche wie der Anxi Tie Guanyin!“…

Slow Food und Tee, eine Veranstaltung von Teeclub Schweiz!