Annai Nashi ni – Unangemeldete Überraschung

Unangemdelte Überraschung erlebte ich gestern. Gestern in dem Oolongseminar.
Für viele Leute bin ich ungewollt jemand geworden, der sich mit Tee auskennt, ein so genannter „Meister“. Für mich ist dieser Status nicht sehr bedeutend, manchmal ehr lästig, denn es eine Projektion bedeutet und ich diese Menschen bestimmt enttäusche. Ich schreibe dieses Blog, weil ich es will, weil es mir Spass macht. Manche meinen die Länge des Blog ist zu lang – ich lächele meistens entgegen – geht es mir dabei etwas an, wenn sie es zu lang finde? Lese es einfach nicht, sagte ich. Manche finden es ganz toll. Ich finde es auch ganz toll, weil ich es gerne mache. wenn meine Arbeit nicht nur mich inspiriert, sondern auch viele anderen. Was will man mehr?

Den Ärmel als Hut –
ganz unangemeldet kam ein
kühler Regenguss.
SADA

Im späten Herbst geniesst man noch die letzten Sonnentagen. Aber wenn ein kühle scheuer kommt und uns den Winter verkündet, zeige ich das Überrascht-Sein. „Ach, tatsächlich. Es ist vorbei…“ Ich stehe im Shui Tang schaue die vorbei ziehenden Menschen an, die ihren Ärmel als Hut nehmen. Manche kommen in die Tür und seufzen.

In diesem spätherbstlichen Oolongseminar wollte ich die Vielfalt des Formosa Oolongs veranschaulichen. Damit die Teilnehmer nicht nur intellektuell imaginiert, die Power Point anzuschauen, sondern selbst zu erleben, gab ich mir Mühe eine Runde zu degustieren. Irgwndwie wollte ich zu viel und diese Runde war mit 9 verschiedenen Sorten ausgestattet. Es war richtig grausam!

Nicht nur grausam für die Anwesenden, sondern auch für mich! Aber ich dachte, das schaffe ich schon. Schliesslich kenne ich ja meine Metier. So glaubte ich es.
In diesem Runde gibt es auch der frisch eingetroffene Ernte von Muzha Tie Guanyin, der fest in meiner Erinnerung sitzt. Da ich keine Zeit hatte, ihn vorher zu verkosten und so fest davon überzeugt bin, dass ich diesen Tee kenne, gab ich ihn in diese Runde.

Dann kam die unangemeldete heftige Überraschung! Ich erkannt diesen Tee nicht! Fast verzeifelte zählte ich die Schalen und der Muzha Tie Guanyin war nicht zu finden! Die vielen Augen schauten mich an, ich konnte nichts anders zugeben, als so wie es war. Es stimmt was nicht, sagte ich – eigentlich stimmte es etwas nicht mit mir, anstatt mit dem Tee! Dieser unerkannte Tie Guanyin ist überraschend wenig fermentiert. Dieser unerkannte Tie Guanyin ist nicht so stark geröstet wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Was ist los mit mir?

Nachdem meine Migräne heute morgen langsam abklingte, rief ich meinen Lehrer Atong an. „Ist dieser neue Tie Guanyin aus Muzha?“ „Ja.“ „Aber er ist so anders.“ „Er ist nicht anders. Er ist anders als Du denkst!“lachte er „ja, das Material ist anders, Menglin. Er wurde nicht so stark fermentiert und das Material duftet unglaublich schön, so dass ich ihn nicht so stark röstete. Du muss nicht das Endergenis lernen, sondern den Prozess!“ Ich dachte Tee zu lernen, ist die Erscheinung zu speichern. Nun zeigt mein Lehrer mir eine andere Dimension, die ich bis jetzt verweigert zu sehen. Das Material lernen, nicht statisch an die Erscheinung festhalten. Wenn ein Tie Guanyin schön blumig gemacht wurde, kann man ihn leichter rösten, so dass diese Schönheit anders glänzt. Aber ein Tie Guanyin ist ein Tie Guanyin, wenn man seinen ursprünglichen Duft und Geschmack tatsächlich speichert, wird man nicht verwirrt durch die bizzaren Erscheinungen. Man erkennt die Essenz! Dann muss ich jetzt sagen, ich bin noch nicht so weit!

Nach dieser kühlen heftigen Schauer, geht das Leben weiter. Der Anfängergeist ist so von Bedeutung, dass einige Überraschungen mich noch auf dem Weg warten werden. Diese Überraschungen werden mich immer wieder auf dem Boden holen und ich werde jedesmal seufze, „Ach, Anfängergeist!“

2 Gedanken zu „Annai Nashi ni – Unangemeldete Überraschung

  1. romeo

    hallo menglin,
    deine schwächen einzugestehen,macht dich für mich nur glaubwürdiger.ich kann dir darum vertrauen.wir sind alle „nur menschen“ und nicht perfekt.
    gruss romeo

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  2. Menglin

    Naja, man kann die Dinge so oder so sehen. Heute kamen viele Kunden ins Shui Tang und jeder sagte mir, dass sie mir vertrauen. Ich bekomme langsam Angst. Als ein gewöhnlicher Mensch, der anderen irgendwann bestimmt enttäuscht, habe ich sehr Mühe mit dieser Aussage. Jeder sollte eigene Verantwortung für eigene Handlung tragen. Vertraue lieber Dir selbst anstatt mir, lieber Romeo – oder lieber dem Gott.

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