Archiv für den Monat November 2010

Oolong meets Slow Food

Morgen sollte eine Degustationsrunde von Oolong in einem Treffen mit dem Verein Slow Food stattfinden.
Was hat Tee mit dem Slwo Food gemeinsam?
Irgendwann im August kam ein junger Mann von einem akademischen Gesicht zu Shui Tang. Er sagte mir, dass er etwas braucht, damit die Uhr in seinem Labor langsamer läuft. Soll er zum Uhrmacher gehen? „Nein! Ich brauche Tee! Ich will eine Ausstattung haben, damit die Uhr langsamer gehen kann.“ Natürlich kann man in Shui Tang wunderbare Teatoys ausrüsten. Als ein Anfänger bekommt er einen Vorschlag von dem schönen freundlichen Tie Guanyin. Er ging mit dem Anxi Tie Guanyin, einem Gaiwan und einem Bambustablett. Eine Woche später kam er wieder und ging mit einem Teeaufgusskanne, ein Gongfu-Tassenset und einem neuen Tee. Ein Monat später kam er und jubelte, „Ja, es klappt! Meine Uhr läuft jetzt langsamer. Und ich will jetzt die Uhr daheim mit meiner Familie auch langsamer läuft!“ Also er ging mit einer neuen Ausstattung nach Hause und überzeugte seine Partnerin… Vor einem Monat kam er wieder und sagte, „Hey, Menglin! Ich brauche widerstandsfähigere Tees! Nicht solche wie der Anxi Tie Guanyin!“…

Slow Food und Tee, eine Veranstaltung von Teeclub Schweiz!

Sankyoku – Ein Konzert in Shui Tang

Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts entsteht im politischen und weltlichen Zentrum Japans, in Edo, eine neue Musikgattung, die sich beim bürgerlichen Publikum schnell grosser Beliebtheit erfreut. Gesungene Gedichte werden mit instrumentalen Zwischenspielen verbunden, gespielt vom Sankyoku-Ensemble, bestehend aus den drei Instrumenten Sangen (Shamisen), Koto und Shakuhachi.
Diese Musik wurde früher auch in den Teehäusern gespielt.
Trotzdem die Menschen verschieden sind, und jeder die Sprache der Töne, die Rhythmen der Musik anders empfindet, Poesie anders erlebt,
verbinden uns Ort und Stunde. Tee verbindet – auch fremde Herzen von Hier und Dort!
Es ist ein Experiment und eine Herzensangelegenheit, diese Musik im Teehaus Shuitang zum Erklingen zu birngen.
Zwischen und nach den musikalischen Ausflüge werden wir eine kulinarische Reise ins fernen Asien unternehmen. Inspiriende Töne der fremden Gewürzen und Zutaten bei einer Tasse Tee verhelfen diesem Abend zu einer Einmaligkeit.

Sankyoku
Naoko Kikuchi, Sangen und Koto
Chizuko Hayashi, Sangen und Koto
Wolfgang Hessler, Shakuhachi

Am 27.11. 2010, Samstag, 19 – 21.30 Uhr

Ort: Shui Tang, Liquid Delicacies
Spiegelgasse 26
CH 8001 Zürich

Beitrag inkl. Tee und einen kleinen kulinarischer Ausflug
35 CHF (Ermässigung bitte per Anfrage)
Anmeldung:
044-555 9161
oder info@shuitang.ch

Chanoyu Ondo

Chanoyu Ondo ist ein Lied, was man gerne im 19. Jahrhundert im japanischen Teehaus spielte. Der Titel bedeutet: Ein Lied des Tees – der Teezusammenkunft.

Chanoyu Ondo, komponiert von Kikuoka Kengyo in Kyoto

Nirgends blühen die Blumen schöner
Als am Yoshino-Berg;
Nirgends leuchten
die scharlachroten Blütenblätter strahlender
als in Tatsuta;
Und der Tee ist am köstlichsten in Uji,
südöstlich der Hauptstadt.
Aber am schönsten von allen
Ist ein bestimmter Ort
Südwestlich der Hauptstadt.

Die Kirschblüte blühen am schönsten in Yoshino-Berg, wo Yoshino am schönsten blühen. Yoshino, eine unvergleichbare Schönheit in alten Japan und eine Sorte entzückender Kirschblüten! Was könnte der Yoshinos Schönheit vergleichbar sein? Es musste der Tee aus Uji sein – und ein Ort, wo meine Liebe weilt, irgendwo südwestlich der Kyoto…

Man lernte sich bei Tee kennen. Einer findet den anderen als erster. Einer antwortet auf die Anderen. Man verliebt sich, oder vielleicht? Tee verbindet. Tee verbindet auch zwei Menschen, die nur aneinander vorbeireden. Die Farbe des Tees wird immer tiefer und der aufrichtig Liebende hofft auch auf die Liebe, die tiefer wird.

Deine Teetasse?
Einmal aufgegossen, eingetaucht in die Gasse,
wie die vielen Farben des grünen Tees
wird die Liebe immer tiefer werden.
Vergleichbar
der wartenden Kiefer.

Der Kiefer hat immer die grüne Farbe. Kiefer bewegt sich nicht. Er ist sicher, worauf er wartet – auf den Frühling. Aber wird auch der Mensch warten bis die Zeit reif wird?

Wenn ein aufrichtiges Herz
Rein wie seidenes Gewand,
einen unentschlossenen Liebhaber fragt
mag die Antwort widersprüchlich sein.

Warum ist das so?
Wenn wir uns begegnen
Ist mein Herz so aufrichtig
Wie ein Schöpfkelle aus Bambus
Doch deines ist gebogen
Wie der Griff eines Teesiebes.

Warum ist das so, dass der Liebhaber unentschlossen ist? Tee hat verschiedene Ebene, nicht wahr? Man könnte es auch nur oberflächlich betrachen und nehmen. Denn die Ernst bindet einen. Wer will schon gebunden werden, bevor man ganz sicher ist, dass man auf der sichere Seite steht. Manche Menschen können einfach nicht vertrauen! Sie sind zu verletzt. Sie wissen es nicht, dass es immer eine Kommunikation zwischen Verletzungen stattfindet, bevor die Verletzungen konfrontiert werden können! Soll man diese unentschlossene Liebhaber hassen? Wenn man die Liebe als eine Abhängigkeitsbeziehung betrachten würde, dann ja. Ansonsten ist das Problem der Unentschlossenen. Auch ein unentschlossener Geist wird alt, hinfällig und sogar reif. Aber vielleicht ist alles bereits zu spät! Oder vielleicht auch nicht…

Wir sprechen über die alten Zeiten
Und unsere Herzen werden leichter
Bis wir schliesslich ein altes Paar sind
Wie im Märchen;
Das Wasser in unserem Teekessel
Wird nie kalt werden.
Durch das Schicksal sind wir miteinander verbunden
Für tausend,
für zehntausend Jahre.

Vielleicht gibt es doch etwas, was zwei Herzen verbindet, die sich einmal gegenseitig verletzten. Vielleicht ist es der Tee. Bei einer Tee unter dem flattierenden Kerzenlicht, wenn die schweren Herzen ausgeschüttelt werden, wenn die Heilung im Gang gesetzt wird, wenn die Vergebung möglich ist, dann wird die Liebe Liebe. Eine Seelenverwandtschaft, die immer durch Tee zueinander geführt wird; ein Vertrauen, das im Tee basiert ist, sind das Glut in Asche, das Wasser in Kama (Teekessel) heiss hält!

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Ich freue mich sehr, Naoko, Wolfgang und Chizuko zu Shui Tang einzuladen. Sie werden die traditionelle Teehausmusik in alten Japan nach Zürich bringen! Diese traditionelle japanische Kammermusik wird am 27.11. 2010 in Shui Tang stattfinden! Was für ein Freude! Chanoyu Ondo, Lieder des Tees verbindet!

Teeliste von Teeseminar am 31.10.2010

In diesem Seminar haben wir folgenden Teesorten degustiert und besprochen:
1. Runde: Vielfalt von camellia Sinensis
Yinzhen Baihao, Junshan Yinzhen, Anji Baicha, Paochung, Dianhong Jin Ya (Premium), Jasmin Yinhao, Pu Er 2010 Yiwu Premium
2. Runde: Überblick von chinesischen Oolongs
Es gibt natürlich noch mehr als ich hier zeigte, aber was ich bis jetzt gesammelt habe und in Frage käme, sind folgendes:
Tie Guanyin Anxi, Qilan Baiya, Zhangping Shuixian, Da Hongpao, Phönix Dancong Shuixian
3. Überblick von Taiwan Oolong
Tie Guanyin Muzha, Cuiyu Oolong, Jinxuan Oolong, Sijichun, Paochung, Buddhas Hand, Dongding Original, Lishan Hochland, Huang Jin Gui, Oriental Beauty, Qilan Mingjian
Ich habe diese Runde den Muzha Tie Guanyin selbst nicht erkannt – siehe den Beitrag von gestern.
Ehrlich gesagt, diese Vielfalt erschreckt einen richtig!
Unser ältester Teilnehmer Lutz war richtig überrascht von dieser unglaublichen Vielfalt. Sie dachten, sie kämen nach Zürich, schaue paar Dias an, höre einen netten Vortrag voller Stories und trinke Tee in der Tasse. Auf so etwas hätten unsere Teefreunde aus Karlsruhe nicht gedacht!
4. Ein Oolongsorte aus verschiedenen Anbaugebieten
Beispiel Shuixian
Zhangping Shuixian, Milanxiang Phönix Dancong Shuixian Premium 2010 , Baxian Nantou 2010, Baxian Nantou 2006, Huang Zhi Xiang Phönix Shuixian Dancong
5. Qualitätsvergleich
Wir vergleichten die Qualität von Yancha.
Bai Ji Guan 2010, Da Hongpao 2010, Da Hongpao Premium 2006, Da Hongpao (Fälschung) Oriental Beauty, Oriental Beauty Premium, Korea Beauty, Fancy Oolong
Selbst Lutz sagte mir, dass er das Original von Da Hongpao am besten findet und diese Fälschung sofort aussorte. Ich lobte seine Urteilsvermögen. Tee spricht für sich selbst!
6. Eine gleiche Teesorte aus verschiedener Höhe und Machart, Beispiel Qingxin Oolong
paochung, Dongding Original, Dongding Guifei, Dongding 1981, Lishan Hochland, Alishan Hochland
7. Einfluss von Röstung
Anxi Tie Guanyin, Muzha Tie Guanyin, Pinglin Tie Guanyin, Tie Guanyin Nantou, Tie Guanyin 2990
Oriental Beauty Premium, Oriental Beauty auf Holzkohle geröstet.

Eigentlich gäbe es noch 8. Runde – Lagerung. Aber alle Leute waren froh, dass ich den Tag mit dem gerösteten Geschmack beendet habe… Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet!

Annai Nashi ni – Unangemeldete Überraschung

Unangemdelte Überraschung erlebte ich gestern. Gestern in dem Oolongseminar.
Für viele Leute bin ich ungewollt jemand geworden, der sich mit Tee auskennt, ein so genannter „Meister“. Für mich ist dieser Status nicht sehr bedeutend, manchmal ehr lästig, denn es eine Projektion bedeutet und ich diese Menschen bestimmt enttäusche. Ich schreibe dieses Blog, weil ich es will, weil es mir Spass macht. Manche meinen die Länge des Blog ist zu lang – ich lächele meistens entgegen – geht es mir dabei etwas an, wenn sie es zu lang finde? Lese es einfach nicht, sagte ich. Manche finden es ganz toll. Ich finde es auch ganz toll, weil ich es gerne mache. wenn meine Arbeit nicht nur mich inspiriert, sondern auch viele anderen. Was will man mehr?

Den Ärmel als Hut –
ganz unangemeldet kam ein
kühler Regenguss.
SADA

Im späten Herbst geniesst man noch die letzten Sonnentagen. Aber wenn ein kühle scheuer kommt und uns den Winter verkündet, zeige ich das Überrascht-Sein. „Ach, tatsächlich. Es ist vorbei…“ Ich stehe im Shui Tang schaue die vorbei ziehenden Menschen an, die ihren Ärmel als Hut nehmen. Manche kommen in die Tür und seufzen.

In diesem spätherbstlichen Oolongseminar wollte ich die Vielfalt des Formosa Oolongs veranschaulichen. Damit die Teilnehmer nicht nur intellektuell imaginiert, die Power Point anzuschauen, sondern selbst zu erleben, gab ich mir Mühe eine Runde zu degustieren. Irgwndwie wollte ich zu viel und diese Runde war mit 9 verschiedenen Sorten ausgestattet. Es war richtig grausam!

Nicht nur grausam für die Anwesenden, sondern auch für mich! Aber ich dachte, das schaffe ich schon. Schliesslich kenne ich ja meine Metier. So glaubte ich es.
In diesem Runde gibt es auch der frisch eingetroffene Ernte von Muzha Tie Guanyin, der fest in meiner Erinnerung sitzt. Da ich keine Zeit hatte, ihn vorher zu verkosten und so fest davon überzeugt bin, dass ich diesen Tee kenne, gab ich ihn in diese Runde.

Dann kam die unangemeldete heftige Überraschung! Ich erkannt diesen Tee nicht! Fast verzeifelte zählte ich die Schalen und der Muzha Tie Guanyin war nicht zu finden! Die vielen Augen schauten mich an, ich konnte nichts anders zugeben, als so wie es war. Es stimmt was nicht, sagte ich – eigentlich stimmte es etwas nicht mit mir, anstatt mit dem Tee! Dieser unerkannte Tie Guanyin ist überraschend wenig fermentiert. Dieser unerkannte Tie Guanyin ist nicht so stark geröstet wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Was ist los mit mir?

Nachdem meine Migräne heute morgen langsam abklingte, rief ich meinen Lehrer Atong an. „Ist dieser neue Tie Guanyin aus Muzha?“ „Ja.“ „Aber er ist so anders.“ „Er ist nicht anders. Er ist anders als Du denkst!“lachte er „ja, das Material ist anders, Menglin. Er wurde nicht so stark fermentiert und das Material duftet unglaublich schön, so dass ich ihn nicht so stark röstete. Du muss nicht das Endergenis lernen, sondern den Prozess!“ Ich dachte Tee zu lernen, ist die Erscheinung zu speichern. Nun zeigt mein Lehrer mir eine andere Dimension, die ich bis jetzt verweigert zu sehen. Das Material lernen, nicht statisch an die Erscheinung festhalten. Wenn ein Tie Guanyin schön blumig gemacht wurde, kann man ihn leichter rösten, so dass diese Schönheit anders glänzt. Aber ein Tie Guanyin ist ein Tie Guanyin, wenn man seinen ursprünglichen Duft und Geschmack tatsächlich speichert, wird man nicht verwirrt durch die bizzaren Erscheinungen. Man erkennt die Essenz! Dann muss ich jetzt sagen, ich bin noch nicht so weit!

Nach dieser kühlen heftigen Schauer, geht das Leben weiter. Der Anfängergeist ist so von Bedeutung, dass einige Überraschungen mich noch auf dem Weg warten werden. Diese Überraschungen werden mich immer wieder auf dem Boden holen und ich werde jedesmal seufze, „Ach, Anfängergeist!“