Besuch von Nadia Bécaud

Ich sah sie aus dem Fenster und sie eröffnete die Tür zu Shui Tang.

Bei einer Tasse Tee, unter vier Augen sagte ich ihr, dass ich von gestrigem Vortrag recht enttäuscht war. Denn es keine Neuigkeiten und Anregungen für mich war. Sie sagte, es lag an dem Rahmen.

Bei zweiter Tasse gestand ich ihr, dass viele meine Ansichten zum Tee sich von Ihren unterscheiden. Sie sei chinesischer als ich. Ja, sie seufzte, sie fühlte sich wohler in der chinesischen Welt. „Als ob mein früheres Leben dort gewesen wäre…“ Ich weiss. Wahrscheinlich war meins umgekehrt.

Tee verbindet Menschen, die aus verschiedenen Naturen und aus verschiedenen Grenzen kommen. Ich spüre in der ruhigem Oberfläche rodernedem Feuer, das für Tee brennt. Sehr einfühlensam höre ich ihr zu, wie sie die Teelandschaft in Frankreich als schwierig und aggresiv beschrieb: „Everybody says, that they have the BEST tea!“ In Jungel dieser Landschaft ist gewisse Aufrichtigkeit und Gelassenheit sehr erforderlich. In der Schweiz haben wir das Glück, dass die Teegeschäfte, die sich für hochwertigen Tees interessieren, sehr eng miteinander an dem gleichen Strang ziehen. Das Teeclub bemüht sich sehr alle Interessen zusammen zu bringen und die Erfahrungen dem hiesigen Teeliehbaer zu bereichern.

Wir können sehr viel über die Differenzen sprechen. Die Differenzen schaffen viel Klarheit. Manchmal kann man Tee zum Leben eins zu eins übertragen. „Life is never easy.“ sagte sie.

Aber die Differenzen verbinden Menschen nur bedingt. Was uns verbindet, sind das Herz und die Sensucht nach der Schönheit des Lebens. Tee ist schön. Tee macht das Leben schön.

Wir tauschten sehr viel aus. Ich versprach ihr einmal sie zu besuchen. Dann werde ich mit sehr vielen kritischen Fragen kommen. Ich kann bestimmt von ihr lernen. Und sie möchte einmal mit mir nach Taiwan gehen. Sie gab mir viele Ratschläger, wie ich viele Dinge (wie Reise nach Taiwan zu organisieren) einfach loslassen sollte und nur auf die Dinge konzentriere, was wesentlich ist. „Life is never easy“, betonte sie immer wieder.

Michel, mein verstorbener Zen-Lehrer, machte mir immer wieder klar, dass Zazen kein perfekten Menschen macht. Aber wahrhaftig. Tee wohl auch. Tee-Weg führt einen zu sich selbst. Ihre Erscheinung und ihre Haltung machen Nadias Wesen zum Vorschein. Eine Seele, die in einem falschen Land geboren ist. Das ist aber die beste Vorraussetzung, lachte sie, dass sie die Aufgabe der Teekultur im Westen wahrnehmen kann und ausführen kann. Die Seele ist vielleicht eine chinesische, aber die Form (Haltung) ist eine durch und durch Europäische – Fokus stets auf das Richtige und nur das Richtige ist das Wahre… Sie wunderte sich leicht, dass ich Schwarztee in die Sortiment aufnehme – ich gestand, „I love black tea so much! And I drink it every morning!“ Beim Abschied wollte ich ihr ein schönes Cafe im Neumakrt empfehlen, „I never trink Coffee!“ Ich musste mich schmunzeln – „I love coffee so much!“

Im Tee vereint und verstanden verabschieden wir uns. Wir wissen, wir wollen und werden uns wieder begegnen.

3 Gedanken zu „Besuch von Nadia Bécaud

  1. Jürg

    Menglin,

    Ich bin ganz bei Dir. Wir müssen auf dem Teeweg weitergehen, und das heisst natürlich auch, sich mit neuen Menschen und deren Sichtweisen und Erfahrungen auseinanderzusetzen. Wir müssen dabei nicht gleicher Meinung sein, das ist sogar zentrales Element menschlichen Daseins.

    Wichtig ist, dass unser Herz für den Tee schlägt. Und das tut dasjenige von Nadia ganz, ganz bestimmt. Es ist unserer aller Passion.

    Ich stimme Dir zu, wir können viel von ihr lernen. Es freut mich deshalb sehr, dass Du schreibst, Du möchtest weiter mit ihr in Kontakt bleiben. Tu das. Als nächster Schritt auf Deinem Teeweg.

    Gut gemacht übrigens der Beitrag auf France 2: http://jt.france2.fr/13h/ (dann nach Thé suchen). Leider nur in français.

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  2. Jürg

    Menglin,

    Ich bin ganz bei Dir. Wir müssen auf dem Teeweg weitergehen, und das heisst natürlich auch, sich mit neuen Menschen und deren Sichtweisen und Erfahrungen auseinanderzusetzen. Wir müssen dabei nicht gleicher Meinung sein, das ist sogar zentrales Element menschlichen Daseins.

    Wichtig ist, dass unser Herz für den Tee schlägt. Und das tut dasjenige von Nadia ganz, ganz bestimmt. Es ist unserer aller Passion.

    Ich stimme Dir zu, wir können viel von ihr lernen. Es freut mich deshalb sehr, dass Du schreibst, Du möchtest weiter mit ihr in Kontakt bleiben. Tu das. Als nächster Schritt auf Deinem Teeweg.

    Gut gemacht übrigens der Beitrag auf France 2: http://jt.france2.fr/13h/ (dann nach Thé suchen). Leider nur in français.

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  3. Teesorten Admin

    Jeder hat seine eigene „Philosophie“, wenn es um Tee geht. Selbst diejenigen, die ihn einfach nur wegen des Geschmacks trinken, kommen nicht umhin den Tee körperlich zu erfahren und damit unbewußt vielleicht ein wenig „nachdenklicher“ zu werden.
    Hier hab ich interessantes zur Teekultur! Ich finde persönlich die japanische Philosophie am schönsten. 😉

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