Archiv für den Tag 14/05/2010

Gedanke nach dem Vortrag von Nadia Bécaud

Ich war noch vor 30 Minuten in einem Vortrag von “Ambassador of Tea” Nadia Bécaud.

Eigentlich ist es mein Problem, dass ich Mühe habe mit Propaganda. Eigentlich ist es mein Problem, gerne Abstand zum jeglichen System zu pflegen. Ich bin nicht ein kritischer Mensch, der an alles zweifelt. Ich bin nur zu faul, um Geschwätz von jeglichen System ernst zu nehmen. Deswegen bin ich ein Fremde in einem fremden Land.

Wenn man mir von den so genannten „Top Ten“ des chinesischen Grüntee erzählt, lache ich meistens. Wer wählt denn die Top-Ten? Ich vergleiche es mit der Frage von „Wer wählt die Miss Schweiz?“ Hat Miss Schweiz etwa mit mir zu tun? Nichts.

Genau so wie mit dem Tee. Was hat die Top Ten mir überhaupt zu bedeuten? Mein Lehrer Atong hat mich überzeugt nicht, weil er im Forschungsinsitut von Taiwan tätig ist, sondern weil er Tee versteht und die Sprache des Tees zur Sprache kommen lässt. Das Ironische von Atong ist, dass er NICHT mit dem Tearesaerch-Insitut zu tun haben will und ist einer von zwei, die den höchsten Zertifikat von Tee-Taster Taiwans hat! Wenn mich ein Tee überzeugt, überzeugt er nicht wegen seinem Anbaugebiet, wegen seiner vermeintlichen Berühmtheit, sondern weil er für sich selbst spricht.

Gute Dinge sprechen für sich selbst. Das ist die Botschaft dieses Blogs und meine Überzeugung. Ich spreche nicht für Tee, sondern als ein Vermittler zwischen Tee und Menschen. Ich vermittele nicht die Top Ten, sondern „wie die Dinge für sich selbst sprechen“.

Schlußendlich sind die so genannten „Top“ von anderen bedeutungslos, wenn der Teeliebhaber nur an das „Top“ glaubt. Das Bedeutungsvolle ist das, was wir für uns als Top entdecken können und entdeckt haben! Das ist die Botschaft dieses Blogs.

Frau Bécaud spricht Chinesisch, hat einen chinesischen Mann und trägt Ehrentitel von chinesischen Teeinstitut. Sie sagt uns, was Top Ten in China ist und macht uns vor, wie man chinesische Grüntee machen „MUSS“ – „YOU MUST…“ Das macht sie sehr gut und spricht wie die offziellen Pressemitteilung von chinesischen Insituten, indem sie uns stets sagt, wo die besten Teepflanzen in China zu finden sind, wie rar die Top-Ten sind und wann man unbedingt nach dem Lehrbücher Tee pflücken muss! Als Teebotschaftlerin versteht sie sich selbst und war sehr erstaunt, dass man in der Schweiz von lange von Anji Baicha erfuhr und trank. Sie zeigte uns wie man richtig Grüntee zubereitet – in Glas. 

Ich bin ein Anfänger von Grüntee und kann gar nicht beurteilen, wie gut der Tee war, den sie mitbrachte. Ihr stellte ich eine Frage: „wenn man bei Oolong bereits eine Veränderung der Herstellung feststellen kann, ob man bei Grüntee-Produktion von China auch eine Veränderung zu beobachten haben, nachdem China sich ökonomisch stark entwickelt?“  Ihre Antwort war briliant und kurzgebunden: „Nein. Die besten Tees, die sie hat und kennt, sind immer von Teemeister sehr sorgfältig produziert. Solche Modeerscheinung interessieren die Teemeister nicht.“ Wie schön! Wie traurig für Atong! Ich weiß, wie mein Lehrer in Taiwan immer gegen den Wind zu kämpfen hat. Tradition treu zu bleiben ist nicht mit leeren Worte! „Gut,“ ich wurde ungeduldig, „Was meinen Sie dann mit Da Hongpao?“ Da Hongpao, ein Felsentee, dessen Originalität eine Illusion ist. Offziell in China darf man alle Baumsorte blenden und als „Da Hongpao“ verkauft werden! Das ist ähnlich so wie Champagne, der auch aus der Schweiz kommen darf! Sie sagte, dieser Tee wird immer noch traditiongemäss produziert. Ich schwieg.

Die Tees, die zur Verkostung kamen, waren frisch und interessant. Ich kann jetzt noch nicht laut sagen, was ich darüber sagen kann. Ich kaufte die sehr „kostbaren“ Tees und werde in Shui Tang mit dem Crew in der Ruhe degustieren. Es ist für uns ein sehr guter Lernprozess, verschiedene Muster zu sammeln und zu vergleichen. Tee spricht für sich selbst und ich muss nicht etwas dazu tun. Michel sagte mir immer wieder, „Menglin, die Welt ist perfekt. Das Kosmos ist perfekt. Nur die Menschen, die wollen immer ihren eigenen Senf dazu geben.“

Trotzdem finde ich Frau Bécaud großartig. Sie lernt eine Kultur mit einer großen Ernsthaftigkeit und bemühe sehr aus dem Perspektive des Fremden zu denken. Vielleicht ist es zu weit gegangen, das Fremde mit einer großen Anstrengung zum eigenen zu machen. Wir brauchen im Europa nicht eine chinesische Sicht des Tees, oder eine japanische! Wir brauchen eine Reflektion zwischen den Kulturen, ein gegenseitiges Dialoge zwischen Osten und Westen. Die Wurzel des Tees muss in den Boden Europas eingeschlagen werden, anstatt nur zu adaptieren!

Das ist meine Botschaft, Tee macht uns frei, anstatt neue Korsett – sei es chinesisch oder japanisch anzueignen. Darum bezeichne ich die Teegeschirr als Teatoys und Teefreunde als Spielfreunde. Wir sind ernst, wenn wir spielen, weil wir gut spielen wollen. Weil es ein Spiel ist, muss man das Ergenis nicht ernst nehmen und ruhig experimentieren.

Auch wenn ich das Gefühl während des Vortrags bekam, dass ich eigentlich zu euopäisch bin und sie zu chinesisch sei (das Gefühl habe ich sehr häufig bei vielen Menschen im Europa, die etwas mit asiatischen Künste zu tun haben), ist es wunderbar, was Teeclub Schweiz uns ermöglicht, Tee aus verschiedenen Perspektive zu erleben! Ich möchte hier mich richtig bei Teeclub Schweiz bedanken für Ihre Mühe, die Vielfalt des Tees in der Schweiz zu pflegen!

Ich habe großes Respekt vor so jemandem, der wie Frau Bécaud sich bemüht, mit Tee auseinanderzusetzen und Tee als Lebensaufgabe betrachtet. Solche Menschen möchte ich noch mehr in Teewelt zu begegnen!