Archiv für den Tag 03/06/2006

Die Magie des Tees

Plötzlich fing es an zu schütteln als wir am See waren. Der Regen kam so unerwartet, dass wir am Ufer nicht verweilen konnten. Suzanne war ein bisschen enttäuscht, aber sie hat den See wieder gesehen. Bodensee, das schwäbische Meer, ist so gross, dass man das andere Ufer nicht sehen kann. Mein Gast aus Strassburg, ein Teefreund durch das Teeblog, mit dem nur visuelle Briefe und Schriften ausgetauscht wurden, kam nun live nach Konstanz!

Suzanne beim Tee

Suzanne beim Tee

Zuerst waren wir bei Ali. Ali und seine Frau halten momentan in Antalya auf. Uns hat Alis Vater empfangen. Mit einer Tasse türkischen Tees haben wir angestossen. Die französische Besucherin brachte in den kleinen Kebap Laden ein Hauch von Frankreich. Der Gassi, ein Iraker, flüsterte extra zu uns, dass sein Tellerservice nur für die charmanten Besucher war. Danach machten wir uns bereit, auf die Reise ins Teeland! Suzanne brachte viele schöne Tees mit, darunter aus Strassburg und von Taipei – Stefane. Ich habe die Zhenshan Xiaozhong sofort aufgemacht. Oh! Der typische Longgan-Duft steigt gleich in meine Nase! Darüber werde ich einen ausführlichen Degustationsbericht schreiben.

Wir haben verschiedene Teesorte aufgegossen und zusammen probiert. Eine Oolongrunde: Sijichun 2006, Lishan Hochland 2005 und Dongding Original 2006. Die vielfältigen Duftnoten des Oolongs erheben uns sofort ins Teeland. Der Sijichun erinnerte sie an Flieder, der Lishan Hochland-Qi ist einfach unvergleichbar und das Dongding verführte uns in ein anders Sphäre! Der Buddha Hand und seine stets verwandelnde Duftnote fesselten uns in seinem Reich. Der Phönix Dancong war der absolute Treffer, und sie konnte nichts anders als nur seufzen: „Oh, Menglin, so einen Tee habe ich noch nie getrunken!“ Ich lachte und wusste, was sie damit meint. Es ging mir genau so…

Wir plauderten miteinander, obwohl wir uns erst seit paar Stunden face to face sahen. Wir sprachen über die Welt, über unser Leben und über unsere Leute, die wir lieben. Was macht es möglich, dass zwei fremde Menschen aus verschiedenen Kulturen so fliessend miteinander sein können? Ist es die Magie des Tees?

Ich schlug ihr eine Schale Matcha. Das leuchtende Grün schimmelte in der dunklen blauen Tienmu-Schale. Suzanne trank und ihre Augen leuchteten. „Was für einen Tee!“ „Ja. Die Samurais haben den Tee früher immer getrunken, bevor sie mit dem Schlacht anfingen.“ Sie haben wohl genau so geseufzt?

Vergänglich ist das Leben und viele schöne Momente der Begegnungen! Es war wieder die Zeit des Abschieds. Wir tranken noch eine Runde Pu Er und Suzanne verschob ihren Zug. Wir haben drei Pu Er aufgegossen: 1990 von Stefane, 1990 von Kieferkohle behandelter Pu Er, 1982 von Menghai. Der Aufguss 1990 war leicht und angenehm, während der auf Kieferkohle getrockneter Pu Er charaktervoll schmeckt. Als Suzanne den von 1982 kostete, sagte sie mir, dass sie das Qi dieses Tees spüren könnte! Ein unbeschreibbares Qi, was sich nicht verwörtlichen lässt. Dieser Tee wärmte uns und brachte Licht. Wir lächelten uns an, als ob Sonne über uns scheinen würde. Wir lächelten uns an, als ob wir uns schon lange kennen würden.

Im Tee muss man an nichts glauben, was man schmecken muss und soll. Man kann es nur selbst erfahren und erleben!

Es regnete noch, als Suzanne unbedingt gehen musste! Es regnete und regnete draussen, während Sonne in uns schien. Es schien die Sonne und sie wird wohl noch eine Weile weiter scheinen!

Katze entdeckt Schätze

Suzanne erzählte mir, dass ihre Katze sofort die Schätze entdeckte!