Erinnerungen

Heute schneit es Wieder, obwohl Vögel ständig nach dem Frühling rufen. Meine Sehnsüchte nach dem Frühling werden immer aufdringlicher in dem leisen rieselnden Schnee.
Magengrippe, Kopfschmerzen und das entfernte Dasein von meiner Heimat, wo Wärme, Geborgenheit und Boden bedeutet, machen mich in diesen Tagen ziemlich zu schaffen. Ruhelose Nächte zerrten meine Lebensenergie.
Manchmal. Nur Manchmal fühle ich mich wie eine Spinne. Eine Spinne, die aus ihrem Netz runter gefallen ist und nicht mehr schafft, wieder zurück zu seilen.
Der Durst, der Geschmack und das unbewusste Verlangen schreien nach einer Befriedigung. Ich machte mir zuerst einen Kaffee. Da meine Vater zu Export Pioneer von Taiwan zählte, kannte ich seit der Kindheit Kaffee. Vater liebt alle Exotische und Neuigkeit. Er pflegt seine Kaffeeliebhaberei, indem er Bohne selbst röstete und frisch mahlte. Ich kannte Jacobs Kaffee in Taiwan nicht und das macht mein Leben in Deutschland ziemlich schwer. Der frische Kaffee Geschmack ist in meiner Kaffee-Erfahrungen in Europa eine Rarität geworden. Während mein Vater mich mit seiner neuen Errungenschaft verzauberte, trank mein Opa immer in Stile seinen Tie Guanyin. Opa ist nun schon längst im Paradies und Vater ist weit entfernt. Durch seine ständige Geschäftsreise war er eigentlich in meiner Kindheitserinnerung abwesen. Was bleibt, ist der Geruch des frisch gebrühten Kaffees.
Nun trinkt er immer weniger Kaffee wegen seinem Herz. Die Zubereitungsaufgabe übernimmt heute meine Schwester. Seit man in Taipei den jeden Tag frisch gerösteten Kaffee kaufen kann, wird in der Familie auch nicht mehr Kaffee geröstet. Schwester macht meinem Vater nun meistens Tee. Ihm ist es allerdings egal, was für einen. Er versteht meine Leidenschaft mit Tee nicht. Er trinkt hauptsächlich Oolong und nur keinen Oriental Beauty. Mit diesem Angeber Tee mit seinem hohen Preis kann Vater nie befreunden. Seine Generation hat Taiwan Reichtum und Wohlstand erarbeitet, aber er lebt wie viele seine Freunde immer noch in einem einfachen Verhältniss. Für ihn ist der Geschmack des einfachen Oolong der Geschmack des einfachen Lebens. Der Tee, der den ruhigen Lebensabend eines tüchtigen Mannes begleitet.

3 Gedanken zu „Erinnerungen

  1. Suzanne

    Mir geht es ähnlich wie Dir… der Frühling lässt zu lange auf sich warten. Heute hat es im Elsaß auch wieder geschneit, und alle sind müde, erkältet und im Stress (die Magengrippe kenne ich auch…).

    Ich denke im Moment auch oft an meine Großeltern. Vielleicht liegt es an dem langen Winter… Sie liebten chinesisches Porzellan, was es damals für normale Leute gar nicht gab, weil es viel zu teuer war. Ganz spät haben sie ein schönes Service bekommen. Jetzt sind sie auch schon lange im Paradies – und lernen bei Deinem Opa vielleicht den Tie Guan Yin kennen…

    Überhaupt bin ich sicher, dass es im Paradies Tee geben muss. Sonst wäre es nicht das Paradies!

    Hoffentlich kommt bald der Frühling…

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  2. Menglin

    Was für eine schöne Vorstellung, dass Deine Großeltern mit meiner zusammen im Paradies Tee trinken! Wenn es auf der Erde nicht stattfinden, können wir nur hoffen – auf das Paradies!

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