Liebe und Glück im Teeweg

„Happiness does not exist except as sweet memories of the Past…“ sagte heute Mein Tee-Papa Detlef zu mir, als wir zusammen zum Tee trafen. Tee-Mama Ingrid konnte nicht richtig auf dem Tatami knien, weil ihr Knie erst vor drei Wochen operiert wurde. Wir tranken von ihm zubereitetem Koicha – einen dicken Tee und plötzlich sagte er mir, „Menglin, Du wirst von uns bestimmt die Holzkohle erben, die ich gestern gewaschen und geschnitten habe.“ Sie schauten sich an und lachten. Ja, der Körper ist hinfällig und die Zeit wartet auf uns nicht.
An der Wand hing eine Schriftrolle, die normalerweise etwas Philosophisches und Dimension des Zens darstellt. „Warum nie etwas von der Liebe?“ Ich fragte sie. „Denn, Menglin“ er schaute mich an „das Glück von Menschen existieren meistens nur in ihrer Erinnerung. In Moment des Glücks können wir es gar nicht wahrnehmen.“ Er führt weiter fort, „wer weiß, wie ich mich glücklich fühlen werde, wenn ich mich in paar Jahren an unsere jetzige Teezusammenkunft erinnern werde!“
Jedes Treffen ist einmalig! Nach jeder Teezusammenkunft verabschieden Gastgeber und Gast nach der Tradition im Schweigen. Jeder geht auf seinen Weg. Wortlos und unaufhaltsam. Der Gastgeber kehrt allein zurück in den Teeraum und sitzt vor den gelöschten Feuern. Jeder Treff ist einmalig! Was hätte ich vorhin noch sagen sollen? Was hätte ich gesagt? Der Freund ist fort. Die Momente kehren nie mehr zurück. Wäre es möglich – in der ungewissen Zukunft – sich wieder in diesem Raum zu begegnen?
Das ist auch das Gefühl der Liebe, nicht wahr? Jemanden so zu lieben, das Leben so zu leben, als ob es der letzte Tag wäre. Die Intensität des Lebens zu spüren und das Leben im Hier und Jetzt zu betrachten und so zu leben, lernt man konkret im Teeweg.
Vor dem Teeraum legten Samurais ihr Schwert vor einer niedrigeren Tür. In dem Moment, in dem man in den Raum eintritt, ist jeder sein selbst. Kein Kaufmann, kein Samurai und kein Fürst. Jeder musste sich vor der niedrigeren Tür beugen – sich demütigen lassen, so dass man in einem gleichen Raum miteinander Herz zu Herz begegnen konnte. Das ist die höchste Dimension der Liebe, wenn man sich selbst vergessen könnte, was man sein sollte und wollte, nicht wahr?
Detlef und ich
Mein Tee-Papa Detlef und ich im zürcher Völkerkundemuseum im Sommer 2001

Ein Gedanke zu „Liebe und Glück im Teeweg

  1. stefan

    The talent for being happy is appreciating and liking what you have, instead of what you don’t have.

    Woody Allen

    But thats %}*$!# difficult!

    stefan

    Liken

    Antwort

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