Archiv für den Tag 06/02/2006

Formosa Bi Luo Chun 碧螺春 und das Dorf Sanxia 三峡

Das Scheitern der chinesischen Nationalisten gegen die Kommunisten in China verursachte 1949 eine große Fluchtwelle nach Taiwan. Diese Welle brachte nicht nur vielseitige chinesische Bevölkerungsgruppe nach Taiwan, sondern auch ihre Eß- und Trinkgewohnheiten. Viele diese Chinesen kannten die subtropische Insel Taiwan gar nicht, noch weniger den formosa Oolong… Sie hatten gerne ihren Tee – Lungjing und Bi Luochun, die eigentlich in Südchina angebaut werden.
Sanxia, ein Bergdorf im Hinterland Taipeis, war ein Dorf, wo Tee, Kampfer und Farbestoffe produziert. Vor 50 Jahren nahmen Teebauer den Auftrag der neuen regierenden Schicht an, ihren Grüntee auf dem Boden der Insel zu produzieren. Natürlich mit Oolongteebäumen.

Ende März, wenn das Wetter bewölkt, angenehm warm und frühlingshaft ist, wird die Teeblätter geerntet. Natürlich nur mit Hand gepflückt, gelesen und verarbeitet. Dieser Oolongbaum heisst: „Qingxin Gana 青心柑仔“, hat schöne weiße Behaarung. Gepflückt werden nur ein Tipp und ein Blatt. Da das Wetter noch nicht sehr warm ist, gibt es auch nicht viele Schädlinge.

Oolongsorte
Blätter vom Oolongteebaum können zu verschiedener Teesorten verarbeitet werden: Grüner Oolong, Grüntee und Oriental Beauty (von rechts nach links).

Dieser Lungjing und Bi Luochun schmecken fruchtiger, lieblicher und dezenter – anders als die chinesischen Originale. Der getrübte Geschmack tröstet jedoch die Einwanderer aus fernem China und hilft ihnen, ihren Fuß auf der Insel zu fassen. Die Einheimische – wie meine Familie, die vor Generationen von Anxi auf die Insel geflüchtet oder angesiedelt ist, halten sich fern von diesem fremden grasigen Geschmack.
Der Lungjing- und Bi Luochun Trinker verloren im Lauf der Zeit immer mehr politische Macht, nachdem sie Jahrelang die Insel regierten. Mit der Wahl der Präsidentschaft im Jahr 2000 beendeten Taiwanese die Fünfzigjahren alten Herrschaft der KMT Partei. Viele Menschen wandern aus, wohin? In die neue Welt – USA, Kanada und Australia! Wo die Gefahr der chinesischen Angriffe nicht erreicht! Lundjing und Bi Luochun aus Sanxia verlieren ebenfalls immer mehr Teeliebhaber in dieser Entwicklung.
Die hohen Kosten der Handpflückung und Verarbeitung machen das Leben dieses Tees noch schwerer. Der letzte Schlag dieses Tees wird wohl wieder aus China oder Vietnam kommen, wo die Arbeitskraft billig ist und Ware sich billig produzieren lassen. Teebauer Herr Huang sagte mir oft, dass sein Sohn vielleicht eine andere Lehre lernen sollte. Die Familietradition wird nun wohl bei ihm beendet. Fünf Generationen überleben verschiedene Kriege und Herrschaften, aber vielleicht nicht die Globalisierung…
Genieß diesen Formosa Bi Luochun, so lang er noch mit Hand und Handwerk produziert wird. Wer weiß, wie lange es noch dauert, bis er Museum reif wird….