Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Heiss und kalt

Das kalte neutrale Wasser, Symbol von Urkraft und Ursprung des Lebens. Kühl, gefühlsneutral und emotionlos.

Sobald, das Wasser erhitzt wird, sobald das Feuer das Wasser im Kessel zum Summen treibt, hören wir die Meeresbrandung – wie der Wind durch die Kiefernadel flüstert und Worte werden leer.

Als bald paar Teeblätter im sprudelnden Wasser eintauchen, riechen wir Duft von Blumen oder von wald, sehen wir Tänzer im Wasser und hören, Unbekannte flüstern…

Wenn das kalte neutrale Wasser heiß wird, wenn die Teeblätter in heißem Wasser schwimmen, kommen wir im Reich der Poesie an. Die Poesie des Tees.

Balthasar kam sehr ernst zum Besuch, denn er hatte eine wichtige Mission – sagte er. „Wie wäre es, dass wir zusammen eine Vorlesungsreihe in Bern über Tee zu gestalten?“ Ohne Zögerung nickte ich meinen Kopf. Er war enttäuscht. Er sagte, er hätte sich gewünscht, dass ich diese Idee schlecht finde. Da er nicht wußte, ob er es schaffen kann. Seine nächste Frage war, „was mache ich dann, wenn Du mitmachst?“ „Kennst Du nicht die Kultszene von Marcel Proust über das Madeleine im Tee?“ „Ach…“

Am Mittwoch trafen wir zu dirtt in Shui Tang und diskutierten, wie wir diese Vorlesungsreihe gestalten. Balthasar will anspruchsvolle Veranstaltungen. Die Quantität des Publikum sei egal. Ich stimmte freudig zu. Ich sollte die erste Veranstaltung starten mit einem historischen Retroperspektive des Tees. Massimo von Volkshochschule Bern wird die dritte Veranstaltung moderieren, weil es ein Teespräch zwischen Osten und Westen, zwischen Balthasar und Menglin geben sollte. Ein Teegespräch übder einen Entwurf der Ästhetik des Tees.

Ich bin sehr gespannt.

Massimo befürchte, dass er nicht der Kenner sei um die Moderation nicht gut zu führen. Eigentlich hätte ich wieder keine bestimmte Vorstellung. Ein Gespräch über einen Entwurf der Ästhetik des Tees kann sich ja leisten schief zu gehen. Ich habe keine Erwartung von Erfolg, keine Ambition von einem Gelingen. Denn wir sind am Anfang, einen Entwurf zu entwickeln, denn wir sind Anfänger auf einen sehr langen Weg, wie der Tee im Westen weiter geht!

Ich bin sehr gespannt.

 

Swiss Tea Guide

Ist Shui Tang ein gewöhnliches Teegeschäft? Was soll Shui Tang eigentlich sein?

Diese Frage konnte ich mir selbst nicht richtig beantworten. Denn ich ganz anders funktioniere als nach einem vorhandenen Konzept zu folgen. Ich hatte eine vage Vision, aber wußte, dass ich es alleine nie schaffe. Ich hatte sehr viel vor und wußte, dass ich allein es nie verwirklichen. Nur die Gleichgesinnten können viele schöne wichtige Dinge gemeinsam anpacken.

Aus dieser Bereitschaft und Offenheit sind viele Ideen im Reifungsprozess und viele Visionen könnten wohl verwirklicht werden. Ein Ort der Begegnung und Geburtsstätte von wertvollen Ideen kann und ist Shui Tang geworden. 

Am 15. Juni Dienstag um 19 Uhr treffen die Tee-Scouts der Schweiz in Shui Tang und sie stellen ihr erstes Ergebnis vor. Es ist eine Ehre für Shui Tang, den Scouts diesen Platz zur Verfügung zu stellen.

Wenn ein kleiner Stein anfängt zu rollen, entsteht eine neue Dynamik auf dem Weg. Die – für mich – kranke Gesellschaft grundlegend zu verändern kann ich als ein kleiner Mensch nicht. Aber einfach um mich zu kümmern, damit ich kein Last für die anderen werde und einen Ort mit anderen Menschen gemeinsam zu schaffen, wo viele kleine Steine ins rollen gehen können, wären paar kleine Schritte eines Versuchs.

Der feine gelbe Staub von Dianhong und Longjing

Was mich mit Nadia Bécaud tatsächlich verbindet, ist das Verständnis von Originalität des Tees. Als sie das in ihrem Vortrag thematisierte, wußte ich, dass es jemand ist, der Tee versteht. Tee als Tradition und als ein Organismus zu verstehen anstatt als Ware und eine beliebige Projektionsfläche – everything goes.

Viele Teehändler betrachten Tee als Mittel zum Geld. Diese Ansicht ist vollkommen in Ordnung. Deswegen gibt es so gennanten weißen Tee und Oolong aus Indien, aus Sri Lanka etc. Das Shui Tang Crew wußte von Besuch einer Inhaberin eines Teegarten in Sri Lanka, die mich bat, ihr bei ihrem weißen Teeproduktion zu helfen und zu verbessern.  Sie dachte, es sei ein einfaches Spiel mit Tee zu produzieren. Wenn der Tee biologisch ist, muss der Tee gut sein, dachte sie. Bis sie merkte, dass es falsch sei. Tee ist ein Ergebnis eines kulturelles Verständnis und eine Manifestation einer Ästhetik. Was ist ein weißer Tee? Was muss ein guter weißer Tee schmecken? Reicht das nicht für einen weissen Tee, dass die Blätter weiß aussehen?

Leider nicht.

Es geht bei einem schönen weissen Tee häufig noch um die Originalität… Zum Beispiel, dass ein schöner Bai Mudan oder Yinzhen Baihao aus Fuding Da Baicha (Name von diesem orginalen Baum) stammen sollten und aus dem Anbaugebiet von Fuding /Fujian sein sollte. Ein schöner Longjing sollte aus Xihu-Gegend stammen und aus einem bestimmten Baum… So ein traditionreicher Tee wie Longjing muss nicht aus dem neu geklonten Baum stammen, damit er trendy und fashion aussieht. Wahrscheinlich ist er sogar besser aus dem alten originalen Baum…

Wie sieht ein originaler Longjing aus? Liebe Winnie, ein schöner orginaler Longjing hat wunderschöne Behaarung, die häufig als pünktchen am Blatt haftet. Ein richtiger Longjing ist nicht grün… sondern leicht gelblich wegen dem Behaarung der Blätter! Je zärter, desto stärker wird der Tee behaart! Und diese Behaarung macht den Geschmack richtig aus!

Das gleiche gilt auch bei dem guten Dianhong! Viele europäische Teeliebhaber behaupten, dass der Dianhong rauchig sei. Das so genannte rauchige Note von Dianhong ist nicht wegen Rauch, sondern wegen der Behaarung. Durch die Art der Behaarung kann man die Originalität eines Tee sehr schnell feststellen. Ob ein Tee aus einem orginalen Baum kommt, ob er gut verarbeitet wurde, zeigt uns die Art des Staubs, wie er fliegt!

Ich hoffe, ich habe diese kleine Frage beantwortet.

ps. das heisst nicht, dass man in Indien und Sri Lanka keinen weissen Tee oder Oolong herstellen kann. Doch, das kann man! Es ist nur nicht einfach… Denn es geht nicht um einen Tee zu produzieren, um zu zeigen, dass MAN es KANN. Sondern, es geht um einen guten Tee in die Welt zu bringen. Dies braucht Verständnis und Auseinandersetzung mit einem Pflanzen aus einem kulturellen Kontext!

Besuch von Nadia Bécaud

Ich sah sie aus dem Fenster und sie eröffnete die Tür zu Shui Tang.

Bei einer Tasse Tee, unter vier Augen sagte ich ihr, dass ich von gestrigem Vortrag recht enttäuscht war. Denn es keine Neuigkeiten und Anregungen für mich war. Sie sagte, es lag an dem Rahmen.

Bei zweiter Tasse gestand ich ihr, dass viele meine Ansichten zum Tee sich von Ihren unterscheiden. Sie sei chinesischer als ich. Ja, sie seufzte, sie fühlte sich wohler in der chinesischen Welt. „Als ob mein früheres Leben dort gewesen wäre…“ Ich weiss. Wahrscheinlich war meins umgekehrt.

Tee verbindet Menschen, die aus verschiedenen Naturen und aus verschiedenen Grenzen kommen. Ich spüre in der ruhigem Oberfläche rodernedem Feuer, das für Tee brennt. Sehr einfühlensam höre ich ihr zu, wie sie die Teelandschaft in Frankreich als schwierig und aggresiv beschrieb: „Everybody says, that they have the BEST tea!“ In Jungel dieser Landschaft ist gewisse Aufrichtigkeit und Gelassenheit sehr erforderlich. In der Schweiz haben wir das Glück, dass die Teegeschäfte, die sich für hochwertigen Tees interessieren, sehr eng miteinander an dem gleichen Strang ziehen. Das Teeclub bemüht sich sehr alle Interessen zusammen zu bringen und die Erfahrungen dem hiesigen Teeliehbaer zu bereichern.

Wir können sehr viel über die Differenzen sprechen. Die Differenzen schaffen viel Klarheit. Manchmal kann man Tee zum Leben eins zu eins übertragen. „Life is never easy.“ sagte sie.

Aber die Differenzen verbinden Menschen nur bedingt. Was uns verbindet, sind das Herz und die Sensucht nach der Schönheit des Lebens. Tee ist schön. Tee macht das Leben schön.

Wir tauschten sehr viel aus. Ich versprach ihr einmal sie zu besuchen. Dann werde ich mit sehr vielen kritischen Fragen kommen. Ich kann bestimmt von ihr lernen. Und sie möchte einmal mit mir nach Taiwan gehen. Sie gab mir viele Ratschläger, wie ich viele Dinge (wie Reise nach Taiwan zu organisieren) einfach loslassen sollte und nur auf die Dinge konzentriere, was wesentlich ist. „Life is never easy“, betonte sie immer wieder.

Michel, mein verstorbener Zen-Lehrer, machte mir immer wieder klar, dass Zazen kein perfekten Menschen macht. Aber wahrhaftig. Tee wohl auch. Tee-Weg führt einen zu sich selbst. Ihre Erscheinung und ihre Haltung machen Nadias Wesen zum Vorschein. Eine Seele, die in einem falschen Land geboren ist. Das ist aber die beste Vorraussetzung, lachte sie, dass sie die Aufgabe der Teekultur im Westen wahrnehmen kann und ausführen kann. Die Seele ist vielleicht eine chinesische, aber die Form (Haltung) ist eine durch und durch Europäische – Fokus stets auf das Richtige und nur das Richtige ist das Wahre… Sie wunderte sich leicht, dass ich Schwarztee in die Sortiment aufnehme – ich gestand, „I love black tea so much! And I drink it every morning!“ Beim Abschied wollte ich ihr ein schönes Cafe im Neumakrt empfehlen, „I never trink Coffee!“ Ich musste mich schmunzeln – „I love coffee so much!“

Im Tee vereint und verstanden verabschieden wir uns. Wir wissen, wir wollen und werden uns wieder begegnen.

Bleibe Natürlich

Vor einer Kreuzung steht Dein Auto. In welcher Richtung würdest Du weiter fahren? Kommt es auf das Ziel an, nicht wahr?

Wenn man klar ist, ein Ziel zu haben.

Am Freitag ist Carola in Shui Tang und neulich ist Christoph auch dabei. Sie möchten beide in Shui Tang Tee lernen. Allein am vergangen Freitag bekam ich drei Anfrage, wann ich endlich wieder Kurse gebe und vielleicht eine wöchentliche, eine Antwort gab es nicht. Ich habe keine Kapazität.

Das Freitagsteam passt gut zu Shui Tang. Sie machen die Dinge sorgfältig ohne aufzufallen und sind wissenshungrig. Wir lernen am Freitag die Frühlingsernte zu degustieren, um die neue Teeernte für Shui Tang auszusuchen. Ich mache es absichtlich mit dem Team zusammen, denn lerning by doing.

Degustiert wurde war zwei Yinzhen Baihao, zwei Emei Maofeng, zwei Nanyue Maofeng und ein Bai Mudan.

Als der erste frische Rauch aus den heißen Tassen stieg, wurden die Schalen sofort gerührt. Die beiden neuen Nasen konnten es nicht warten und schnupperten stets an die Tassen! Duftend und herrlich. Sie waren bereits entführt, entführt zu einem Reich der Sinne. Ich sah in ihnen mich, der eingefangen war von duftenden Phänomenen, die mir keine Klarheit schafften, klar zu riechen!

„Welchen kaufen wir?“ fragte ich. Sehr schwierig zu beantworten. Denn sie rochen so gut. Weil sie gut rochen, musste man einen Abstand halten, sie nicht zu rühren, zu schnuppern, bis die Tasse ruhig werden und kalt sind – und wir auch. Die beiden Yinzhen Baihao, schön und frisch. Carola lernt bereits lang Tee und zeigte mir sofort diese Tasse, die klarer, eleganter und ruhiger duftet. Auch Christoph, ein Chanoyu-Schüler von Yumi, versteht die unaufdringliche Eleganz des edlen Tees. In den geübten Augen sind die unsorgfältigen Welck-Flecken und unregelmässige Trochnung unübersehbar. All diese Fehler führen zu dem groben Geschmack eines Yinzhen Baihao… Ich seufzte, „Weiß Du, die meisten Leute würden den anderen kaufen, weil er eindeutig ausdrucksstark schmeckt. Das Mainstream würde diesen Yinzhen Baihao bevorzugen.“ „Heißt das, dass wir diesen dominanten Tee kaufen sollen, um Überleben von Shui Tang zu sichern?“ „Nein. Der Geschmack ist nie demokratisch. Nicht der gefällige Geschmack ist unser Geschmack. Wir kaufen nur das, was uns überzeugt!“ Das andere kommt von sich alleine, wenn wir das tun, was mit uns innig einstimmig ist…

Bleibe natürlich. Was ist natürlich für mich?

Zwei Emei Maofeng, einer subtil, floral und federleicht; der andere klar, richtungweisend und charaktervoll. Christoph würde den federleichten bevorzugen. Ich nickte meinen Kopf. Ja, ich hätte es auch getan, wenn ich keine Geduld hätte, auf die beiden Tasse abzuwarten. Ich wartete ab am Donnerstagabend, bis die beiden Tassen kalt wurden. Dann merkte ich, dass der klare und ungefällige immer noch selbst treu bleibt, während der subtile weiche schöne bereits trüb und verändert. Schon wieder ein Seufz. „Für einen Teehändler müssen wir diesen Tee kaufen, der klar, stabil und solide ist.“ Dieser Tee muss die Witterung und Lagerung in Shui Tang (kontrollierbar) und in dem privaten Haus (unberechenbar) überstehen, muss die Zeit und Raum überwinden. Nur ein in sich geruhter Tee kann unseren Ruf als ein Fachgeschäft wahren.

Wenn die Strasse nur nach links kurvt, aber Du willst und planst nach rechts. Was passiert?

Eine Katastrophe.

Seit 2001 arbeite ich als Teehändler, zuerst als Hobby, nun als eine Profession. Wie oft muss ich meine frühere „Fehler“ sehen und gestehen, wenn ich meine Lager aufräume und anschaue. Inzwischen habe ich einen Tee-Weg gefunden, mich weiter entwickelt. War ich früher falsch und heute richtig? Bin ich heute richtig und dann morgen?

Gestern war ich tief beeindruckt von dem Film Guru über Osho. Ein wunderbarer Film, der mir klar macht, wie die Dynamik der Gruppe einen verwirrt und selbst darin verlieren kann, wie Menschen in der Masse manipulierbar werden und wie das dualistische Denken von Richtig und Falsch, von Gestern und heute und von Dir und mir uns verhindert, natürlich zu bleiben. Wenn die Strasse nur nach links kurvt, dann gehe ich mit. Was ich plante, war weder richtig noch falsch, was ich wollte, war weder gut noch schlecht, was nun geschieht, ist weder schön noch hässlich. Was geschah, ist geschehen. Wenn der Weg kurvt – ich gehe einfach die Kurve entlang.

Frühlingsernte aus China

Frühlingsernte aus China

Recht spät kamen die ersehnten Teemuster aus China an. Christoph hat sehr viel Glück, gleich bei der Degustation dabei zu sein. Er wollte in Zürich seinen Traum, ein Cafe zu eröffnen und lernt nun fleissig bei Shui Tang Tee.

Eingestroffenen Muster waren Yinzhen Baihao, Emei Maofeng, Nanyue Maofeng, Longjing Meijiawu, Baimudan etc. Bereits degustiert am letzten Freitag waren Tie Guanyin, Dianhong Needle, Anji Baicha, Junshan Yinzhen etc.

Swiss Wedding in Shui Tang

Swiss Wedding in Shui Tang

An einem regnerischen Tag war Shui Tang der ideale Ort für Schöne Fotos von schöner Welt.

Swiss Wedding macht Shui Tang zu dem besten Kulissen für Wedding-Style.

Das Opiumbett wurde verwandelt zu Orten verträumten Momente. Das harte Tatami samt dem paradiesischen Papier-Sudare (Vorhang) wurde zu romantischen Liege. Oft lachten wir über die schönen Szene von perfekten Handlung, wie z. B. das Model in schulterfreiem Kleid sehnsüchtig dem zwarten frischen blühenden Päonie anblickte. Das Ausschnitt mit dem makellosen freien Schulter und die zwarten erotischen Blüte bilden die besten Komponente eines Bildes. Aber „Das Kleid! Das Kleid musste auch noch darauf!“

Das Crew sagte mir, der Tag in Shui Tang war wie in Ferien. Einfach in einer anderen Welt. 

Für mich war es ein lustiges Erlebnis, hinter dem Kulissen zu schauen. Für die paar Fotos waren paar Stunde harte Arbeit!

Nun freue ich mich genau so wie die Redaktion auf die viele schöne Fotos aus Shui Tang!

ps.

Danke an Hannes, der rechtzeitig drei prächtigen Päonie mitbrachte!

Diese schönen Fotos in Shui Tang werden in nächsten Ausgabe von Swiss Wedding veröffentlicht.

Vorraussetzungen für ein Teegeschäft in Zürich

Sehr lustig fand ich, als die junge Chinesin in Shui Tang auftauchte.

Hungrig und müde war ich als sie kam, denn ich bereits mehrere Gäste bewirtete. Bevor Men auftauchte, musste ich unbedingt etwas essen! Sie fragte, ob sie mir paar Fragen stellen konnte, da eine gute Freundin von ihr auch ein Teegeschäft in Zürich aufmachen will.

Mich um Rat zu bitten, wenn man in Zürich ein Teegeschäft aufmachen will! Was für eine Ehre?

Tatsächlich wußte ich in jenem Moment nicht, ob ich lachen sollte oder den Kopf schütteln sollte. Ich bemühte mich, gute Auskunft zu geben. Eine Chinesin, die seit 20 Jahren in der Schweiz lebt, eine leidenschaftliche Teetrinkerin ist, möchte gerne so ein Geschäft eröffnen wie Shui Tang und im Zentrum Zürichs.

Die Teeliebhaber in Zürich haben nun wirklich Glück, immer mehr Teehäuser erleben zu können! Wie wäre es, wenn Teehäuser so populär werden wie Cafes? Dann wird die Stellung des Tees wohl auch aufgehoben wie die von Kaffee oder Wein! Eigentlich eine tolle Sache.

Was waren dann meine Ratschläger?

Ich versuchte ihr sehr ehrlich zu sagen, dass man mindestens 150,000 CHF hinblättern muss für den gesamten Auftritt des Ladens, oder man hat einen unglaublich guten Geschmack und kann alles selbst gestalten und hat unednlich viel Energie alles selbst zu machen. Wie so nicht?

Dann noch einmal 100,000 CHF für das erste halbe Jahr ausgeben, um gut über die Runde zu kommen. Also, ein gutes finanzielles Basis sollte man tatsächlich haben. (Ich erzähle kein Witz: die Made-in Switzerland-Visitenkarte von Shui Tang kostet pro Stück 1,2 CHF)

Also ein sehr gutes Business-Plan schreiben.

In Shui Tang kommen viele begeisterte Modeschöpfer und Leute aus Mode-Branchen. Ich unterhalte mich sehr gerne mit diesen Menschen aus der anderen Welt. Von ihnen lerne ich die Welt anders zu sehen. Da Shui Tang ein kleines Diaspora für Schlitzaugen ist, kommen auch viele mutige Frauen zu mir und fragen wie man hier ein Geschäft für Mode eröffnen kann. Meine Mode-Profi-Klienten hörten solche Storys von mir und lachten. Sie sagten mir, wenn ein Geschäft in Zürich überlebt, dann überlebt es überall. Das Publikum hier ist unglaublich anspruchsvoll. Das Publikum hier erlaubt nichts Halbherziges, kein Halbwissen und keine Bastelei!

So erzählte ich auch der jungen Chinesin. Es ist hart, in Zürich behaupten zu wollen. Nur Leidenschaft für Tee reicht nicht. Professionalität ist das Wichtigste! Versteht sie Tee?

Ich rate ihr die Professionalität als eine Teehändlerin richtig auszubauen.

Am besten mit einem sehr guten Sprachvermögen.

Dann viel Mut, viel Glück und vor allem Ausdauer!

Wenn Menglin es schon schafft bis heute zu überleben, warum nicht Du? Es ist für viele Chinesen sehr ermutigend, Shui Tang an der Spiegelgasse zu sehen. Das bedeutet, auch sie können es schaffen und noch besser!

Ach, und sie wollte noch unbedingt wissen, wie ich Tee importiere. Ich rate ihr selbst bei den Ämter von Eidgenossen zu fragen. Meine Worte zählen in diesem Fall gar nicht!

Es geschehen lassen

Die schwierigste Aufgabe in Shui Tang ist Kundinnen über Teatoys zu beraten. Die meisten Damen in diesem Land lieben weiss und wollen alles in einem Set haben!

Ein Set!

Was heisst ein Set? Eigentlich von Vorhang bis zum Sofa, von Tisch bis zu Schuhen und von Teller bis zur Teekanne! Wo steht der Mensch? Der Mensch steht immer in Augen des anderen…

„Wissen Sie, wenn ich nicht weiss kaufen würde, dann muss ich meine ganze Einrichtung komplett neu kaufen!“ Dieses Argument höre ich immer wieder und ich bleibe dabei relative cool…. Was hätte ich denn sagen sollen?

Was heisst Stil? Was heisst das ästhetische Vermögen….?

Es war eine Dame, die kam zu Shui Tang und wollte eine Lack-Tablett aus Tokyo kaufen. Der Preis schockte sie und der Stil irritierte sie. Trotzdem war sie begeistert von der Exotik und fragte mich, ob ihre grüne Teekanne auf diesem Tablett stehen kann. „Warum nicht?“ „Aber die Farbe…?“ „Wissen Sie, in der Ästhetik des Tees wird die Farbe, Stil und Material nie bei einem Tee wiederholt. Man wiederholt nicht bei einem Tee das gleiche Material, den gleichen Artist und den gleichen Stil. Brüche muss es geben.“ Sie schüttelte ihren Kopf. Eine schöne grüne Teekanne aus Yingge gefielt ihr sehr gut. Diese Celadon-Kanne traf an diesem Tag ganz frisch ein. Sie war sehr unsicher. Sie sagte, in der Schweiz sei man anders. Sie wollte mit ihrem Architekt kommen und er sollte ihr das O.K. geben. Ich war einverstanden – es war mir gleich.

Der junge Architekt war begeistert und sagte ihr, „Alles. Kaufe alles.“ Natürlich tat die Dame nicht und sie kaufte das Tablett. Die Kanne? „An diesen Tag als Sie da waren, hat eine junge Dame sie gleich gekauft.“ Sie war zwar geschockt, aber nicht zu schlimm. Tage später kam sie wieder.

„Ich suche etwas für das Tablett. Etwas für Schokolade oder Apero.“ Eine Schale? Sie nickte. Wir schauten verschiedene Dinge an. Sie zweifelte immer wieder an das Material, an die Farbe und an die Form. „Passt das überhaupt zusammen?“ sie stellte immer wieder die gleiche Frage. Ich sagte immer wieder ja ja. Sie schüttelte immer wieder ihren Kopf und wiederholte den Satz, „In der Schweiz sind wir anders.“

Warum denkt man dauernd, ob alles nicht zusammen passt? Mit welchen Augen betrachtet man die Dinge, die einem gefallen? Mit seinen eigenen oder mit jemanden anders? Ich kenne das Spiel sehr gut, denn ich zweifele auch immer an meinen Stil! (Habe ich einen?) Ich habe immer Zweifel an Kleider und Farbe. Am Ende kleide ich nur sehr konservative ein und kaufe immer bei dem gleichen Geschäft. Das Modische (das im Hier und Jetzt getragen werden soll) traue ich mir nie zu tragen. Also ich trage nie Dinge im Hier und Jetzt, sondern irgendwo. Einfach meine Art. Was die anderen so hoch halten, halte ich mich fern!

Was ist denn daran so schlimm, wenn man nicht gestylt ist? Oder wenn man einen unangepassten Stil hat? Was ist denn daran so schlimm, wenn man keinen Stil zeigt? Ist es ein Stil, nein — ein Style eine Vorraussetzung als ein „akzeptierter“ Mensch zu sein?

„Versuchen Sie einfach, das zu kombinieren, was für Sie schön und stimmt. Was die anderen sagen, ist es doch egal! Das Ästhetische ist in dem Kombinieren von Brüche!“

Die Dame blieb unsicher und wollte wieder mit ihrem Berater kommen.

Leider war ich nicht da, als sie mit dem Berater kam. Carola war da und die Schale, die sie sehnsüchtig kaufen wollte, waren allerdings nicht mehr da.

Carola erzählte mir von ihrem geschockten Gesicht. Die Dame konnte nicht glauben, weshalb sie immer die Dinge verpassen, was ihr eigentlich doch recht gefielen! Sie schrieb ihre Telefonnummer auf und ich sollte sie zurückrufen.

Ach, was könnte ich für sie tun? Beziehungsweise – das bringt doch nichts. Wenn man nicht im Hier und Jetzt lebt, wenn man immer in Augen des anderen lebt, wenn man nicht im richtigen Moment spontan entscheiden kann, verpasst man immer die Dinge, die einfach einmalig sind! Es tut mir zwar leid, aber was hätte ich machen sollen?

Man kann nicht alles kontrollieren, um anderen Menschen zu gefallen.

Es geschieht so, wie es sein sollte.

Es blüht Magnolien

Ich wurde vor paar Wochen krank. Eine seltene Krankheit in meinem hohen Alter. Eigentlich bekommt man Windpocken als Kind. Ich bekam es einmal als Kind in Taiwan. Später einmal als eine junge Studentin in Deutschland. Nun wieder das dritte Mal als frische Immigrantin in der Schweiz. Ein seltender Fall, sagte Medizinerin Heike. Ich stimmte zu.

Mit dem Jucken hatte ich im Griff. Aber mit meiner eigenen Eitelkeit nicht. Ich litt und leide unter dem schlimmen Gesicht. Ein Jammer.

Alle sagen mir, „Menglin, paaae auf! Du gibst zu viel.“

Das stimmt vielleicht. Aber bekomme ich wohl nicht zurück?

Was es den anderen Menschen angeht, geht es mir nicht an. Es ist allerdings meine eigene Aufgabe, auf mich selbst aufzupassen. Es ist mein Leben. Ich kann Menschen nur so nehmen, so wie sie sind und versuche sie und mich nicht zu verurteilen.

Es ist klar, man gibt sehr viel Energie für das Geschäft. Man setzt alles ein für die Klienten. Man gibt bevor man überhaupt etwas zurück erhalten kann.

In der Tat bekomme ich sehr viel von den Menschen, die zu Shui Tang kommen! Von Walter erhielt ich gestern wieder wunderschöne Tulpen! Sie lächeln nun am Schaufenster den Passanten an. Und von A. J. bekam ich eine wunderschöne Karte von blühenden Magnolien. Am einen ruhigen Mittag des Vorfrühlings trank er seinen Qilan Dancong und unser Gespräch wurde sentimentaler als wir von unserem Fremdsein sprachen. Fremd in seinem eigenen Land, fremd in einem fremden Land. Er schrieb mir ein Gedicht. Er sagte, meine Tränen waren ein Geschenk und inspirierte ihn:

Ein herzliches Lachen erhellt

die ganze Welt

und es sind

auf dem ganzen Erdreich

die Tränen gleich.

Es erkennt im weinen

der Mensch die Seinen.

Shui Tang sei nicht nur Liquid Delicacies, sondern – Liquid Pearls.